Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 13 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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216 216 Der zweite Punkt betrifft die biblische Poesie. Diese allein brückt Gefühle auS, welche von Menschen aller Länder und aller Jahrhunderte verstanden werden können; sie allein hat Anspruch auf Universalität. Um die brahmanische Poesie zu verstehen, muß man ela JnduS sein; um die Schönheiten HomerS, PindarS, SofokleS zu fühlen, muß man sich mit dem hellenischen Geiste zu identifiziren wissen. Um die biblische Poesie zu verstehen, braucht man nur Mensch zu sein. Lesen Sie die Schrift mit wesentlich menschlichen Gefühlen, und Sie werben dem Psalmisten in dem lyrischen Schwünge, zu dem ihm sein Gott begeistert, mit Entzücken folgen. Mit wahrem Schauder werden Sie diesen einfachen Schäfer von Thekoa (AmoS) vernehmen, welcher Jehova von der Höhe ZionS brüllen und von Jerusalem den Donner seines Wortes schleudern läßt. Und die Auen der Hirten werden Wüsteneien und daS Haupt deS Karmel verdorret, und AmoS ruft dreimal, viermal Wehe über die Verbrechen von DamaSk und Gaza, von TyruS und Edom, von Amon und Moab, von Juda und Israel. Sie werden mit dem alten Jeremias weinen, wenn dieser auf den Trümmern JerusalemS wünscht, daß sich sein Haupt in Wasser und seine Augen in Thräncnquellen verwandeln sollen, um Tag und Nacht das Unglück seines Volkes zu beweinen, welchem sein zartes, von Liebe und Patriotismus erfülltes Gcmüth in weiter Ferne noch einige Hoffnungsstrahlen leuchten läßt. Durch die Visionen eines Jesajaö und Micha werben Sie sich in die glücklichen Zeiten der Zukunst versetzt sehen, wo der Bär und die Kuh zusammen weiden, daö Schaf sich neben den Wolf legt, und der Säugling an der Höhle der Viper spielt; wo der Krieg verschwunden ist, die Menschen unter dem Weinstocke und dem Feigenbäume in Frieden wohnen, und die Erbe erfüllt ist von der Erkenntniß GotteS, wie der MecreSabgrund von Wasser erfüllt ist. DaS Buch Job weiht uns in die Geheimnisse der Vorsehung und der göttlichen -Gerechtigkeit ein; die prächtigen Bilder deS Enthusiasten Elihu, die majestätische GotteScrscheinnng bezaubern noch unsere Blicke; der Poel läßt noch Ihre Phantasie in dem Lande der Wunder an den Usern deö Nils umherirren, und schon tritt daS Hohelied heran, um Ihre aufgeregten Sinne zu beschwichtigen. Denn daö Hohelied wurde nach Eichhorns Bemerkung in der hebräischen Bibel deshalb nach Job in den Kanon gefügt, um den Kontrast zwischen diesen beiden Dichtungen hervortreten zu lassen. Hier entrollt ein pastoraleS Drama vor Ihren Augen die Szenen einer reizenden Natur; der Schäfer und die Schäferin malen Ihnen, — waö man auch darüber gesagt haben mag, — mit Senti« Mentalität die Liebe und ihre Wonnen und Qualen: ״Ich beschwöre euch, o Töchter Jerusalems, bei den Rehen und׳ bei den Gazellen deS Feldes, wecket nicht die Liebe, bis eS ihr gefällt. Sie ist eine FeuerSgluth, eine göttliche Flamme, welche Finthen und Ströme' nicht zn löschen vermögen." Bald nachher finden Sie den Schwanevgesang deö hebräischeu Volkes: ״Alles hat seine Zeit und jeglichem Dinge unter dem Himmel ist seine Epoche angewiesen. Eitelkeit der Eitelkeiten, sagt der Prediger, Alleist eitel!" Endlich ist die ganze Bibel ein großes EpoS, deffeu Helden Gott und sein Volk sind. ״Als Israel noch jung war, liebte ich eS, und auS Aegypten rief Ich meinen Sohn." Also spricht Gott dnrch den Mund deS Profeten Hosea». Wir sehen diesen Sohn heranwachsen. In den Tagen deS Glückeö wollte er seinen Vater nicht erkennen; die Tage deS Unglücks traten ein, und er wirft sich in deffeu Arme mit aufrichtiger Rene. Die Sänger ZionS verlassen den heiligen Boden, und sie hängen ihre Harfen an die Trauerweiden an den Flüssen Babylons. Und wenn die Sieger zu ihnen sprechen: ״Singet nnS den Gesang ZionS", antworten sie: ״Wie können wir singen die Gesänge deS Herrn auf einem fremden Boden?" Sehen Sie hier die Poesie, die in den Herzen der Menschen aller Länder und aller Jahrhunderte stets eine Saite wird vibriren lassen. Dies ist, wie ich glaube, die Poesie der Humanität. Wenn der größte lyrische Poet der Römer, von welchem Quintilian sagt: ״Lyricorum fere soluslegi dignus,“ wenn Horaz, nachdem er die Lydia'S, Pyrrha'S, die Chloe'S, die Macene und Auguste besungen hat, auf ernstere Betrachtungen zurückkommt, auf seine Oarmina non priu8 audita, die er dem profanum vulgus nicht mittheilen will, und folgendermaßen singt: Lst ut viro vir latius ordinet Arbusfa sulcis; hic generosior Desccndat in Carapuin petitor; Morib118 hic moliorque fama Contcndat; illi turba clicntium Sit major: acqna lege Neccssitas Sortitur lnsignes et imos; Omne capax raovet urna nomen.') Sollte man nicht meinen, daß er den Psalmen oder dem Prediger nachahmt? Ich bleibe hier stehen. Ich hätte gewünscht, noch von der chaldäischen und syrischen Literatur zu sprechen: jene ist ganz jüdisch, diese ganz christlich, beide sind Dienerinnen der hebräischen Literatur. Ich muß aber diese Unterhaltung auf ein anderes Mal verschieben. Möglich, daß ich im zweiten Semester den CourS der chaldäischen und syrischen Sprache damit eröffne. Für heute nehme ich Abschied von Ihnen. Ich schließe, wie ich begonnen, indem ich Ihre Nachsicht für meine Lage in Anspruch nehme, und mir Ihr Wohlwollen erbitte. Ei« orlQobotec Zirlenkries. (Au« drm Hebräischen treu übersetzt.) SurLny. am 20. Schewat 5626. An die geebrteu Herr«» Vorsteher und Führer der GotleSgemeiude in der Statt Neuhäusel und an den an ihrer Spitze stehenden Vorfteher. Herrn Jesaja« Nagel. In Betreff deS Peßach-MehlS, worüber ich befragt wurde, befehle ich, kein anderes Mehl, als daS unter der Aufsicht deS Altofner RabbiuateS oder daS unter der Aus- ל Mag der in breiteren Furchen, al« Andere Baumreihen pflanzen, dieser rin rdlerrr Bewerber, nirdergehen in'« Mar«fetd. Dieser durch Sitten und Ruf iw Vorrang Wetteifern, jenen größere Klient,nschar Umgeben: gleich looft un« di» Nothwendigkeit Den Hohen, wie den Niedern, all» Namen umsaffet dir Echicksat«urnr.