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Ben Chananja · 1865-05-03 · 18 (3.5.1865) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
18 (3.5.1865)
Date
1865-05-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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303 304 Dies,« ubI gespendete Kompliment fjnnen wir nicht auoehmeu. denn Wir müsse» im Interesse der Wahrheit konstatireu — und wir thun die« mit wahrhaft inniger Freude —, daß e« auch sehr viel« Christen gibt, die sich j» tolerant,u und huwaueo Ideen bekennen. Sin Referent der ״Reform״. der der ״Kircheozeitung" gegenüber iw Dorbioeiu bemerkt, daß er den jüdischen Kreisen vollkommen fern» sieht und von gut christlichen Eltern abstammt, schreibt in der beute auSgegebeneu Nummer de« genannten Blatte«: ,Don recht« uod link« wird da« Zu» d-nthum ang,feindet und ,« hat von christlicher Seite her mancherlei Angriffe ,11 bestehen , di» mitunter so wenig christlich, al« ehrlich find. Da« eine sollte doch längst schon allgemein anerkannt sein, daß dir christliche Well an den Juden ein schwere« Unrecht gut zu machen hat. Dir Juden brauchen auch für dir Rechte, die fie jetzt brfitzen, ihren christliche« Mitmenschen im Grunde nicht einmal absonderlich dankbar zu sein, denn diese Rechte wurden den Juden wahrhaftig nicht immer au« purer christlicher Liede gewahrt, diese Rechte mußten fich die Juden mit gar Hakler Müh, erringen und erzwingen, und wenn di, Stettuog und Bedeutung de« IvdeuthumS immer sicherer und fester wird, so ist die« wahrhaftig nicht dem Beistände der Christen zu,»schreiben. E« ist in der That erfreulich und lehrreich zu beobachten, wie die Juden ihre Cmanzipation zu benützen wissen und welche Regsamkeit sie nach allen Seilen hin entwickeln, auch auf geistigem Gebiet.- Wa« wögen sich wol die Herren Brunner — Wiefinger deukrn, weun fie diese Worte .ine« christlichen Schriftsteller« lesen?! Ofen, 30. April. Am 20. d. wurde in Folge de« energischen Vorgeheu« unsere« Vorstandes mit dem Baue de« neuen Tempel« de» gönnen und »och im Laufe diese« Sommer« soll derselbe beendigt wer» den. Wir lönnen nicht umhin, bei dieser Gelegenheit Len Wunsch au«» zusprechc«, daß der Gottesdienst, welcher in den letzlen Jahren an Ein» fachheit und Würde viel verlor, nun wieder in seiner srühern Reinheit bergestellt werden sollte. Auch von der Kanzel. welche seil dem Tode des unvergeßlichen Schwad verwaist steht, wünschen wir wieder das Wort GotleS zu veinehmen. denn wenn eS irgend einer Gemeinde Roth »Hut, ein religiöses Oberhaupt zu haben, so ist eS gewiß die unserige. Von unserer Schule kann ich Ihne» nur Erfreuliches berichten, Vorzug» kich von den Leistungen in den hebräischen Lebrgegeoständen, welche« Feld in frühere» Jahren hier ganz brach gelegen war. Außer der größten Theilnahme von Seiten LeS Vorstandes er» freut sich unsere Schule auch der besonder,! Fürsorge der hohen Schulbehörde. Namentlich kann sich die hiesige Gemeinde zu ihrem Herrn Schuldirektor, dem hochwürdigen Herrn Pellot, graiulireu. Wie sehr diesem edlen Manne das Wohl der Schule und der Lehrer am Herzen liegt nnd in welchem Verhältnrffe er zu den letztern steht, zeig! un« ein freundliches Schreiben, welche« er an den Herrn Ignaz Dcffauer, Lehrer der hebräischen Sprache, bei Gelegenheit seiner definitiven Anstellung richtete. S . . . - l. bl. Tzegedin, 27. April. Nach dem Vorgänge anderer großer Gemeinden hat die diesige Gemeinde aus Antrag des Herrn KultuSvor» stehrr« Moriz Weiuer den Beschluß gefaßt, daß bei jeder Trauung zu Gunsten der Unterstützung armer verwaister Bräute in der Synagoge eine Speudensammluug statlsinde. Diese wohllhätizr Einrichtung ist heute bei der Trauung der Tochter de« Herrn Kultu«vorsteherS unter dem einstimmigen Beifalle der ganzen Grmeinbe io« Lebru getreten. Herr Uhrmacher Trüber hak zur Gründung der Gemeindebiblivthek 5 fl. gespendet. ch. Großwardein, 24. April. Gestern fanden Ullter dem Vorsitze de« städtischen Herrn Bürgermeister« die Neuwahlen der Ge» wriudeverwaltung statt, und wurde Herr Salowoo Löw mit Akklamation zum Präs«« gewählt. Diese Wahl ist allgemein al« eine glückliche be. zeichnet worden; denn der Neugewählte. ein dem Konservatismus ge» nrigier und dru Ideen der Neuzeit huldigender Mann, ist durch seine Stellung sowol. al« durch andere hervorragende Eigenschaft,n vollkow» men geeignet, die Interessen einer bedeutenden. au« dru divrrgirendsten Elemente» znsammrngksttztea Gemeinde nach Junen und Außen mit Takt zu vertreten. Die Herren Farka« S. ״ud Brüll wurden zu Vor» steheru gewählt, ersterer hat bisher dem PräseSamie mit Mäßigung uod Würde vorgestaudeu und war nicht wieder geneigt, neuerdiug« diese« Amt zu bekleiden. Mau gibt fich gewiß keiner Jlluflon hin, wen» »an für unser« Gemeinde die Morgenrötbe einer schönen Zukunft dr« Frie. den«, der Dersöhnuag und eine« erhöhten religiösen Aufschwunges her» aubrecheo sieht. R. Waltzen, im April. Während in so manchen Gemeinden da« Derhällniß zwischen Gemeinde und Rabbiner rin «ehr oder we» Niger getrübte« ist. kann au« unserer Gemeinde in dieser Rücksicht nur Erfreuliches gemeldet werden. Unser Rabbiner. Herr Friedrich Ullwan», entspricht vollkommen den von ibm gehegten Erwartungen. Sein ganze« amtliche« Vorgehen »st Vertrauen erregend, und jeine iohaltreichea ge» diegenen Vorträge gewinnen ihm die Herzen oller seiner Zuhörer. A Prag, 23. April. In der heutigen öffentlichen Sitzung der hiesigen KultuSrepräsentanz legte der Vorsitzende, Herr Ernst Wehli. diese« Ehrenamt, daer durch volle 17 Jahre inne hatte, zum Bedauern tau» sender seiner Verehrer nieder. Se. Erzellenz Gras Delcredi genehmigte seinen Rücktritt und so ist jede Hoffnung. ihn noch längere Zeit al« Vorsitzenden zu begrüßen, für immer geschwunden; für eine kurze Zeit wird er wol noch den Bitten der Repräsentanz nachgeben. die ihm heute durch die Herren Stadlrath Jur. Dr. Wiener, med. Dr. TodeSko und Leopold Edlen von Porthcim vorgetragen wurden, dahin gebend, daß er bis nach Vollendung der Neuwahlen in der Repräsentanz. welche iw nächsten Monate stalifinden sollen, den Vorsitz führen möge: eS wäre eine schwere Sache, jetzt für einige Wochen einen neuen Vorsitzenden zu wählen, wo vielleicht nach den Wahlen wieder ein andere« Mitglied der Repräsentanz zum Vorsitzenden gewählt werden könnte. Allgemein ist man hier der Ansicht, daß sodann in der letzten Sitzung, welcher Herr Ernst Wehli präsidiren wird. eine gewisse Feierlichkeit stalifinden wird, die als der Ausdruck des Danke» gelten soll, welchen die Gemeinde diesem liebenswürdigen, hochgeehrten und rühmlichst bekannten Gelehrten schuldet. In der heutigen Sitzung wurde auch der Ausruf der Alliance israölitc universelle zur Gründung jüdischer Schule» im Orient vertbcilt. E« ist dies der Sonderabdruck jeurS Aufrufe«, wel« cher in diesem Blatte erschienen ist. und von dem zu wünschen wäre, daß ibn irgend rin Erfolg bei uns kröne; allein so wohlthätig unsere Gemeinde auch ist, so gibt sic zumeist nur da. wo man unmittelbar selbst anklopft. und darum dürfte für die Schulen im Oriente ebensowenig, als für die Riesserstistung von Privaten geschehen. Wa« die KultuSrepräsentanz leisten wird, ist noch nnbekaniil, sie soll nur keinen Maßstab an der Spende nehmen, welche die VeerdigungSbrüderschast an die KulruSgcmcinde in Graz geschickt, um . einen CotteSacker aAzukaufen: fie spendete 30 fl. § Koüfn, im März. Während unzählige Gemeinden im weilen Vaierlande dem Andenken des verewigten Maiinheiuicr Trauerandachten weihen, hält der hiesige Kultusvorstand und Herr Gugevheimer enicht der Mühe wcrth, an dieser allgrmrinen Trauer Tbeil zu nchmen, und von dem Hinscheiben de« gottbegeisierten Mannes auch nur Akt zu nehmen! und doch war Mannheimer, drr unermüdliche Kämpfer in Wort und Schrift für die Rechte seiner Glaubensbrüder, der Lehrer und Leiter einer großen Gemeinde in Israel und speziell - der Wohl thäler der Kollinrr Gemeinde! Dieses Fiirgehcy ist erklärlich, wenn Wir konstatirrn, daß ein Mitglied de« dermaligen Vorstand,«. Verfasser de« im ״Be» Chananjaal« ״Unsinn* dezetchneten ״n נשק ist. wo im Prologe Mannheimer der gewöhnliche Titel Rabbi nicht zugestandeo. und derselbe sonderbarer Weise מנהיימר i־U המדבר (?) יצהק genannt. Ja spotlweise auf den Namen Hhingewieseu wird, mit der ironische« Frage "״?זה ינחבנו• Möge diese« Faktum als ein warnende« Beispiel dienen, wohin eine Gemeinde, rlr auf dem Wege de« Fortschritte« begriffen war, unter reaktionärer Leitung binner kurzer Frist gelangen kann. — Kvllin, im April. Der hiesige Gemeinberath hat fünf Mit» gliedrr in bi» Bezirksvertretung zu wählen, und ernannte hierzu uuier Andern auseiner Mine Herrn Israel Eisler. Unsere« Wissen« ist die« der erste Jude in Böhmen, der von seinen christlichen Mitbürgern in die Bezirk-Vertretung gewählt wurde, drr Kolliner Gemeindeealb ha, hierdurch ein glänzendes Zeugniß seiner toleranten Gesinnung und dev Beweis geliefert, daß eihm Ernst ist, der Gleichdeeechtigung Aller, Praktischen Ausdruck zu geben.

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