Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 26 (28.6.1865)
- Date
- 1865-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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441 za vernichten. Wollet Ihr noch ein Weib kennen lernen, die Euch retten wird? ES ist Esther, die schön ist, wie Rebekka, und sanft wie Rachel, und die von Gott begeistert wird. Betrachtet sie nur. Erschreckt von dem Gedanken an die Pflicht, die sie erfüllen soll, zittert sie; die Pflicht erfüllt sie aber dennoch, Mardechai hat eS ihr befohlen. Der erbärmliche Haman erhält von AhaSveroS die Vollmacht, die Juden in allen 127 Provinzen deS Reiches der Vernichtung preiSzugeben; alle Provinzen sollten vom Blute der Hebräer befleckt werden. Gott will die Ausführung dieses Projektes nicht zugeben. Er hatte schon früher im Herzen deS Königs den Wunsch entstehen lassen, daß die Königin Vasti bei der Tafel, an welcher die Großen seines Reiches saßen, erscheine. Sie weigerte sich, zu erscheinen, nnd sie wird verstoßen. An ihrer Stelle wird die Bescheidenheit nnd Reinheit vor AhaSveroS erscheinen. Er empfindet für Esther die glühendste Liebe. Sie entschließt sich, bei diesem orientalischen Fürsten für ihre Brüder einzustehen; allein erscheint sie bittend vor ihm. Sie dringt durch, bald verschwindet Haman, und die Juden sind auS der Gefahr gezogen; denn nichts kann daö Verschwiuden der Juden von der Erde bewirken. DaS Volk GottcS wird niemals von der Erde verschwinden. Betrachten wir nun die jüdischen Frauen in unserer Gesellschaft, so müssen wir unö fragen, ob wir denselben in unserer Zeit nicht den ganzen Einfluß einräumen sollen, der ihnen gebührt; ob sie unö nicht beistehen sollen, daö schöne Geschick zu erreichen, daö unö erwartet. Wir sind in unserm thcuern Frankreich im Besitze aller unserer Rechte, und Gott »volle, daß wir stets einen edlen Gebrauch davon machen sollen. Also gut. Wenn Ihr wollet, daß die Männer ehrenwcrth und rein dastehen sollen, hebet die Frauen, saget ihnen AlleS, waS wir von ihnen erwarten, lasset unS huldigen ihrer Intelligenz und ihrer häuslichen Tugend. Die Mutter! Begreisen Sie meine Herren, den ganzen Reichthnm von Gefühlen, die ein Mutterherz birgt? Wir lieben unsere Kinder, unser väterliches Herz lebt ganz in ihnen. Aber daö Weib trägt ihr Kind neun Monate in ihrem Schoße, und mit welcher Aengstlichkeit thut sie dies! Betrachtet sie in den schrecklichen Schmerzen der Geburt: daS neugeborne Kind stoßt den ersten Schrei aus; die Matter begleitet cS mit ihrem ersten Lächeln (Lebhafter Beifall.) Achtzehn Jahre werden verstreichen, während welcher sie für nichts Augen' hat, als für die so theure Frucht der Liebe ihres Gatten. DaS junge Mädchen pflegt und beschützt ihren jünger» Bruder; nachdem eö Weib geworden, muß eS für ihren Gatten so oft Sorge tragen, als sich daS Dcdürfuiß darnach fühlbar machen wirb. Und Sie wissen, daß cS sich oft fühlbar macht. Also gut. Wir, die wir unseren Schwestern, unseren Gatlinnen, unfern Müttern Alles verdanken, dürfen unS nicht scheuen, denselben unser ganzes Vertrauen zu schenken, und sic zu nnS emporzuheben. Sehen Sie, wie der Arbeiter, erschöpft von zehnstündiger Arbeit, Abends ״ach Hause kömmt: * sein Weib hat während deS TageS ebenfalls gearbeitet; j aber sie emvsängt ihren Gatten und seine Müdigkeit ist vert schwnudrn. Hier in daS Abenkbrod, daihn erwartet; hier j sind seine Kinder, die er ans seinen Knieen wiegt. Unk eS \ 442 ist die Mutter, die sie erzieht, die sie die Liebe zur Pflicht, erfüllung lehren wird. Dies, meine Herren, sind die Grundsätze der jüdische» Religion, von denen daS Weib so sehr dnrchdrungea ist. Frankreich fühlt sich glücklich, daß eS Johanna d'Arc und Johanna Hachette feisrt. Betrachte« Sie, lvaS wir besitze» und fragen Sie sich , ob die Aclteren Ursache haben, die Jüngeren zu beneiden. Gestatten Sie mir nun, Ihnen über den Bericht, de» Ihnen soeben der Sekretär vorgelesen hat, einige Worte zu sagen. Wir gehen in großen Schritten vorwärts; die Alliance wird in Wahrheit eine moralische Macht, die stärker ist, alS daS Schwert, alS die brutale Gewalt. Ich rede nicht nur von den vollendeten Arbeiten, sondern ich rede von der Zu. nähme der jüdischen Bevölkerung in den Ländern, wo sie bisher nicht geduldet war. Wenn der Jude sich erhebt, erhebt er sich ganz. Er bleibt nicht stehen. Er sagt sich: Ich muß schneller gehen, als die Anderen, um die Zeit zu ersetzen, wo man mich vernichten wollte. Wir hatten im abgelaufenen Jahre auswärts viele Verfolgungen. Durch die Vorstellungen deS Zentral-KomitLS, durch dessen Einschreiten bei den Regierungen, haben sich dieselben bedeutend vermindert. In Romanicn hat die Alliance zur Verminderung der Verfolgungen beigelragen, die daselbst unsere Brüder trafen, wie Ihnen soeben berichtet wurde. Der regierende Fürst hat nnS viel versprochen. Jetzt, wo daS Land ans konstitutionetter Bahn fortschreitet, werden wir Ihnen hoffentlich bald die erfreulichsten Nachrichten mltzutheilen haben. Sic wissen, waö sich in Marokko zutrug, und wie schön sich die Vertreter der verschiedenen europäischen Mächte daselbst benahmen. Danken wir denselben, m. H., in dieser feierlichen Versammlung. Vollziehen wir hier diesen Akt der Erkenntlichkeit (Lebhafter Beifall). Dort, wo dir Juden wie niedrige Heerben geschlagen werden, widerstehen sie mit unvergleichlichem Muthe. Sie rufen ihren Henker» zu: ״Ihr könnet nnS schlachten; wir sterben für unser» Gott, und wir bleiben auf eurem Boden, deu ihr mit unserem Blute beflecket. Der Ewige wird unö in unseren Nach« komme» wieder aufleben lassen." Aber iu unserm Jahrhundert bringt die Oeffentlichkeit Wunder hervor; und welch Wunder ist eS, zu sehen, daß die Vertreter der Mächte beim An« blicke einiger gefänglich eingezogencr Juden in Unruhe gerathen, nnd sich vereinigen, um eine energische Einsprache an den Sultan zu richten. Sie bilden ein Tribunal. Diese- ״igen, die in eine benachbarte Stadt geschickt worden waren, nm daselbst verdammt zu werden, werden in anständiger Weise entlassen, weil sie unschuldig waren. Spenden, ja spenden wir den Männern, die sich nm die Menschheit so verdient gemacht haven, unsere volle Anerkennung (Neuer Beifall). So erinnere ich mich auS der Zeit meine- BorsitzeS beim Zentralkonsistorium deS von naS Allen beklagte» Umstandes, daß die Schweizer unseren Brüdern nicht ge. statten wollten, sich in ihrer Mitte niederznlassen. Ich rief in Parieine große Versammlung zusammen. Ungefähr zwei hundert Israeliten erschienen wir vor Louis Ph'lipp', der keine religiöse» Vor,״,heile batte. Ich laS ihm eine