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Ben Chananja · 1865-05-17 · 20 (17.5.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
20 (17.5.1865)
Date
1865-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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331 332 Gottgefälligen Werken kundthun müsse? Welchem unbefangenea Beobachter wäre eS unbekannt, daß dies auch häufig geschieht? Auch die Gaben, welche die Grazer Judenschaft in den Stand setzen, die zu einem jüdischen Kultusgemeinde« wesen erforderlichen Institute ins Leben zu rufen, sind wahre Dankopfer, die auf dem Altäre deS Ewigen uiedergelegt werden. Die Betreffenden selbst lassen eS nicht an Anflrengungen fehlen, um den Bedürfnissen und Forderungen der gemeinsamen ReligionSübnng nach Kräften Rechnung zu tragen. Die Grazer Zudenschaft verausgabt, wie uns auS zuverlässigster Quelle bekannt wurde, jährlich ungefähr zwei Tausend Gulden zu KultuSzweckcn, ohne daß eS ihr bisher gelungen wäre, ihr armseliges Betlolal gegen eine anstänbige, der öffentlichen Gotteöverehrung entsprechende Räumlichkeit zu vertauschen. Sie ist aber nicht einmal so glücklich, an den Bau einer Synagoge auch nur denken zu können, weil sie vor Allem für eine Ruhestätte der Dahingeschiedenen Sorge tragen muß. Abraham, unser Stammvater, befand sich in der günstigen Lage, den Kaufpreis seines Erbbegräbnisses, vierhundert Schekel Silber, auö eigenen Mitteln abwägen zu können. Die Grazer Judenschaft kann sich einer so günstigen Lage nicht rühmen! Sie ist daher genölhigt, bei großherzigen Glaubensgenossen nah und fern aitzuklopfeu. Sie klopft auch bei.Dir an, mein verehrter Leser, meine holdselige Leserin, hoffend, ein geneigtes Ohr und eine offene Hand bei Dir zu finden. Den bedrängten Bittstellern ist eS nicht unbekannt, daß die jüdisch-theologischen Schulen der Gegenwart nicht nur in gewissen Anschauungen, sondern auch in mancherlei Bestrebungen von einander abweichen, so daß man den Anhängern der einen Schale nicht zumuthen kann, daß sie Bestrebilligen unterstütze, die sie verwerflich, oder doch bedenklich findet. Ebenso gewiß gibt eS aber in den jüdischen Gemeinden auch Bestrebungen und Unternehmungen,׳ welche, außerhalb deS Gebietes der Meinungsverschiedenheiten liegend und über jeglichen Streit erhaben, für alle Richtungen gleiche Bedeutsamkeit haben, und deren Gedeihen daher jeder Jude gerne fördert, dem überhaupt der religiöse Gemeingeist nicht fremd ist. Die Stiftung eine- DegräbuißplatzeS in einer' Stadt, auS welcher jede jüdische Leiche eine lange Wauderschast über die Grenze deS Landes antreten muß, bevof sie dem Mutterschoße der Erde auvcrtraut wird, ist ohne allen Zweifel ein solches Unternehmen. Hier können theologische Divergenzen keinen hindernde» Einfluß auSüben. Freuen wir unö also der Gelegenheit, gemeinschaftlich ein frommes Werk zu vollbringen! Die der Grazer Judenschast znfließenden-Spenden sind wahre Mcdcnsopfcr; wer sollte aber in einer Zeit, die so mannigfachen Streit und Unfrieden in ihrem Schoße birgt, nicht gerne herbeieilen, um auf den Altar eines reinen FriedenöwerkeS sein Scherfleiu uiederzulegen?— WaS der Einzelne zum Fortgange deS frommen Werkezu leisten ver« mag, mag im Verhältnisse zu dem, waS zur Vollendung beö Ganzen erfordert wird, uur wenig sein. Allein wenig ist auch die Aehre neben der vollen Saat; aber besteht nicht der ganze Neichthum der Saat auS einzelnen Aehren? We« nig ist auch der Tropfen neben dem Strome; aber besteht nicht der Strom, ja daS weite Meer auS lauter einzelnen Tropfen? Da streut nun der Säemann die dürftigen Körner auS mit Bedacht, und siehe, welche Ernte entsprießt! da sendet nun die Wolke ihre Tropfen hernieder, und stehe, welch ein erquickender Regen! Der geringe Umfang der Gabe kann daher keinen vernünftigen Geber entmuthtgen. Die Schwierigkeiten, mit denen der Erwerb heutzutage zu kämpfen hat, sind ebenso bekannt, wie die Vielfältigkeit der Ansprüche, die an die jüdische Opfcrwilligkeit gestellt werden. Unsere Alten verweilten mit einer gewissen Vorliebe bei der Betrachtung überstandener Katastrophen und Leiden Israels; sie verzeichnten dankbar die Tage, an denen sich ihnen die rettende Hand Gotteö geoffenbart hatte. Die neuere Geschichtsforschung zeigt ebenfalls jene Vorliebe, und indem Zunz sich anschickt, die mittelalterlichen Leiden Israels zu registriren, ruft er auS: ״Wenn es eine Stufenleiter von Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nehmen eS die Inden mit den Hochgebornen aller Länder auf; wenn eine Literatur reich genannt wird, die wenige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahr« tausende währt, gedichtet und dargestellt von dem Helden selber?" Die Geschichte der Juden im Erzherzogthume Oesterreich und im Herzogthnme Steiermark ist nicht arm an schmerzlichen Erinnerungötagen; zu den verhängnißvollsten derselben gehört der zehnte Sivan 1420, an welchem alle Juden in Oesterreich in Folge der Aussagen der Meß« ncrin von EunS ins Gefängniß geworfen wurden. Die verehrten Gemeinden dürften eS vielleicht passend finden, die Kollekten zu Gunsten der Grazer Judenschaft an diesem Tage stattfinden zu lassen, nachdem die ehrwürdigen Herren Rabbinen und Prediger den Gegenstand ihren Zuhörern an'S Herz gelegt haben werden. Die Spenden können an den Kassier des Komitös der Friedhofverwaltung, Herrn Josef Wechsler in Graz, 'gesendet werden; doch ist auch die Redaktion deS ״B. CH." mit Vergnügen bereit, die ihr zngemittelten Beträge an daS Komitä in Graz gelangen zu lassen, und daS Derzeichniß der Spenden und Spender zu veröffentlichen. Dieselben werden aber auch verzeichnet werden in dem Gedenkbuche für die Verehrer deS Ewigen uud für die, die Dessen Namen achten. (Mal. 3, 16.) Szegedin, 17. Mai 1865. Löw. Sie EngeWre in den aMsch-DWm Sdjitfen. Eine religionSfilofofische Studie. Von De. Sl. SchmirdI. Rabbiner in Proßnitz. lSchl״ß.1 Die Angelologie MaimuniS zeichnet sich aber dadurch vorzüglich auS, daß er in dem Ausdrücke Engel ein Homonym erkennt, die umfassende Bezeichnung für Alles,waS •) S. dir vorig» Nirmmrr.

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