Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1865-06-20 · 25 (20.6.1865) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
25 (20.6.1865)
Date
1865-06-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2542917-2543219-2543245--4269-2548228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

416 416 einander unterschieden werben, deren Grenzscheide durch die Wiederherstellung der rabbinlschen Ordination ge, bildet wird. Die geschichtliche Erkenntniß dieser Reform hat in neuester Zeit bedeutende Fortschritte gemacht. Im Jahre 1845 konnte Zunz nicht mehr darüber sagen, als daß allmalig daS Dedürfniß diesen Gebrauch in Frankreich und Deutschland seit etwa 1360 festgesetzt hat. (Zur Gesch. 186.) Dr.B. H. Auerbach nannte 1860 zuerst die Autorität beim Namen, welche die Semicha restaurirt hat: eS war Merr b. Baruch Ha-Levi, Rabbiner ln Wien. (Berith Abr. S. 6. Anm.) Ihm folgt Dr. Grätz im 8. Bande seiner Geschichte, und Dr. Güdemann hat die Restauration der Semicha zuin Gegenstände einer anSführlichen Erörterung gemacht (Frankels Monatschrift 15, 334 ff.), in welcher Alles, was über die durch die Semicha zu bewerkstelligende Freiheit der Forschung ׳.:ad den dadurch zu weckende» Muth deS Selbstbewußtseins auf Illusionen beruht, die dein Herzen dieses jungen Theologen zur Ehre gereichen. Den wahren Ursprung der Semicha erkannte aber schon Jsak Abravanel, indem er dieselbe als Nachahmung der Doktoreu-Promotion betrach, tete. * * * 4 * * 7 *) Auf dem Standpunkte der heutigen historischen Erkenutniß läßt sich viel näher und genauer bestimmen: R. Mei'r Ha-Levi, welcher nach den zuverlässigsten Nachrichten 1365 Rabbiner der Wiener Gemeinde war, wurde durch die in diesem Jahre vollzogene Gründung der Wiener Universität angeregt, den Doktortitel auch für die jüdische Theologie einznsühren, was ihm auch wirklich gelang. Die moderne Kirlibiiikr-Or-iimtioil ist also nngrsähr so alt, wie die Ulicner Uttiversität! Wir überlasten es gerne den jüdischen Gelehrten in Wien, diese Entdeckung bei Gelegenheit der bevorstehenden Jubelseicr der Wiener Hochschule weiter zu verfolgen, und etwaige Betrachtungen, Borschlage und Forschungen daran zu knüpfen. Uns genügt hier, den Zeitpunkt bezeichnet zu haben, wo daö ordinirte und diplomirte Rabbrnerthum in Deutschland kreirt wurde, indem diese von Außen augeregte Reforra auch im Traurituale Reformen herbeiführte, welche ebenfalls der Anregung von Außen ihren Ursprung verdanken. Vor der Einführung der Ordination war die Kopulation rein Familienangelegenheit; die Intervention eines Rabbinen war durchaus nicht erforderlich. Die Assistenz eines in rituellen Dingen Kundigen war nur in soserne nothwendlg, als die Denediktionen vorgetragen werden mußten, und manchem Bräutigam selbst die Trauforinel nicht geläufig war, und ihm, wie noch gegenwärtig geschieht, vorgesagt werden müßte. Als Chuppah galt die Räumlichkeit, wo die Neuvermahlten die Hochzeitwoche zubrachten. Nach Einführung der Ordination nahm daS Traurituale der deutschen Juden eine ganz neue Gestalt au. R. Jakob Ha-Levi, der unter der Abbreviatur Maharil bekannt ist, (gest. 1427), gehörte k :rsten ordinirten Rabbinen. In Mainz wurde, als er י) Nachlath (nid» Leb, wie Dr. Güdemann hat) Aboth 6. 1.: ° וראיתי החהלתו בין האשכנוים כולם סומכים ונסמכים ורבנים לא ידעתי מאין בא להם ההחר תור. ^ם שקסתו מריבי הגוים העושים דוקטורי. daselbst Rabbiner war, eine jüdische Hochzeit auf folgende, von einem seiner Schüler genau beschriebene Weise gefeiert. Wir geben diese Beschreibung in getreuer Ueberfetzung wieder. ״Wenn in Mainz im Sommer eine Hochzeit war, pflegte man Donnerstag Nachmittag um 3 Uhr daS Minchagebet zu verrichten, wobei die Techinna (ויאמר רויר) gesagt wurde. Hierauf hielt man das HochzeitSmahl, und verrichtete daS Arbith-Gebet. Im Winter hielt man das Mahl in der Nacht, nachdem.man daS Mincha und Arbith-Gebet unmlttelbar nacheinander verrichtet hatte, wie dies im Winter auch sonst zu geschehen pflegte. Beim Minchagebete wurde die Techinna beibchalten, wenn der Bräutigam auch in der Synagoge war. Freitag früh Morgens rief der Gemeindediener die Gemeinde zum Gottesdienste in der Synagoge, die Aufforderung zum 5 מ״יין) hinznfügend." ״Allsogleich führt der Rabbiner den Bräutigam vor sich her, und die ganze Gemeinde folgt ihnen beim Lichte von Fackeln (der Zug hat also vor Tagesanbruch stattgefunden), von Musikanten begleitet in den Synagogenhof. Hierauf holen die Fackelträger und Musikanten die Braut mit deren Freundinnen ab. Ist die Braut im Synagogenhofe äugelangt, wird ihr der Bräutigam vom Rabbiner und von den geachtcteren Gemeindegliedern entgegengeführt. Der Bräutigam faßt sie au der Hand, und die Anwesenden werfen Weizeukörncr auf ihr Haupt, indem sie ihnen dreimal zurufeu: ״Seid fruchtbar und mehret euch!" Hand in Hand gehen nun die Verlobten bis zur Thüre der Synagoge, wo sie sich niedersetzten.. Nachdem sie hier einige Augenblicke zugebracht hatten, wurde die Braut nach Hause geführt. Dieselbe trug ein 9שרנ״ניו) über allen ihren Kleidern, einen Schleier über dem Gesichte und daS ד קירוין) an der Stelle des 8 סרבל). Der Bräutigam wird in sabbathlichem Anzuge in die Synagoge geführt. Sein 9 מטרון) ist ihm an den Halö gesteckt, nach dem Brauche am Rhein, zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems. Nachdem der Bräutigam neben der h. Lade, an der nordöstlichen Seite, Platz genommen, beginnt man den Morgengolteödienst (wie gewöhnlich) mit Adon Olam und den Morgenpsalmen (פסוקי דומרא)) die Techinna wird weggelassen '"), la-Meuaz;each beibehalten. In Mainz wird die Kopulation unmttelbar nach dem Morgengebete vorgenommen. ") Die Verwandten deS Bräuti- *) Ich ersuchte meinen gelehrten Freund, Hrn. Rafael Kirchheim in Frankfurt a. M., mir die einschlägigen deutschen Wörter zu erklären. Er antwortete mir: ,,מיון wird, wie auch Sie richtig sagen, von Minnen abgeleitet. Eine entgegengefetzte Erklärung ist (מא7ן) weil in den alten Zeiten daS Brautpaar hier zum ersten Male seine persönliche Bekanntschaft machte, und jeder Theil noch vor der ehelichen Verbindung zurückireten konnte." °) Die Erklärung dieses Worte« soll mir sehr willkommen sein. 7) Vielleicht Corset, ein Oberkliid mit Aermel und kurzen Schößen. י) Kirchheim: ״ein Kragen mit Falten; Josef Hahn spricht in seinem Josef Omez von einem gefalieten Kragen. — Sarbal — welchen verheiratete Männer in der Synagoge trugen. Wohlhabende Väter versahen ihre Söhn.׳ bei deren Hochzeit mit einem solchen Sarbal." •) Kirchheim: ״DaS מטרון war eine Kapp» mit herabhingrnden Streifen ״Zipfel", die »rüher auch die Leidtragenden trugen, und dir daher auch die Abelkappe genannt wurde. Wie die« auch an den sogeuanntru Halbfeiertagen zu geschehen pflegt. ") Der ganze Akt wird mit עושין תברכה bezeichnet: »lue Bezeichnung, welche dir späteren Kasuisten fallen lassen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.