Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 13 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Alliance vor allen Anderen lieben und unterstützen muß, weil fie die schwächsten sind und bisher am meisten vernachlaffigt wurden? — Die Efahrung ist gemacht: man muß auf die künftige Generation wirken. Schulen! Dies ist der Ruf unserer Zeit von einem Ende der Welt bis zum andern. Der reise Mensch ist nicht mehr geneigt, sich neue Kenntnisse zu erwerben; der Greis fürchtet sie, der Fanatiker stößt sie zurück. Daö Kind ist ein gesegnetes Land, stets bereit, den guten Samen aufzunehmen. Das Kind wird daö Heil dieser enterbten Devölkerungeu werden. Israeliten! In Afrika und im Oriente müssen israelitische Schulen organisirt werden. Wie viele Begriffe sind mitzutheilen, wie viele Ideen zu verbreiten, wie viele Gefühle zu entwickeln! Die Unwissenheit alterirt die göttlichen Elemente unserer Religion; der Aberglaube korrumpirt sie; die Sitten und Gebräuche, die sich in jenen Gegenden fortpsianzen, sind mit unseren wirklichen ReligionSlchren ebensowenig zu vereinigen, als mit dem Geiste deö Fortschritte-. Für einen großen Theil derselben reduzirt sich die Weltgeschichte auf die Erzählungen der heiligen Bücher. Ungeachtet ihres Verstandes und ihrer Einbildungskraft, sind sic zur Uebuttg der Industrie und der Künste nicht geeignet. Selbst der Handel ist nicht in ihren Händen; er gehört fremden Brüdern, die etwas von einer Zivilisation mit sich brachten, die sie kennen und lieben. ES ist wahr, daß sie in der Mitte der sie umgebenden Bevölkerungen keine Ausnahme bilden. Aber wir können, wir müssen für sic thun, waS wir für die Millionen von Bekenner» anderer Religionen nicht zu thun vermögen. ES muß auö ihnen eine produktive Kraft geschaffen werden; so werden sie den Rationen, unter denen sie schlumman, die Anregung geben, und dieselben aus einen höher» Standpunkt erheben. Vielleicht sind sie bestimmt, durch unfern Beistand einst daö intelligenteste nnd regsamste Element unter den Völkern zu werden, von welchen sie verachtet sind. ES müssen Schulen für Knaben, nnd Schulen für Mädchen inö Leben gerufen werden. Erster« werden eine Generation von Männern, die zu allen Verrichtungen der Gesellschaft geschickt sind, und von nützlichen Bürgern bilden, die der Religion, zu der sie sich bekennen, Ehre machen. Letztere werden Familienmütter bilden, wie sie diese neue Generation nöthig hat. Die Frauen, die berufen sind, immer mehr auf die Sitten cinzuwirken, die erste Erziehung zu leiten, dauernde Grundsätze der Moral einzuprägen, den göttlichen Sinn für Religion im Kinde zu wecken, uud in die Seelen die Aussaat jenenaiven Unterrichtes zu streuen, dessen Andenken niemals erlischt, -- waS sind sie fast überall unter den herab« gekommenen Bevölkerungen, von denen wir sprechen? Daö jüdische Weib ist für die Zivilisation besser vor« bereiter, als das muselmännische, weil eS frei, und nicht, wie dieses, eingesperrt ist; unterscheidet eS sich aber viel von diesem in seiner Rolle als Gattin nnd Mutter? Israeliten des Orient- und Afrika-, waS habet ihr aus der Gefährtin 212 ׳• ־■:׳ ■! eurer Tage gemacht, die euch vor Gott gleichgestellt ist? Ja welcher Erniedrigung lasset ihr sie! Welche Hilfe findet ihr unter den Prüfungen deS Lebens ia diesem untergeordueteu Geschöpfe? Gleicht dieses Weib, das nur Euere Dienerin und die Amme eurer Kinder zu sein scheint, dem wackcrn Weibe der Sprüche SalomoS? Für dieses Uebel ist die Schule noch immer ein Heilmittel. Lasset diese jungen, unwissenden und anmuthigen Mädchen aus dem Dunkel hervortreten, damit sie, lesen und schreiben lernend, zugleich denken, nnd in der Arbeit eine heilige und beglückende Emanzipation suchen lernen. Die Aufgabe ist groß, aber leichter, als man voraussetzen sollte; denn unsere Race hat von Natur den sozialen Geist. Die Verfolgung und die Furcht haben die Absonde« rang unter den Menschen, die Unwissenheit hat die Erniedrigung deö WcibeS herbeigeführt. Israeliten, Ihr liebet die Zivilisation , sobald sie Eurem Auge leuchtet; sie wird für Euch die Feuersäule, die einst Eure Väter führte! Man weiß, daß Ihr in Algier die ersten Eroberten der Ideen Frankreichs wäret. Nein,. eS wird nicht schwer sein, diese interessanten Bevölkerungen umznbilden. Sie fangen an, die Leerheit zu empfinden. Die rührendsten /klagen sind zu unS gedrungen. Bewunderungswürdige Briefe, die von manchen Einwohnern jener entfernten Gegenden an unS gerichtet wurden, belehren und über den Zustand der Geister. Arm und ohne HilsSquellen, rufen sie uns, erwarten sie unö. Und sprechen überdies die bereits erzielten Resultate nicht laut genug? In Marokko sind mit dem mächtigen Beistände unserer Brüder in England Schulen gegründet wor« den. In der vor 18 Monaten eröffneten Schule zu Tanger versammeln sich 400 Zöglinge unter einer verständigen und festen Leitung. In Tötuan ist eine mit Freuden aufgenom« mene Schule gegründet worden;.dort haben die Schüler eher Mangel an Lehrer, als die Lehrer an Schülern. In denselden Städten wurden zwei Töchterschulen gegründet, die allsogleich besucht wurden. In DamaSk taucht der Gedanke auf, eine französische Knaben- und Mädchenschule zu gründen. Man wendet sich an die Alliance wegen einer Subvention, die sie gewährt, wegen eine- LehrerS und einer Lehrcrin, die sie sendet, und sogleich ist eS die herrliche Groß- Herzigkeit eineeinzigen Einwohners der Stadt, welcher zu diesem Zwecke ein Gebäude ausführt, daS sich den schönsten Gebäuden dieser Art in Frankreich an die Seite stellen kann. Auf Anregung einer wohlhabenden und freigebigen Familie wurde in Konstantinopel eine Schule gegründet. Seit längerer Zeit entspricht sie aber nicht mehr den vorhandenen Bedürfnissen und die Alliance wurde aufgefordert, noch zwei Schulen zu gründen. In Smyrna hat daS Komitü der Alliance eine Schule gegründet. Zu Gunsten einer Schule ia Dolo in der europäischen Türkei haben wir Fonds votirt; in Salonich wurde die aus Mangel an Subsistenzmitteln geschlossene Schule wieder geöffnet. Die Initiative Einzelner, deren Ausgangspunkt Paris und London ist, hat unS bis nach Jerusalem und Aegypten Vordringen lassen. Wie viel ist aber noch zu thun übrig! Aleppo, Beiruth, Jaffa erwar-