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Ben Chananja · 1865-04-26 · 17 (26.4.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
17 (26.4.1865)
Date
1865-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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281 so grellem Widerspruche staub, eine Lehre schöpfen können, die sie zur Grundlage ihrer irrigen GlaubenSsysteme gebrauchten? Ist aber diese unsere Vermuthung begründet, so wird eS alsdann nicht minder begründet erscheinen, daß sämmtliche in den ״Sprüchen der Väter" vorkommenden Lehrsätze als ebenso viele Themata zu betrachten sind, deren Inhalt iu kurzen Epigrammen der Nachwelt aufbewahrt wurden. Bei einigen Sprüchen, deren geschichtliche Beziehnngen zu ihrem Urheber uns bekannt sind, fällt das klar in die Augen. So der Spruch deS Jehuda den Tabak in Bezug auf daS Zeugenverhör, der mit seinen Erlebnissen in unverkennbarem Zusammenhänge sichet. Ebenso spiegelt sich die VerfolgungSgeschichte deS R. Eliezer den HyrkanoS in seiner sonst dunklen Gnome vollständig ab u. a. m. Wo die historischen Beziehungen der Sprüche zu deren Urhebern unS fehlen, da läßt sich dies freilich nicht mit solcher Sicherheit Nachweisen; doch ist cS mehr als wahrscheinlich, daß sämmtliche Sprüche der Väter nichts Anderes, als ״Ueberschriften" gehaltener Vorträge und Vorlesungen der Tanaiten sein mögen. Wie belehrend, erhebend und unterhaltend muß der Vortrag cineö Jose ben Joezer gewesen sein, in dem er seinen Zeitgenossen ans Herz legte, daß ihre Häuser der Sammrlplatz der Gelehrten und Weisen seien! Wie fortgeschritten nicht nur in sittlicher, sondern auch in sozialer Hinsicht ein Zeitalter, in welchem ein jüdischer Gcsetzeölchrer eö für zcitgemaß hält, seinen Glaubensgenossen die GcwerbSthätigkeir vor Allem empfehlen zu müssen, indem er sagt: "אהב את ן המלאכה" Wie sehr mußten sich damals die sittlich-religiösen und die sozialen Verhältnisse deS israelitischen Volkes schon geändert haben! Wir wissen eö, daß unsere Vorfahren ursprünglich zu einem Ackerbau treibenden Volke bestimmt waren. Dieses beweiset die ganze mosaische Verfassung. Nach der Rückkehr auö dem babylonischen Erile wurde der neue Stat ans Grundlage der alten mosaischen Verfassung wieder ausgebaut. Und dennoch wußte Scmajah, der Ende deS zweiten Jahrhunderts vor d. g. Zeitr. lebte, nichts Besseres seinen Zeitgenossen zu empfehlen, als industriellen Fleiß und Thätigkeit. Daß er aber auch nur von dieser spricht, beweiset der Ausdruck ״מלאכה״, der Kunstarbeit bezeichnet, im Gegensatze zu ״עבודת השרו;״ das Feldarbeit bedeutet. (Schluß folgt.) Die Met 0011 Dem Monjif Der 3uöcu in Mgy-Na im Jahre (650. Dr. EraSmuS Schwab, ein deutscher Gelehrter, der einige Jahre in Ungarn gelebt hat, veröffentlichte soeben ein Werk: ״Land und Leute in Ungarn", um ״den unklaren und abenteuerlichen Vorstellungen entgegenzutreten, welche über Ungarn im Schwünge sind." Der ״Pester Lloyd" deeilt sich, seine Leser auf dieses Werk aufmerksam zu machen, und um denselben eine günstige Meinung von der gründli« chen Forschung deö Verfassers beizubringen, wählt er daS Kapitel, in welchem die Geschichte deö jüdischen Konzils zu Nagy-Jda mit vieler Ausführlichkeit erzählt wird. Weder der Herr Schwab, noch die Redaktion deS ״Pester Lloyd" hatten eine Ahnung davon, daß sie ihre Leser mystifiziren! ES sind bereits zwanzig Jahre, seitdem Selka Cassel in einer Monographie*) unwiderleglich bewiesen hat, daß die fragliche Synode niemals abgehalten wurde, und daß der ganze Bericht über dieselbe nichts Andereist, als eine Erfindung des englischen Missionär- Samuel Brett, welcher mit seiner, unkritische Leser leicht irreleitrndeu Dichtung auf die zu bekehrenden Juden einwirken, vorzüglich aber unter dem Deckmantel eines jüdischen Konzils gegen den Katholizismus zu Gunsten der anglikanischen Kirche polemisiren wollte. Brett sagt nicht, daß die Versammlung in'Nagy, Jda stattgefunden habe; er spricht von der ״Ebene von Ageda in Ungarn, ohngefähr dreißig Meilen von Ofen." Der Name ist natürlich ebenso erdichtet, wie die ganze Erzählung. Der deutsche Uebersetzer der Brettischen Fabel, M. T. S. Schwindeliuö iu Nürnberg, der dieselbe für baare Münze nahm, hielt auch Ageda für einen geographische» Namen. Erst als die Fabel zu Ende deS vorigen JahrhuudertS auch in Ungarn Eingang fand, fing man an, auf Nagy-Jda zu rathen! Sch n dt schrieb schon 1714, daß BrcttS Bericht einige Dinge enthalte, welche ״Brettii Ignoranz in derJüden Sachen an den Tag legen, oder an der Aufrichtigkeit dieser Akten zweifeln machen, wie in den Actis Eruditorum, Lips. 1709 geurtheilt wird (Denkw. I. 2, 119.)" Die Acta Eru- (litorum waren also in der historischen Kritik Anno 1709 weiter gekommen, als Herr EraSmuS Schwab Anno 1865! In meinem 1816 in Busch'S Jahrbuch erschienenen Aufsatze: ״Die Schicksale und Bestrebungen de׳.׳ Juden iu Ungarn seit dem elften Jahrhundert bis auf unsere Zeit. Zweiter Artikel" sage ich hierüber: ״DaS Fabelhafte dieses Konzils leuchtet soivol ans dem angeblichen Hauptfaktum, als auch aus allen Nebenumständen hervor. Fabelhaft ist der angebliche Ausweis über die Abstammung, beSgleicheu daS jüdische Mittelalter gar nicht kennt. Fabelhaft ist die Beralhung in hebräischer Sprache, da eine solche spätestens seit dem Abschlüsse der Mischna im 3 Jahrhundert niemals unter Juden stattgefunden hat. Lächerlich ist die Erwähnung der Sadduzäer im siebzehnten Jahrhundert, da dieselben nicht lange nach der Zerstörung deS zweiten Tempels spurlos auS der Geschichte verschwinden. Eine gänzliche Unkenntniß jüdischer Zustände beurkundet die Angabe, eS seien ״einige vou der Sekte der Pharisäer zugegen gewesen", da bekanutlich alle Nabbanitcn, und also mit Ausnahme der Karäer alle Juden des Mittelalters, der sarisäischen Richtung folgten. Einen renommirten Nabbinen Zacharias gab eS zu jener Zeit nicht, und eine Disputation, wie die von dem Missionär angeführte, kann unter Rabbinen niemals stattgesunden haben. Die ungarischen Geschichtschreiber wissen von dem Konzil ebenso wenig, als die jüdischen. In rabbinischen Werken findet sich davon nicht die geringste Spur. Ja, eia Zeitgegenösse Brett'S, der berühmte R. Manasse b. Israel, hat die Erzählung bald nach ihrem Erscheinen für eine Erdichtung erklärt, ohne daß diese Erklärung widerlegt worben wäre. In Ungarn wurde daS angebliche Konzil erst 1795 bekannt, in welchem Jahre die ungarische Zeitschrift ״Urania" Brett'S Erzählung im Auözuge miltheilte." fS. 89. 90.) Ja vollständigerer deutscher Uebersetzung deS bereits erwähnten Schwindeliuö wurde Brett'S Erzählung mitgetheilt in der Schrift: ״Fragmenta litcraria rerum Hungaricarum" voll Michael Kova'lS Martinyi (Jena 4. 1808.) DaS mir vorliegende Eremplar dieser Schrift ist leider defekt, so daß ich nicht angeben kan», waS Martinyi in seiner Einleitung darüber sagt. Ohne diese Schrift zu kennen, veröffentlichte Dr. Pserhoser in Päpa eine deutsche Uebersetzung deS AuSzugeS der ״Urania" iu der ״Allgem. Ztg. deS JudenthumS", 2. ') Die Rabbinerversammtlilig vom Jahre 1650. Berlin. 1815. Leset-biae«. 8. SS. S.

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