Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 15 (12.4.1865)
- Date
- 1865-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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245 gcst. 943), der die Bibel inS Arabische übersetzte. Er schrieb eine Religiouöfilosofie, gleichfalls in arabischer Sprache, und gab seinem Buche den Titel, der zugleich diese ganze Gei, steSrichtung bezeichnet, nämlich ״ אמונות ורעותGlauben und Wissen." Männer, wie MaimonideS, Aben Esra, Gabirol, - GersonideS, Abrabanel, Rabbi Jehuda halevi, Abr. ben Dior und viele, viele Andere sind Ihnen dem Namen nach gewiß schon bekannt. Ein wahres Lichtmeer von Weisheit und Wissenschaft breitete sich innerhalb der Judenheit aus, von der Bibel ausgehend und sie wiederum glanzvoll umhüllend. Je mehr man aber die Bibel grammatisch und eregetisch zu erklären bestrebt war, um so mehr mußten die hierzu erforderlichen Hilfswissenschaften, besonders die Grammatik und Lerikografie, gepflegt und gefördert werden, waS auch in erstannlicher Weise rasch und gründlich geschah. Neben vielen Anderen haben Chiug, Aben Esra, die beiden KimchiS, R. Jona Jbn Ganah unsterbliches Verdienst um die hebräische Sprache sich erworben und sind als die Schöpfer der hebräischen Grammatik zu betrachten. ES ist eine Wonne, sich in jenen Gefilden zu ergehen. Man fühlt sich gehoben beim Anblicke der großartigen Leistungen unserer Stammesgcnossen, und auch wieder schmerzlich gedrückt bei dem Gedanken an die nnverantwortliche Vernachlässigung dieser kostbaren Schätze von Seiten unserer heutigen Glaubensbrüder. Doch ich darf, so schiver mir auch die Trennung von diesem anziehenden Bcstandtheile meines heutigen VortrageS fällt, nicht länger dabei verweilen, um Ihnen auch noch die vierte Gcisteörichtuug, die sich wiederum in einer andern Art Bibelauölegung ausgeprägt hat, vorzuführeu. IV. ES ist die mystische oder kabbalistische. Der Lichtglanz, den die jüdisch, filosofische Bibelauölegung verbreite!?, bewirkte, wie daS auch nicht möglich war, keineswegs überall Erleuchtung. WaS von jenen großen Geistern in frommer Absicht znr Erhaltung des JudenthumS gelehrt und verbreitet wurde, daS schien vielen Anderen, welche sich in ihrer naiven Dibelgläubigkei: gestört und beunruhigt sahen, für das Judenthum höchst gefährlich, und eö entstanden Religionsstreitigkeiten, die daS gefürchtete Ver, verbliche erst herbciführten. So schrecklich die Verfolgungen deö Mittelalters waren, in den religiösen Streitigkeiten und Kämpfen ließ man sich nicht irre machen und schleuderte die Bannstrahlen gegen die Heroen des Geistes, die nicht selten zu Feuerbränden wurden, welche ganz buchstäblich den Feuer, lob herbeiführten, freilich in ganz anderer Weise, als man eS beabsichtigte. Wie sehr aber auch die Starrgläubigen die Wissenschaft und besonders die filosofischen Studien haßten und verhindern wollten, daö Denken war angeregt und ein Ver, ständniß des Mctaphisischcn für jeden, der dem Studium sich ergab, ein unabweisbares Bedürfniß. Da zeigte sich denn ein Auöweg. Auch im Talmud finden sich Spuren metaphisischer Forschungen, freilich nnr wenige, doch waren sie den Geg, nern der filosofischen Studien hlnreichend, daran anzuknüpfeu, und von ihnen ausgehend eine dem Bibelglauben mehr zu. -246 r i-:! sagende spiritualistische Theorie über Gott, Schöpfung, Un sterblichkeit u. s. w. aufzustellen. Sie war dem Bibelglauben mehr zusagend, weil sie sich als Ueberliefung auSgab und ff weil sie die Befolgung der aScetischen Gesetze nur noch mehr 1 verstärkte. Daß die mystische Geistesrichtung ihrem Haupti sächlichsten Inhalte nach gerade zu der Zeit entstand, in 1 welcher die jüdische Filosofie am herrlichsten blühte, 'darf m jetzt als ausgemachte Sache behauptet werden. Mau wollte A durch diese mystischen Deutungen Bibel und Gesetz gegen jj die Gefahren der Filosofie schützen, während in Wahrheit N keine Auslegung der Bibel dieser gefährlicher und ihr selbst entgegengesetzter, als gerade sie selbst, denn die Kabbala nimint weder auf den Inhalt noch auf den Tert Rücksicht. Sie bedient sich beider ganz nach Willkür, vou dem Ge, danken ausgehend, daß der Inhalt, lvie der Tert ihn bietet, j keineswegs der eigentliche Sinn der Bibel sein könne, son-A dern daß Geheimnisse (סודות) darin verborgen liegen, d. h. | Andeutungen über metaphisische Dinge. Die Kabbala beß schästigt sich mit letzteren, als ob sie sinnlich wahrnehmbare 1 Gegenstände wären und findet eben darum in den einfachß sten Dibelverscn UcbersinnlicheS angedeutet. Weder Vernunft, § noch Grammatik, noch Tradition setzen ihrer Willkür einej Schranke. Dem eigenen Denken ist in der Kabbala der freieste 8 Spielraum gegeben, wenn man diese Gcistcöthätigkeit überß Haupt als Denken bezeichnen kann. Richtiger sagt man, der k ausschweifendsten Phantasie sei keine Grenze gesteckt. Ich will (j nur ein Beispiel ansühren. Tic Kabbala wirft die Frage^ auf, womit sich die Frommen im Paradiese beschäftigen? und •: antwortet folgendermaßen: Alö Gott den ersten Menschen | schuf, da schuf er ihn als Lichtgestalt oder in einem Gewände | deö höchsten Li'chteS. In diesem Gewände befand er sich im i Garten Eden. Zn welchem Zwecke? die Gebote und Verbote I zu beobachten: לקיים ניצוח עשה ול״ת Wenn er aber nnr eine § Lichtgestalt war, wie konnten diese ans daS körperliche Leben sich beziehen, den Ge- und Verbote von ihm beobachtet werj ben? Antwort: Auch in diesem liegt noch eine geistige Be, jj deutung. Wenn die heilige Schrift sagt: לא תדוו־וש וני*) i ״Du sollst nicht ackern mit Ochs und Esel", so sind damit nicht ein wirkliches Pflügen und ein wirklicher OchS oder Z Esel gemeint, sondern damit seien Geister bezeichnet, welche r den Geist zu gemeinsamer Thätigkeit vereinigen könne. So j sei eS mit allen andern Ge- und Verboten 4 שה□ פנימיות התורה in denen es noch ein Inneres gibt. Alö Adam süni digte. bekam er einen Körper als Gewand, wie der Mensch jetzt ist, und für diesen bekam auch die Thora eine körperliche ß Hülle. Wie nun die Seele deS trüben Körpers (durch den I Tod) sich entkleidet, so die Thora; und dieses Innere zu erforschen und zu befolgen, damit beschäftigt sich der Fromme j jenseits. Daraus werde der hohe Werth deö Studiums der | Kabbala erkannt. In diesem habe man m dieser Welt schon Z die Beschäftigung der jenseitigen. **) | Die kabbalistische Literatur ist eine, sehr reichhaltige, die uebst vielen Träumereien aber auch — und hierin zeigen •) S. V. B. M. 22. 10• **) Paamon wt-Rimmra 88, a.