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Ben Chananja · 1865-05-10 · 19 (10.5.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
19 (10.5.1865)
Date
1865-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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311 זי■ r?:*. ./;«:01.;־ r.-!5! ,!:יל':■•; Da dle Eristenz der Engel schon in der Schrift aufö unzweideutigste ausgesprochen ist, so konnte fich'S auch die spätere nachtalmudische ReligionSfilosofie nicht in den Sinn kommen lassen, zweifelnd dagegen auszutreteo. Ihr ganzes Streben ging bloS dahin, das auch spekulativ zu untersucken und zu bestätigen, waS für sie längst ein unautastbareS religiöses Dogma war. Und wenn schon die Wahrnehmuug einer Stufenleiter von der niedrigsten Produktion der Erde blS hinauf zu dem Men'chen auch die Annahme einer weitern Stufenleiter vom Menschen auswärts einleuchtend erscheinen läßt, so fand die RrligionSsilosofie eine noch größere Genugthuung darin, daß selbst der ״Filosof" — unter welchem Ehrennamen stets Aristoteles bekannt war — obschon dieser ״nur die Leuchte seiner eigenen Weisheit in der Rechte!? hielt, ohne die Leuchte einer geoffenbarten Religion in der Linken zu tragen", mithin nur ganz ans dein Wege der Spekulation zur Annahme von höheren Wesen, stofflvsen ewigen Geistern (Met. A. cap. 8), gelangt war. Auch ÄristoteleS, sagte man sich mit wahrhafter Befricdigung, erkenne höhere geistige Naturen als Mittler zwischeu Gott und den andern Wesen an, ganz so, wie unsere Bibel, der ganze Unterschied bestehe nur zunächst dem Namen nach, da Aristoteles dieselben ״getrennte Intelligenzen" (ra xt^oiQicftivn, de Anima lib. III cap. 7; arabisch עקיל שבלים נשרדים^טפארק״ה) nannte, während wir dieselben ״Engel" nennen. 4) Dabei besteht freilich auch ein sachlicher Unterschied, indem Aristoteles in Folge seiner Theorie der Wellewigkeit auch die stofflosen Intelligenzen als unerschaffen und nvlhwendig eristirend sich denken mußte, während nach nnserm Glauben auch die Engel von Gott erschaffen sind — doch in allem Ankern stimme unsere Engellebre ganz mit der aristotelischen überein.5) Freilich batte nach Angabe Scheu! — Tob Jbn — Falaquera'S, der größte Erklärer der aristotelischeu Schrisieu, Alerander aus ApbrodisiaS, die Eristenz jener stofflosen Wesenheiten geleugnet °) — doch scheint die Quelle, aue der Falaqnera diese Angabe geschöpft, apokriph zu sein, da Maimuni im More Th. II. Absch. 3 von Aleranker den gerade» Gegensatz behauptet. Drei Beweise hat uns die arabische Filosofie für das Dasein der Engel hinterlassen — der jüdische Dichtersilvsof Jbu-Gabrrol soll deren sogar mehr alö vierzig zusammengestellt haben׳); allein der neuzeitlich gebildete Leser muß sich da nicht nur aus den Standpunkt der damaligen Wissenschast zurückversetzen, sonder» auch in die damalige Aufschwungsweise einigermaßen hineinleben, um diese Beweise würdigen zu können, waS aber jedenfalls für die Kenntniß der mittelalterlichen Filosofie und eines großen Stückes Literatikgeschichte von nicht zn unterschätzenden! Nutzen ist. I. Der erste von den drei Beweisen für die Eristenz der Engel in der arabischen Filosofie geht von der Theorie der Sp-Härenbewegung auö. Bekanntlich nahmen die Alten in diesem Punkte einen noch wahrhaft kindischen Standpunkt ein. Sie zeigten sich nirgends so klein und befangen, als jenen großen, glänzenden Weltkörperu gegenüber. ES war dies eben ihre wissenschaftliche Achillesferse. WaS wir heute Eentnpetal- und Centristigalkraft nennen und womit jetzt die Wissenschaft den ewigen KreiSgang der Sterne zu erklären weiß, davon hatte selbst noch daS Mittelalter keine Ahnung. 6 ר. More n, 6: החהלסות השם ,שהוא יאמר שכלים נפרדים ,ואנחנו נאמר מלאכים ) ®•f. *) 6. Wort Ha-More rd. Preß». 6.!03: אמר אלכסנדר המפרש כי מניע כל השמים אחר ולא שיהיה מספר רב הה כנגר ארסטו שרואה גלגל חשק מסוגל — . 60 (י vümlich schreibt Abraham Zda-Daus im Tmuua rama rb. Keil 6. C2. 312 Sie blickten daher staunend zu diesem großen Probleme in die Höhe, daS sie nur durch folgende höchst sonderbare Theorie erklären zu können glaubten. Die Sterne, sagte nian sich, können nicht tobt sein, wie eS die vier Elemente sind, denn dann müßte auch ihre Bewegung eine geradlinige sein, wie eben die der vier Elemente, die sich entweder nach oben, wie Luft und Feuer, oder nach unten, wie Erde und Wasser, bewegen und die nach einmal erreichtem Orte in Ruhe verharren. Bei diesen heißt darum ״Natur" daS Prinzip der Bewegung und nicht ״Seele." Die Sphäre» dagegen, die nicht ruhen, wenn sie einen bestimmten Ort erreicht haben, tragen mithin mehr als eine bloße Natur, sie tragen eine Seele in sich. (Arist. de Coelo II, 2.) Allein — so dachte man weiter — die bloße Annahme einer Seele genügt noch nicht zur Erklärung deS PhänomenS der unaufhörlichen Kreisbewegung, denn jedes beseelte Thier bewege sich bloS darnm, weil eine gewisse Vorstellung ihm innewohnt. Nur die Vorstellung eines ihm wünsckenSwerthen oder eines ihm schädlichen Gegenstandes veranlasse die Bewegung zu diesem Gegenstände hin oder davon weg. Da jedoch jede gedankliche Vorstellung einer Sache eben Denken und Verstand voraussetzt, so führe dies, sagte man, zu der weitern Annahme, den Sphären wohne nicht nur eine Seele, sondern auch Intelligenz i!!ne. Allein auch hiermit — so folgerte man weiter — sei die Bewegung der Sphären noch immer nicht genügend erklärt. Wenn tu in deiner Seele eine Vorstellung von einem Gegenstände trägst, sagte man, so ist dies wol noch keineswegS eine Veranlassung, dich zu diesem Gegenstände hin zu bewegen, sondern du mußt neben der Vorstellung zugleich ein Verlangen, eine Sehnsucht nach diesem Gegenstände iu dir tragen. DaS erst treibt und drängt dich zu dcmielben hin. Daraus folgt, schloß man, daß den Sphären nicht nur Seele und Verstand (נפס ועקל) , sondern auch eine Sehnsucht (.השוקר arab. אשתיאק) innewohne, dem von ihnen vorge« stellten oder gedachten und ״geliebten" Gegenstände nachstreden (xivft di tue eq m ft svov sagt Aristoteles, Met. XI, 7). Und man kann denken, schloß man weiter, daß die erhabeneu, leuchtenden Himmelskörper eben nur daS erhabenste, reinste, beste und vollkommenste aller Wesen, nämlich Gott, zum Gegenstände ihrer Sehnsucht haben, .dem sie nachstreben, So wie Gott daS AUereinfachste, sich ewig gleich Bleibende, sowol seinem Wesen, wie seiner Thätigkeit nach — welche in dem AuSströmen alles Guten besteht — ewig Uuveränderlichc ist; ebenso sehen wir nun die Sphären, so' viel eS eben körperlichen Wesen möglich ist — denn auch die Sphären besitzen einen, wenn gleich ätherischen Körper — diese Eigenschasten in sich vereinen. Sie haben nämlich die einzig sich stets gleich bleibende und zugleich einfachste unter allen körperlichen Thätigkeiten, nämlich die Kreisbewegung und erleiden weder in ihrem Wesen, noch in den von ihnen auf die sublünarische Welt ausgehenden Einwirkungen jemals eine Vcräuderung. Allein auch diese Erklärung löste noch immer nicht alle Schwierigkeiten. Denn wenn alle Sphären nur daS eine Ideal der Sehnsucht haben sollten, dann müßte eS ja auch eine gleiche Art der Bewegung für sie alle geben, während im Gegentheil hier die größte Verschiedenheit zu finden ist. Während z. D. die große Alleumschließende Sphäre ihren KreiSgang in je 24 Stunden vollendet und dabei von Osten nach Westen sich bewegt, nimmt der Saturn seine Umdrehnng von West nach Ost, mit der er immer erst nach 30 Jahren zu Ende kommt. Dieses führe zur Annahme, so schloß man, daß nicht daS eine und gleiche Prinzip der Bewegung für alle Sphären gelte, sondern daß jede dersel-

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