Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 15 (12.4.1865)
- Date
- 1865-04-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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249 250 Besehen wir und den erfreulichen Inhalt dieser Der- Handlungen genauer. Sir Francis Goldsmid, Mitglied deS brittischen ParlamentS meldet, daß eS ihm gelungen ist, Lord Ruffels Aufmerksamkeit auf das ungerechte Dekret der rumänischen Regierung zu lenken, welcheden ausländischen Israeliten den Erwerb von Grundstücken untersagt. Der illustre StatSmann versprach die diesbezüglichen Schritte sofort einzuleiten, damit das rumänische Gouvernement von diesem intoleranten Fürgehen abzebracht werde. Zugleich übersendet Sir Francis Goldsmid den Betrag von 2000 Fr. behufs Errichtung von Schulen im Orient. Samuel Rietti in Korfu zeigt an, daß sich unter sei׳ nem Präsidium ein Komitü für Griechenland gebildet hat, das bereits 72 Mitglieder zählt. Der franz. Vize-Konsul zu Tetuan, erstattet Bericht von dem erfreulichen Zustande der von ihm inspizirten Schule zu Tanger. In dieser Anstalt befinden sich 300 Schüler, deren Fortschritte zu den schönsten Erwartungen berechtigen. Dem Dr. Bernhard Levi, Schuldirektor zu Tanger, werden 150 Fr. angewiesen behufs Ankauf von Schulbüchern; für die daselbst zu errichtende Mädchenschule wird auf drei nacheinander folgende Jahre eine jährl. Subvention von 500 Fr. votirt. Für die Juden im Orient wird eine Ausgabe der h. Schrift in spanischer Sprache veranstaltet. Herr Camondo, Präsident deS ZentralkomitäS für die Türkei, gibt nähere Auskunft über den Zustand deS Unter, richtSwescns in Konstanti'nopel. Derselbe hält die Gründung zweier neuer Schulen, sowol für Knaben als Mädchen, dringend norhwendig. Die Erörterung dieser Frage wird dem Schulkomild — unter Zuziehung der Herren AltaraS, Alb. Kohn und Eamondo — zur Begutachtung überwiesen. Der Rabbiner Saphir aus Jerusalem bittet um eine Unterstützung zur Veröffentlichung seines Reiseberichtes über Aemen; nachdem der Bericht viele anziehende Details über die politische und sociale Lage unserer Brüder in jenem Lande enthält, daS seit Maimuni mit den abendländischen Juden nicht in Berührung kam, werden zur Erleichterung der Herausgabe 50 Eremplare subskribirt. Sollen wir noch, infandum rcnovare dolorem, die kurzen Berichte über die unglücklichen, durch gewaltsame,» Raub dem Schoße ihrer jammernden Eltern entrissenen Knaben Morlara und Coen mittheilen? Dr. Petavel, protestanrischer Pastor zu Neufchatel hatte eine Zusammenkunft mit junge : Edgar im Kloster deö h. Johann von Lateran — der Inhalt dieser Unterredung wird unS verschwiegen — jawol ״Thränca sind stumm"-Interessant ist der Bericht dieses wacker» Pastors über daS progressive Anwachsen der israel. Gemeinde zu Neapel, daS seit Abravanel den Jsrae- Uten verschlossen war, auch meint Herr Petavel, daß diese Stadt mit der Zeit zum Mittelpunkte der unter der domination pontificale, so unglücklichen römischen Juden werden könnte. Ueber daS zweite Opfer deS finstern Fanatismus vernehmen wir, daß sich in Livorno ein Komitd gebildet hat, um den Eltern und Geschwistern CoenS, die aus der ״heiligen Stadt" verjagt wurden, die nothwendigen Mittel zur Erlstenz zu verschaffen. Zu diesem heiligen Zweck votin die Alliance einen Betrag von 300 Fr. Wenn wir nun noch erwähnen, daß unser unermüdlicher Alb. Cchu den Antrag stellte, eine jüdische Akademie zu gründen, so glauben wir dem freundlichen Leser ein, wenn auch schwaches Abbild der zivilisatorischen Aufgaben geliefert zu haben, welche die Alliance verfolgt, und die sie unter dem Schutze deS Allmächtigen und unter Mitwirkung aller intel« ligenten Israeliten erfüllen wird. ES ist zu bedauern, daß solche Bestrebungen in Oesterreich so wenig Anklang finden, mit Ausnahme von Venedig, Prag, Wien, Krakan, Triest, Gr. Kanizsa und Arad finden wir keine österreichische Gemeinde im Bulletin vertreten l Die ״Sruiiramis" -er Nabbinen. ä Don Nehemia« Brü ll. Während die Geschichte die in ihrem Bereich» gelegene» Objekte I klar ju erkennen, scharf ju begrenzen und durch sorgfältige Untersuchung E ihre Wesenheit und Wirklichkeit genau zu bestimmea p׳ri>t, während fie | jede der von ihr in Betracht zu nehmende» Thalsachea nach Ursache | und Anfang, nach Verlauf und Entwicklung und endlich nach Au«gaug | und Wirkung bis zur unverrückbareu Wahrheit festzustellrn bemüht i|׳ und an ihnen, so wirr und dunkel und mißlich fle erscheinen, nicht« andern und bessern will und darf, ist e« der dichtenden Sage vorbr» halten, ja e« macht dies ihren Charakter und Reiz au«, Ereignisse und | Persönlichkeiten mit freiwaltender Phaotassethätigkeit nach Luft und Zweck § beliebig zu gestalten, die Dinge nicht so, wie sie Ware» und bestan« den, sondern wie fle nach den unbewußten, subjektiven oder fast in« stinkliveo Wünschen und Vorstellungen einer Zeit oder einer Partei p hätren erscheinen sollen, zu gestalten, fie nach Gefühl und Bedürfniß ä zu formen und zu färben. Die Soge verhüll» dir Lücken der Geschichte mit bunten viel verschlungenen Geweben aus Fakten und Fiktionen; ja Liese selbst, so klar, durchfichlig und handgreiflich fie io der Nähr er» f scheint, verklärt sich, wenn fie hinter den GefichlSkrei« de- Gedächtnisse« : und der literarischen Ueberlieserung vrrfiakend, nur in einem malten | Halbschimmer schwankt, zu einem wesenlose», in da« Unsichtbare ver» ß schwimmenden Scheine. Es gibt andererseits wieder historische Ereignisse ׳., und Personen, dir mit so blendendem Glanze und so reißender Gewalt | aufirrten, daß die Zeitgenossen, Augen, und Ohrenzeugen, übermannt und | erstaunt, nicht zur ruhigen, nüchternen Betrachtung kommen können und |j so nicht Bilder und Beschreibungen, sondern von dem rwpfan« I grnen Eindrücke erzeugte Vorstellungen als Spuren und Denkmalen jener geschichtlichen Thatsachen der Nachwelt übergeben. Die Sagen bilß den den Lichläther. welcher den festen Kern der Geichichtr umhüllt, oft 8 find fie dem Chaos zu vergleichen, über welche« ein tiefe« Dunkel ge» j lagert ist, bis der zertbeilende Geist der Kritik über ihnen brütend, und | da« Licht der besonnende» Betrachtung auestrahlend, endlich hinter ihrem Z Gewogr den festen Boden der Wahrheit findet. Ost verhalten fie fich zur § Geschichte wie Variationen, die in den verschiedensten Wendungen, Ad« f stufungen und Verbindungen ein Thema enthalten und gestalten, stet« | aber haben sie den Charakter der Flüchtigkeit und Veränderlichkeit an j| sich, vermischen fle fich mileinauder und gerathen, in Nähe und Der» wandtschast gebracht oder anderweitig modifizirt. mit einander in einen I so innigen SyncretiSmu«. daß e« schwer wird, die einzelnen Fäden de« | Knotens zu erkennen, noch schwerer, fie auselbem lo-zulöseu und für | fich zu betrachten. Auch in die rabbinisch, Literatur find einzelne QU! | mente nichtjüdischrr Sogen eingrfloffen» besonder« führen dir an« de» | verschiedensten Quellen in da« Gebiet der Bibel einlaufendeu Ströme | der Haggada verschiedene Trümmer und Fragmente alter Sagen mit fich, I die hervorzuholen und nach ihrem Ursprünge zu srkennen. der Schreibe, I dieser Zeilen, so weit r« für jetzt seine Erfahrungen und Hill-mittel | gestatten, unablässig beschäftigt ist. Folgende Zeilen mögen einige Züge | zu der vielgestaltigen und verworrenen Semirami-sage au« rabdioischen Quellen ausweisra und verdeutlichen. t Semirami« war eine gewaltige Königin; dir Haggada zählt f. vier Frauen, von denen die Geschichte weiß, daß fie regierende Stinu,!■ ginnen waren, und zwar Zirbel und Alhaliah au« dem jüdischen Volke p Waschti und Semirami« unter den Heiden. ') Diese Tetra« steht aber | in einem unzweideutigen Bezug» za einer Tria« von Könige», welche i nach einer, man könnte sie nennen hikorisch-statistischen Haggada, den Erd« : frei« beherrscht haben, nämlich Achab, Nrbucatoezar und Achaschwerosch 1 I ') S. Midr. rab. zu Ssth. 1. 9• f '> b. Meg. 11, a .drei haben den Erdkrei« (klppah) beherrsch«, g Achab. Nebucadaezar und Achaschwerosch. Achab gemäß 1 Köa. 18. 10,» N. gemäß Ier. 27. 8 und A. gemäß Esther 1. 1; zu de» in den Rand« j gloffen bemerkten Unrichtigkeiten io der Anführung der bezeichnete» U