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Ben Chananja · 1865-03-22 · 12 (22.3.1865) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
12 (22.3.1865)
Date
1865-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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196 196 Me Griechen und Römer Monotheisten waren, vnd daß die Namen ihrer Gottheiten nur Attribute des ZeuS oder InpiterS sind, wie dies in der That in dem, dem Aristoteles zugeschrkebenen, Traktate ״von der Weltgesagt wird, welcher jedenfalls einen Heiden zuin Verfasser hat? Aber nein, weder die Semiten, noch die Indo-Europäer waren Monotheisten. Wenn eS einen Unterschied zwischen den beiden Raren gibt, und eS gibt gewiß einen solchen, so ist eS folgender: die Semiten, denen die Jmagination abging, beteten nur an, waS ihren Gesichtssinn lebhaft berührte: die Sonne, den Mond, die Planeten, die Konstellationen deS Zodiakus, während die Imagination der Indo- Europäer denselben allenthalb.en Gottheiten schuf, in der snblunarischen Welt wie am Firmament; ihre Poeten zeigten ihnen überall die Spur eines GotteS. Mit einem Worte: die Semiten waren der Astrolatrie ergeben, wie dies auS zahlreichen Dibelstellen ersichtlich ist; die Jndo-Enropäer beteten die ganze Natur an. Die Einen wie die Anderen konfundirten die Kreatur mit Gott; tveder die Einen noch die Anderen konnten sich zur Idee einer ersten, absoluten, einigen von der Welt unabhängigen, schöpferischen Ursache erheben. Dies ist der wahre MonotheiSmnS, und diesen finden wir im Alterthnme nur bei den Hebräern. Woher haben die Hebräer diesen Monotheiöm geschöpft? Man wagte nicht, denselben auf Aegypten zurückzuführen, denn wer kennete nicht die krasse Idolatrie Aegyptens? ״Qui ncscit, sagt Juvenal, qualia demens Aegyptus portenta colat? Crocodilon adorat pars haoc, illa pavctsaturain scrpcntibus!bin.“ Sollte eS etwa die Mysterien- Weisheit der ägyptischen Priester sein, welcher MoseS seinen Monotheismus verdankte? Wir kennen diese Weisheit nur wenig. Wenn aber in dem GalimathiaS deö Begräbniß- Rituals etwas davon aus uns gekommen ist; so muß dies einem positiven und lichtvollen Geiste, wie der deö MoseS war, nur Schrecken eingeflößl haben. Nein, in dem MonotheiSm deö Abraham und deö MoseS kann man nichts als eine providentielle Thatsache wahrnehmen, die direkte Dazwischenknnfl der Vorsehung in Ansehung der Geschicke des Menschengeschlechtes, namentlich in Ansehung seiner religiösen Erziehung: eine providentielle Thatsache, welche erklären zu können ich nicht behaupte; Sie kennen aber ähnliche Thatsache,» in der Entwicklung der religiösen Ideen der Menschheit. Gerade um die Anerkennung dieser providentiellen Thatsache zu vermeiden, hat man den monotheistischen Instinkt ersnnden, welchen man der ganzen semitischen Race zuschrieb, und der, wie wir bereits kahen, nichts ist, als eine Chimäre. Man wird eS nunmehr begreiflich finden, daß die Hebräer die Künste nicht knltivirt haben: dies war die Mission der Griechen; die Mission der Hebräer bestand darin, Gott zu erkennen, und diese Erkennlniß der Welt milzutheilen. WaS insonderheit die plastische Kunst betrifft, blieben fie sogar hinter den semitischen Völkern zurück, oder sie hatten sogar einen Abscheu vor denselben; denn die plastische Kunst ist die Nachahmung, die Jdealisirung, die Vergötterung der Natur, für den Hebräer tritt aber die Natur vor Gott dem Schöpfer ganz und gar in Dunkelheit zurück. In der lyrlschen Poesie dagegen, und wahrscheinlich auch ln der Musik, in Künsten also, welche Gefühle reproduziren, und sich nicht auf den Kultus der materiellen Schönheit beschränken, haben die Hebräer alle Völker deS AlterthnmS übertroffen. Die Hebräer glänzten auch in der Filosofie nicht, denn die Filosofie ist der Kultus deS menschlichen Gedankens, welcher sich selbst überlassen, nicht weiter dringen kann, als bis zum Pantheismus, d. i. zu einem Gotte, der in seinen Antrieben nicht frei ist, die Welt nicht durch seinen Willen geschaffen hat, und nichts anderes ist, als ein die vergütterte Welt organisirendeS Verhängniß. Wollen Sie den Sinn dieser meiner Worte nicht mißverstehen, und in denselhen nicht einen Angriff auf die Filosofie erblicken. Gott bewahre! Ich bin nur ein Gegner deS Pantheismus, welcher nach meiner Neberzeugnng mit dem Atheismus identisch ist. Der menschliche Geist fließt ans dem Geiste GotteS: ״Der Mensch", sagt die Schrift, ״wurde im Ebeut:.'de GotteS geschaffen." Aber ich glaube, daß zwischen dem menschlichen Geiste und dem absoluten Geiste, welcher GotteS ist, ein nicht gemeinsam zu messendes Verhältniß besteht, und daß der menschliche Geist das Absolute nur annähernd zu messen vermag. Erlauben Sie mir, mich durch ein der Mathematik entnommenes Beispiel näher zu erklären. Die krumme Hyperbel und ihre Asymptote sind zwei Linien, welche sich bei ihrem AnSgangöpnukte in einer gewissen Entfernung von einander befinden; je mehr Sie sie verlängern, desto mehr nähern sie sich einander. Verlängern sie dieselben aber ins Unendliche, niemals werden sie einander berühren, immer wird zwischen beiden eine gewisse Distanz bleiben, die, so gering fie auch sein mag, doch niemals der Nulle gleich werden wird. Die Filosofie und daö Absolute scheinen mir einige Aehnlichkeit mit diesen Linien zn haben. Die Filosofie ist ohne Ende, aber nicht ohne Ziel. Die großartige Arbeit deS menschlichen Geistes, welche wir in der Geschichte der Filosofie bewundern, hat daS Ziel, sich dem Absoluten zn nähern; vollständig erreichen wird sie dasselbe niemals. Immer wird zwischen dem menschlichen Geiste und dem Absoluten eine Entfernung bleiben, welche man, so klein sie auch ist, mit einer Hypothese wird ansfüllen müssen. Und wird diese Hypothese etwas Anderes sein, als der Glaube? Der Atheist zerschneidet die Schwierigkeit, indem er den absoluten Geist leugnet; MoseS zerschneidet dieselbe, indem er sagt: ״Im Anfänge schuf Gott den Himmel und die Erde." Damit hat er nicht die Pforte der Filosofie, wol aber die deö Pantheismus und Atheismus schließe» wollen. Der erste VerS der Bibel hat weder die Philo'S, die Avieebron'S, die MaimonideS in der Synagoge, noch die Albert den Großen, die h. Thomas, die DnnS Seot'S in der Kirche verhindert, sich den tiefsten und subtilsten filosofischen Spekulationen zu überlassen. lSchluß folgt.). Aorrespon-enz. Ausland. 1,׳ J. New׳. Nor?, IM November. Der vierte Abschnitt Han« dett über Amendements zur Konstitution nnd lautet: ׳

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