Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 26 (28.6.1865)
- Date
- 1865-06-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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439 gibt kS keine Familie, keine gesellschaftliche Organisation. Meine Herren, was würde ohne Weib auS unö werden? (Man lacht und appkaubirt.) Nehmen wir also die Bibel zur Hand und sehen wir, waS daS Weib in unserer Geschichte war. Nach dem unermeßlichen Anöruse: eS werde Licht! ließ Gott daS liebliche Wort vernehmen: eS ist nicht gut, daß der Mensch allein sei! Allein war der Mensch genau genommen nicht. In den sechs Tagen, welche Gott zur Vollziehung des großen SchöpfungSwerkeS angemessen gefunden hatte, waren von ihm all die Reichthümer auf Erden anSgestreut worden, zu deren König er den Menschen eingesetzt hat, all die ungehenrcn Wunder, welche sich in dem von Gott bestimmten Augenblicke über daö ganze Weltall verbreiten und vervielfältigen sollten; aber eS fehlte der Schöpfung das letzte, entzückende Geschöpf: dem Manne fehlte daö Weib. Und Gott ließ den Menschen sanft einschlafen, und in seinem Schlafe nahm er ihm eine seiner Nippen, um daö Weib daraus zu bilden. Ein rührender und wunderbarer Gedanke! Mann und Weib ergänzen sich gegenseitig; sie bilden nur ein einziges Ganzes. DaS Weib, — es ist unser eigenes Selbst; eS ist in der Gleichheit mit unö geschaffen, wie könnten wir wollen, daß eS unS untergeordnet sei? ES ist unsere Gefährtin, unsere Freundin. (Man applaudirt.) Verfolgen wir nun den weiteren Gang unserer Geschichte. Wir befinden unö auf der Erde, wir schreiten vorwärts. In den ältesten Zeiten, als Gott einen Menschen NameuS Abraham auSerwähltc, der der Gründer dreier großer Völker werden sollte, gab er demselben Sara zum Weibe. Die!e lächelt, als sie, neunzig Jahre alt, von einem sie besuchenden Engel vernimmt, sie w׳׳rde einen Sohn gebären, dessen Nachkommen so zahlreich sein werden, wie der Sand am Meere. Dieser Sohn ehelicht die Rebekka, deren Name daS Sinnbild der Reinheit und Schamhaftigkeit wurde. Sc- Heu Sie diese liebliche Jungfrau, welche dem Eliczer auö ihrem Kruge daS reine Wasser reicht, um dessen ermüdete Glieder zu erfrischen? Sie wird einst den väterlichen Segen, welchen der ältere Sohn empfangen sollte, auf daS Haupt Jakobö, ihrejünger» SohneS, leiten: sie wird dem Jakob die Herrschaft sichern, indem sie demselben den Vorrang vor Esau verschafft. Und Jakob wird die Rachel zur Gattin haben. Gibt eS etwas Entzückenderes, als diese Liebe Jakobö, der zu Rachelö Füßen sitzt? Um Rachel zu ehelichen, muß ׳Jakob vierzehn Jahre warten, und er u»u5 warten. Wie schön ist cü, vierzehn Jahre zu warten, um sich dann zu verehelichen. (Man lacht.) Die Ehe Jakobs mit Rachel wird Gott mit zwei Kindern segnen, welche die Tugend auf dieser Erde vertreten werde». Der eine, Benjamin, ist das treuherzige und lautere Kind, welches der Trost seines alten DaterS sein wird; der andere ist Josef, dieser edle und gehobene Charakter, welcher seine Brüder retten und ihnen verzeihen wird. Rebekka, Rachel, — zwei typische Figuren, welcher sich die Poesie bemächtigte, und die bis auf den heutigen Tag der Welt die lieblichsten Bilder darbielen. Gehen wir weiter. 440 ES gefiel Gott, sich in der Mitte einer großen Nation eia kleines Volk zu erwählen. Die Söhne der Patriarchen sind Sklaven, der Verrichtung der niedrigsten Arbeiten Preisgegeben, verachtet und mit Füßen getreten; sie werden eine unflerbliche Nation werden. Die Große dieser Race liegt in den Rathschlüsscn GotteS. Gott führt diese Menschen aus Aegypten, dessen König sie verfolgt, und am ersten Tage seiner Eristenz offenbart er sich demselben durch daö Wunder am rothen Meere. MoseS und die Frauen Israels stimmen nnn jenes erhabene Lied an, jenes vortreffliche Werk, jenes Muster, welches niemals eine Literatur übertraf; hatten aber die Frauen Israels nicht ihre Rolle in dieser schönen Epopee? MoseS hat kaum geendet, und siche, schon erhebt sich Mirjam, Mirjam die Prosetin, die Schwester MoseS und AaronS. Sie nimmt die Pauke, und rnst begeistert an der Spitze ihrer Freundinnen: ״Singet dem Ewigen, daß er hoch sich erhobcn: Roß und Neii-r Hai er gcstürzet ins Meer!" Wir gehen weiter in der Geschichte, die sich vor unseren Angen entrollt. Wir versetzen nnS ln die Epoche der Richter. Ein Kanaanitischcr König unterdrückt die Inden, welche den Glauden verlassen hatten. Da erscheint eine Profetin: Debora, und durch ihren Mund wendet sich Gott an Barak und läßt ihm sagen: Erhebe dich und ziehe hin, nimm mit dir zehn tausend Mann a»S de» Stämmen Nafthali und Zebulon, und vernichte diesen Feind. Barak ist ein tapferer Mann, aber Debora ist eine große Frau. Barak sagt: ״Wenn km! mit mir ziehest, will ich ziehen, wo nicht, will ich nicht J ziehen." Sie antwortet: ״Ich will wol mit dir ziehen, aber der Preis wird nicht dein sein ans dem Wege, den dn zie- I hest, sondern in cincö WeibeS Hand wird der Ewige den; Feind liefern." Der General Sißera, der besiegt werden! sollte, war ein ruchloser Mensch, ein Uebelthätcr, ein Tiger, ein M.f unserer Zeit (Lebhafte Sensation.) Man! rückt inö Feld, und seine Armee wird vernichtet. Alle gehen! zn Grunde, Alle; nur Einer entkommt: dieser Eine ist Sißera j selbst, der die Flucht ergriffen hatte, denn die Schlechtesten! sind die Feigsten. Ermattet von der Anstrengung kömmt er j zu der Hütte Jaölö. ״Rette mich" , ruft er. ״Trete ein", sagt sie, ״mein ganzes HauS gehört dir." — ״Ich habe l Durst, meine Brust ist brennend." — ״Nimm, hier hast du I Milch." — ״Die Mattigkeit drückt mich zu Boden." — ״Siche, hier ist ein Bett, lege dich nieder." — Der General entschläft; er träumt von Sieg und schwimmt in Blut. DaS große Weib ergreift einen Nagel und einen Hammer, setzt den Nagel an die Stirne, deö Erbärmlichen, schlägt darauf, und er stirbt. Betrachte» Sic hier zwei Weiber neben zwei Männern: Debora neben Barak, Jaöl neben Sißera. Gott hat dem Weibe die Ueberlegenheit verleihen wollen. Einst!oollte man die jüdische Bevölkerung dczimiren; eS ist wieder ein Weib, die unS rettet. O wir haben viele große Frauen in unserer Geschichte. (Beifall.) Betrachten Eie dieses Bild, welchedie Judith und den Holofernes darstrllt. Wir bewundern den Hclkenmuth dieses WeibeS, welches den Entschluß faßte, das Nngehener anzugreifen und