Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 22 (31.5.1865)
- Date
- 1865-05-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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371 372 DaS Lelchenbegäuguiß fand am 23. Nachmittags in imposanter Weise statt. Am Sarge sprach der Lokalrabbiner Oppenheim, in beredten Worten die Verdienste des Derblichenen hervorhebend. Den Leichenzug eröffnete die gesammte Schuljugend mit dem Lehrkörper, welch letzterem besonder« der Hingeschiedene ein wahrer und aufrichtiger Freund war. An beiden Seiten deS vierspännigen Leichenwagenschritten die Vertreter deS Zion-DereiueS mit brennenden Fackeln, die in corpore erschienene Gemeinderepräsentanz mit dem KultuSvorstande an der Spitze, sodann folgten der Rabbiner im Ornate mit den Chevra-Kadischa-Gaboim «nd die Leldtragenden nebst einer unabsehbaren Menschenmenge auS allen Schichten der hiesigen Bevölkerung. Friede seiner Asche! LorresponLen). Ausland. P. LandSberg a. d. Warthe, 24. Mai. 3» einer unserer Nachbargemeinden. Sonnenberg, hat sich dieser Tage folgende, an- Un» glaubliche streifende Geschichle ereignet. 3m Hospitale de- Johanniter» Ordens lag sei« nun drei 3ahreo ein zehnjährige- Mädchen — die Tochter äußerst dürftiger jüdischer Eltern — an einem unheilbaren Lei« den trank darnieder. Das Kind wurde häufig von den Sonnenberger 3sraeliteo besucht und sprach fich stetmit rührender Liebe und Dank« barkeit über die wirklich treffliche Pflegt seitender barmherzigen Schwe, stern, namentlich der StiftSoberio, aus. Vor acht Tagen ungefähr kam nun die Oberin zu der ihr befreundeten Gattin des Vorstehers 3- und eröffnete ihr dadringende Verlangen deam Ziele seiner Leiden bald anlangrnden Kinde«, getauft zu werden, und als Christin zu sterben. Alsbald gingen Herr und Frau 3ins Krankenhaus und fanden da- Kind seiner Auflösung nahe in einem unzurechnungsfähigen Zustande. Der Hinweis aus diesen Zustand sowol, wie aus den Paragraphen des Gesetze« fruchtete nicht- — die Mutter des Kinde» eilte aus der Ferne herbei, auch ihre Bitten waren vergebens — mau höre und staune — der Anstaltsprediger :anstr das Kind einen Tag vor dessen Hinscheiden. Man schrieb sofort hicher an unfern Rabbiner Dr. Klemperer, an den Bor» stand der hiesigen Gemeinde, mau schrieb nach Berlin an den Vorstand der dortigen Gemeinde und wandte sich direkt an die Regierung zu Frankfurt an der Oder. Tagdarauf starb da» Kind — die Mutter bat um die Leiche deS Kinde«, man weigerte fich. die OrtSpolizei wußte fich nicht Rath, auch die Regierung scheint unschlüssig gewesen zu sein, was nach ״vollendeter Tbatsache" nun zu thun, depeschirte an- Mini» sterium und nach Verlauf weniger Stunden traf eia Telegramm auS Berlin ein, dadie sofortige Herausgabe der Leiche an die Mutter des KindrS anordnet. Dieser Vorfall hat in der ganzen Gegend ungeheure Eensation erregt, in Sonnenberg selbst war die Aufregung und die Tr» bitter,ing über den beschränkten, eigenmächtigen Fanatiker eine so große, daß auf Wunsch der Behörde die Beerdigung auf dem dortigen Fried» Hofe, zu der behuf« der Leichenrede Rabbiner Dr. Klemperer bereitgerufen war, unterblieb und die Mutter bewogen wurde, in ihrer Ge» meinde ihr Kind zu bestatten. — Moralisch haben wir gesiegt, denn die Regierung hat indirekt gesagt, wir erkennen die Taufe nicht an. sie ist als ungeschehen zu betrachten, schmerzlich berührt aber die Wahrneh» mung, daß in unseren Hellen Togen der Wahn noch lebt, der den Him» wel fich zu gewinnen verweint, so er ein unreife-, unselbstständige« Kind seinem Glauben abwendig macht. Ueber den weitern Verlauf der An» gelkgrnhrit. über da« Schicksal, namentlich de- ״frommen einsiltigeo Klosterbruder«- behalte ich wir seruere Miltheitungrn vor. 5- IN Fingen, im Mai. Die Orthodorie gibt sich nicht so leicht gefangen, und ihre Liebe zu ReligionSprozeffen bleibt sich in allen Ländern gleich, sie bethätigt fich bei un« ebenso, wi, in Preßburg. Die Dambergeriauer haben die hiesige Rabbinerwahl vor da« k. Ministerium gebracht. Der Ausgang der Angelegenheit ist in diesem Augenblicke nicht vorauszuseheo. Dieser Tage kam mir da« Programm de« folgenden hebräischen Werke« zu Gesichte: ״Halichoth Kedem über di»3nde» t« Oriente.- Da« »0« Munk, Senior Sach«, Rapoport und gnaz««, pfählen« Werk de« Herrn Mole« Oronstein ist da« Mesultat vielfältiger. gründlicher Deobachtuogeo. wie mir von Sachkennern, di« d«« von Tioficht zn nehmen halten, verfichert wird. T« erscheint i« Selbst« vertage de« Verfasser«. Druck: C. M. Hellmaou in Wien. Dr. Sei« ger« Vorlesungen stad in zweiter Auflage al« 1. Abtheilnng erschienen, (mir noch nicht zugekommen. Red.); die 2. Adtheilung führt die Se« schichte der Zudea bis io« 12. Zahrhuadrrt hinab. Von Rabbiner Dr. 3os«s Adler ist ein Rrligionsbuch zum Gebrauche beim Koufirwanden« unterrichte erschienen. J. Manchester, im Mai. Don H. Zirndorf, dessen kirr« rärische Leistungen den Freunden der jüdischen Journalistik vortbrilhast bekannt find, erscheint eine höchst interessante Schrikt über die jüdische und christliche Ethik. E« schein» mir angemessen, 3H" Leser bei Zeiten auf diese Schrift aufmerksam zu machen. K. Parks, iw Mai. Der gelehrte und gründliche Senior Sacharbeitet an dem Kataloge der Günzbergischen Manuskripten» sammlung rüstig fort. Die Resultate der bereit« erschienenen Blätter find für die jüdische Literaturgeschichte von höchster Bedeutung. (Wir werden nicht ermangeln, darüber ausführlich zu referireo. Red.) I». Nc»v-Bork, im Mai. Dr. M. Mielziuer, Religion«» lehrer und Prediger in Kopenhagen, ist von der hiefigen Ansche»Cheßed» Grmeiude, einer der größten jüdischen Kemeiudea der Union, zum Rab» biner und Prediger gewählt worden. Den Lesern dr- ״B. CH." ist Dr. M. rühmlichst bekannt. Inland. T. Wien, 21. Mai. E« erweckt wol dahöchste Zutereffe Jedermann-, jene gesellschaftliche Gestaltung mit Aufmerksamkeit zu ver, folgen, die durch gemeinsame, ineinaudergrrifende Thätigkeit den natür» lichen Einfluß der Begabung und der Bildung herzustellen, füglich zu bewahren strebt. Freilich ist kür jüd. Wesen, jüd. Einrichtungen und An» stalten vt-^.:!ehrvon der dämmernden Zukunft zn erwarten, al-Bergan» genheit geboten und Gegenwart leistet. Doch läßr fich nicht verkennen, daß sich jener Einfluß auch in unserer Zeit in unfern Gemeinden Gel» tung zu verschaff-o weiß. Es ist ein gutes, Trost und Halt gebende« Zeichen! wo Jemand da ist, der nicht müde wird, zu wachen und zu Wecken, da regt und gestaltet e« sich wie neue« Leben. Der erste Tropfen au« den Höhen nach anhaltender, versengender Trockenheit, erfüllt zwar noch nicht olle Wünsche, er läßt aber wieder kräftig hoffen. Wir wollten auf unser Beth-Hamidral'ch zu reden kommen, und von selbst drängten fich die niedergeschrirbenen Gedanken au. Zudem wir un« Vorbehalten, rin andere« Mal un« eines Nähern über da« aufblühende Institut zu ergehen, beschränken wir un« heute, über den Vortrag de« letzten Sonn» abend« zu rrferiren. — Dr. Ze llioek setzte seine Erkurflonen über deu More Ncbuchim fort; seine ansprechenden und lehrreichen Bemer» kungen über Maimonide« und Ibn Esra befriedigten in eminentem Maße die in großer Anzahl anwtsen Zuhörer. Es war UN« eine rechte Freude, dirau der animirten Zuhörerschaft wahrzunehmen. Die ringe» flochtene Auseinandersetzung über die LebenSauffaffung de« Zudenthum« in klarer, srffrlnder Form vorgrtragen, verfehlte nicht, die aufmerksame Versammlung in eine höhere Stimmung zu versetzen. Mau Hörle zwar keiue salbungsvollen, wol aber ernste, erhebende Worte der Belehrung. Iellinek füllt seinen Platz auf dem Katheder ebenso würdig au«, wie den auf der Kanzel. — Tin Hörer der Rechte, der dem Vorträge bei» wohnte, «heilte mir folgende Bemerkung mit: emacht einen eigen« thümlich drastischen Eindruck, moderne Ideen der Spekulation mit de» Schlagworten der neuzeitlichen Filosofi, bedeckten Hguptr« zu höre» zu bekommen! Auch sei dem Wunsche diese« Herrn, dem fich wol zahl« reiche Hörer der Universität aoschließen, Ausdruck verliehen. Der ge« lehrte Dr. Zrstinrk wolle fich entschließen, für die Besucher der hirfige» Hochschule über jüdische Religion«», Literatur, und VolkSgrschichte Vor« träge zn halten.*) •) Auch dir Väter der an der Wiener Hochschule stndireude» Jünglinge würde Dr. Zrlliark durch dir Erfüllung bitte« Wunsche« sehr verbinde». H.