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Ben Chananja · 1865-05-24 · 21 (24.5.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
21 (24.5.1865)
Date
1865-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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347 348 g,tragen hatten, rezitlrte der Großrabbiner die Haschkaba und der Zug setzte sich in Bewegung. Sein Ziel war der GotleSacker Montparnasse, wo Ulmann nach seinem letzten Willen neben seiner Mutter zu ruhen wünschte. Am Grabe z sprachen Cerfberr, Trenel, Libermann, Mayer. Eine unge-!heure Menschenmenge batte sich eingefunden, um dem Da-!Hingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Ulmann war der erste Zögling, der aus der 1832 gegründeten Rabbinerschule hervorging. Seine Pastorale Laufbahn begann er 1836 in der kleinen Gemeinde zn Lauterbourg im Niederrhein. Der Dahingeschiedene war ein Mann von reinstem Charakter. Seine Bescheidenheit ging so weit, daß er 1853, nach dem Tode seines Vorgängers Marchand ' Eimern, nur den dringenden Bitten der Wähler nachgebend, sich entschloß, den ersten RabbinatSsitz Frankreichs einzuneh« men. Seine Sanftmulh und Friedensliebe gewannen ihm alle Herzen. Seine Uneigennützigkeit bewies er vor einigen Jahren ans eine eklatante Weise, indem er bat, die ihm zugedachre Zulage den ärmeren Lokalrabbinen Frankreichs zujuwenden. Bei seinem Einkommen und seiner Wohlthätigkeit ist eS natürlich, daß er kein Vermögen hinterließ; die ״ArchivcS JsraeliteS" bringen bereits einen Aufruf, der Frau Ulmann eine Pension zu sichern. Der Vollendete besaß umfassende Bildung, gründliche theologische Kenntnisse und eine zum Herzen sprechende Beredsamkeit. Seine gemäßigte reformatorische Richtung tritt sowol auS seinen Hirtenbriefen, wie auS seinem Wirken her, vor. Wir erinnern in dieser Beziehung an die im Mai 1856 in Paris abgehaltenen Konferenzen der französischen Groß-! rabbinc», deren Resultate trotz aller ihrer Moderation! Hirsch in Frankfurt am Main mit so vieser Ostentation zn! verketzern für gut fand. Ulmann war auch literärisch thätig,! doch sind unS außer seinen Hirtenbriefen seine literarischen! Arbeiten nicht zu Gesichte gekommen. Nicht minder hat er! sich bei der Revision der Munk'schen Moreh-Uebersctzung J bctheiligt; auch hat er die Mühewaltung übernommen, Bam-! bergerS Edition der Halachoth Jbn Giat'ö mit der Pariser Handschrift zu vergleichen. Cersbeer'ö und Trenel'S Trauerreden sind in den ״Archive-" mitgetheilt. Elftere schließt mit den Worten: ״Ich fordere Sie aus, m. H. und theure Glaubensgenossen, sich mit mir in dem Gebete zu vereintgen, daß der Allmächtige den in sein Reich ansnehme, den Israel lauge betrauern wird." כל ישראל יבכו את רעה נאמן רוח על ארץ בא שמישו במרום הוא זרוח. ח נ צ ב ה. Prager Zustande. Prag. Ich darf mich, geehrter Herr Redakteur, nicht beklagen, wenn Sie mich schwerer Unterlassungssünden beschuldigen. Ich habe nun seit vielen Wochen Ihnen keine Zeile von mir zukommen lassen, und bin daher meinem Dersprechen, Ihnen von Zeit zu Zeit über Zustände und Bewegungen im hiesigen Gemeiudeleben zn referiren, nicht nachgekommen. — Viel haben weder Sie, noch die Leser deS ״B. CH." dabei verloren. Die ganze Knltnögemeinde der neuern Zeit hat daS Verdienst — wenn JndifferentlSmnS und Stagnation überhaupt als Verdienst bezeichnet werden kann — daß sie zu den friedlichen gehört, daS Leben in ihr sich selten über daS Niveau deS Gewöhnlichen und Alltäglichen erhebt, und selbst Ereignisse, die anderwärts zum gewaltigen Parteikampfe herauöfordern, sich hier als eia Sturm In einem GlaS Wasser mauifestiren. DaS bedeutendste Ereiguiß, von dem zunächst zu berichten wäre, ist der seil beinahe zwei Jahren geführte, bei den Behörden noch immer anhängige Streit zwischen den Repräsentanten der hiesigen KultuSgemeinde und denen der LandeSjudenschaft wegen deS numerischen Verhältnisseder Mitglieder, die in das Kuratorinin dezu gründende» israelitischen Waisenhauses von der hiesigen und der LandeSjndenschaft gewählt werden sollen. Keiner der streitenden Thrile ist unserer Uebcrzeugnng nach im Rechte, da eS sich dabei um Dinge handelt, die wol in hohem Grade ihr beiderseitigeS Interesse berühren, aber außer ihrer Kompetenz und DiSpositionSbefugniß liegen, und alü solche durch wieder, holte Entscheidungen der hohen und höchsten Behörden als längst abgethan und geordnet gelten mußten, daher unnöthiger und vergeblicher Weise wieder in Frage gestellt wer, den sollen. Tiefer in diese Sache einzugehen und auf die seichten Gründe zu erwidern, die zur Begründung ihrer vermeintlichen Ansprüche vorgebrachl wurden, finde ich nicht der Mühe werth, auch ist hier der Ort nicht dazu. Erst wenn diese Angelegenheit auSgetrageu und geordnet sein wird, wird eS an der Zeit sein, eine geschichtliche und aklenmäßig begründete Darstellung deö ganzen SachverhältniffeS von seinein Ursprung an bis zu Ende zu geben, waS nicht ohne Interesse und Ausklärung über manche Personen und deren Tendenzen zu geben geeignet sein dürste. Eines nur ist bei dieser Verschleppung der Sache zu bedauern, nämlich dies, daß eines der heilsamsten Institute, wie daS projektirte WaisenhanS, bestimmt einer großen Anzahl hilfloser Kinder, Obdach, Erziehung und Dilknng für einen ehrbaren Lebenöberuf zu gewähren, welcheschon seit zwei Jahren hätte segensreich wirken können, durch solches Gezänk in seinem Entstehen gehemmt und Gott weiß auf wie lange noch hinauSgeschobcn werden wird. Wir hatten Gelegenheit, Einsicht zu nehmen in eine von der hiesigen KultnSrepräsentauz bei der Slatthalterei überreichtejuristisches Elaborat, von welchem Verfasser, sowie mehrere seiner ihm Weihrauch streuenden Kollegen gewiß glaubten, daß eö so ganz gemacht wäre, nm die Weisheit eine- Savigny zu beschämen; aber wir müssen gestehen, wir waren überrascht, eine vermeintlich gute und gerechte Sache in der Weise, wie eS hier geschah, vertreten und vcrtheidigt zn sehen. Absichtliche Verschweigungen und Verdrehungen von Thatsachen, die längst entschieden sind, und gegen welche selbst Diejenigen, die nichtsehen, als waö im Lichte deö Tagevorgeht, keinen Zweifel hegen, Entstellungen, unbegründeter Widerspruch, mitunter verletzende Witzeleien und gehässiger Ausfälle, dies allegebraucht man als kunstgerechte Waffen. Ein Kampf in solcher Weise geführt ist freilich eine sehr wohlseile Helbenthat, aber keine ehrenvolle, ja nicht einmal eine kluge. Eine Ueberhebung seiner selbst, mit desprktiven Blick auf seinen Gegner, macht den Streitenden nur lächerlich. — Und doch wie leicht wäre auf friedlichem Wege ein Einverständniß und ein Ausgleich zu erzielen gewesen, wenn nicht persönliche Nancune, Recht- Haberei, Neid und andere derlei verwerfliche Gesinnungen einzelner Persönlichkeiten in dieser Affaire eine Rolle gespielt hätten! — Wir können aber auch die Repräsentanz der LandeSjudenschaft nicht frei von Schuld sprechen. Nun konstituirt und dem größten Thetle nach an- Personen bestehend, die von den obwaltenden Verhältnissen, von dem,

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