Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 13 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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M9 bereu Rabbinen bei den von ihnen denunzirten Neuerer» werde» an« fragen müssen, wa« »ach dem Schulchan Aruch erlaubt oder verbot«» sei. 4) Diese Erpektoration liefert eiueu oeue» Beweis, daß der iu »ruerer uod neuester Z-it so oft ausgesprochene Grundsatz: Da« 3u» de»thum kennt keine Hierarchie! von derOrthodorie nicht an» erkannt wird, wie wir die« im vor. Zahrg. de« ״B. CH.* Nr. 25, Äol. 510. 511. nachgewiesen haben. Der Herr Rabbiner Flaut hat aber sich und seine Orthodorie sehr arg kowpromittirt. indem er sich nicht scheute, da« Beispiel »er .Völker der Welt* anjurufen! Sich selbst erlaubt demnach die Orthodorie ohne Bedenken, was sie Anderen als Derbre» chen vorwirst!! Die alten Heroen der Halacha waren gegen sich rigoroser, als gegen Ander.-: שהיו מהמירין על עצמן ומקילין לכל ישראל (Beza 2, 6.) Die jüdischen Gemeinden Ungarns sollten aber durch Er» klärungen, wie die vorliegende, gewitziget werden, und für den auszu» nehmenden Rabbiner eine AmtSinstruktion ausarbeiten lassen, die der» selbe nach seiner Wahl zu unterzeichnen hätte. 3 (׳n! Originale steht:וארז״ל כר שיש בידו למחות ואינו מחה הוא נענש על ירו $« Spistolograpb beweist durch dieses Zi» tat. daß er den bezüglichen Ausspruch nicht aus dem Talmud, sondern nur aus beiläufigem Hörensagen kennet, sonst hätte er denselben so an» geführt, wie sich dessen Wortlaut Sabb. 54. b. findet. Das Zitat des Herrn Rabbiners Flaut ist falsch» und indem derselbe mit den Worten des Talmuds so leicht umspringt, kompromittirt er seine Orthodorie auf eine unverzeihliche Weise. ') Die liturgischen Verbesserungen sind bekanntlich älter. als dreißig Jahre, und was von den Urhebern gesagt wird, enthält eine schamlose Uebertreibung. ') Dann wird aber die Gemeinde wol die gesetzlichen Mittel und Wege finden, sich von der drückenden Herrschaft eines unwissenden Fanatikers zu befreien, der in seinem Hirtenbriefe beweist, daß ihm die ersten Elemente der hebräischen Sprache gänzlich fremd find. Er schreibt nämlich: ירדראת ה' מתמעט והולך•! Statt mit dem Komitate zu korrespondiren, wolle Herr Flaut lieber hebräisch lernen. Auch ralhe ich ihm wolmeinend, Talmud und PoSlim zu studiren, und mir zu glauben, daß es ein wahres Skandal ist, wenn ein Rabbiner den Talmud falsch zitirt, oder das verbietet, was im Magen Abraham aus» drücklich erlaubt wird. *) Ueber die in mehrfacher Beziehung interessante Geschichte der Almemorsragr in Ungarn werden wir nächstens einige Details bringen. י) Welch ungeheuere Kluft zwischen der ersten Mischna in Chulim und dieser rigorosen Schächterpolizei! '") 3m Originale: □מאז ומעול. Der Epistolograph weiß nicht einmal, daß die Liturgie der Synagoge im Laufe der Zeiten vielfache Modifikationen erfuhr. ") Um dieses Defiderium ausführbar zu machen» müßte Herr Flaut eine Fabrik zur Verfertigung dreieckiger Hüte anlegen, und die Orthodoren vermögen, sich solche Hüte aufzusetzen. Da aber der Herr Flaut in Ansehung der Toilette gar so skrupulös ist, muß ich ihn er» suchen, auf den Gebrauch der Deiukleiber gänzlich zu verzichten; denn der Talmud kennet die Beinkleider nicht, und der Gebrauch derselben ׳st jedenfalls eine europäische Neuerung. Der Herr Flaut wird mir wol Dank wissen, daß ich ihn hierauf aufmerksam machte. יי) Wir gestehen, daß un« die Form dieser Donatischen Mütze nicht bekannt ist. Da. wie ich höre, der ״Mainzer Israelit" nächsten« ansangen wird, Modedeilagen zu bringen, wird er hoffentlich nicht unterlassen, seinen Lesrrn ein» Zeichnung der Donatischen Mütze vor» יי) Also die Aussprache der Vokale läßt da« zarte Gewissen de« Herrn Flaut nicht ruhen. 3ch möchte aber wissen, warum die Herren Orthodoren e« sich gefallen lassen, da« polnische Ehazanim in ungari» scheu Synagogen dir Vokale nach ihrer, d. i. nach der polnischen Weise aussprechen! Wenn e« diesen .Priestern" um die Zntegrität de« nnga. rischen Herkommen« allein zu thuo ist, so sollte ste da« polnische al statt 6 ebeufaN« in Harnisch bringen. Zum Glückt für dir polnischen Ehazanim rrpräsenttrrn dieselben keinen Kulturforlschrilt; die Ortho» dorir hat daher keine Ursache, intolerant gegen sie zu sein! 880׳ «♦) Man muß dieser zarten Fürsorge für die Gemeinde alle Ge» rechligkeit widerfahren lassen. Warum reg» sich aber diese Fürsorge dort nicht, wo die Besucher orthodorer Synagogen an Sabbathen und Festtagen Overnstücke und sogar Tanzmusik zn hören bekommen? — E« ist wahr, daß die Rabbinen früherer Zeiten dagegen geeifert haben. Sie drangen aber gegen den korrupten Geschmack ihrer Zeit ebenso wenig durch, al« die heutigen orthodoren Rabbinen gegen den grläu» terten Geschmack unserer Zeit durchdringrn werden. '») E« steht die« im Schulchan Aruch in Bezug auf den Der» söhnungStag (Or. Chajj. 610, 1), und e« kann allenfalls auf gewiss« Festgesänge angewendet werden. Der freien Wahl der Vorbetrr ist aber auch an den Festen und in den orthodoresten Synagogen ein weiter Spielraum gelassen. Herr Flaut weiß die« recht gut; wie e« scheint, will er aber der Neuhäuslrr Gemeind« Sand in die Augen streuen. ") Die Gemeinde fingt dort, wo der Chorgesang einige Monate im Gebrauche ist, diese Verse mit. '7) Die Opernflücke der orthodoren Synagogen waren also bei unseren Vätern im Gebraucht! Herr Rabbiner Flaut würbe wohlthun, den im 6. Jahrg. des ״B. CH." Nr. 27 und 28 abgedruckten Artikel: ״Der Gesang in den orthodoren ungarischen Synagogen" zu seiner eigenen Belehrung und Bekehrung mit Aufmerksamkeit zu lesen. Wir erlauben uns nur, ihn zu erinnern, daß er, wie der Vorsteher der Neu» Häusler Gemeinde in der vorigen Nummer dieses Blatte« berichtet, nicht in Folge einer Gemeindewahl Rabbiner dieser Gemeinde ist. Macht dies dem Herrn F. gar keine Skrupel? Im Schu'chan Aruch findet sich ein Wink hierüber; der Herr F. möge denselben beherzigen. Endlich geht er viel zu weit» wenn er glaubt, daß er in gottesdienst» . lichen Dingen den Arm der weltlichen Obrigkeit anrufen muß, um von der ״Solidarität" befreit zu werben. Wahrscheinlich kennt er die betreffende Talmudstclle Sanh. 27, d. ebenfalls nicht! Da er übrigens von der Kanzel herab verkündete: תפלה אינה מדאורייתא. so hätte ihm die ״Solidarität" wenig Kummer machen sollen: Peri Megad, zum O- Chajj. Einl. und Mischbez. Zahab 167, 17. Ignaz Stern, Achuldlrcklor in Mä-Lerö-Vnsürkglx. Ecflorbra in Sjlgedin 21. Klär) 1865. Wieder habe ich das traurige Geschäft, den Lesern des ״Den Chananja" den Tod eines trefflichen, achtungSwürdigen Mannes zu mel» den. Es war im Mai 1857, daß ich den Verblichenen zum ersten Male sah. Er erschien als Abgeordneter seiner Gemeinde, um mich zu der Einweihung der Synagoge abzuholen. Auf unserer vier bi« fünf Sinn» den währenden Reise hatte ich Gelegenheit, in meinem Reisegefährten einen Mann von bedeutender allgemeiner Bildung und gründlicher jüdi» scher Gelehrsamkeit kennen zu lernen, was mich desto mehr überraschte, je anspruchloser, ja schüchterner sein Auftreten, sein ganze« Thun und Lassen war. Am meisten überraschte mich die Geläufigkeit. mit welcher er ganze Stellen au« dem Sohar zitirte. Auf unserer Rückreise nach Szegedin gelang e« mir nach vielen Vorstellungen, ihm da« Versprechen abzunrhmen, daß er für weine herauszugebende Zeitschrift. wofür ich eben die Konzession nachgesucht hatte, seine Ansichten über die Kompo» filion de« Sohar ausarbeiten werde. Bi« dahin war r« ihm niemals in den Sinn gekommen, al« Schriftsteller auftreten zn wollen. Sein im ״D. CH." erschienener ״Versuch einer Analyse de« Sohar" war na» türlich für einen engen Leserkreis berechnet; in diesem Kreise ward ihm aber die verdiente Anerkennung zu Theil. Selbst diejenigen, die nicht auf alle seine Anschauungen eingingen, räumten ein, daß er seinen Ge» genstand vollkommen beherrscht, uod dieselben mit ruhiger Kritik behandelt. Ignaz Stern wurde 1817 in dem Dorfe Bag oda iw Komorner Komitate geboren. Seine Eltern waren sehr arm. Der wohlhabende Benjamin Rottseld nahm ihn aber in« Haus, um seinen eigenen Sohn gemeinschaftlich mit dem sehr begabten, armen Kinde unterrichten zu lassen. Außer dem Talmud, welcher Hauptlehrgegeustand war, wurden