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Ben Chananja · 1865-05-03 · 18 (3.5.1865) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
18 (3.5.1865)
Date
1865-05-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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300 an der Akademie, deren Oberhaupt der "ראש ישיבה" gr« wesen. DaS Volk hegte gegen Beide gleiche Achtung und Pietät, so daß allsabbathlich in den Synagogen und Bet- Häusern für Ihr Wohl gebetet wurde. Dieses Gebet hat sich bis auf den heutigen in einem der ״יקום סירקן״ erhalten. Die volksthümlichen Vorlesungen florirten in dieser Weise mehrere Jahrhunderte hindurch, und nur welterschütternde Kriege vermochten sie zu unterbrechen, aber nur, damit sie dann mit desto größerem Eifer wieder ausgenommen werden. Nun müßten wir unS, um das Bild der ״Institution der Vorlesungen״ zu vervollständigen, auf europäischen Boden begeben, den unsere Vorfahren nach der Zerstörung deS zweiten Tempels betraten, da aber alles das in den Rahmen einer Vorlesung nicht gut zu bringen ist, so wollen wir uns daS für ein anderes Mal Vorbehalten. ftomanltli contra Jlomaulifi. Fürth. 19. April. ״Ben Chaiianja" hat nnS neulich die höchst überraschende Nachricht gebracht, daß in Ungarn die äußere Rechte der Or« lhobkrie gegen die äußerste Rechte derselben in einer hitzigen Fehde begriffen ist. AIS Seitenstück zu dieser interessanten Erscheinung kann ich Ihnen mitlheilen, daß in Deutschland, wo Cie eine Orthokorie von ungarischem Kaliber vergeblich suchen würden, die Frankfurter Romantik gegen ihre baierische Schwester einen kurzen, aber siegreichen Kampf geführt hat. Die Veranlassung dazu war folgende: DaS DistriktSrabbinat zu Kiffingen kam nach dem Ableben deS DrS. G. H. Li pp mann, welcher einige Schriften Aden Esra'S edirte und kommcutirte, in Erledigung. Lippmann war in seinem Distrikte, namentlich im Kreise der Orthodoren, eine beliebte Persönlichkeit; der gebildetere Theil deS NabbinatSsprengels konnte allerdings Lippmann'S Vor« gänger, den gelehrten, freisinnigen Dr. Adler, gcgenwärtigen Landeörabbiner in Cassel, nicht vergessen. In Kis׳ singen selbst störten in den letzten Jahren Zerwürfnisse und Mißbelligkei'ten zwischen Gemeinde und Rabbiner den Frieden der Gemeinde und die gedeihliche Entwicklung der Gemeinde- Institutionen. Nach dem Tode LippmannS wurde von Seite der Negierung zu Unterfrankeu der Würzburger Distrikts« Rabbiner, S. B. Bamberger, der mehrere kasuistische und pilpulistische Schriften herausgegeben hat, mit VerVer« waltung deS Kiffinger RabbinateS betraut. Bamberger ist der Chef deS GeneralstabeS deS ״Mainzer Israeliten.״ Der ״Mainzer" wirb nicht müde, der Gelehr« samkeil und Orthodoxie DambergerS Weihrauch zu streuen. Ja, er nimmt sogar keinen Anstand,;u wiederholten Malen anzukündigen, daß Herr DistriktSradbiner Bamberger am 24. April l. I. sein SlmtSjudiläuin feiern werde, ohne zu bedenken, daß die Koryphäen der Orthodoxie, R. Salomon Fürth und R. Wolf Hamburger, schon den Gedanken an ein Jubiläum, welches rein הוקת הנוי ist, als sündlich betrachtet, und mit gerechter Indignation zurückgewiesen hätten. Allein wo die Eitelkeit unserer Orthodoxen im Spiele ist, schenken sie der Rücksicht auf ההינ wenig Beachtung! Herr Bamberger bat während seines einjährigen Wir« kenü eine von den entschiedenen Orthodoxen vielfach getadelte Jndulgenz vorwalten lassen. In Kiffingen ist zur Stunde kein rituelles Bad (Mikwe) vorhanden, und das Schächter« geschäft soll eben nicht strenge überwacht worden sein. Herr Bamberger aber hatte seine Gründe, in Rücksicht auf diese und ähnliche Dinge sein Gewissen zu beschwichtigen und ein vorsichtiges noli me tangere zn beobachten. ES lag ihm nämlich im Interesse des Seelenheils der Kiffinger Gemeinde sehr am Herzen, die Seelsorge derselben in den Händen seines eigenen Sohnes, deS Herrn MoseS Löb Bamberger, zu wissen. Ec selbst that in dieser Beziehung öffentlich keinen Schritt; er inspirirte aber seinen alten und bewährten Freund Mendel Rosenbaum in Zell bet Würzburg, und dieser rechnete eS sich zur hohe» Ehre, in einer gedruckten Ansprache au seine ״werthgeschätzten GlaubenSbrüder" für DambergerS Sohn in die Schranken zu treten, daran erinnernd, daß eS ihm vor 25 Jahren, ״in der Blüthezeit der Neologie", ge, langen ist, DambergerS Vater nach Würzdurg zu bringen, und die Wähler ermahnend, ״sich nicht blenden zu lassen von momentanen, schönen Vorträgen." Mit dieser Ermahnung hat Herr Rosenbaum die Rhetorik und Homiletik bereichert, in denen man die Lehre von den momentanen Vorträgen vergeblich sucht. Seiner Ansprache legte Herr Rosenbanm ״einige Worte der Aufklärung" bei, welche, wie eS allgemein heißt, ebenfalls vom Herrn Distriktö-Radbiner Bamberger inspirirt sein sollen. Der Verfasser dieser ״Worte" ist nun zwar der treue Dolmetsch seines Inspirators, nur soll letzterer etwas betreten gewesen sein, als er in dem Titel deS ihm bereits gedruckt zu Gesichte gekommenen OpuS daS Wort Aufklärung wahrnahm Diejenigen, welche in der orthodoxen und romantischen Literatur Deutschlands gründliche Belesenheit besitzen, versichern, daß dieses Wort sich in der eben genannten Literatuc nicht ein einziges Mal findet. Auch soll der Verfasser seinen lapsus calami bitter bereuen! Indessen ist eS nicht die Aufklärung, welche die Frank« surter Romantik so sehr in Harnisch gebracht hat, wiewol der Redakteur deS ״Jeschurun" mit erhebendem Selbstbewußlsein ׳agen kann. daß dieses fatale Wort weder über seine Lippen geht, noch auS seiner Feder fließt. Die Würzburger Worte der Aufklärung ließen sich aber eine Unterlassungösünde zn Schulden kommen, welche schwer, sehr schwer in'ö Gewicht fällt. Ihnen zufvlge bestehen nämlich die Ob« liegenheiten eines Rabbiners: 1״. In Vornahme von Traunn« gen und Ehescheidungen; 2. in Approbation und Aucorisation der Schächter; 3. in der Errichtung neuer und der Ueberwachuug bestehender ritueller Frauenbäder; 4. in der Leitung und Ueberwachuug deS Religionsunterrichtes in den Schulen; 5. in der Ertheilnng von Gutachten und Entscheidüngen auf die an ihn gestellt werdenden kasuistischen Fragen." Die Ueberwachung. beziehungweist Einrichtung des Eruw fand in dieser orthodoxen P astoral theolog ie keinen Platz! Herr Bamberger deSaoouirt also seinen Kollegen und Gesinnungsgenossen in Frankfurt am Main, welcher hinlänglich bewiesen hat, daß er den Er!״v alö Mittelpunkt seines Pastoralen Wirkenbetrachtet. Dadurch wurden manche Personen in eine so ge« reizte Stimmung versetzt, daß sie die ihnen zu Gebote ste« heude» Mittel in Bewegung setzten, um die Wahl Bamber« gerS in Kiffingen zu hintertreiben. Zn der Tbat fiel der« selbe durch, und eS wurde ein gewisser Dr. Schwab zum DistriktS-Rabbiner gewählt. Kiffingen ist bekanntlich ein sehr renommirter Badeort. Dem Anscheine nach hat dieser Umstand aus die Wahl deS Rabbiners der dortigen jüdischen Gemeinde nicht den gert gsten Einfluß. Die ״Worte der Aufklärung״ sind jedoch anderer Meinung. Sie heben hervur, daß die dortige Rabbinerwahl ״auch vielen auswärtigen Israeliten gilt, die auS Nah und Fern alljährlich den gesegneten Heilquellen KiffingenS zuftrömen, um ihre physische Gesundheit dortselbst zu finden, denen eS aber sicherlich nicht gkeichgiltig sein kann und wird, in wessen Hand die religiösen Institutionen Kis-

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