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Ben Chananja · 1865-06-28 · 26 (28.6.1865) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
26 (28.6.1865)
Date
1865-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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443 444 Adresse vor, welche er mit Wohlwollen anhörte, und die er nach seiner großen Erfahrung mit folgenden Worten brautwortete: ״Diese Dorurtheile werden vor dem Lichte verschwinden, welches die Zivilisation bringt, wie tropfenweise herabfallendes Wasser endlich in den härtesten Stein dringt." Später behauptete ich auf der Tribüne, daß man den Dertrag von 1827 nicht versteht, und daß eS die Aufgabe unserer Regierung ist, für unser Recht selbst mit den Waffen einzustrhrn. Endlich hebt die Schwei) die beklagenSwerthen Bestimmungen auf. Gegenwärtig hat das Prinzip gesiegt: dies sind große vollendete Thatsachen, mächtige Dorurtheile sind gcstürjt. Noch ein Wort, daß Sie nicht betrüben wird: machen wir unS unserer neuen Stellung würdig. Sekt wann sind wir, was wir heute sind? Ich spreche nicht von 89; aber in welcher Stellung lebten wir noch vor kaum dreißig Jahren? Beweisen wir, daß wir unsere Pflichten zu erfüllen wissen und verstehen; beweisen wir durch alle Eigenschaften, was wir sind. Zeigen wir durch die Uebung von Tugenden, daß wir gute Bürger sind. Juden! schreitet kühn vorwärts! Schreitet fort an der Spitze der Zivilisation, die Ersten durch Uebung der Tugend, die Ersten durch Euer gutes Beispiel (Beifall)! Ja, Ihr wollet, daß Euere Kinder die schönen Bahnen durchlaufen, die ihnen frühec verschlossen waren? Wohlan, dieselben stehen ihnen offen. Mögen sie auf denselben durch den Impuls keS Bewunderung erregenden jüdischen Genies mit Begeisterung fortschreiten, damit sie des eigenthümlichen DluteS würdig seien, dessen Tugend niemals in Abrede gestellt wurde; damit sie bethatigen, waS sie leisten können. Aber die Alliance will nicht nur Juden bilden. Sie will die Zivilisation durch Schulen verbreiten, sie will dieselbe durch alle Mittel verbreiten, die ihr zu Gebote stehen. Ihr Wahlspruch ist: Mache die Menschen sittlich und erhebe sie Alle zu einer gleichen Stufe in der Welt! Sie will nicht, daß die Verschiedenheit der Gott eöverehrung auch eine Verschiedenheit im Rechte begründe; denn wenn Gott alle Religionen duldet, so dürfen die Menschen keine geringere Duldsamkeit an den Tag legen. (Man applaudirt.) Sehet, waS der Ewige gethan hat. Vor mehr denn vier tausend Jahren hat er 600,000 Individuen gewählt und auö Aegypten geführt und zu denselben gesprochen: ״Du wirst mein Volk, ich dein Gott sein, du wirst dich ver, mehren und nur einen einzigen Gott anbeten." Der Vertrag wurde gehalten. Israel vergrößertsich und wurde die Quelle dreier großer Religionen. Aber die Religionen haben sich mit den Waffen in der Hand begründet und erhalten, und der KatholiziSm hat durch eine lange Reihe von Jahren deo Protestanten den Krieg erklärt. Wie viele Schlachten wurden gelresrrt, wie viel Blut vergossen! Und das über den ganzen Erdball zerstreute jüdische Volk — wie vielen Verfolgungen war eS auSgesetzt, wie viele Tode mußte eS erdulden! Entsagend und erhaben in seinem Glauben, in seiner Treue ge, gen Gott, hat eS alles dieS überdauert r eS lebt. WaS sag' ich? In dem Augenblicke, wo ich spreche, ist eS so vermehrt, daß eS niemals zahlreicher vorhanden war. Sie erinnern sich, m. H., an den Abbö Gregoire, den ehrwürdigen Bischof, dessen Stimme sich zuerst zu Gunsten der Judeu erhob. Dieser verehrte Greis, den ich iu seinen letzt.» Lebensjahr,a zu kennen und zu lieben das Glück hatte, den ich vor dem StatSrathe zu vertheidigeu so glücklich war, den ich voll Wehmuth zu seiner letzten Wohnung begleitete, und an dessen Grabe ich der ganzen Dankbarkeit der Juden Wort und Ausdruck gab (Beifall), — Grägoire sagte mir: ״Die Rath, schlüsse GotteS sind nicht unterbrochen. Wissen Sie, daß die Juden jetzt zahlreicher sind, als in den Zeiten Davids und SalomoS? Dieselben zählen auf Erden mehr als sechs Millionen." Sechs Millionen! Dies ist die Ziffer des Volkes GotteS. Die Religion, die sich auf die unsrige Propste, die sich bildete, indem sie auS dem Schoße jener hervorging, der KatholiziSm und der ProtestantiSm, haben 200 Millionen Anhänger. WaS sind aber diese 200 Millionen in der uuermeßlichen Fluth von Erdbewohnern, welche sich zu anderen Religionen bekennen? Allein eS ist ein Gott; seine Wege sind unerforschlich; warten wir also die Zukunft ab. Indem wir warten, wollen wir Alle als Kinder Eines GotteS einig sein. Wir Inden sind die Alten; wir haben An» sprach auf Achtung. In Frankreich und in anderen Ländern sind wir gleichgestellt; erwarten wir ein Gleiches für unsere, übrigen Brüder .... Haben wir nicht Alle denselben Ursprung? — Juden, Katholiken, Protestanten, selbst Mohamedaner, haben wir nicht Alle denselben Gott zum Vater? Ist daS heilige Buch der Juden nicht die Bibel, die in manchen Stücken mit der Schöpfung gleichzeitig ist? Einige.Verse dieser Bibel kann man wol arrangiren, aber unmöglich ist eö, ihre wunderbare Einheit zu vernichten. Wir sind der Stamm; sie sind die Aeste. Möge man sich also entschließen, die Gedanken an Unterscheidung und Trennung fallen zu lassen. Wir sollten der Welt, die unS besser kennen lernt, daö bessere Beispiel geben. Wir sollten unS als die besten Bürger, als die besten Brüder bewähren. Jüdische Frauen, bleibet daS Vorbild der Familientugenden. Erziehet Eure Kinder mit Eurem Beispiele; erhaltet in der Folge unter Eurem sanften Schutze di: Schulen, wo daS neue Geschlecht gebildet wird. Und wir, m. H., wollen unfern Brüdern von allen Kulten die Hand reichen, damit sie von ihrer Seite sagen sollen: ״Hier ist unsere Hand, gebet unS die Eurige; dieselben sind würdig, daß eine von der andern gedrückt werde." (Ein Beifallssturm folgt dieser Rede.) Schiller Md da5 jüdische Merlljum. (Siut Parallele von H. Zirndorf. (Sigtntbümlich ist dit Wanderung der Iber in dtr Geschichte dt« Grifts«. Wer sich in den schrisilichtn Denkmälern dtr Vorzeit ein wenig umgrsrhru und ihren Inhalt mit drn Aussprüchen ve« dichtenden Genin« in späteren Wrltaltern. ja in d.c jüngflen Literaiur-lSpocke verglichen hat, dem muß e« ausgesalle» sein, wie wenig Originalität in den Blät» fern und Weisen gerade der schönsten und reichsten Kunst angetroffen wird. Der Ausspruch Kvhrlei«: ״t« gib» nicht« Neue« unter der Sonne", erweist sich nirgend« wahrer und zutreffender, al« in Beziehung auf die trockenen Gedankenresultaie der Poesie. Man wag

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