Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 11 (15.3.1865)
- Date
- 1865-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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179 180 onb Wissenschaft,« der vorigen Zeiten ein; nicht etwa am die Schriftsteller vnd ihre Schriften allein kennen zu lernen, sondern um in ihnen die innere Geschichte aufzufinden. Prag vnd Wien besaßen im hohen Mittelalter schon bedeutende jüdische Gemeinden, die wie allenthalben, sich selbst überlassen waren, und von ihren eigenen Gesetzlehrern geführt wurden; nun suche ich aber vergebens in der Geschichte der Israeliten in Böhmen und in den vaterlänbischen Blättern nach diesen Gesetzlebrern und ihren Werken." Wir wellen versuchen, dem Wunsche unseres geehrten Korrespondenten nachzukommen. Als Hauptquelle nennen wir Jsaak'S aus Wien O r Sarua, eines der ausgezeichnetsten Werke des XIII. Jahrhunderts. In diesem schätzbaren ספר הלכות fanden wir, als ältestes Dokument, einen RechtSbescheid aus dem XI. Jahrhundert, welchen die jüdische Gemeinde von Prag nach Mainz au den berühmten Rabbi MoseS ben Jekutiel schickte, um sein Gutachten darüber einzuholen. Dieses Dokument beweist die damalige Verbindung der Israeliten von Böhmen mit ihren Brüdern in Deutschland. Ob der Redakteur deS NechtöbescheideS ein geborner Böhme war, ist nicht bekannt; aber im XII. Jahrhuudert batte Böhmen mehrere ausgezeichnete Gesetzlehrer hervorgebracht, die alle den Namen Isaak führten; so Isaak den Mardechai, Isaak Ha-Labau ben Jakob, J'aak ben Schalom, Isaak Chasan und endlich Elieser, Sohn Jsaak'S. 8. Isaak ben Llar-drchai ans Söhmen. Isaak ben Mardechai, einer der ausgezeichnetsten Nabbinen, welche in jenen Zeiten die Prager Synagoge verwalteten. Isaak auö Wien nennt ihn bald aus Böhmen und bald auS Prag, weil er in Prag geboren und erzogen war. Sein entschiedener Hang zum Studium führte ihn bald zur Hochschule deö Rabbi Isaak ben Ascher ha- Levi in Spcicr. Unier der Direktion dieses berühmten Lehrcrö verfaßte er Tosafot oder Glossen zum Talmud. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten erregten die Aufmerksamkeit seiner GcburtSstadt, die ihn an sich zog und ihn zum Rabbiner ernannte. Später wurde er alö solcher nach Regenöburg derufen, wo er sich als Gesetzlehrer große Autorität verschaffte. Sein Name kommt in vielen Werken der französischen und deutschen Schulen seiner Zen vor; er korrelpondirte mit R. Tam und Isaak von Wien rühmt sich, er habe daö Gesetz von Elieser Ha-Levi, dieser von seinem Vater Joel Ha-Levi uud dieser von Isaak den Mardechai empfangen. 9. Isaak Ha-Laban ben Jakob aus Prag. Dieser berühmte Mann behauptet unter den böhmischen Gesetzlehrern einen angesehenen Rang. Er war ein Schüler R. Tam'S und blieb, nachdem er seine Studien vollendet hatte, in Frankfurt, und wohnte in Dompierre, nach dessen Aufenthalt er zuweilen aus Dompierre genannt wird. Er kehrte jedoch nach seinem Vaterlande zurück, wo er sich eine Klause erbaute und eine französische Schule errichtete. In Deutschland, wo er früher lebte, galt er als ausgezeichneter Lehrer. Jehuda ben KalonymoS ben MoseS aus Mainz, der berühmte Vater deS Elieser aus Wormö, adrcsiirte an ihn religiöse Fragen. Isaak aus Wien, der seine Schriften besaß, erwähnte ihn sehr oft als erste Autorirät. Auch sein Sohn, Jakob ha Laban, wird im Or Sarua zitirt. 10. Isaak den Schalom und Isaak Lhasan. Prag gehört ferner auch Isaak den Schalom an, der gelehrte Vater deS Isaak auS Wien. Er lebte in seiner Vaterstadt und besaß den rabbinischen Stuhl viele Jahre. Sein Enkel Isaak erwähnt ihn mehrmal in seinem Werke, und sein Urenkel Chajim hat uns in seiner Gutachten-Sammlung ,inen Rechtsbescheid von ihm au seinen Lehrer Rabbi KalouymoS ben Jehuda aufbewahrt mit der Ueberschrist:?שאיבת חרב ר׳ יצחק בן הרב ר׳ שלום זקנו של אבא מארי מד ששאל מרבינו קלונימוס זצ״ל: Zu den Zeiten des Isaak ben Schalom lebte auch in Prag ein angesehener Lehrer, durch seine Kenntnisse in den Gesetzen lobenöwerth. ES war dieser Rabbi Isaak Ehasan, den der Verfasser deS Or Sarua, einen großen Mann, נברא רבא, und einen Gaon nannte, von dessen LebenSumständen aber sich keine Nachrichten erhalten haben. II. Elicscr den Isaak aus Söhmen. Unter den Männern, die uns Isaak auS Wien als Verbreiter der jüd. Wissenschaft im XII. Jahrhundert nennt, ist besonders Elieser ben Isaak auö Böhmen zu erwähnen. Er war ein Schüler deS R. Tam und verfaßte unter seiner Leitung Tosafot oder Glossen zum Talmud. Nach seiner Zurückkunst auS Frankreich reiste er nach Ungarn, Polen und Rußland, wo er uns über die Lage der Juden dieser Länder interessante Mittheilungen hinterließ. Er lehrte später in seinem Vaterlande Böhmen und in Deutschland, wo er mit dem berühmten Jehuda Chaßid in Regenöburg korrespondirte. 12. Kniturzirstauder Juden in Söhmen im XII. Jahrhundert. Wenn man Zunz glauben soll, so wird Polen in jübischen Schriften nicht vor dem XIII. Jahrhundert gedacht. Dieses ist nicht wahr, denn Elieser auS Böhmen, der, wie bekannt, 1170 lebte, erwähnt eS schon in einem Schreiben an R. Jehuda Chasid, daö uns der Verfasser von Or Sarua erhalten hakte. Er bemerkt ihm nämlich in diesem Schreiben, daß in den meisten Orten in Polen, Rußland und Un« garn eS wegen deS Druckes keine Lehrer der göttlichen Gesetze gibt, sondern sie dingen sich einen verständigen Menscheu, wenn sie ihn finden, und dieser Mensch dient ihnen alö Vorbeter, Geistlicher und Kinderlehrer. הנר. ברוב מקומות שבפולין ורוסייא ואוננרין אין שם לומדי תורה מתוך דוהקם. ושוכרים להם ן<1ר_ם מבין מאשר ימצ^־זו, והוא להם T:שפיה צבור ומורה צדק ומלמד בניהם 13. Isaak aus Wien. Der größte Gesetzlehrer Oesterreichs, der fruchtbarste Schriftsteller dieses Landes, war um das Jahr 1200 in Wien, auö einer angesehenen Familie geboren, die drei Generationen von Rabbinen zählte. Rabbi Schalom, dessen Sohn Rabbi Isaak und Rabbi MoseS. Dieser letztere, Sohn deS Rabbi Isaak, war der Vater unseres Isaaks, der nach seinem Hauptwerk Or Sarua heißt. Rabbi MoseS, der in Prag geboren war, und böhmisch sprach, erzog seinen Sohn, in dieser Sprache, deren er sich in seinen Werken oft bebiente. Nachdem er den ersten Unterricht ,mter der Leitung seines ValerS genossen hatte, bezog er die Schulen DeutschlandS, geführt von den berühmten Rabbiuen Elieser ben Joel Ha-Levi in Bonn und Slmcha ben Samuel in Spcier. Der große Ruf der Hochschule von Paris jedoch zog unfern Isaak mächtig dorthin, wo er einer der auSgezetchnetstcn Schüler deö Rabbi Jehuda ben Isaak genannt Sir Leon, wurde. Als dieser große Lehrer 1224 starb, kehrte unser hochbegabter Jüngling nach seiner Heimat zurück. Sein guter Ruf erwarb ihm allenthalben das Zutrauen seiner Landsleute, aber sein Durst nach Wissenschaft ließ ihn nicht ruhen. Er reiste nach Ungarn, lehrte einige Zeit in Ofen und erlaubte dort den Frauen, sich in den warmen Quellen ritualmäßig zu baden. Später kam er nach Böhmen, wo er lange Aus dirsr Slkllt habe ich derril» im 5. Jahrgang d«» »D. CH." 8. 267 aufmerksam grwacht.