Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 13 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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221 die finfcca Jfnobtn auch in der Bibel und in den Elementarschukgrgrnständen unterrichtet. Zm Jahre >830 bezog Stern die Zeschiba zu Neutra. Zn der kleinen Büchersammlüng. die ihm. daselbst znr Verfügung stand, befand fich ein Tu Za kob, auf Lessen Studium er jede Stunde verwendete, die ihm die fleißige Beschästignng mit der Halacha frei ließ. Bald faßte er eine besondere Vorliebe für dir Haggada, aus deren Ge» biete «r bei seinem starken und treuen Gedächtnisse sehr einheimisch wurde. Von Neutra ging er nach Altosen. Hier begann er Bensew'S hebräische, Bredow'S lateinische und MeidingerS französische Grammatik ohne Hilfe eine- Lehrers, aber mit unermüdetem Fleiße zu studiren׳ und deutsche Bücher zu lesen. Zn Aßöd, wohin er im Anfänge der vierziger Jahre als Hauslehrer kam, wurde er so geschätzt, daß manche Gemeindrglirder mit dem Gedanken umgingen, ihn als Prediger anzu» stellen. Um den deshalb drohenden Ausbruch von Zwistigkeiten zu verhindern, verließ er Aßüd. nachdem er unter Anleitung eines evangelischen Theologie-Kandidaten im Lateinischen bedeutende Fortschritte gemacht, und sich die griechische Grammatik angceignet hatte. Zm Zahre 1844 kam er als Lehrer nach Hüd-Mezö-Vüsürhely im Csongrüder Komitare, wo er 1846 eine KausmannSwilwe ehelichte und fich dem Kaufmannsstande widmete. Bis zum Zahre 1861 lebte er in jeder Rücksicht glücklich und zufrieden seiner Familie, seinem Geschäfte und der wissenschaftlichen Forschung. Seit dem letzt erwähnten Zahre trafen ihn verschiedene Kalamitäten, so daß er fich endlich in der peinlichen Lage sah, seine» Verpflichtungen als Kaufmann nicht Nachkommen zu können. Dies machte ihn trostlos. Gr suchte einen seinen Fähigkeiten angemrffenrn Dirnst, um seine Schulden allmälig abtrageu zu können. Die Versuche. die seine Freunde in dieser Richtung machten. blieben erfolglos. Tief gebeugt nahm er am 13. März von seiner Familie und von seinen bewährten Freunden Emanuel Kohn und Zoscf Schweiger Abschied, um in Pest selbst sein Glück zu versuchen. Sich unwohl sühlend. trat er die Rückreise an, vermochte aber nicht mehr von Szegedin aus die Reise fortzusetzen. Er wurde ins jüdische Spital gebracht, wo ihm die sorgfältigste Pflege zu Thcil wurde. Sein Zustand wurde immer trostloser. und am 22. Nachmittags um 3 Uhr stand ich an dem Sarge, der dir sterblichen Uedcrreste des mir so lheuern Freundes barg. Die ganze Gemeinde hatte sich ei,,gesunden, um dem Verblichenen dir letzte Ehre zu erweisen. Mein Zuruf au die Witwe, daß ״Gottlob »och jüdische Herzen schlagen, die der Witwe Sterns die ibr gebührende Thcilnahmc widme» werden", balle den augenblicklichen Erfolg, daß Herr He'rrmann Kirschner, dem fich Herr Franz Lustig anschloß, eine von Herrn Sam. Bamberg er mit 20 fl. eröffuete Sp-n- Iciisamailiitig einleitcten. welche ein nicht »«ansehnliches Resultat lieserte. Die V-tsürhelyer Gemeinde hat in dem Verblichenen ihre schönste Zierde, die jüdische Wissenschaft einen ihrer wärmsten Pfleger verloren. Sein Geist saugt nun die Strahlen höherer Wahrheit ein. die er aus Erden redlich gesucht hat, und verklärt sich von zeitlicher Nuvollkommenheit zu himmlischer Vostendung. חסר חרש ,סתום פרש ׳למען מחיר?וריר רקיע צרק דרש אשר ירש ברום ישמן□ בכוכב יושיע ח נ צ ב ה. Korrespondenz., Inland. X. Wien, 21. März. Meinem Versprechen gemäß will ich Zhnen über dir Leichenfeier unseres unvergeßlichen Manuheimer derichten. Diese war die großartigste und imposanteste, Lie Wien seit Zähren gesehen. Schon in früher Morgenstunde drängte sich eine ungewöhnliche Menschenmenge vor dem Sterbehause. E» verdient erwähnt zu werden, daß sich vor dem Tempel eine Deputation der christlichen RetlungSanstalt zu Penzing, deren Wohlthäter M. war. eingesunden. Als der Tempel geöffnet wurde, da war es schwer, in dem GotteShause rin Plätzchen zu finden; die Feierlichkeit wurdr durch ein von Sulzer vorgetragenrS Gebet von ergreifender Wirkung eröffne». Darauf folgte eine Rede Wcrtheimer« und eine Ansprache Zellineks, die den Gefühlen, welch, d,e Anwesender, so schmerzlich bewegten in tiefergreisender Weise' Ausdruck gab. Die außerordentliche Theilnahmr aller Stände und Kon», seffionen bewies, welcher hohen Achtung und Liebe fich der Dahing,« schiedene zu erfreuen hatte. Die Anzahl der Equipagen und Wägen be« trug über 400; die KuiluSgeweinden von Prag. Brünn, Pest, Lemberg, St. Pölten und — wirsdilv dicta — auch Preßburg waren bei der Leichenseier durch Deputationen vertreten. Zn bedauern ist nur, daß von einer planmäßigen Ordnung nirgend» eine Spur zu sehen war, wodurch Unzukömmlichkeiten hrrbeigeführd wurden, di» grwiß nicht statt, gefunden hätten, wenn man im Vorhinein dir Möglichkeit eine« solche» Andrange« in» Auge gefaßt hätte. Zellinek« Leichenrede, di, ich Zhnen nächstensende, war erschütternd und als Sulzer da» Wort er, greifen wollte, wurde er von den fich herandrängenden Gefühlen so.seh, ergriffen, daß er weinend den Sarg verließ. Nicht blo» die israelitische KultuSgemeinde — Wien selbst hat dieses großartige und rührende Be» gräbniß gefeiert, und als mir den Gotle-acker verließen» sagte mir ein gebildeter Ehrist: Sehen Sie. dieser traurige Akt ist ,in kulturhistorische» Ereigniß von erfreulicher Bedeutung: denn al« dieser Mann, den wir da in die Gruft senkten, vor vierzig Zähren nach unserer Residenz kam. da waren Zhre GlaubenSgr,,offen Heloten uud er selbst, einer der Trefflichsten und Edelsten Ihre« Stamme», mußte einen Erlaubnißschein zahlen, um in Wien übernachten zu dürfet,; und nun hat er di, volle Gleichberechtigung seiner Glaubensbrüder erlebt uud wurde als Bürger der Stadt Wien mit den höchsten äußeren Ehren, und unter der innigsten Theilnahmr der ganzen Bevölkerung zu Grabe getragen. Das ist ein uncndlicher Fortschritt LeS Rechtes und der Bildüng, dessen wir u»S Alle innig freuen müssen. P. 8. Soeben hören wir. daß nächsten Sonntag Abend» halb 7 Uhr die Gedächtnißscier im Tempel der Lropoldstadt abgehalten wird. Der TrauergotttSdienst wird vom Oberkantor Sutzrr und Dr. Zellinek geleitet werde» und zufolge eines Beschlusses des KultuSvorstaiide» sollen fremde Prediger zu einer Rede nicht zugelaffen werden. Schade. daß der Gesangverein ״Eintracht" wegen einer entstandenen Zwietracht w,t dem Vorstände seine Mitwirkung bei der Feier versagt hat. Wien, 26. März. Der Gedächtnißfeser für Mannheimer, welche vorgestern in der Lcopoldstätter Synagoge abgehallen wnrde, und bei welcher Dr. Zellinek dir Predigt hielt, wohnten nicht nur die hiesige» jüdischen Notabilitäten. — Rothschild, TodeSko, KönigSwarter, Werthcimer, Goldschmidt, Kuranda. Wintcrstein, Weil, — bei, sondern auch christliche Notabilitäten haben sich eingefunden, nm ihre Verehrung gegen den Verewigten an den Tag zu legen. Der Reichs- und Ge, mcindcralh, die Universität und Journalistik war vertreten, lluter den Ncpräieiitaiitcn der letzter» nenne ich besonders Dr. Schuselka, welcher Maniibcimcr vom Wiener und Krcmsierer Reichstage her kannte, und ihm auch in der ״Reform" einen warmen Nachruf widmete. — Die bei dieser Gelegenheit gehaltencii Reden werde» sämmtlich im Drucke erscheinen. א״ח Pest, 24. März. Am 22. d. fanden fich zehn Lehrer aus de» össeiitlichen israelitischen Schulen zu Pest und Altofen im Direltion-ziinincr der königlich-israelitischen Musterhauptschule ein, um über das von Seiten der hohen LandeSstelle herabgclangie Reskript Berathung zu pflege». Die Stelle, welche von der ״unzureichenden persönlichen Verläßlichkrit drr lokalen Repräsentanz" spricht, erregte die schmerzlichste Sensation: doch genügten einige praktische Bemerkungen von Seiten älterer Kollegen. die Empfindlichkeit der jüngeren zu beschwichtigen. Was nun die beiden bewußten Einwände (siehe ״B. Eh." Nr. 10) anbelangt. so wurde gegen erstcrn geltend gemacht: Ersten« beschäftigen die össeiitlichen israelitischen Schulen von Pest, Ofen und Altosen 3ü bis 40 Lehrer, unter welche fich die VerwaltungSarbeiten derart vrr» lheilen ließen, daß die von der hohen LandeSstelle befürchtete Verkürzung drr Schulinteressen nicht eintreten müßte; zweiten« könnte das groa der VerwaltungStbätigkeit in die Semestral- und ZahreSferien »erlegt werde», wo der öffentliche Lehrer von seinen Amtsgeschäften auSruhet; drittens könnte-man in dem Falle, daß die Agenda de« Vereine« größere Dimensionen annehmen sollten, allenfalls ein besoldete« Personal anstellen. Den zweiten Einwand anlangend, wie« man auf ähnliche Vereine in andern Ländern hin, dir ebenfalls von Lehrern Verwalter werden, ohne daß deren ״persönliche Verläßlichkeit" in Frag, gestellt würde. Uebrigeus zweifle man nicht. Laß die hiesige Gemeind, den Derein unter ihre A.'gidr zu nehmen bereit wäre. wodurch der Gemeinte selbstverständlich auch das Recht der Einflchlnabme in da- DereinSgrbaren zufiele. Nachdem diese Ansichten sich im Verlaufe der Debatte als stichhältig erwiesen, wählte man schlirßlich ein Dreier-Komitö, damit es im Sinne des Uebereingekommenen die vrrlangie Rückäußerung abfasse, welche nach erlangter Billigung von Seiten einer adermaNget» Konferenz an den Ort ihrer Bestimmung abgehen soll. J. H. Aktofen, im März. Am vergangenen 7. Adar hielt unser verdienstvoller Obrrrabbiner Hirsch dir übliche Derascha, bei wekcher Gelegenheit er folgende, in diesem Zahre verstorbene Rabbine« trauernd erwähnte: David Kohu in Millidorf; Dr. Löwp in Brnthen; Nafihali Benedikt in Nagy-Küllü; Eabbathai Diamant in Pechenen« dors. Von Rabbiner David Kohn sagt, er: ״Dieser Rabbiner gehört, 8 1־