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Ben Chananja · 1865-03-01 · 9 (1.3.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
9 (1.3.1865)
Date
1865-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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145 146 Verheißung auS, daß die Vertriebenen wieder auS Babylon zurückkehreu, daS Reich wieder hergestellt und der Tempel wieder aufgebaut werden werde. In dieser Verheißung war den Erulantea ein Zehrpfennig, ich möchte sagen, eia TaliSman gegeben, dessen Einwirkung nicht hoch genug ange, schlagen werden kann. Den Bewohnern deS Reiches Israel fehlte diese Verheißung, fehlte diese Hoffnung. WaS hätte sie noch aufrecht halten, waS für die Zukunft ihrem augenblicklichen Bewußtsein der Zusammengehörigkeit LebenSkraft und Ausdauer verleihen sollen? In den profetischen Schriften belaßen die Erulanten Juda'S die Verheißung dokumentarisch verbrieft und besiegelt. Aber noch mehr: die Verheißung hatte Jeremia mit solcher Bestimmtheit gegeben, daß er sogar den Zeitraum angab und zwar den vcrhältnißmäßig sehr kurzen von 70 Jahren. Wenn diese bestimmten Angaben Vertrauen erweckten, wenn der Leidende überhaupt gerne solchen trostreichen mit Hoffnung erfüllenden Prophezeiungen Vertrauen schenkt; so mußte dieses um so größer sein und um so mehr aller Gemüther, auch der bis seht Un- und Kleingläubigen sich bemächtigen, weil die Dro- Hungen und Verkündigungen der Leiden alle so buchstäblich und so schauerlich als wahr und Profetisch in Erfüllung gingen, die göttliche Sendung deö Profeten und seinen prosetischen Geist außer Zweifel setzend. Auch während deö ErilS wurde dies? Verheißung durch den Profeten Ezechiel fortgesetzt und mit solcher Bestimmtheit auf eine bevorstehende Rückkehr hingcwiesen, daß der Profet sogar den Bau deö Tempels und den Opferdienst mit solcher Ausführlichkeit beschreibt, als ob in dem Augenblicke schon zur Ausführung sollte geschritten werden. Bei dieser zuversichtlichen Hoffnung aus eine baldige Rückkehr und Wiederherstellung der bestandenen theokratischen Einheit war , eS ganz natürlich, daß man gleich beim Beginne deS ErilS auf ein?׳.׳, einstweiligen Ersatz deS TempelkultnS bedacht, war und hierin lag * 4. ein sehr bedeutendes Moment, waS unS die Er- Haltung deS jüdischen Volkes erklärt. In dem Reiche der 10 Stämme gab eS gewiß auch noch sehr Viele, welche mit Elia und Eiischa den Glauben festhielten ׳ה״ הוא האלהים aber Nationalität und statliche Regierungöform waren daS einzige Band, welches um die Individuen sich schlang und ihre Zilsammengehörigkeit bedingte. Der Etat ging unter nnb für die Nationalität fehlte, da der Tempel nicht mehr für die Angehörigen deS Reiches Israels bestand, jede außere Form der Zusammengehörigkeit. Der nichtisraelitische KultuS, dem die 10 Stämme sich hingegeben hatten, stand mit ihrer Nationalität im Widerspruche, konnte darum, beim Untergänge deS SlateS, zur Erhaltung jener nichts beitragen. Ganz anders war eS bei den Bewohnern Judäa'S. Auch da hatte sich ein großer Theil zwar von einem nichtisraelitischen KnltuS fesseln lassen, und namentlich gaben die Könige mit ihren Hösiingen vielfach der Verehrung der Heid- Nischen Gottheiten vor der alten überlieferten jüdischen GotteSverehrung den Vorzug. Aber Tempel, Opserdicnst, Prie« sterthum u. s. w. Kultuöstätte, KultuSzeiteu, Kultuöverrichtungeu u. s. w. bestanden in ihrer alten israelitischen Form und konnte man beim Eintritte deS ErilS auch nicht alle mit sich nehmen, so war eS doch von einem Theile derselben möglich; konnte man auch diese nicht ganz in der frühem Weise beobachten, so gab eS doch Anhaltspunkte, für dieselben einen der Bedeutung nach angemessenen Ersatz za fiaden. Der Tempel fehlte, man machte daS HauS znm Tempel oder wählte sich wenigstens einen Versammlung-- ort als gemeinsamen Mittelpunkt. Hatte der Opferdteost auch aufgehört, man laS mit Schmerz und Wehmuth in dem alten Buche die betreffenden Vorschriften in der Hoffnung, die Zeit werde kommen, in der die Beobachtung werde wieder möglich sein und mit dem andachtsvollen Versprechen, dieselben dann um so sorgfältiger zu befolgen. Diese sorgfältigere Beobachtung wurde dann auch gleich bei den Vorschriften zur Anwendung gebracht, welche sich auch jetzt befolgen ließen: Sabbathfeier, Festtage und Speise ge setze. Man wußte, wie sehr die Profeten gegen Entweihung der Sabbath- und Festtage geeifert hatten und befleißigte sich nun, dieselben recht sorgfältig zu heiligen und zu feiern. Aber dazu gehörten doch auch die Sabbath- und Festopfer? Ein Ersatz hiefür, ein schwacher freilich, aber der Idee nach doch ein wirklicher, war vorhanden, man laS den bezüglichen Abschnitt, und weil ja Gott, wie von den Profeten gelehrt worden war, weder daS Fett noch daS Blut, sondern daS Herz, die Gesinnung, das andachtsvolle Gemüth לב נשבר ונדבה verlangte, so verband man damit ein andachtSvolles Gebet. Wenn man daS an den Sabbathen und Fest« tagen zu deren Feier that, wie nahe lag der Gedanke, jeden Tag anstatt deö Morgen- und Abendopferö ein Morgen- und Adendgebet zu verrichten? Freilich war ein solches Gebet etwas leichter, als daS Darbringen eines OpserS und man konnte sich damit noch nicht so vollständig beruhigen. Man wollte wirklich etwas opfern durch Selbstvcrleugnnng und Entsagung; die Gelegenheit war hierzu gegeben. Zur Zeit deS Tempels gab eö nur einen einzigen solchen Tag der Enthaltsamkeit von allen Speisen, wie? wenn man jetzt mehrere solche Tage einführte? Gaben die tragischen Ereignisse der Belagerung, Erstürmung, Eroberung Jerusalems u. s. w. nicht Gelegenheit hierzu? Die bekannten vier Fasttage stammen ohne ^Zweifel auS jener Zeit. Aber den frommen Gemüther» war dies noch viel zu wenig. Doch wie nahe lag der Gedanke, daß ja neben dem Pflichtopfer auch ein freiwilligebestand, neben den ausdrücklichen Verboten mancher Speisen auch daS freiwillige Gelöbniß deS NasiräerthumS? waS war natürlicher, als auch noch freiwillig manche Tage zu Fasttagen machen und in den Speiseverboten mit religiöser Strenge jeden Tag Gelegenheit zur Enthaltsamkeit und Ensagung zu haben? So hatte sich, wie von selbst, ein wenn auch nicht ganz neuer, doch von dem frühem abweichender und den Verhältnissen mehr entsprechender, den Grundideen angemessener Kultus im Volke gebildet. Ob dieser KultuS bei der ganzen Bevölkerung sich sogleich Eingang verschaffte, läßt sich zwar mit Bestimmtheit nicht Nachweisen, aber wol vermuthen, denn das Bedürsniß war bei der ganzen Bevölkerung vorhanden und auch die Stimmung eine solche, daß die durch ihre Frömmigkeit in höherem Ansehen steheodeo

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