Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 21 (24.5.1865)
- Date
- 1865-05-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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349 360 was ja erreichen oder nicht zu erreichen wäre, keine klare Vorstellung hatten, und nur im Finstern herumtappten, dazu noch von verwerflichen Individuen durch Verleumdungen mancherlei Art gehetzt und mit Mißtrauen gegen Männer erfüllt wurden, die als Biedermänner im gesellschaftlichen Verkehre geachtet dastehen, und denen nichts anderes zur Last gelegt werden kann, alS daß sie sich nicht jener Schmieg, samkeit und Wohldienerei befleißigten, wodurch man bei aller Charakter, und GesinnungSlosikeit Jedermanns Freund wird, ließen sie sich zu manchen Schritten verleiten, die sie zwar später selbst als unüberlegt gethan erkannten, deren die Ver, hältniffe verwirrende Folgen aber gar nicht mehr oder nur schwer gut zu machen sind. Wer Wind säet, der muß Sturm ernten, daS ist eine alte Erfahrung; und dieser Sturm wird so recht systematisch herbeigesührt. Möglich ist, daß die Re, präsenlanz der Landesjndenschaft siegreich auS dem Kampfe hervorgrht, aber moralische Eroberung wird ihr der Sieg so wenig bringen, wie der bisherige Kampf. Unter solchen Umständen und Verhältnissen mag man eS uns nicht verargen, wenn wir den Wunsch auSsprcchen, der enlsponnene Kamps möge sachlicher geführt und mit des» fern Waffen auögesochten werden. Was nützt eö den Gegner, in Pansch und Bogen zu verdammen und sie -n gewundenen Phrasen so egoistischer Tendenzen zu beschuldigen. Eine solche Sprache ist unvermögend zu überzeugen und zu bekehren, aber ganz geeignet, lief zu verstimmen und das Ver, trauen in den Gemüthern zu ersticken. Mögen Sie geehrter Herr Redakteur über mein Zitircn lateinischer dicta lachen, und eö vielleicht pedantisch nennen, ich kann es doch nicht unterlassen, eine Stelle auö dem göttlichen ungöitlichen Spinoza hier anzuführe», die nicht ohne Beziehung zu dem von mir besprochenen, obschon ganz lokalen Thema steht: ״Qui injurias, sagt der holländische Weise, reciproco odio vindicare vult, miscre profccto vivit. At qui contra studet, odinm amoro expugnare, ille sane laetus et secure pugnat, aeque facile uni hoinini ac pluribus resistit et fortunae auxilio quam minime indiget. Quosvero vincit ii laeti cedunt, non equidem ex defectu, sed ex incremento viriuin.“*} DaS Zweite, von dem zu berichten wäre, ist die Trauer, die daö Hinscheiden Mannheimers auch hier, wie in allen andern jüdischen Gemeinden, hervorgerufen und sich in der unzweideutigsten Weise kuudgad; von den offiziösen Thränen nicht zu sprechen, die dem edlen Todlen nachgeweint wurden von Männern, die au Charakter. Gesinnung und Denkweise so ganz verschieden von ihm sind, und zu denen er auch nicht die entfernteste Affinität halte. Da in andern öffcntll׳ chen Blättern hierüber bereits reserirt wurde, so halte ich eS für überflüssig, Bekanntes zu wiederholen. Die auS dieser Veranlassung gedruckten Gedächtnißreden sind in ihren Händen und unterliegen Ihrer Deurtheilung. Mir drängte sich bei der Lektüre der einen Rede die wiederholt gemachte Cr« fahrung auf, was nicht alles unsere modernen, scharfsinnig sein wollenden Prediger auS einem Dibeltert zu machen im Stande sind und wie viel Unsinn mit Bildern und Redens׳ arten zugedeckt wird, und da spottet dann mancher vornehm, dem mau wvl inS Ohr raunen möchte: quid rides? de te narratur tabula. Mau ist hier sehr gespannt, durch wen die vakant gewordene Predigerstelle in Wien besetzt werten wird. Viele Prediger und Rabbiner, nicht nur solche, die den diis ininorum gentium angehören, sondern auch solche, die sich *) Wer ®flfibiftungrn rächen will, indem er fle mit Haß erwi» dert. lebt gewiß rrdärnillch. Wer bingegen besteebl ist. Haß mit Liede zu delämpien, der tämvt't wad'lich seoken Muthe» und mit S'cheebeil. (Sr fall» wir dem >S1n,einen, ebenso!Llcten leicht die Sp'he dielen und ist aui dir Hilf, de« Glückenur im geringsten Maß, hiugewiesen. Dir von ibm Besiegte» treten gerne zurück, nicht weil sie an Jtcäfnn ab«, soudttu zugenommrn habt». zu diis majorum gentium zählen, richteu ihre Blicke sehnsuchtsvoll nach der großen Residenz an der Donau. Chi vivera verral An den Umbau deS Tempels wird jetzt ernstlich gedacht, die subskribirten Beiträge werden theilweise einkafftrt, die Miethe für die Tempelsitze erhöht, an Aufforderunge» zum Beginne des Baues von der Kanzel herab fehlt eS auch nicht, und so mancher schwelgt schon in dem süßen Gedanke» eines weite Rännie umfassenden und von andächtigen Desuchern und Bewunderern gefüllten Gotteshauses; aber ״noch weit ist vom Becherrande zur Lippe." — Mittlerweile erstarkt und gedeiht die prachtvoll eingerichtete Meiselsynagoge nach Innen und nach Außen, ihr Prediger Dr. Stein gewinnt nicht nur in seiner, sondern auch in der Gesammtgemeinde immer mehr an Terrain. Man lernt in ihm nicht nur de» den Mann von gründlichem theologischen Wissen, sondern auch den wahrhaft frommen Prediger und ehrlichen Seelsorger achten; der, waS er ist, und waS er thut, von ganzem Herzen ist und thut, und von dem nur zu wünschen wäre, daß er manche Eigenheiten, die durchaus nichts mit seinem Berufe und dem Wesen der Predigt zu thun haben, die aber seinem Auditorium als etwas Ungewohnte« nicht zusagen wollen, fahren lasse. Seine Vorträge über die Mischna, die er vor einem Kreise studierender Jünglinge mehrmal wöchentlich hält, sind sehr besucht und werden als gründlich und gediegen gerühmt. Die Meiselsynagoge kann sich jeden» falls Glück wünschen zu dieser Acquisition, und hätte Herr Bayer, der frühere Vorsteher der Synagoge, der ihr dazu verholfen und überhaupt nm die Vollendung deS BaueS und Herstellung der ganzen gottesdienstlichen Ordnung in dem neuen GotteShause sich große Verdienste erworben hat, einen ganz andern Dank verdient, als der ihm geworden. Herr B. wurde zwar bei der vor Kurzem vorgrnommenen Neu» wähl wiederholt mit eminenter Stimmenmehrheit zuin ersten Vorsteher gewählt; er fand sich aber nicht bewogen, die aus ihn wiederholt gefallene Wahl anzunehmen, waS wir dem schlichten und biedern Manne nach mittlerweile gemachten Erfahrungen, die nicht zu den angenehmsten gehören, wahr, lich nicht verübeln. Der für gute und edle Zwecke begeisterte Mann wird gern Zeit, Kraft und Geld jedem gemeinnützlgen Unternehmen widmen, und manches Unangenehme hin« nehmen, ohne den Muth zu verlieren, ohne auf den Dank derer zu rechnen, in deren Interesse er gehandelt. Aber Undank und Kränkung darf sich kein Mann von Charakter gefallen lassen. Leider aber ist daS ln den meisten Fällen der Lohn, der jenen zu Theil wird, die zu den עוסקים בצ״צ מאמונה gehören. ES gibt in der Meiselsynagoge Männer, die an sich höchst achtbar sind, die aber, weil sie mit dev Ihrigen dieser Synagoge seit Dezennien angehören, sich alS Autochthonen, alS Patrizier derselben betrachten und wollen, daß alles nach ihrem Kopfe gehe, nach ihrem Willeu geschehe, nicht berücksichtigend den durch Sitte und Religion geheiligten Grundsatz אהרי רבי‘ להטות, dem sich jede Korporation, sie sei von welcher Art immer, daher auch eine Svuagogengemeinbe unteiwerfen muß, will sie nicht die Saat der Zwietracht in ihre eigene Mitte streuen und zu ihrem raschen Verfall selbst beitragen. Möge die Meiselsynagogengemeinde wol bedenken, daß ihr Bestand und ihr Gotteshaus mit geregeltem Gottesdienste noch von kurzer Dauer ist, und daß sie der Feinde nnd Gegner noch genug zählt, die mit neidischen Blicken ihr Gedeihen und Emporblühen betrachten und den Grundsatz: Tua mors mea vita zur Marime ihres Verhaltens machen. Daß Herr E. Wehli, der schon vor längerer Zeit auf die von ihm seit einer langen Reihe von Jahren bekleidete» Stelle eines Vorsitzenden der hiesigen KultuSgemeiude refig-