Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 12 (22.3.1865)
- Date
- 1865-03-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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193 194 mir sagen, ״die Araber; liegen ihre Denkmäler nicht vor, um ihren Glauben an einen einzigen Gott zu beweisen?" Aber ich bitte Sie: welche Denkmäler? Eine Reihe mühsam zusammengetragener eigener Namen, die sich in verhältnißmäßig neueren Schriften finden, und mit einem filologischen Scharfsinne erklärt werden, welcher würdig wäre, sich an ernsteren Gegenständen zu üben. Dagegen schlage ich daS Buch Josna auf und lese: .,Josua sagte zum ganzen Volke: Also hat der Ewige gesprochen: Jenseits deS Flusses ld. i. deS Eufralh'S) wohnten eure Vorfahren von jeher, Tharah, der Vater Abraham'S und der Vater Nahor'S, und dienten falschen Göttern." (24, 2.) Ist dicS nicht klar? — Ich schlage den Hcrodot auf, und ich lese daselbst, daß die Arader die V611u5 urania unter dem Namen Alila t anbcteten, d. i. unter dem Nameo Al-ilahet, die Göttin par cxcellence, die Astarte der Syrer und Fönizier, dieselbe, welche der Profet JcremiaS Melekheth Ha-Schamaim, die Königin deS Himmels nennt (7, 14.) Ich öffne den Koran, und ich lese in demselben die Namen mehrerer heidnischen Gottheiten, welche von den alten Arabern augebetet wurden. Außerdem gibt sich der Baum durch seine Frucht zu erkennen. WaS hat der angebliche Monotheismus der Arader hervorgcbracht? Nichts, absolut nichts. Die alten Araber haben ebensowenig eine Literatur hinterlasscn, als die Syrer, > Fönizier und andere semitische Völker. Mehr als zehu Jahr- Hunderte waren über den Gräbern der letzten Prosctcn dahingeschwunden, als die Araber die ersten Töne ihrer monotonen Gesänge erklingen ließen. Und waS kann der Araber besingen? Seine Eitelkeit, seinen Hochmuth, seine Selbstsucht: ein schönes Kamccl, ein cdlcS Roß, eine gerade Lanze, einen schnellen Pfeil, und manchmal ein schönes Weib. Die Gastsrcundlichkeit ist seine ganze Tugend, die Rache se'nc vorherrschende Leidenschaft. WaS hat aber der Monotheiöm der Hebräer hervorgcbracht? ״Ein Denkmal, dauernder, als Erz, erhabener als die majestätische Höhe der Pyramiden", um mit Horaz zu reden: .... monumontum acre pvrennius Rcgalique situ pyramidum altius. Vergleichen Sie nur einen Augenblick die Psalmen mit der den Titel Hamaza führenden arabischen Sammlung. lyrischer Gedichte, und Sie werden gleich bei den ersten Zeilen von dem tiefen Gegensätze überrascht sein, welcher zwischen diesen beiden Sammlungen besteht. Die Psalmen fangen mit folgenden Worten an: ״Heil dem Manne, der nicht wandelt im Rathe der Frevler, nicht stehet auf dem Wege der Sünder, noch sitzet in der Versammlung der Spötter; sondern seine Lust am Gesetze deS Ewigen hat und über dieses Gesetz nachdenkt Tag und Nacht. Der wird sein wie ein B.-.am, gepflanzt au Wafferbächen, der seine Frucht trägt zur rechten Zeit und dessen Blätter nicht verwelken; Alles, waS er thut, wird, ihm gelingen". Lassen Sie uns den Anfang der Hamaza betrachten. Derselbe lautet: ״Wäre ich auö dem Stamme Mazeu'S, hätten die Söhne einer Gefallenenenz welche diese dem Dzohol, dem Sohne Scheiban'S gebar, nicht meine Kameele geraubt; denn daS ganze von Muth beseelte Volk hätte sich zu meiner Vertheidigung erhoben." ״Weiter unten: ״Hier unten, im Steinbruch, unter dem Felsen liegt ein Ermordeter, dessen Blut nicht gerächt wurde." Ferner: ״Mau beweint unS; wir beweinen Niemanden, denn unser Herz ist härter, als bai des KameelS." DaS sind also die edlen Gefühle, die erhabenen Gedanken! AverroeS, der arabische Filosof, der große Ausleger der Aristotelischen Werke, hat ein seinem Kommentare der Poetik bereits ausgesprochen, daß die alten Araber keine andere Tugend, alö den Muth und den Ruhm gefeiert haben; genau genommen, sprechen sie nicht, um Andere zu ermuthigen, sondern auS reiner Prahlerei. Man hat auch gesagt, daß die Namen der semitischen Gottheiten sämmtlich eine gewisse Suprematie bedeuten: Baal, der Herr; Ad onit, mein Herr; Moloch, der Kö- A nig. ES ist wahr, man hat an Astarte, Derketo, Da-K gon, Camoö und viele andere vergessen. Doch legen wir.U darauf kein Gewicht und lassen wir die Suprematie gelten. A Man hat daraus geschlossen, daß die Semiten mindestens 8 * ursprünglich ein höchstes Wesen, einen einzige» Gott äuge- A betet haben, welcher jedoch in der Folge durch die zufällige m Berührung mit den indo-europäischen Kulten einer gewissen 8 Theilung unterzogen wurde. Die semitischen Götter, sagte,g man, sind nichts durch sich selbst, und sie stellen lediglich dieK Eigenschaften und Attribute deS höchsten GolleS dar, wähM rcnd die indo-europäischen Götter auf ihre eigene Rechnung •M vermöge ihrer eigenen Autorität, mit ihren eigenen Keäften 'j| auf ihren eigenen Antrieb wirkten. Ich bekenne, daß ich dieses Autonomie der indo-europäischen Gotthciteu suche, aber nicht jg finde. Haben die Griechen nicht ihren Zii'i xvdurn; utytaro^?jg Haben die Römer nicht ihren Jupiter optiiuus maxiraus?fl Die Kräfte und die Erscheinungen der Natur, die großenN historischen Ereignisse werden sie nicht oft direkt auf ZeuSZ oder Jupiter zurückgesührt? So fügt z. B. der Dichter imD Anfänge der Ilias, nachdem er vom Zorne deS Achilles, derU so unsägliches Unglück über die Griechen gebracht, gesprochen D hat, die Worte hinzu: J1-6* d'idt/.Htro fiovXr,, ״so wurde» der Wille deS Zeuö erfüllt"; und doch sagt er selbst uu« mittelbar nachher, daß cS Apollo war, der den Streit ziviU schen Agamemnon und Ach illcS hcrvorgerufen hat. In deD Odyssee erzählt Ulysses, daß ihm der Gott AeoluS zu seiner Ab׳Z reise einen mit brausenden Winden gefüllten Schlauch gab.W und fügt hinzu, daß eS der Sohn deS ChronoS war, de« dem AeoluS die Herrschaft über die Winde anvertrant uudK ihm die Vollmacht erthcilt habe, dieselben nach seinem WillenW aufzuregen oder zu besänftigen. H Ktivor ytKQ rufiln» artpnr noitjai Knori>9 W tjftilp rznvifitvui tji oQvtfitf o'r x H (Odyffi X. 21. 22.) 1 In einem Fragmente deS AlkäoS liest man: T'h p* W Jupiter ließ regnen, ganz so,,wie die Bibel sagtW ״Jehova ließ -regnen." In gleichem Sinke sagt Horaz: |1 » Jam'satis terris nivis atque dirae || Grandinis müvt Pater. ׳ W Man könnte noch viele andere Beispiele ansührenZ Wäre man also nach all dem nicht berechtigt, zu sagen, daW