Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 25 (20.6.1865)
- Date
- 1865-06-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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419 420 geschah dies niemals. Die Flüssigkeit der jüdischen Sitte liegt hier so klar vor Augen, doß nicht einmal kritischer Geist dazu gehört, sich davon zu überzeugen. Die Freunde der Gassentrauung berufen sich auf R. MoseS JfferlS, der die Sternensymbolik erwähnt. (Eben ha- Ezer 61, 1.) An daS Alberne dieser Symbolik erinnerten wir bereits. R. MoseS ZsserlS gibt aber selbst zu, daß eS in Betreff der Chuppah nicht immer beim Alten blieb! Seine Worte lauten: ״Manche behaupten, daß man unter Chuppah die Heimführung der Brau! in das HauS des Bräutigams verstehe. '*) Andere meinen, Chuppah sei nichts Anderes, alö die Bedeckung des Brautpaares mit einem Tuche, während welcher die Denediktionen rezitirt werden. ״) Nach einer dritten Meinung ist die Chuppah einer Jungfrau vollzogen, sobald dieselbe am Hochzeittag verschleiert das väterliche HauS verläßt'^), die einer Witwe hingegen, sobald sie ihrem Galten ein tete a tote gegönnt hat. Nach dem jetzt (ע־ש2ן) herrschenden Gebrauche nennt man Chuppah den Ort, wohin ein an Stangen angebrachter Teppich gebracht wird, unter welchen das Brautpaar zum Behufe der Kopulation und der Denediktionen geführt wird, worauf man sie.nach Hause führt, wo sie an einem, Anderen nnzngänglichen Orte löte a tote speisen. Diese Chuppah ist jetzt üblich." Offenbar werben hier von R. Moses zwei verschiedene Momente zusammengezogen: daö, was man bereits zu seiner Zeit Chuppa nannte, oder den Tranakt mit den Benediktionen unter dem Trauhimmel, und das, waS der Chuppah der talmudischcn Zeit nahe kommt, oder daS Zusammenspeisen ohne Zeugen. Letzteres ist in manchen Gegenden UngarnS bis aus den heutigen Tag üblich; in größeren Städten denkt Niemand mehr daran, und der Orthodoreste hält die Ehe für vollkommen geschloffen, sobald die Kopulation vollzogen ist. Hat nun R. MoseS im 16. Jahrhundert die Chuppah seines Landes aus zwei Elementen, auö einem älter« und einem jünger», zusammengesetzt gefunden, so wird man sich nicht darüber wundern, daß man im darauffolgenden Jahr- Hunderte, in welchem sich überhaupt die Observanzen vermehrten nnd konsolidirtcn, noch ein drittes Element hervorsuchte, um auch der Anschauung Genüge zu leisten, nach welcher die Chuppah durch den Schleier dargestellt wirb, in welchem die Braut daS väterliche HauS verläßt. a0) Letz« tereS ist bei der Verschleierung der Braut daS wesentliche Moment. Wo sich also die Sitte des VerschleieroS erhalten hat, geschieht dasselbe im väterlichen Hause, wie eS im Alterthume geschah. In Pest wirb seit einigen Jahren das Bedecken» in der Svnagoge vorgenommen, wofür sich weder ein geschichtlicher, noch em religiöser Beweggrund anfüh, ren läßt. Wir können unseren Lesern keine Auskunft darüber ge- Heu, ob die Trauungen in der Synagoge in Deutschland seit dem 15. Jahrhundert fortwähreud üblich geblieben find. ") S. ebtu Nom. 2. |T) E. eben Anw. 3. ״) Der Rachw. au« Teß. f. oben »am. 3. •ף Eben ha.vzee 55. 1. und dir Gloffatorra das. S. d. «uw. und «um. S. So viel Ist gewiß, daß die Orthodorke gegen diese Usance im Hamburger und später im Wiener Tempel keine Ein- Wendung machte. Erst als daS Wiener Beispiel 1832 in Proßnitz in Mähren Nachahmung fand, trat R. NehemiaS Trebitlch für das Herkommen in die Schranken, ohne daß eS ihm jedoch gelang, den damaligen Proßnitzer Rabbiner, Löw Schwab, zur Rückkehr zur alten PrariS zu bewegen. Die Freunde der Chuppah-Reform in Mähren beriefen sich zu jener Zeit auf eine Aeußerung R. MoseS JsserlS im Jore Dea 391, 3.. wo ausdrücklich von der Aufstellung der Chuppah in der Synagoge (חוסה שעושין בבית הכנסת) die Rede ist. Aron Chorin hatte schon in seinem 1829 erschienenen Abak Soser darauf aufmerksam gemacht. Die Minhagim deS Maharil waren in so Weniger Händen, daß die oben von uns übersetzte Stelle gar nicht in Betracht gezogen wurde. Der Einwurf der Orthodoren in Mähren, daß in der bezüglichen Jore-Dea-Stelle von einer mit Dachfenstern versehenen Synagoge die Rede ist, die den Aufblick zum Himmel gestattet (!), wäre dadurch wol beseitigt gewesen. Fasse! hielt es 1839 noch nicht für überflüssig, diesem Einwürfe entgegenzutrclen, wobei er N. Samuel Phöbuö zu Hilfe riesa'): eine Autorität, welche die ungarischen Orthodoren beachten sollten. Bisher ist dies jedoch nicht geschehen. R. MoseS Soser wurde über die in Rede stehende Frage von Gvöngvöö anS zu Rathe gezogen. In seinem Bescheide gibt er zu, daß die Stätte der öffentlichen Andacht besonderS zur Vornahme des Tranakteö geeignet sei. Auch räumte er ein, daß die Trauung ebemalS in Deutschland in der Svnagoge vollzogen wurde. Indem er aber einen Widerspruch in den Quellen entdeckt, der für eine gesunde Hermeneutik nicht vorhanden ist, kommt er gleichwol zu einem prohibitiven Resuitale (CH. Sos. zum E. ba-Ezer 1, 98). Einer seiner auserwählten Schüler, R. Maier Eisenstädter in Ungvar, schrieb, ohne von der Meinung seines Lehrers unterrichtet zu sein, zwei Gutachten über den vorliegenden Gegenstand. Merkwürdiger Weise waren ihm die angeführten kasuistischen Stellen, welche den ehemaligen deutschen Gebrauch der Synagogen-Trauungen als unzweifelhafte Thatsache konstatiren, gänzlich unbekannt, so daß er aus dem Talmud den Beweis zu führe» versucht, daß sich die Vornahme der Trauung in der Synagoge nicht mit der Heiligkeit der letzter« verträgt; doch ist er nickt abgeneigt, bei gemietheten Bctlokalen eine Ausnahme zuzulassen! (Jmre Esch Nr. 9. 10.) Eine sehr beachtenöwerthe Meinungsdivergenz! R. MoseS Soser, ein orthodorer Rabbiner vom schwersten Kaliber, findet eS theoretisch ganz in der Ordnung, daß die Synagoge der KopnlurionSort sei: שראוי לברכם זי״ן ברכות בה* קדוש בט׳ קבוע כתסלה! Et wäre auch in der PrariS für diese Gepflogenbeit, wenn sich dieselbe nicht auch in nichtjüdischen Kreisen eingebürgert hätte. R. Maier Eisenstädter, ebenfalls ein orthodorer Rabbiner vom schwersten Kaliber, bricht theoretisch den Stab über dieselbe Usance, indem er eine Entweihung der Synagoge darin erblickt! Noch weiter, als diese beiden Korifäeu der Orthodorie, geht Israel David, Rabbiner in *') Seiger« Zeitschrift 4, 36—39. ©cib Samuel 30.9.: pWYlp שאני ררנילין לעשות בבית הכנסת.