Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 18 (3.5.1865)
- Date
- 1865-05-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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306 $. Stettin, im April. fDit dachten nicht, daß unsere In tiefen Blättern au«grsprocheoe Profezeiuag. die Zeit sei nicht medr ferne, wo di« Alten die Neu-Orthodoren perhorr,«zirea werden, sobald io Sr« fülluug gehen wird. Rebbe Hillel in Szikßä will den deutsch redenden Kutoa nicht al« orthodor anerkennen, und der Surauyer verdammt alte jene al« Ketzer, die da» Cbolom und Mlupum nicht io althergebrachter Weise im Eheder-Zargoa aussprechea, und ahnt in seiner Unwissenheit nicht , .^daß sein Baaastrahl die Vorkämpfer der Neu.Ortbodorie trifft, sogar manchen Mitfertiger der Anli-SeminarPetion! welch entsetzliche Höllenktiu für Red Friwel« orlhodore« Ohr. von Rabbinern ,Isurüd", ^3is8roLI" svicke 6korew) ״visu sussuru" lesen zu hören! würde er nickt wo möglich Len Arm der weltlichen Macht gegen diese Schisma« tiker ausbieten? Hilf Himmel! Hirsch, Htlde-Heimer, Gugenheimer und ihre Afflliirlen find mit einem Fedrrzuge de« Suranyer unter dir Neo« logen versetzt! © KolltN, 23. April. Einige Mitglieder der hiesigen Ge» weinde habcn, um ihre Verehrung für den verewigten Mannheimer an den Tag zu legen, unter fich eine Sammlung eingeleitct, und deren Ertrag unter folgender Zuschrift an da« Kuratorium der Prediger Maniiheimer-Slifeung tn Wien übermittelt: ״Eingedenk der unvergänglichen Verdienste, die sich der in Gott ruhende Maniihtimcr und die Veredlung und sittliche Hebung de« Zu« denthumS erworben, in dankbarer Erinnerung, daß der Verewigte der Wohlthäter der Gemeinde Koklin« war. halten die ergebenst Gcfer« liglen rö als ihre Ehrenpflicht, in Folge de« Aufrufe« Eint« löblicheu Kuratoriums, ihr Schärflein beizutragen, 1Tm b11־ Fond jener Stiftung, die den ulistcrklicheil Namen ihres Gründer« trägt, wenn auch um eine kleine Summe, vermehre» zu helfen. Möge diese Stiftung eine nie versiegende Quelle zur Linderung der Bedräiigleit werde», um für alleZeitrn als Denkmal eines Manne« dazustehe», der zu Len Edelsten, im Sliine der Humanitä! Tbätigsten in Israel zählte, »nd so die Worte der heiligen Schrift in Erfüllung gehen ,זכר צריק ^בך2°ר Andenken des Gerechten gereicht zum Segen." — Lemberg, Mitte April, Herr Michael Wolf hat sich ein neues Verdienst und die hebräische Literolur erworben, indem er da« Ewen Bock an von KalonymoS b. KalonymoS, ein in sprachlicher und religicnsgcschichtlicher Beziehung höchst iniereffanies Werk, »euer« lingS edirte. Der gelehrte Redakteur des ״Ha-Mevasser" har sich der Mühe unterzogen, dasselbe mir dem Nachweise der zitirte» Stellen und eeläutcrnde» Bciiierklingen auSzustaite». Möge Herrn Wolf die wolverdiente Unterstützung zu Theit werden! J. Holkcfchcru, 24. April. Die hiesige Geoieiiide zählt 4Y0 Mitglieder, sie gehöit mithin zu de» größte» jüdischen Gemeinden Mährens. Zu srühcren Zeiten gehörte sie auch zu den Sternen erster Größe am Himmel de« PilpulS. Diesen Ruhm hat sie, ^,..ich mancher andern Schwkstergemeiiide. eingcbüßt, ohne daß e« ihr jedoch bisher ernstlich in den Sinn gekommen wäre, in Bezug auf Kultur und Fortschritt anderen großen Gemeinden uachzueisern. Wo man hinblickl. nimm( man »och de» Schult wahr, den die alle Zeit aufgespeichert hat. Eiu wahre« Symbol uuserer Zustände sind die Stricke, mit welchen die morsch geworkenen Fensterrahmen unserer Synagoge zusammengehalleu werde»! Die Synagoge selbst wird durch Leu in der Mitte prangenden, mit einem thurmarligrn Gitterwerk versthenen Aluirmor förmlich i:> zwei Theile gctheilt. Die hinter dem Almemor Stehruten verstehen e« aber, sich schadlos zu halten, indem sie fich mit ihren beweglichen Detpulien, vulgo ״Ständern", in eine bald ״ach recht«, bald nach link« gerichtete Ämbulanz versetzen, welche an da« seiner Zeit so viel besprochene Tischrücken erinnert. Damals dachten dir Gläubigen an einen Geist, der dabei im Spiele wäre. Bei unser» StLnderückern ist jedenfalls eia Geist ihätig: drr Geist der OrduungSlofigkeii und der Unkultur! Forscher, die sich oilt der Geschichte de« jüdischen GotleSdieaste« beschästigro, können in unserer Synagoge archäologische Studien machen: hier hören sie die Lizitation der Mizwoth, eine Unzahl von Mi EchebberachS, gegen dir sogar R. Zakob Emden geeifert ha«, und selbst die Donatische Mütze konnte bisher da« Hiubrlbretel nicht verdrängen. Da« Schulrufen und Schulklopfrn florirt ebenfalls noch. Seit sechs Monateu hören wir jedoch allmonatlich eine erbauliche Predigt von Herrn Elia«, drr al« Prediger 306 und Lehrer aagestekl» Ist. Dir« haben vir dem Bürgermeister» Stellvrre treter. Herr, Moriz Knöpflmacher, zu verdaukea. Hätte derselbe mehrere GtsionuogSgeucffen, wären di« erwähnten Urbelstäade bald brseiti-e». Eharakleristisch für unsere Zustände ist die ernstliche Verhandlung, welche vor Kurzem in Folge der Verwechslung einer ״Kugel" im Echolethaus« Kaltsaud. Hierüber keine Satyr« zu schreiben, ist wirklich nicht!,ichz; AuS Mähren, Ende April. Wenn fl, von einigen Korre» spondenzrn, welche in letzter Zeit au« Brünn io eisern Wiener Dl. von einer Waage und einem Dreiecke gehört oder gelesen haben, so werden Eie mit mathematischer Evidenz die Ueberzeugung au« diesen langen Duplik« und Rrplik« gewonnen haben, daß von der mährischen Metro« pole rein nicht« zu berichten ist. Die Gedächtnißrede für Mannheimer mußte der Herr Rabbiner wegen Unwohlsein! verschieden. Sie wurde endlich, al« derselbe gena«, an einem Sabbathe, zum Besten grge« den. Dr. P. meinte, e« sei die« zwar nicht in der Ordnung, aber — ja wer auch da« Aber erfand! Gäbe e« kein Aber, so wäre auch der Aberwitz und der Aberglaube nicht vorhanden. — Zch habe einmal in der Zeitung de« Zudenthum« ״Preßburger Briefe" gelesen, io wel» chen behauptet wird, daß aller ReligionSkampf zwischen den nordöstli» chen und südwestlichen jüdischen Magyaren am Ende auf einru Mützen» Hutkamps hiuaiisliefr; eine solche Mützensthdr spielte sich jüngst iu U. Brod ab. Um die dortige Rabbinerstelle bewerben sich mehr denn 20 Aspiranten. Nun begannen dir Probepredigten, aber b!« jetzt wurde der Eine wegen seine« KopfinhalteS getadelt und verworfeu — und der Andere wrgen seine« Kopfbedeckung. In U. Brod befinden sich nämlich einig, ״Lerner" aus der Schule der ״empörenden Absurdität", dir gegen die Mütze des Bewerber« Sturm liefen. Einige meinten, daß sich die Bewerber doch nur über ihre Fähigkeiten zu legitimiren hätten; da aber der Kandidat auch anderweitig beanstandet ward, siegte da« Schloßberger Modejournal. Auch ein Zögling au« dem Breslauer Seminar debulirte, e« sollen aber diese Leute auf dem Blatt Gemara nicht son« derlich fest sein. Sie fragen, wa« die Gemeinde bietet? 1000 fl. und keine Festgcschenkc. Da diese Gemeinde Wort hält, und den Vertrag seflhalteo wird, so sind die Ansprüche derselben relativ etwa« zu hoch. — Auch in Korilschan finden Probepredigten statt. Zwar gehört diese Gemeinde zum Sprengel de« Gayaer NabbinatS, dennoch wünscht die Gemeinde einen Prediger und Oberlehrer zu acquirieen, um auf diese Weise die Kräfte der Gemeindeglieder mehr in Anspruch nehmen, und Le» Haushalt besser konsolidiren zu können. Einige sehnen sich nach dem Ohrenschmaus eines Kantors, da aber die steuerbaren Mitglieder diesem Ansinnen eine« OkrrnschmauseS steuern und zu diesem Luru« nicht bei» tragen wollen, so glaubt man ihnen auf einer andern Seile beizukom« men. — Daß der Tod oft aus unerwartete Weise schiedsrichterlich ver» söhnt, bewährt sich durch Leu am 23. d. M. יומא׳ ס׳תוריע leider er. folgten Tod des frommen und biedern Hrn. Pesach Tod. Rabd. iu Bisenz. Derselbe lebte nickt in einer vnteuto corckiule mit dem Direltor und Prediger Herzt; nun ist Friede. Friede seiner Asche. Er soll an einer Herzkrankheit gestorben sein. K e p l i lr. (Eiu ge send et.) P—8. Zch habe schon oflmal« dir Schmä» Hungen mancher Leute über erleuchtete und aufrichtige Männer veroom« men, mit der gewöhnlichen Phrase, daß dieselben Heuchler seien und ihren Unglauben blo« der Menge zu Liebe maSkirrn. Selbst dem allgr« meiu vrrehrlen Maimonide« hörte ich die« vorwerfeo. Um nun dirsr Phrase rin für allemal zy paralyflreu, erlaube ich mir folgende Be» merkungeo. Der Begriff der Heuchelei besteht darin, daß man durch Schrift oder Wort etwa« behauptet, von dessen Gegenlhril man innerlich über» zeug« ist. — Daß nun viele solche Leute «ristiren. will ich nicht in Abrede stellen; daß man aber jeden Deuker, der den Glauben mit de» Denken zu vereinigen sucht, vorwersea soll, er sei eia Heuchler, muß ich mit aller Elilschiedeuhei« mißbilligen, denn außerdem, daß der Glaub« de« schlichten Menschen weit vom Glauben dr« Deuker« differirt, der auch rer Vernunft einen Platz einräumt, ist diese Phrase auf dem jft«