Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 12 (22.3.1865)
- Date
- 1865-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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199 200 felben in den vollgrdräagtrn, festlich erleuchteten Tempel geführt. Unter lautloser Stille betrat aun Herr Dr. k. Rokkoosteio die Kanzel, und versetzte feine lauscheudeu Zuhörer durch da» voa ihm io schwuugvoller Rede vorgrtrageoe rabbioische Glaubensbekeootoiß in wahre Begeisteroog; doch dem Feste de« Tage» setzte die am Ab.od gehaltene uogarische Predigt die Krone auf, zu welcher alle Hoooratiorea der Stadt, Komitat«- uud Stadtbehördea, Professor,a geladea wurden, die mit sichtbarem Entzücken der Meisterrrde de» Herrn Rabbiner« lauschten, welche in Bezug der Eleganz der Sprache, d.e» geistigen Inhalt» nicht» zu wünschen übrig ließ. Abend» veranstalteten die Gemeindemitglieder im Dereine der Obergymoafialschüler einen solennen Fackelzug. der durch des größern Theil der Stadt ziehend, eine ungeheure Menschenmenge lawinenartig mit sich sortzog. Der Herr Rabbiner dankte in weithin schallender ungarischer Ansprache sür diese imposante Ovation, und tausendfache» Lljeu au» den Kehlen der verschiedensten KonfeffionSangehörigen lohnten ihn für seine herzliche Improvisation. — Er wurde dann im Triumphe mitten zwischen den Fackelträgern zu Wagen auf» Gemeindehaus begleite«, wo ein glänzende« Bankett das frohe Fest des Tages schloß. — Die hohe Anerkennung, die der Herr Rabbiner durch seine glänzenden Reden sich erworben, fand auch bei unfern christlichen Mitbrüdern ein lebhafte« Echo. Ec erhielt von allen Seiten GratulationSschreibcn, worunter besonders eines hervorgehoben zu werden verdient, durch den wahrhast erhebenden Inhalt desselben, wo eS unter anderm heißt, daß Schreiber dessen nun die freudige Ueberzeugung gewonnen, daß auch Israels Söhne klassisch ungarisch zu sprechen verstehen, und daß es sein sehnlichster Wunsch ist, daß die Zeit nicht mehr ferne sein möge, wo solche Männer, wie Herr Dr. Rokkonstci» aus der politischen Bühne de« Landes durch ibr glänzendes Rcdnertalent zum Woble der Menschheit wirken mögen. Wir leben »un der schönen Zuversicht. daß unserer Gemeinde das sreundlichr Morgenrolh einer glücklichen Zukunft rnigcgcnlächelt, uud daß eS unserm Rabbiner gelingen wird, alle Herzen für sich dauernd zu gewinnen, und den Frieden und die Eintracht in der Gemeinde zu kousolidiren und zu befestigen. Neuhättscl, im März. Die Vorgänge in der hiesigen Gemeinte sind wol wichtig genug, das Interesse eines weitern Leserkreise« in Anspruch zu uehinen. Im April 1800 begannen wir den von Sr. k. k. apostolischen Majestät allerhöchst bewilligten Bau einer Synagoge in unserer sehr religiösen und sriedliebeiideu Gemeinde, welcher auch trotz der ihm cnigcgcngesetzicn Hindernisse. die der damalige Kultus- Vorsteher, Herr Karl Adler, sein eigenes Interesse hinlaiisetzend, mit Energie beseitigte. bis znm Herbste desselben Jahres unter Dach kam, und es erübrigte nur. diesen neuen Tempel, der mit Recht dem Acußrrn, wie auch der inner» Ei»r>chtn»g nach, den prachtvollen Tempeln der Jsraelilen Ungarn« angrreiht werden darf, würdig ausznstatten. Beim Beginne der inneren Einrichtung, wo eS sich, wie bei andern neuerbauten Tempeln, um Borrückuug de» Almemor, uuvergilterte Fraueugallerie, geregelten Gottesdienst und Trauung in der Synagoge bandelte, begann. Dank der Wühlereien des der diesigen Gemeinde von der löblichen Behörde anfgedrungenen Surünyer BezirkSrabbinerS, Feiwel Flaut, der seit seinem Amtsantritte daselbst durch 10 Jahre dir dortige Gemeinde in fortwährendem Unfrieden zu erhalten wußte, dem sich auch eine Partei von nur sechs Gemeiudeangehörigen anschloß, auch in der hiesigen Gemeiiide da« Zerwürsuiß. Der damalige Vorstand wurde wegen Vorrückung de« Almemor zum bestandenen hiesigen k. k. Stnhlgerichte durch den Rabbiner belangt, derselbe ward jedoch mit seinem Gesuche einfach abgewieseu, da die ganze Gemeinde mit Ausnabmr der sechs Individuen, sich für da« Vorgehen de« Borstande« rrklärte. — Don dem vollständigen Fiasko seine» ersten Debüt« nicht im Eotferuiesteu eingeschüchlert. begann im Jahre 1861 der nur im Elrmente der Zänkerei sich wohl fühlende Surünyer Rabbiner abermals dir Fehde mit der Gemeinde, und zwar wrgen der Vergitterung der Frauengallerie; die Gemeinte, dadurch sehr gereizt, veranlaßte de» Vorstand, dem Rabbiner, der von der Gemeinde kein Ausnahmsdokument besaß, schriftlich aufzukündigeu. Da sich aber dieser zu zwei Vorstand«- Mitgliedern dahin äußerte, m. H. ihr seid עובר על לא תרצח, ich will noch eia Jahr al» euer Rabbiner provisorisch fuugireu. und erkläre «ich mit dem Status quo vollkommen einverstanden, bi» auf die Trauung im Tempel, diese Funktion wöge durch den hiesigen Dajjau vollzogen werden, bewilligte die Gemeinde ihm die« nicht nur, sondern prolongirte seine AwtSdaoer auf drei Jahre, nur äußerten die mit dem Ausgleiche betrauten Gemeindeglieder, daß der Rabbiner seine friedliche Bereit- Willigkeit der Gemeinde schriftlich mittheilea möge, worauf er ihnen die denkwürdig lakonische Antwort gab: meine Herren, ich bin kein Korn« Wucherer! - Kaum hatte jedoch im Jahre 1862 da» Provisorium in Ungarn begonnen, »rat der Rabbiner schon in« alte Geleise, reizte die Gemeinde neuerdings, und trotz seiner Ueberzeugung, daß die Andacht im neuen Tempel sehr religiös verrichtet werde, donnerte er voa der Kanzel herab תפלה איננה',מדאיריחא! Er glaubte dadurch die von tiefster Religiösität durchdrungene Gemeinde einzuschüchkern. dieselbe ließ sich jedoch nicht im Mindcstcn beirren, und besuchte fleißig die Synagoge. Zur selben Zeit kam auch der Streit wegen der unvergitterten Gallerte vor die löbliche Behörde. Dieselbe entsendete zur Untersuchung eine Kommission, vor welcher der Rabbiner seinen Wunsch wegen Vergitterung erneuerte. Dom Vorstände erinnert, daß im Jahre 1861 alle Streitpunkte bi« auf die TrauungSsunktion im Tempel durch die betrauten Vorstandsmitglieder mit dem Rabbiner mündlich beigclegt wurden, welche Angabe dieselben auch beeiden wollten, leugnete derselbe den Ausgleich glatterdings ab, und wollte das Gegentheil beschwören; vom Vorstandr"bcim Worte genommen, sagte er hierauf die kurzen aber inhaltSvollen Worte: ich war damals be soffen! Nun wurden von der Kommission zur Austragung des Streites drei Rabbiner als Schiedsrichter gewählt, und dieselben um ihr Gutachte» angegangen, ob ein talmulischeS.Gesetz vorhanden sei, daß in einer Synagoge mit unvcrgillerler Frauengallerie die Andacht verboten werden müsse. Der Preßburger Rabbiner gab die Meinung ab, eS muß vergittert werken. Der Prster Rabbiner mcinlc, die Vergitterung finde nur da statt, wo auch die Frauen ihre Andacht im Tempel ebenerdig verrichten, bei Gallcrien jedoch fei dieselbe nicht gesetzlich vorgcschricbeu. Der Ncustadtler Rabbiner, von dem man einen vermittelnden Ausspruch erwartete, komprcmiltirte sich jedoch derartig, daß er hier die Dergitterung aub-sahl, während doch in der murr seine» Augen erbauten Vüglljhelycr Synagoge alle Fraucn auf der Gallerte sichtbar sind. Auf Grundlage dieser Gutachten wurde die »och im Jahre 1862 vorznnebmendc Vergitterung anbefohlen: יהי השף vergittert muß werden! Der Vorstand, von der Voraussrtzung ausgehend, durch die Dergitterung die Ruhe und Eintracht in der Gemeinde befördert zu haben, verzichtete freiwillig auf dir Appellation und erklärte, dieselbe binnen der anbrsohlenen Zeit auSzusührcn, Welcher Vergleich in Gegenwart drS Rabbiners nnd seiner kleinen Partei mündlich geschah, mit dem ausdrücklichcu Zusatze, daß alle« Andere im Status quo unto bellum verbleibe. — Kaum war vir Vergitterung zu Ende geführt, und in der Gemeinde einigermaßen die Ruhe hergestell«. wurde dieselbe neuerdings des geregelten Gottesdienstes halber beunruhigt. Als der Vorstand am 13. Februar n. e. den Suiünyer Rabbiner ersuchte, er möge den Dergleich von 1862 schriftlich bestätigen, autworiete rr. meine Herren, ich bin ja mit euch sehr zufrieden, jedoch den Vergleich von 1862 zu destätigrn. mangelt mir das damalige Datum. Um seiner Perfidi, die Krone auszusetzen, erhielt der Vorstand drei Tage jpätei den beige« schloffenen kopirten Brief'), dessen Anordnung jedoch von der löblichen Behörde als dem Usus zuwider, gänzlich deSavouirt wurde. Sigmund Nagt, Kultusvorsteher. — Au- Mähren, im März. Von dem al« Grammatiker vorlheilhast bekannten Lehrer G. Schwarz wird eine znm Jugenduaterrichte geeignete wörtliche Nebersetzung der Psalmen zum Drucke vorbe« reitet, welche nicht uur in didaktischer, sondern auch in errgetischer Brziehnng beachtet zn werten verdient. Möge Herr Schwarz die erforderlich« Unterstützung finden! , 0. Lemberg, »w März. Am 2. d. M. hat die hiesige Tempelgemtilldr dem Andenken de» vor Kurzem verstordeuro Grafen Za- *) Wir werden diesen merkwürdigen hebräischen (!) Brief in der nächsten Nummer in getreuer Uebersetzung mittheilea. Red.