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Ben Chananja · 1865-03-15 · 11 (15.3.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
11 (15.3.1865)
Date
1865-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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177 178 sich eines semitischen Dialektes bedienen konnten, waS sogar sehr wahrscheinlich ist. Die Fövizier nahmen allmälig die Sprache dieser Völkerschaften an. Diese Hypothese würde zugleich daS Vorhandensein mancher chamitischcn Trümmer in der Sprache der Fönizier erklären, namentlich daS Vorhandensein deS persönlichen FürworteS Anokh oder Anokhi (ich), welches sich in keiner semitischen Sprache findet, ausgenommen in der hebräischen, welche mit der fönizischen beinahe identisch ist, in welcher aber neben dem Anokhi auch das semitische Ani gebrauchlich ist.ד) Eine analoge Thatsache trug sich auch bei den Hebräern zu. Die Abrahamiden. ihrem Ursprünge nach Aramäer, nahmen, in Palästina eingewandert, allmälig auch die palästinensische Sprache an, d. i. die Sprache der Aborigener und der Fönizier; aber sie bewahrten auch Trümmer von der Sprache ihrer Aramäischen Ahnen, und namentlich daS wichtige Zeitwort Sein, Ila^vaoder llaja, welches in einem innigen Verhältnisse zu dem GotteSnamen Jahwe oder Jehowa steht, während die Fönizier, gleich den Arabern, daS Zeitwort sein durch cawan oder cün auSdrücken. ES ist mehr als dreißig Jahre, daß ich daS Zeitwort cün in zwei punischen Versen deö PönuluS von PlautuS zu ׳erkennen glaubte. Die Orientalisten haben dies lange Zeit bestritten; allein die Fönizii'che .Inschrift von Marseille und die deS Sarkophags des Eschmuu-Ezer, Königs von Sidon, haben die Thatsache so vollkommen bestätigt, daß Niemand mehr daran zweifelt. Wie man indeß immer über diese ethnographischen Fragen denken möge, welche wir hier nicht erschöpfen können, so glaube ich, daß man den sogenannten semitischen Sprachen einen viel charakleristischern Namen geben, und dieselben dreibuchstäbige oder zwcisylbige Sprachen nennen könnte. Denn so weit wir auch in der Geschichte der semitischen Sprachen zurückgchcn können, immer begegnen wir in denselben dreibu-^stäbigen, durch zwei Vokale verbundenen und zwei Sylben bildenden Wurzeln, während die indoeuropäischeu Sprachen sämmtlich eiusylbige Wurzeln haben. So wird zum Beispiele daS Zeitwort ״machen" im Sanskrit durch kri, im Griechischen durch 01״, im Lateinischen durch tue, im Deutschen durch m.ach auSgedrückt; im Assyrischen dagegen durch abaS, im Fönizischen durch p a'al, im Hebräischen durch pa'al und aßa, im Aramäischen durch abad, im Arabischen durch Fa'al, im Aethiopischen durch gabar. So groß auch die Verschiedenheit der Wurzeln in beiden Sprachfamilien sein mag, so sehen Sie dennoch, daß diese!- ben immer einerseits auS einsylbigen, andererseits hingegen auS zweisylbigen Wurzeln bestehen. Ueber daS, waS man die Armuth der semitischen Sprachen nennet, will ich mich nicht auSbreiten, denn dies würde technische Details erfordern, die hier nicht am rechten Orte wären. Wenn ich von Armuth spreche, so verstehe ich darunter nicht eine Armuth an Wurzeln und Wörtern, denn י) D«a äqvvtischen Urlpruog Le« fraglichen Pronomen« kauutru schon die alten Scbriftgkl.brteu:.אנכי לשי| מצרי הוא 2 •ז1־-3) אמר הקב״ה הריני משיה בלשון מצרי אנכי אניד M. 286.) Da« אמך ist eben tie koptische For«. Re». kein Wörterbuch kömmt vielleicht in dieser Rücksicht de« Relchthume deS arabischen gleich; wo! aber erwähne ich die Armuth der grammatikalischen Formen, der Deklination und Konjugation, der absoluten Unfähigkeit, abstrakte Ideen auSzubrücken*), den gänzlichen oder beinahe gänzlichen Mangel an zusammengesetzten Haupt- und Zeitwörtern, — und man j weiß, wie groß in diesen Beziehungen der Reichthum der I indoeuropäischen Sprachen ist. Ich will aber endlich die Eia- 1 fachheit der Syntar erwähnen: die semitischen Sprachen ver- I wirren sich nicht durch lange Perioden, die Sätze folgen 8 kunstlos auf einander, ohne durch ein anderes Band, als ff daS der Konjunktion und zusammengehalten zu werden. Die ff Prosaische Diktion gleicht der Sprache der Kinder. ES ist ff bemerkenSwerth, daß die Araber z. B. selbst auf dem höch- S sten Gipfel ihrer Zivilisation, im Mittelalter, niemals dazu S gelangt sind, einen erträglichen Geschichtschreiber zu besitzen. 8 Ihre Geschichtschreiber und Chronisten erzähle» wie die Kiaö der. Ein ThucpdibeS, ein TituS LiviuS, ein TaciluS würden 1 in einer semitischen Sprache absolut unmöglich sein. Wenn ff die Araber in einem eleganten Style schreiben wollten, ve> D fielen sie inS Kindische und Geschmacklose: in Alliterationen, 8 Assonancen, Wortspiele, und in allerlei Künste, welche wol ff einen Augenblick daS Ohr kitzeln können, bei längerer An- 1 Wendung aber langweilig und ermüdend werden müsse». Erlanden Sie mir, Ihnen einen Begriff davon beizubringen, indem ich Ihnen einige Phrasen einer Nachahmung zitire, welche ich einst auS den Makamen deS Hariri versucht! habe. Vom Tode sprechend, sagt z. D. ein Prediger: I ״Wenn du einst in der unglücklichen Stunde wirst erkalten, welches fromme Werk wird dein Andenken erhalten? 8 Hat man inö Grab dich getragen, waS antwortest du daun auf die dir vorgelegten Fragen? Willst du einst vor Got: gerechtfertigt erscheinen, wer wird sich als Anwalt mit dir vereinen? Dich zu wecken traf dich so manches Jahr, doch! du ergabst dich dem Schlafe ganz und gar." ״) Denken Sie sich nun ein geschichtliches Werk, welches ff ganz in diesem Style geschrieben ist, z. B. daS Leben Ti-8 mur'S von Jbu Arabscha! DaS wird abgeschmackt und er-N MÜdkNd. lSchluß folgt.). K 3ut flefdjidjle der Jiiöeii in Lejleneich. 1 Von ®r. II arm 01». 1 (Fortsetzung.') 1 7. Lin Prager Nechtsbescheid aus dem XI. Jahrhundert. 8 Ein österreichischer Geschichtsforscher, der die kurzen | Notizen im ״B. CH." Nr. 51 gelesen hatte, ersuchte unS^ brieflich, unsere Aufmerksamkeit aus die frühere Geschichte Der | Juden in Oesterreich zu richten. ״Ein ganz besonderes Interesse", schreibt er, ״flößten uuS die Träger der Kultus ') Vrgl. .Bk» Chan.- 7. Iahrg. Nr. 36. Cot. 727. 8 ') Dir srau,öfische Nachbildung dr« Herrn Verfasser« lautet!« ״Quaud I'heure malhcureuso arrivcra, quelle oevre piouse te «ur8׳ vivera? Quand dana la tombe tu reposra, qu'eat-cs que tu oppo׳§ aeraa aux questiona qu’on te posera? Quand devant Di6u tu p1«l*| deraa, qui eat ce qui t’aldera? Depuia loagtempa lea auuSs« t'at-» teiguaient pour t'eveiller, mais tu feignais de aomrneiller.* | *) ״Qita Chauauja" 1864. Nr. 61. ן

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