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Ben Chananja · 1865-05-03 · 18 (3.5.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
18 (3.5.1865)
Date
1865-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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295י י״ 'י:׳ :■ '■•:!•׳ Sie 311״(Ii(u(iou öertforfefungen“ Sei Äen Jaden lies Meilhunis. Sine Vorlesung. Don Heinrich Deutsch. Religion-lehrer io Pest. (Schluß.*) Seit der Zerstörung deS zweiten Tempels durch TituS hat die jüdische Nation, als solche, zu sein aufgehört, aber keineswegs als Träger jener ewig hell leuchtenden Fackel, deren Lichtstrahl daS Dunkel, in daS alle Völker der Erde damals noch gehüllt waren, zerstreuen sollte. Diesen ewigen Beruf deS israelitischen Volkes begriff zu jener Zeit ain besten R. Jochanan be» Sakkai, der den Verlust der statlichen Selbstständigkeit und die Einäscherung deS sichtbaren TempelS als ein Ereigniß bezeichnet, daö keine weiteren Nachtheile für daS israelitische Volk habe, wenn anders eS seine sittlich-religiöse Selbstständigkeit und jenes geistige Palladium im Herzen bewahre, von dem der eingeäscherte Tempel nur ein Symbol gewesen. — Mit Gefahr seines Lebens ließ sich R. Jochanan den Sakkai auS dem von den Römern eingeschlossenen Jerusalem tragen, und in dem Lager der Römer angelangt, erbat er sich von TituS die Erlaubniß, mit seinen Freunden in Jabneh, einer Stadt unweit Jerusalem, sich niederlaffen und ein Lehrhans eröffnen zu dürfen, in welchem er und seine GesinnungSgenosien den religivns-! wisienschaftlichcn Studien obliegen könnten. In Jabneh sammellen sich unter der Fahne deS R. Jochanan die jüdischen Gelehrten und strebten mit vereinten Kräften, die von ihren! Lehrern ercrbteit religiösen Fragmente zu einem vollständigeu j Ganzen zu vollenden. Daß nun zur Zeit einer solchen Geij fteöströmmig nicht nur religiös-wissenschaftliche, sondern auch j ethische, historische, sowie die Aufklärung eines Volkes über- I Haupt bezweckende Vorträge-gehalten wurden, wird nachzu׳ weisen nicht erst nöthig sein. Wohl aber wollen wir eS zu unserer Aufgabe machen, die Art und Weise, sowie den Geist wo möglich anschaulich zu machen, in welchem namentlich die vollSthümlichen Vorträge gehalten wurden. ES ward bereits oben bemerkt, daß schon zur Zeit deS Profcten Jesaja eine Art von Gesetzeöforschnng getrieben worden sei, welcher Voraussetzung daS Wort: "ררש" zu Grunde gelegt wurde. AuS diesem Worte bildete sich später daS noch bezeichnentere: "מדרש" und die auf wiffenschastliche Erörterungen und Vorträge so häufig angewentete Deneunung: דרשה״-" Zur Zeit nach der Zerstörung deS zweiten Tempels bezeichncte man eben darum, weil die streng wissenschaftlichen Vorträge von denen der volkSthümlichen, die mehr den erhebenden, tröstenden und erheiternden Charakter an sich trugen, schon wohl uuterschieden wurden, erstere mit dem Namen »•מדרש הלכו" halachische Erklärung, und letztere mit "כדרש אגרד.• aggadische Erklärung. Wir ,vollen letztere in soferne in Betracht ziehen, alS auö derselben Form und Richtung der volkSthümlichen Vorlesungen hcrvorgehen. Alö den eigenthümlichsten Grundzug dieser Vorlesungen bezeichnen wir den Gebrauch anziehender, auS dem Leben gegriffener Gleichnisse *j S. die vorige Nummer. 296 und dichterisch auSgeschmückter Parabeln, mit denen der Lektor gewöhnlich die Vorlesung eröffuete, um auf diese Weise die Aufmerksamkeit deS Volkes zu fesseln. Namentlich war edie Vortragsweise deS R. Jochanan den Sakkai, die allgemein so beliebt war, daß man ihr das Epitheton: »Balsambüschel" (חזמל) beilegte. Um den hohen Werth der Dersöhnlichkeit seinen Glaubensgenossen recht eindringlich zu machen, sagte R. Jochanan: ״Warum verbietet wol die heil. Schrift jedwedes eiserne Werkzeug bei dem Bau deS Altars zu gebrauchen? ״DaS Eisen" — sagte er — ״ist bestimmt, zu beschädigen und zu verletzen; auS dem Eisen wird daS Schwert geschmiedet; daS Schwert ist daS Symbol deS verheerenden Krieges : der Altar hingegen ist daS Sinnbild der Versöhnung und deS Friedens, durch ihn ward Gott mit seinem Volke versöhnt. Fern müsse daher jedes Gefahr bringende Element von dem Vermittler der Versöhnung und deS Friedens für immer bleiben." (T08efta Bama-Kama c. 7.) Nachdem er nun auf diese Weise seine Zuhörer versöhnend und friedfertig gestimmt hatte, fuhr er fort: ״Um wie viel mehr" — sagt er — ״ist eS Pflicht und Schuldigkeit der Menschen, friedliche Gefühle gegen ihre Mit- und Neben- Menschen stets im Herzen zu hegen n. s. w." .... Und so gelang es ihm, die Herzen seiner Zuhörer zu gewinnen und nach Gefallen zu leiten. — Dergleichen Beispiele ließen sich viele anführen, aber obiges dürfte hinreichen, um daraus die Richtung, als auch die Form der in dieser Zeitperiode herrschenden Vorträge vollständig zu erkennen. Mit der Zeit nahmen die volkSthümlichen Vorlesungen einen solchen Aufschwung, daß der Lektor, als solcher, großes Ansehen gewann. Dem N. Eleazar, Sohn deS R. Simeon (den Jocha'i) werden die Epitheta Tanna, (Gesetzeslehrer), Pa'itan (Poet) und Kara, (Lektor) beigelegt, und noch Andere mehr. — DaS Volk fand an den populären Vorlesungen solchen Gefallen, daß nicht selten die Hörsäle, wo streng Wissenschaft« liche Vorträge gehalten wurden, leer blieben, weil AlleS zu den erster« hincilte. R. Abnhu, (Ende deS 2. Jahrhunderts), wußte seine Zeitgenossen durch seine geistreichen vvlkSthümlichen Vorträge so zu fesseln, daß sein Zeitgenosse R. Chija bar Abba, der durcy ihn seinen wiffeuschaftlichen Vortrag einstellen mußte, bittere Klage führte. Dennoch wußte R. Abuhu auch ihn durch ein geschicktes Gleichniß zu besänftigen, indem er sagte: ״Wenn zwei Krämer ״ach einer Stadt kommen, von denen der eine Edelsteine, der andere Eßwaaren feilbietet, welcher von beiden wird wohl der Käufer mehr haben?" (Sota 40, a. — Juchasin 8. v. R. Abuhu.) Verlassend den Boten, ans welchem die ״Institution der Vorlesungen" die beschriebenen CntwicklungSphascn durchgemacht hat, wollen wir unS nun auf jenen Strich Landes begeben, der sich an deu Ufern der beiden Ströme Vorderasiens, deS Eufrath und deS Tigris hin dehnt, und einen Theil zuerst des assyrischen, dann des babylouischea, und noch später deS medisch-persischen Reiches bildete, wo ein großer Theil unserer Vorfahren mehr als ein Jahrtausend hindurch daS immense Gebiet der religionö-wiffenschaftlichen Literatur mit unermüdlichem Fleiße anbaute. — Schon jur Zeit deS assyrischen Königs Salmaneffar wurden die 10

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