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Ben Chananja · 1865-04-19 · 16 (19.4.1865) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
16 (19.4.1865)
Date
1865-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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264 Basis des neu zu erhebenden StatSgebäudeS zu machen. Richten wir nun unfern Blick darauf, waS denn Esra beigetragen zur Wiederbelebung, bezüglich Neugestaltung der ״Institution der Gesetzesvorlesung",. die nun so geraume Zeit gleichsam im TodeSfchlaf gelegen. Wir haben bereitoben gesehen, daß die ״Institution der GcsetzeSvorlesung" von Moses eingesetzt wurde, sowie daS Stadium kenne» gelernt, auf dem sie sich bis zum babylonischen Eril erhielt. Esra, als Restaurator deS mosaischen Gesetzes mußte natürlich unter Lindern auch diese für die sittlich-rcligiöse und nationale Bildung deS israelitischen Volkes so hochwichtige Institution nicht nur wieder inS Leben rufen, sondern auch mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft entwickeln und den geänderten Anschauungen und Verhältnissen anpassen. Und in der Thal treten nunmehr die Gesetzes- Vorlesungen nicht nur ihrer periodischen Wiederkehr, sondern' auch ihrem Inhalte, ihrer Art und Weise, sowie der Sprache nach, in der sie gehalten wurden, in eine neue vortheilhafte EntwicklnngSphase. Während der ersten Tempelpcriode fanden die Vorlesungen an Cabbath-, Neumond- und Feiertagen statt. Esra dehnte sie auch auf bestimmte Wochentage auS. Der babylonische Talmud sagt: Esra verordnete den Jsraeliten, daß sie am Montag und Donnerstag ebenfalls daö Gesetz verlesen sollen (Baba-Kama 82 a. — Jerus. Talm. Mcg. -1, 1.)*) Warum, fragen wir aber, gerade an diesem Tage? Wodurch waren diese beiden Wochentage zur Vorlesung geeigneter, als jeder andere Wochentag? Die Tradition, diese unerschöpfliche Quelle unserer Geschichte, bietet unö auch hier Mittel zur Lösung dieser Frage. Montag und DonnerStag kamen die Leute auS der Provinz nach Jerusalem, um ihre Privatangelegenheiten zu ordnen; somit ward ihnen Gelegenheit geboten, bei der Verlesung deS Gesetzes anwesend zu sein (S. Raschi zu Meg. 2 a.) Diese ebenso zweck« mäßige, als gemeinnützige Verordnung EsraS erstreckte sich ferner auf jene national-geschichtliche Vorlesung, die unter dem Namen ״Keriath-Megilla" bekannt und deren Zeit gesetzlich auf den 15. Adar festgesetzt ist. Nichtsdestoweniger gestat« tele, oder vielmehr verordnete Esra, daß dieselbe denjenigen, die auS der' Provinz nach der Stadt kommen, um einen ober zwei Tage früher verlesen werden dürfe, weil sonst — so bemerkt die Tradition — ihnen die Gelegenheit benommen wäre, an der Lesung der Megilla Theil zu nehmen. Wir ziehen daraus den einfachen aber logischen Schluß, daß die Megilla nicht nur in jeder dem Volke geläufigen Sprache (S. Megilla 18, a) gelesen; sondern auch von mehr oder weniger weitläufigen Erörterungen begleitet wurde, wozu jedoch sich bloS in der Stadt, als dem gewöhnlichen Sitze der Intelligenz, die beste Gelegenheit darbot. Bezüglich der inner» Beschaffenheit unterscheiden sich die Vorlesungen dieser Zeitperiode von deneu der früheren dadurch, daß nunmehr auf die Interpretation des gelesenen Stoffemehr Sorgfalt angewendet wurde; ferner daß die Themate zu den Vorlesungen nicht nur einzig und allein dem j •) Drr scheint,»« Wideriprnch zwischen dem jeeusal,mischen und babyloancheu Talmud wird Baba.Kama 62 » wol ander«, aber wenig kritisch ausgeglichen. Gesetze, sondern auch der Geschichte der nationalen Bergan« genheit, sowie der in Aussicht gestellten hoffnungsreichen Zu« kunft entnommen wurde. Schon der Profit Jesaja empfahl seinen Zeitgenossen die Erörterung und Erklärung ״des göttlichen BucheS", indem er sagte: '1־ דDJ דרשו מעל (Jesaja 35, 16.) Der Sprachgebrauch von דרש, bemerkt ein geistreicher Kommentar zu dieser Stelle, setzt schon eine Zeit voraus, wo man anfing, ein Studium auö den heiligen Schriften zu machen. — Ein noch helleres Streiflicht wirft der babylonische Talmud auf die innere Beschaffenheit der in dieser Zcitperiode stattgehablen Vorlesungen, indem er an den VerS: ״Und sie lasen in dem Buche Gottes erklärend und erörternd, und dachten nach über daS Gelesene" (Neh. 8, 8.) folgende Bemerkungen anknüpft: ״Unter 'תורח אל — sagt er — ist der hebräische Tert zu verstehen; unter מפורש die erklärende Uebersetzung; und endlich unter שום שכל die geschickte Anwendung der einzelnen Sätze und Verse." — (Meg. 3, 1.) Uebertragen wir nun diese epigrammatischen Ausdrücke deS Talmuds in unsere moderne Sprachweise, so wird dies folgendermaßen lauten: An den vorgelesenen Tert knüpfte man allerei Erklärungen und Erläuterungen, die den Zuhörer nicht nur mit dem Inhalte dcö vorgelesenen Stoffes, sondern auch mit andern Erkenntnissen und neuen Anschanun« gen bekannt machten; ferner, daß die Sprache, in der man vortrug und erklärte. nicht wie ehedem die hebräische, sondern die jeweilige Volkssprache, in dieser Zeilperiode die chaldäische Sprache gewesen, welche die auS dem Eril Heimkehrenden im Leben gebrauchten und am besten verstanden. Wie wunderbar! daß selbst in unserer an Bildung und Kultur so fortgeschrittenen Zeit noch ein großer Theil unserer Glaubensgenossen jeneö Vorurtheil nährt, über welches vor dritthalb Jahrtausenden unsere Vorfahren sich wegsetzten, ja daS für sie gar nicht eristirt hat. Ich meine den Gebrauch der vaterländischen Sprache. Unsere Vorfahren lernten die chaldäische Sprache in Babylon. Und als sie wieder heimkehrten, bedienten sie sich derselben in ihrem Hcimatlande nicht nur im gesellschaftlichen Verkehre, sondern auch in den Lehr- und Dethäusern. Und wer war der Schöpfer dieser Neuerung? Kein anderer als Esra, dessen um die religiöse Wissenschaft und Literatur sich erworbenen Verdienste die Tradition lautes Zeugniß -.-legt, indem sie sagt: ״Esra wäre würdig grwesen,;׳aß durch ihn die Thora den Israeliten gegeben werde, wenn ihm MoseS uicht zuvorgekommen wäre. (Sanh. 101, d.," Und dennoch war er eS, der nicht nur den Gebrauch der chaldäischeu Sprache zu heiligen Zwecken verordnete, sondern auch die assyrischen Schriftzeichen, an die sich die Israeliten im Erile gewöhnten, an die Stelle der althcbräischen Schriftzeichen setzte, in welcher von dieser Zeit ab fast unsere ganze Literatur geschrieben wurde. Im Geiste Esra'S wirkte die von ihm gegründete und ungefähr 200 Jahre bestandene große Versammlung, die unter dem Namen ״Synagoga Magna“ bekannt war.*) Von j diesem großen Vereine und dessen einzelnen Mitgliedern überkamen uuS mehrere Lehrsätze, die für den Geist, der ') S. B. 8H. 1. Jhrg. S. 102. 183. 292. 338 ff. R.d.

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