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Ben Chananja · 1865-04-12 · 15 (12.4.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
15 (12.4.1865)
Date
1865-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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tendenziös erfundenen Wahn eines semitischen Instinkte» am rechten Orte öffentlich bekämpfen zu können. Wie dem auch sei, so bin ich von Ihrer mir persönlich bewiesenen Theilnahme tiefgerührt; die Auszeichnung, deren Sie mich würdigen, und die ich nach ihrem ganzen Werthe zu schätzen weiß, erfüllt mich mit der innigsten Erkeuntlichkelt, und ich bitte Sie, meinen wärmsten Dank dafür empfangen zu wollen. Ich bin mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Ihr ganz Ergebenster Paris, 30. März 1865. S. Munk. Die «ctfdjictlcncii We8nchl»»M, wie sie sich in Sen Hier MsliWigsarlcn See heiligen 5chrisl ausgeMgt habe«. Ei»r Vortrag, am Stiftungstage icr GcscLschast tcr fjumnltäi in Lass,!, gehallei, de» 29. Uovkmbrr 1863. Don Dr. L. Adler, Landrabbinrr. (Schluß.') III. So sehr aber durch diese Deutung daö Jndenthum oder die Bibel 11. den Augen der nichtjüdischcn Weisen und Gelehrten glorifizirt wurde, so schmeichelhaft auch diese Glorifikation derselben für die jüdische Bevölkerung war: in den palästinensischen Schulen wendete man von dieser Auslegungöweise sich ab und auch die geschilderte Geisteörichkung fand bei den Gelehrten Palästinas und Babylons keinen Anklang. War doch auch die Bibel bei den Alerandrinern nur noch daö alte jüdische Gefäß, dagegen deren Inhalt eine Mischung von Jüdischem uud Unjüdischem. Auch wurden die religiösen Vorschriften von den Meisten, die dieser Geistesrichtung angehörig, die Bibel symbolisch deuteten, praktisch ganz außer Acht gelassen, so daß man durch sie den Verfall deö JudenthumS befürchten zu müssen glaubte. Philo beobachtete zwar die religiösen Vorschriften mit großer Sorgfalt, aber — daS war eine Ausnahme. Daß die Filosofie des Plato keinen Anklang bei den palästinensischen und babylonischcn Schulen fand, obgleich durch die Nachfolger Alcranderö auch dort griechische Bildung and Wissenschaft sich verbreitete, läßt auch noch in anderer Weise sich erklären. In Palästina war durch AntiochuS daS Griechenthum verhaßt und man wendete selbst von der Sprache sich ad mit Unwillen und Verachtung. In Palästina war der jüdische Etat wieder zur Selbstständigkeit gelangt, jüdische Sitten und jü« dische Wissenschaft gelangten wieder zur Anerkennung. DaS patriotische Gefühl der Vaterlandöbesreier gewann wieder die Oberhand und wie groß auch die Zahl der Griechenfreunde sein mochte, sie durften eö nicht wagen, mit ihren Ansichten hervorzutreten, ohne großen Anstoß zu erregen, vielleicht auch nicht, ohne sich schwere» Verfolgungen auSzusetzen. Wenn man aber glaubte, dadurch diese GeisteSrichlung für immer von sich abgewehrt zu haben, so war daS eine Täuschung. So wenig der Strom in die Quelle sich zurückdräogen läßt, so wenig läßt eine geistige Richtung in ihrer Entwicklung sich aufhalten. Ist jene nicht aus dem Borne der Wahrheit entsprungen, so wird sie früher oder später versiegen uud das vorhandene Gewässer entweder vom Boden eingesogen oder von einem neuen Strome verschlungen und mit fortgeführt. Jene Verschmelzung der platonischen und jüdischen oder biblischen Ideen blieb doch nicht allein auf Aegypten beschränkt. Es ist gewiß nicht- Zufälliges, daß in dem Jahrhunderte der Blüthe dieser Geistesrichtung in Alerandrien, —daß in eben demselben Jahrhunderte in Palästina daö Christenthum entstanden ist, daö anerkanntermaßen in seinen ersten Elementen auS einer solchen Mischung und einer solchen symbolischen Deutung bestehend, mit dem Alerandriniömuö die größte Aehnlichkeit hat. Umsomehr wendete man in den palästinenschen und babylonischen Schulen von dieser Geistesrichrung sich ab und beharrte bei der zuerst ge« schilderten kindlich naiven deö Gehorsams und der Auölegung in diesem Sinne. Doch trat auch hier eine Wendung ein. Im Laufe der Zeit hatte das Griechenthum sich zwar verloren, aber die von den Griechen auSgegangene Filososie, besonders die deö großen Stagiriten — Aristoteles hatte sich bei den Arabcrn eingebürgert. Eö traten hervorragende Persönlichkeiten auf, welche die Lehren des Aristoteles in arabischer Sprache vortrugen und in arabischen Schriften verbreiteten. Da nun die arabische Sprache, zu den semitischen gehörig, und mit der hebräischen verwandt, nicht wie die griechische, den Indem verhaßt, von diesen vielmehr gesprochen und geschrieben wurde, so lernten sie die aristotelische Filosofie kenne!!, beschäftigten sich viel mit ihr uud wurden deren aufrichtigste Verehrer und Verbreiter. So war auch in diesem Kreise der Gegensatz deö eigenen Denkens und der Unterwerfung unter die Bibel zum Bewußsein gekommen und nicht mehr zu umgehen. Eine Ausgleichung dieses Gegensatzes war unabweisbar und eö entstand wieder eine ganz neue GeisteSrichlung. Hatte man in Alerandrien die Bibel zum Gefäße gemacht und ihren Inhalt in Filosofie!, umgewandclt, so schlugen die jüdischen Aristoteliker oder aristotelischen Juden den umgekehrte» Weg ein, sie suchten die jüdischen Religionölehren mit den Grundsätzen der aristotelischen Filosofie zu vereinbaren und eö entstand eine— jüdische Filosofie. DaS Judenthum wurde filosofisch begründet. Man hielt zwar noch immer fest an der talmudischen Auslegung der Bibel, aber nur zu dem praktischen Zwecke, für die darin enthaltenen Vorschriften anöreicheude Bestimmungen zu haben, aber man gestattete sich auch gleichzeitig, den biblischen Tert grammatisch und exegetisch auözulegen und seinen Inhalt in einer Weise zu erklären, daß er filosofisch gerechtfertigt und verständlich war. Dieser Geiste-- richtung einer jüdischen Religionöfilosofie verdanken wir die vortrefflichen und herrlichen Kommentare, welche סשט genannt werden. Auch nur die Vorzüglichsten der Vorzüglichen zu nennen, ist unö nicht möglich, so groß ist ihre Zahl. Beispielsweise will ich nur an den großen Gaon, Rabbi SaadiaS Alphiumi erinnern (im 9. und 10. Jahrhundert •) S. tir vorig» Nummrr.

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