Mannheim
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Ben Chananja · 1865-03-22 · 12 (22.3.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
12 (22.3.1865)
Date
1865-03-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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191 192 daß ich nach wie vor die Last trage, und ln mir selber die Kraft nicht versiegen und erschlaffen lasse. Darum sind auch die Augenblicke, die ich auf der Kanzel verlebe, die glücklichflen; da lebe ich in der Illusion eines höher« Berufe- und einer höher« Befähigung. Daher vielleicht auch der immer steigende und wachsende Erfolg und Eindruck meiner Reben." In geringerm Maße befriedigten ihn die praktischen Wirkungen seiner Reden. Die Fortsetzung der eben angeführten Worte lautet: ״Und wenn Worte Thaten, und bezwungene Herzen eroberte Städte und Länder wären, wäre ich allerdings ein thatenreicher Manu, waS ich aber nicht bin, da sich nichts zur That gestaltet von Allem, waS ich je erstrebt, und Alles in Klänge, oft in schrillernde Mißklänge auSgeht." Ein strenge-, wol viel zu strenge» Urtheil! Die Institute, Vereine und Einrichtungen der Wiener Gemeinden beurkunden unzweideutig, daß Mannheimer'- Saaten auf keinen unfruchtbaren Boden fielen. Soll ich nun auch von der theologischen Richtung des Vollendeten reden, und von der Entwicklung, welche dieselbe im Laufe eines halben Jahrhunderts unter verschiedenen in« neren und äußeren Einsiüffen erfuhr? Mannheimer war eine viel zu bedeutende, cinsinßrciche Persönlichkeit, als daß die jüdische Religionsgeschichte cS nicht für ihre Aufgabe halten sollte, dies zu thun. Am frischen Grabe des vollendeten bcgeisterten Lehrers der Thora lasset uns die theologischen Dissercnzcn und Streitigkeiten vergessen, und dem edlen Kämpfer für die geistige Wiedergeburt deö JudenthnmS die dankbare Huldigung darbringen, die er in so hohem Maße verdient. I Noch Eines. Ich war beinahe zwei Jahre hindurch Mannheimers HauSfreilnd. Seine beiden älter» Söhne, Theodor und Eduard, wurden von mir unterrichtet. Seine zärtliche Liebe zu den Angehörigen seines Hause- und HerzenS war mit einer zarten Sanstmulh und mit einer gleichmüthig heitern Ruhe gepaart. Seinen Hausfreunden wird daS Bild Mannheimers stetmit der Krone echter LebcnSweiSheit geschmückt erscheinen. So ruhe denn in Frieden, theurer Dahingeschiedener. Du scheutest nie den Tod. Du wußtest, daß der Geist wie« der zu Gott gehe. Dein Geist, der Geist der Wahrheitsliebe, der Uncigcnnützigkeit, dcS Rechtes, de- Eiferfür Israel- Lehre und Ehre möge auf nnö ruhen. Lange wird in dei« nein Volke dein Andenken in Segen blühen. Lange wird sich an dir bewähren, waS du vor 35 Jahren zu deiner Gemeinde sprachst: ״Unsterblich ist auf Erden Jeder, der für die Nachwelt hat gelebt, und ihr ein Denkmal hat hinterlassen, daseinen Namen trägt, ein Denkmal seiner hochherzigen Gesinnungen und seiner men« schcnfreundlichen Bestrebungen. Der Mann von Geist und Herz, der eia Verdienst sich hat erworben, ein Werk der Gottesfurcht hat gegründet, und seiner Zeit in Wort und That ist vorangeschritteu, — der gehl nicht namenlos auder Welt. Die Nachwelt ist sein Erbe. Und wenn die leib« licheu Kinder schon längst ihre- VaterS nicht mehr gedenken, dann steht sein Werk noch da, gesegnet von Gott und Men« schtk,.und Jeder, der eS sieht, und Jeder, der sich daran erbaut, Jeder, der sich daran erfreut, der nennet seinen Namen, und segnet sein Andenken, daß eS unsterblich lebet unter uuS." ifchr, מורה צדק מטיף אכלי־ כלות גלו־ אל על אך רוחך נושא עמר ישב לבורא א1ח1 ק1ךא ת נ צ ב ה. Szegediu, 20. März 1865. Löw. Runk'5 Cröjsilungsvorkmg Ml! College de Siam. Gchallen am 1. Februar 1865. (Fortsetzung. *) ״ Ich muß jedoch auf die Hebräer zurückkommen, und ich will die Augenblicke, die mir noch heute gegönnt sind, zu Ihnen zu reden, dem monotheistischen Glauben der Hebräer und der Poesie widmen, welche dieser Glaube hervor, gebracht. Man hat in den letzten Jahren viel über den allgemeinen Charakter der Semiten geschrieben, und ich müßte fürchten, banale Dinge zu wiederholen, wenn ich Ihnen sagen würde, daß die Armuth der Sprache mit einer Armuth an Ideen, an Einbildungskraft, an Gefühlen zusammenhängt. Ich wiederhole also nicht, waS Andere über diesen Gegenstand viel besser geschrieben haben, als ich cs hier zu sagen vermöchte. Nach meinem Dafürhalten war man aber nicht gerecht gegen die Hebräer, indem man sie in allen Bezie- Hungen mit den übrigen semitischen Völkern konfundirte. Man hat ihnen Allen dieselbe Religion zugcschrieben, welche man die semitische Religion nannte. Man sagte, sie wären allesammt Monotheisten und legte ihnen den Instinkt deö Monotheismus bei, als ob die svckulativste Idee der Welt, eine Idee, welche die größten Filosofen deö AlterthumS nur unvollkommen aufznfassen vermochten, Sache de- Instinktesein könnte, besonderbei Völkern, denen man mit Recht alle Geschicklichkeit zur filosofischcn Spekulation abspricht. Glauben Sie aber nicht, daß der angebliche MonotheiSm der Semiten in die Augen springt, daß er sich der Belrach« tung dedie Wahrheit mit freiem Geiste und ohne Dormtheil suchenden GeschichtSforscheS von selbst, unwiderstehlich aufkringt. Er entzieht sich im Gegentheile überall dem Blicke, und eS bedarf großer Anstrengungen, um ihn faßbar zu machen. DaS Ganze ist ein Gerüste filologischer Deduktivneu; aber ein leichter Hauch reicht hin, da- Gerüste zu zerstören. Da sind keine historischen Beweise, keine ernste auf authentischen Urkunden gegründete Kritik; vielmehr gibt jede Seite der Bibel und zahlreiche Stellen der Profanschristsieller jener Hypothese daeklatanteste Dementi. Denn nichtmehr, als eine Hypothese, ist jener Instinkt; eine zu einem gewissen Zwecke a priori ausgestellte Hypothese. Die Semiten, sagt man, waren Monotheisten. Aber die Assyrer? eine Ausnahme! Die Babylonier? eine Ausnahme! Die Syrer und Fönizier? eine Ausnahme! DaS heißt so viel, als: die ssemitische Race war monotheistisch, mit Ausnahme — aller semitischen Völker. ״Aber Sie vergessen", wird man *) S. dir vorig» Nummrr.

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