Mannheim
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Ben Chananja · 1865-04-19 · 16 (19.4.1865) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
16 (19.4.1865)
Date
1865-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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271 unb ■brr Sohn de« Herrn Rrichsraibe« Knrauda mußte dasselbe thuu. Bei birsrr Ignoranz ist brr Respekt begreiflich» bea man vor brr Orlhoborir nicht nur au dru Tag legt, sondern auch wirklich empfinder. Dir Oetboborie, die diesen Umstand kennet und fich ihrer numerischen Bedeutsamkeit bewußt ist» tritt daher seit Jahren immer prätenfivrr auf. Jellinek« KontroverSpredigten find ihren Koryphäen ein Dorn im Auge, unb JelNvek ist ihnen keine persona grata. Uw nun die Oethodoren zu beschwichtigen, beeilte sich der Vorstand, die KonkurSauSschreibnng zu beschließen. Die Oethodoren hoffen sogar, baß es ihnen gelingen werde, einen Romantiker an die Stelle Mannheimers zu bringen. An, dererseilS regt fich aber auch der Geist wieder, welcher 1844 auf die Vervollkommnung unserer liturgischen Einrichtungen drang, dem Widerstände Mannheimers jedoch weichen mußte. Wie ich höre, soll auch die Absichr vorherrschen, eine lirurgische Kommission niedcrzui'etzen, welche über die vorzunebmeoden Verbesserungen aus einr eingehende, aus die liturgischen Reformen in Deutschland Rücksicht oehmcnde Weise Bericht erstalteu soll. Sobald die beiden Tempel einige Schritte vorwärts thun, wird e« auch der Orlhodorie ein Leichtes sein, sich ihres Stabilismus zu tlilschlagen, und einige ästhelischr Verbesserungen vorzunehmen, welche den gebildeteren Oethodoren unbedenklich, r und nützlicher scheinen, als die Tbürmlein. welche die Preßburger Orlhotoren aus ihrer Synagoge angebracht haben, und zu deren Abtragnng, wie man sich erzählt, nächstens eine Subskription eröffnek werden soll. Die liturgische Kom- Mission wird wohl daran thun, auch den kleinen deutschen Tbcil unserer Liturgie zu prüfen. Daß auch dieser einer Revision bedarf, dürfte aus folgendem Beispeile klar genug bervorgehrn. In dem Gebete für den LanbeSvater steht die Behauptung, daß die ״Könige und Fürsten .alle milde Gaden bringen. Jeder seinem Volke und Lande": eine Nebertrcibung. die kein vernünstiger Mensch rechifcrti» gen wird, ob sie auch seit 40 Jahren an jedem Sabbathe im hiesigen Tempel wiederholt wird. Dasselbe Gebet sag! zum lieben Gotte, daß Er die Könige und Fürsten mit ״alle» Gaben seiner Huld und Milde ausgerüstet dal": »ine Uebertreibung. dir am wenigsten an heiliger Slättr ausgesprochen werden sollte. ,׳. Pest, 13- April. Der Korrespondent der ,Debatte", dessen Artikel Sie miitheilten, scheint vergessen zu haben, daß unsere Gemeindestatuten vom Jahre 18Ü1 ebenfalls nur eine mittclbare Wahl dcS Vorstandes »nd der Repräsentanz zuließen. UcbrigcnS har der gegenwärtige Vorstand 80 Gemeindcglicder eiuuUi», welche zum Dehufe des bei der Wahl vorzunehmenden SkrulinS eine Zehner-Kommission wählen werden. Den Vorsitz in dieser Kommission wird der Rabbiner führen. Pest, im April. Der hiesige P-Korrespondenl spricht i» Nr. 14 dieser geschätzten Blätter sein Befremden darüber aus. daß die im hiesigen Tempel stattgehabte Gedächtuißfeicr für Mannheimer mit Orgel- Präludium begonnen und mit Jom Kippur Ka»an«Gebet geendet hat. Diese scheinbare Rüge bedarf einer Berichtigung uud lheilweisen Widerlegung. Vor allem sei bemerkt, daß das Orgelspieleu im hiesigen Tempel bei allen rituellen Funktionen nun einmal fait accompli ist, die Ge« meinde also auch bei der in Rebe stehenden Todtenfeierlichkeir keine Ausnahme zulasseu konnte und mochte, bloS deshalb, weil Mannheimer der Orgel abhold war. Wäre dies, wie Herr P. weint, ein genügender Grund, um in der einmal sestgesiellten Kultusordnung Ausuahmsnormeu zuzulaffen, daun müßten wir mir unseren großen Männern noch bei Lebzriren über dir Art und Weise uns vrrstLudigen, wie nach ihrem ein» stigen Dahiuscheideu für ihr Seelenheil gebetet werden soll. Zudem war Mannheimer, sowie sein im vorigen Jahre ibm vorangegaugener Amisuud GefiunuugSgeuoffe Sachs. nicht etwa aus theologischen und reit« giösrn Gründen gegen die Orgel, sondern lheils aus örtlichen Rücksichten, größieutheilS aber, um als selbstständige ehrliche Charaktere, wie sie waren, in ihrer einmal «iugeschlageuen Richtung konsequent zu dleiben. Gegcu die Orgel stimmen. involvirt noch keine orihvdvrc Gesin- Szegedin, Lelblvrrlag brr Lrbabllon. 2ii' nung! Ludwig Auaust Frankl hat bekanntlich in diesen Blättern rin Memorandum veröffentliche» worin er sich gegen dir Orgel ansspricht. Frankl, der seine Meinung historisch motivirt. sagt selbst in der Einleitung zu seinem Schriftstücke: ״Dessen bin ich gewiß, daß man wir nicht vorwerfen wird, ich sei au« Orthodorie ein Gegner der Orgel." Meyerbeer hat sogar ein Gutachten gegen den Gebrauch der Orgel in der protestantischen Kirche zu Berlin abgegeben, und bat theilwersr Brach, tung gefunden; war er etwa von Orthodorie geleitet?' Mit Nichten! Ferner baden beide nunmehr in Gott ruhende Freunde, Mannheimer uud Sachs, das Orgetipielen nur an O2V und 12"' nicht zugegeben; an Wochentagen wird auch in Wien schon seit 15 Jahren eine FiS- Harmonika verwendet» wie z. B.!eben Sonntag bei dem Gottesdienste für jüdische Handwerker, am Geburtslage des Kaisers, bei Vorkommenrcn Todtcusrierlichkeiien u. s. w. Ebenso ließ Sachs in Prag bei l-'cda (locki, an Nrumondtagen, Chanukka, Purim und bei Trauungen die Orgel spielen. Erne derarrigr Benützung der Orgel wollte Sachs auch in Berlin in der neuen Prachtsynagoge genchnugen. Was aber der vom Herrn P. gemachten Rüge jede Begründung gänzlich benimmt, ist der. Umstand laß das Jom Kippur-Kalan-Geber in gar keruem Zusammenhange mit der Gcdächtntßseicr war; diese endete mit LI male rachamim, worauf der Herr Obcrradbiucr das bei 2",ר übliche Kadlsch rezitirte und das Chorprrsonatc sich entferute, bis' auf erneu kleinen Theil desselben, welcher alltäglich beim Gottesdienste milwrrkel. DaS Jom Kippur Kaian wurde verrichtet, weil zufällig ע״רה׳ war, und weil hier dieses Gebet jeden 'fi'TJJ ***** diese Zeit verrichte! wird, ohne aber zu dem Hkspedprograram zu gehören Oderkanior Frievmann. L. E. Ofen, im April. Herr Dr. Heinrich, der christlich- Eigcnthümcr des in neuerer Zeit so sehr beliebten RaitzcubadrS hat in diese«! Jahre, wie ui den vergangenen letzten drei Jahren, dem Borstände der hiesigen israelitischen KultuSgemcindc 100 fl. zur Berthcilunz an jüdische Arme übermittelt, und den Dorstaiid, wie in früheren Jahren, auch diesmal rriucht, jede öffentliche Danksagung zu uilterlaffen. Der Vorstand hält sich natürlich verpflichtet, diesem Wunsche nachzukommen. Mir möge es der edle Spender verzeihe», wenn ich die Kuudgeduugcn seiner vorurthcilsfrcien und reinen Menschenliebe jüdischen Kreisen bekaniil gebe. Unsere Armen segne» den großherzigen Doktor, der sie am BefreiilngSseste von mancher, drückenden Sorge befreit. Andererseits bat sich der katboliiche Pfarrer in der Raitzenstadt nicht entschließen wolle», die Abhaltung rincö WohlthätigkeirsballcS am Purim zu gestatten. Selbst die Empfehlung des SladrhauptmanntS brachte den ehrwürdigen Herrn nicht auf duldsamere Gedanken. G. Altofen, 9. April. Herr Joses Deutsch in Pest hat der hirfigeü Svnazoge eine Kanzel geschenkt, welche wegen ihrer Iplendiden Ausstattung allgemein gefällt. Unser Herr Oberrabbrner Hirsch, den wir auch bisher als elnru Irrfflichen, zu Geist uud Herz sprechenden Prediger liebten und ehrten, ist durch seinen gestrigen Borlrag in die Reihe der eigentlichen Kanzelreducr getreten, nachdem er früher zu den Stand er rednern gehört hat. Der hiesigen Gemeinde gereicht e» zur Ehre, daß sie an der Kauzelnruerung keinen Anstoß nimmt. Die Preßburger haben wol Thürmleiu auf. ober keine Kanzel in ihrer Synagoge. LI. Tzcgcdin, 13. April. Herr Herrmann Kirschner hat zum Behuf« der Gründung einer Gemcindebibltoihck 20 fl. gespendet. M. Szegedin, 14. April. Heute hat der hiesige israelitische Grvattrrvrreiu die statutenmäßige Grueralvrrsammlung grhalten. Der Verein zählt 2l3 Mitglieder und verfügt über ein Kapital vou 1700 stin S.'atSpapieren und iu barem Gelbe. Jede Wöchnerin wirb vou nun an mit 10 fl. unterstützt werden; bisher wurden 5 fl. verabreicht. G. Füufkirchen » 10. April. Was von uns seit vielen Jahren als ein heißer Wunich ausgesprochen, wa« wir in der jüdtichcn Presse Fortschnng in brr Lrilagr. Leipzig, LommtslionsVrrias von Franz Wagner. Druck vou Eigmuub Burger iu Szegedin. Hierzu ein Viertel Bogen Beilage.

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