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Ben Chananja · 1865-03-08 · 10 (8.3.1865) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
10 (8.3.1865)
Date
1865-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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164 163 IV. Ater auch diese THLtigkcit Esra'S und seiner Zeitgenossen wäre nur als ein erfolgloses phantastische- Luftgebilde za betrachten gewesen, hätte nicht ein höhereideale- Ziel, als ein durch alle späteren Zeiten und Geschlechter hindurch anregendes Moment ihnen vor Augen geschwebt. Jene Männer konnten sich unmöglich verhehlen, daß ihre Wirksamkeit beim besten Willen nur ein schwache- Beginnen sein kann, dessen Fortsetzung, Ausführung und Befestigung vielen, viel späteren Geschlechtern anheim gegeben sei. Wo war nun daS bewegende Motiv zu suchen? ES war in den Ideen vorhanden, welche von den Erulanten Iudäa'S mit in das Eril genommen wurden, aber den Stämmen deS Reiches Israels abhanden gekommen waren. WaS früher nnr von einzelnen Profeten klar geschaut und erkannt worden war, die große welthistorische Mission der Söhne Jakobs: Bewahrer, Träger und Vertreter der Lehre zu sein: eS gibt nur Einen Gottt, einzig und einig; nur Eine Menschheit, ein durch Liebe zu Gott unter einander zum Tempel Gottes bestimmtes Menschengeschlecht; jene große, erhabene welthistorische Mission -war von einer großen, großen Anzahl, von dem größten Theile der jüdischen Bevölkerung erkannt worden und zog, wie einst die Wolken- und Feuersäule, vor den aus den Wogen des den Menschen entwürdigenden HeidenthumS geretteten Erulanten als ein himmlischer Genius einher, die große Begeisterung erweckend, mit den zuversichtlichsten Hoffnungen erfüllend und auf der betretenen Bahn fortoauernd fortzuwandeln stärkend. Erst im Eril und vorzüglich durch Esra gelangten die schon im Pentateuche für den unparteiischen Dibelleser entbaltcnen Ideen von der welthistorischen Mission Israels zum klaren Volköbewußtsein. Esra war cö, der die Fahne, worauf diese Mission geschrieben stand, entfaltete. Durch seine Thätigkeit wurde dieses Bewußtsein gleichsam der geistige Mittel- Punkt Aller. Von ihm gingen Anordnungen, Vorschriften, Einrichtungen aus, nicht wie sie der Stat bedarf, der groß und mächtig werden will, sondern wie sie für eine daS Priesterthum der Menschheit bildende Gemeinschaft unter den damaligen Verhältnissen erforderlich waren. Dieses erhabene, seinen ganzen Kultus durchdringende Ziel deS JudenthumS, ist einem Sterne zu vergleichen, den Mancher da, wo er nur im Wasser sich abspiegelte, mit Bewunderung betrachtet, während er ihn in seiner Wirksamkeit über sich kaum eines Blickes gewürdigt hat. Und wahrlich diese welthistorische Mission ist groß und umfaffend genug, daß wir, seien auch noch so viele Verschiedenheiten und Abweichungen vorhanden, in ihr Gemeinsames genug besitzen um — in der Gemeinschaft auSzuharren. Doch ich darf auf diesen mit unserm Thema nur als Grenzberührung in Verbindung stehenden Gegenstand nicht weiter eingehen, ohne mich eineunbescheidenen Mißbrauchs Ihrer Aufmerksamkeit schuldig zu machen. War eS mir auch nicht vergönnt, mit Ihnen die Hallen der Geschichte selbst zu betreten; ist eS auch nur :ine kleine Spalte, durch die wir hineingeschaut: mehr, weit mehr als zwei Jahrtausende sind seit jener Zeit, von der wir sprechen, vorübergegangen. Welche Menge von Ereignissen, frohe und traurige, aber alle lehrreich, füllen diesen Zeitraum auS. Welche Fülle von Geisteskraft hat in diesem Zeiträume sich angestrengt! welche Millionen haben Kraft und Leben der Fortführung des vor mehr als 3300 Jahren begonnenen, vor mehr als 2300 Jahren erneuerten weltgeschichtlichen De, rufe- Israels zum Opfer gebracht — und an diesem Riesenwerke gehen Sprößlinge des alten ehrwürdigen Geschlechtes unbedachtsam vorüber, als ob eS gar nicht vorhanden wäre! Wirb ihre Gleichgiltigkeit von Dauer sein? wird ei'n solches Riesenwerk für immer übersehen werden? wer daS glaubt, wer daS fürchtet — hat niemals in dem Buche der Geschichte gelesen! Der heilige, von Millionen Leben aufge, führte Synagogenbau des JudenthumS war schon oft als ein verfallener Tempelbau verhöhnt; aber, waS Verfall geschienen, war Verjüngung. Das abgeschlossene Gemäuer ist vor Verfall nicht zu bewahren. DaS Judenthum ist ein lebensvoller Organismus am LebenSbaume der Ewigkeit, und mit ihm verbunden ist auch sein Dasein ein unvergängliche- und ewige-. Jüdisch-theologisches Gutachten. Von Rabbiner Dr. Hochstädter in Bad Ems. (Schluß.') III. lieber die Bekleidungsfarbcn der Synagogen-Mobilien. Zm Allgemeinen gibt eS hierüber keine rituelle Vorschrift; und hatten die Gewänder in der StistShütte — als Zcillcppiche, Borhänge 1c. 1c. — sowie auch im Tempel mancherlei Farben, wie z. B. Purpurroth, Blau und Carmosiu rr. ». (s. II. M. 26, 1 und 31) desgleichen war der Fall bei den besonder״ Kleidungsstücken des Hohen. Priester» (s. daselbst 28. 6. 15. 33): indes seine übrigen Kleider, die er mit den gewöhnliche» Priestern konform hatte,!Heils ans weißer Baumwolle [Byssas בוץ] und tbeils aus weißer Leinwand [בר] de, stand, nur daß die Leibgurt mit den drei erwähnten farbigen Stoffen verwebt war (vrgl. daselbst 23, 4 und 42 mit Talmud B. Tr. Joma 12, b und Maimonides Ritualkoder. ״Von den Gerälhen des Heligenthmus" VIII, 1J. Daß die jetzigen Rabbiner und Prediger — quaai als Priester ihrer Gemeinden in schwarzen Tataren erschienen, ist darum als eine zeitgemäße Akkomodation zu betrachten. Ebenso find die synagogalen Gcwandstücke von jeher in allen Farben bereitet worden, und dürfen die Synagogeiibesucher in jeglicher Farbe. wenn nur anständig gekleidet, erscheinen. Daß man sich jedoch späterhin in vielen Gemeinden am Neujakrefrste [׳*ה!] — gleichwie am VersöhnungSlage [י"ה] — wr»ß kleidete — und hie und da auch den syuagogaleo Mobilien weiße Gewänder vorlegt — beruht auf einer bloßen Parabel, die im palästinenflscheu Talmud (Tr. Rosch-Haschana I. 3) vorkommt, basirt also ihrer ״sagenhaften" lhagadischen) Beschaffenheit zufolge weder auf eioee Tradition, noch aus einer gesetzlichen (halachischeu) Sitte; weshalb all» talmi'.discheu Kompendien und rabbinische Kodier« — von R. Simon Kahira (um dir Mitte de« achten Jahrhunderts) bi» zu R. Zofef Karo (um die Mitte des sechzehnten Jahrhundert« jetziger Zeitrechuung) kein» Vorschrift enthalten, ja eine« solchen Gebrauch« (Eeremonie) gar nicht ,wähnen. E« heißt nämlich daselbst: ״Während man sonst, wenn mau schuldbeladen vor einem hohen Richter erscheint, sich au« Ehrfurcht und Demulh schwarz zu kleiden pflegt «schienen wir an diesem ״Ge» *) E. die vorige Nummer. .

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