Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 10 (8.3.1865)
- Date
- 1865-03-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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169 y . : Heren Form unverändert wieder hergestellt werden und alle Diejenigen, die sich diesem Dienste nicht anfchließea, also nicht einwanderu würden, als von der Gemeinschaft auSge, treten oder ausgeschlossen betrachtet werden? Oder sollte der im Eril entstandene neue Kultus nach Palästina miteinwandern und auch dort den alten verdrängen? Wozu dann überhaupt eine Einwanderung? Um der Felder und Weinberge, willen? Die deü Euphrat und Tigris boten den Ernlantcu ebenso reichlich und vielleicht reichlicher ihren Lcbenöbedarf, als die verödeten, verwüsteten am Jordan und am Libanon! Eine Spaltung mußte vermieden werden und eine Einigung schien unmöglich. In der Lösung dieser schwierigen Aufgabe bestand hauptsächlich Esra'ö Wirksamkeit und Verdienst. Eine wenn auch kurze, doch nähere Betrachtung derselben bat nicht nur geschichtliches Interesse, sonder» bietet auch für eine der schwierigsten Zeitfragen einen Anhaltspunkt, zu deren Lösung. Esra, der Sohn dcö letzten vorcrilischen Hohenpriesters, zeichnete sich durch seine Gelehrsamkeit und Frömmigkeit aus. Er stand auch bei dem Könige ArtarcrreS in hohem Ansehen. ״Der König, heißt es von ihm, gewährte ihm Alles, waS er verlangte."*) DaS Schreiben, welches ihn und Alle, die sich ihm anschlicßcn würden, ermächtigte, nach Jerusalem zu wandern und Silber und Gold hinzubringen, daS der König und seine Nälhe freiwillig gegeben, und überhaupt mit einer ausgedehnten Vollmacht versah, selbst Richter cinzusetzen, den Widerspenstigen zu strafen und sogar die Todesstrafe zu verhängen, dieser Brief hat sich vollständig erhalten und ist ein höchst merkwürdiges Akten« stück jener Zeit. Esra muß bei seinen Zeitgenossen in sehr hohem Ansehen gestanden haben, denn ohne von der ihm durch den König verliehenen Macht im Entferntesten seinem Volke gegenüber Gebrauch zu machen, ohne sich das Ansehen eines Oberhauptes zu geben, wird alle» seinen Rathschlägen und Anordnungen von Allen unbedingt willig Gehorsam geleistet. Er hätte durch einen Machtspruch Bestimmungen treffen und Anortnnngen erlassen können, durch welche die Religion eine ganz neue Gestaltung erlangt hätte. DaS that er aber nicht. Seine Wirksamkeit war allerdings, um eines modernen Ausdruckes mich zu bedienen, re form ..torisch, aber nicht in der Weise, daß er Alleö zerstörte, sondern dieses vergelstigend und belebend so befruchtete, daß neue Schößlinge daraus hervorsproßtcu. Esra schloß sich unmittelbar und ganz an die Lehre Moseö an.**) בחירת השה אשר נתן ה״ אל ישראל Er stellte den Tempel- und Opferdienst ganz in alter Weise wieder her, in allen Einrichtungen daö Gesetz Moseö als Richtschnur anerkennend und aufstellend, er ging sogar hinsichtlich der heidnischen Frauen, über deren Vcrhei« ratung mit Erulanten man vor Esra Klage führte, noch weiter, als Moseö und bewirkte deren Verstoßung. Denn sollte von dem Volke seine Rückkehr nach Palästina wirklich als ein Abschluß des ErilS betrachtet und als der Anfang einer neuen Geschichtöperiode begrüßt werden, als die Gef ') öfra VII, 6. ••) öfra VII. S. 160 schichtöperiode, welche die Profeten verheißen und die seit Jahren Gegenstand seiner Sehnsucht war: so mußte daS Alte wieder erstehen, sich verjüngend, aber ohne aufzu« hören, daS Alte zu sein. Er hütete sich wol, das Band, welches in der Hoffnung auf Rückkehr im Eril daS Volk zusammenhielt, jetzt, wo eö erst recht seine Kraft zu bewähren hatte, zu lockern oder auf die Seite zu werfen, soweit auch die Verwirklichung bis jetzt hinter der Hoffnung noch zurückblieb. Aber auch das im Eril erst entstanden gewesene Band, nämlich daö des neuen Kultus, dcö Lesens der Opfer-Abschnitte und die Verrichtung der die Opfer vertretenden Gebete, ließ er nicht fallen, und wie er auS Rücksicht auf die Zurückkchrcndeu den Opferdienst nicht mißachtete, sondern ganz in alter Weise wiedcrhcrstellte, so ließ er auch aus Rücksicht auf die Zurückbleiben den, was ehemals nur als Ersatz Eingang erhalten hatte, jetzt nicht alö etwas UeberflüffigeS wieder beseitigen, sondern Gemeingut Aller werden durch Anordnung und Einführung bestimmter für die verschiedenen Festtage sich eignender Gebete und Ritualien. Die Synagoge blieb neben dem Tempel, daS Gebet blieb neben dem Opfer. Synagoge und Gebet war freilich eine Reform, aber früher für Alle nothwendig, erschien sie jetzt um der Vereinigung willen Allen heilsam, weil dem einen Theil jetzt noch wie früher nothwendig. II. Esra ging aber noch weiter und machte sich in seiner Wirksamkeit auch in anderer Weise noch sehr verdient um die Erhaltung-deS Volkes. Ich habe bereits angcdcutet, wie beim Beginne deö ErilS daS Volk einen Theil dcö Kultus zu bewahren sich veranlaßt sah. DaS Volk nahm die Hoffnung auf Rückkehr mit. Ohne diese würden die jüdischen Erulantcn ebensowenig au einen Ersatz deS Tempeldienstes gedacht haben, als die Vertriebenen deö Reiches Israel. Das Festhalten an den Formen war ein Erzeug»iß der auS den Verheißungen der Proseten entstandenen'Hoffnungen. Daö erkennend sahen die Schriftgelehrtcn wol ein, daß auch ein solches geistiges Band für die Zukunft vorhanden sein müsse, wenn daö Aeußere deS Kultus oder der Liturgie dauer- Haft und fest sein sollte. Die Hoffnung war dazu nicht mehr geeignet. Sie war theilwcise schon erfüllt, freilich nur für einen Theil, aber auch nur für diesen Theil noch alö einigendes Moment vorhanden. Sie hätte jetzt mehr trennend als einigcnd wirken müssen, wenn auf sie daö Gewicht der Gemeinschaftlichkeit hätte gelegt werden sollen. Welches andere Moment war aber zur Einigung noch vorhanden? Esra schuf — kann man beinahe sagen — ein solches: das Studium der Lehre (תלכוד תורה)*). Früher war bekanntlich der jüdische Stat ein theokratischer. Die ganze VvlkSeinrichtung war eine Verkörperung der ReligionSideen. DaS war jetzt nicht möglich und selbst wenn der Stat sich jetzt hätte schon wieder Herstellen lassen, auch nicht zweckmäßig. Jetzt sollte die Religion theoretisch als etwas für sich bestehendes Geistiges vorhanden sein und gemeinsame- ') Dgl. öfra VH. 10.