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Ben Chananja · 1865-03-22 · 12 (22.3.1865) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
12 (22.3.1865)
Date
1865-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Achter Jahrgang. »12 IS 5zegM» Öen 22. JRiirj (865.;,; Jeden Mittwoch erschein« ein Bogen. Pränamer&tionppreis: «anzjäbriq 7 S .—4 Tblr. 20 Sgr.. balbj. 3f». 50 kr.. 2 Tblr. 10 Sgr., viertelj. 2 fl. öfl. W. Liiykliit Nummern 15 kr. Man abomiirt bei allen Postümtern u. Buchbandluogen de- 20- und Auslanre«. Hm Äaraip. lüod)cnöfa(( für Milche Theologie. Herausgeber und Redakteur: Mu HZ «» »» JL.O'W,. Obcrrabbiner zu Sjegedin. Inserate : find na die Redaktion ,111 Gze» gedin. an Herrn llll« Illlllle» in Xren&fart t. M. oder an Herrn.Oflnaj Ilranner (Utlat Aokergaffe Ne. 10) in Wttt zu senden. Di« 2spaltige Petiizeile wird mit IONkr.^12 Lgr. berechnet. Inhalt- Nekrolog. Dom Herausgeber. — Munk'« Eröffnungsrede im Eclldge de Franre. Dom HreanSgeber. — Korrespondenz. Ausland. New-Uork. Inland. Wien. Wien. Szegcdin. Gr. Kanizsa. Sleinamangrr. Neuhäu'el. 9111« Mähren. Lemberg — Literärische Anzeigen. Jahrbuch für Jsraelnen aus da- Jahr 1645—1685. — Achawa. Jahrbuch für 1805—5625. — Preisfrage. — Inserate. OfaaH tfortfj JUaiuifjciiucr. Scborcu;11 Lopriiliagrn 17. (Dhlobcr 1793, gestordro | | in IDirn 18. Mär; 1885. Einer der begabtesten, trefflichsten, würdigsten, verdienstvollsten und bcrühnilcsten jüdischen Theologen wurde zu Grabe getragen. Auch außerhalb der jüdischen Gemeinde zu Wien trauern Viele um den Verewigten, denn groß ist die Zahl derer, die ihm in aufrichtiger Liebe und Verehrung zugclhan Mannheimers Geradheit, Offenheit, Entschiedenheit, Biederkeit und Nneigennützigkeit mußten ihm die Achtung Aller verschaffen, die Gelcgcheit hatten, ihn näher kennen zu lernen. In vielen Herzen hat er sich Denkmale der Dankbarfeit errichtet, denn unerschöpflich und unermüdlich war seine Beicitivilligkeil, Allen, welche sich in ihren Bedränguiffen an ihn wandten, so viel er vermochte, Rathgeber, Tröster, Fürsprecher, Heiser zu werden. Die Stellung, welche ihm in seiner Gemeinde eingeräumt war, begünstigte seine menschensreuiidlichen Bestrebungen, und sicherte denselben in den meisten Fällen einen günstigen Erfolg. Mannheimer war ein großer Prediger! ״Ich fordere", schrieb er 1835, ״Selbststäudigkeil dcö Geistcö und lebendige Kraft des Wortes von den Lehrern meinrö Volkes, wie ich die freie Kraft und Regsamkeit deö Lebens für mein Volk in Anspruch nehme, wo ich sie immer verkürzt und beschränkt sehe." Dieser Forderung genügte er selbst in vollem Maße. Er bewährte als Prediger die Selbstständigkeit eines edlen, gebildeten, schöpferischen Geistes, und die lebendige Kraft seines Wortes wird allen seinen Zuhörern unvergeßlich bleiben. ״Au der lautern Wahrheit deS göttlichen Wortes sollen und müssen die Herzen sich kräsligrn und die Seelen im Glauben sich zu Gott erheben." So schrieb er ebenfalls 1835. Er hat auch daS göttliche Work aus der Kanzel gewiffenhast angewcutet, und namentlich in.der Benützung deö TcrteS oft eine den roulinirten und gewiegten Meister vcrrathende Gewandtheit an den Tag gelegt. Vor den Witzen einer spielenden Eregese schützte ihn sein gelauterter Geschmack. Hierin sowol, wie in seiner von eingehender Mekilation zeugenden psychologischen Entwicklung, wie nicht minder in seiner angesucht edlen, in manchen Eigenthümlichkeiteu an Klaus HarmS erinnernden, Sprache verdient er jüngeren jüdischen Predigern als Muster und Vorbild aufgestellt za werden. Zur Veröffentlichung wählte Mannheimer diejenigen Predigten, die auch nach Anlage und Disposition den Fordernngen der Homiletik entsprechen. Häufig nahm er jedoch keinen Anstand, sich über diese Forderungen hinauSzusctzen. Für Kenner bewährte sich dann an ihm Schillers ״Naturgesetz": So war'- ttimitr, mriii Rrfiiut', und so wird'- blribr». Die Ohnmacht Hai die Regel für sich, aber die Kraft den Erfolg. Seinen Vortrag unterstützte eine feste, scharf und edel gezeichnete Gestalt. So oft er die Kanzel betrat, lag aus seinem blaffen Angesichte ein tiefer, milder, heiliger Ernst. Seine Gestikulation war nicht immer so gemäßigt, wie sie gebildete Zuhörer zu erwarten berechtigt waren. GcseniuS, den ich ans sein ausdrückliches Verlangen am ersten Nosch Ha-Schana Tage IS 10 zur Predigt Mannheimers abholte, fragte mich, ob alle jüdische Prediger so stark und lebhaft gestilnliren. Er halte früher niemals einen jüdischen Pre« digcr gehört, nnd er war geneigt; in der ihm befremdlich scheinenden Gestikulation eine Eigenthümlichkeit der Semiten zu erblicken. Mannheimers Gestikulation war, weit entfernt von jeder Affektation, ein Ausfluß seiner Individualität; sie fehlte, wenn er in Eifer kam. auch bei feinen Privatunter, Haltungen nicht. Sein Organ war stark, kräftig, biegsam und äußerst wohlklingend. Tief ergreifend wirkte namentlich seine Stimme, wenn er ein Gebet sprach. Nur wenn er zu hoch griff, verlor die Stimme ihr Metall. Seine Stimmmittel versagten ihm auch gegen daS Ende seiner ruhmvollen Lauf, bahn nicht ihren Dienst. Ich nahm dies zu meiner freudigen Neberraschung wahr, als ich ihn am 21. Jänner dieses Jahreö predigen hörte. Die Verkündtgung deö göttlichen Wortes war für Mannheimer eine wa'׳re Herzensangelegenheit. Die Kanzel war sein LebenSelement, und mit immer neuer Lust und Liebe! trat er vor die stets di-cht gedrängten Reihen feiner Zuhörer. Es war daher Herz im Inhalte seiner Predigten, Herz inj der Form, Herz ans der Lippe. Die unmittelbare Wirkung seiner Worte auf die Znbörer thar ihm unendlich wohl. ״Mein einziger Trost", schrieb er mir unterm 27^.Hezemdtr 18-11, ״und meine einzige Glückseligkeit ist da- Bew^ein,

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