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Ben Chananja · 1865-03-01 · 9 (1.3.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
9 (1.3.1865)
Date
1865-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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143 144 hatten die Ab ficht, nach wie vor in religiöser Beziehung eia Volk zu sein, äußerlich nur sollte diese Einheit aufhören. Deshalb eiferten die Profeten weit weniger gegen diesen Kälber-, als gegen den Daalö-Dieust. Nur in diesem sahen sie den gänzlichen Abfall, während jener uur eine politische Maßregel hatte sein sollen, den gänzlichen Abfall aber herbeisührte. Beide Reiche wurden aufgelöst: Im Jahre 3268 nach Erschaffung der Welt oder 720 vor der gewöhnlichen Zeitr. das Reich Israel und 134 Jahre später, nämlich im Jahre 3402 oder 586, baS Reich Inda. Jenes von Salamnasser dem assyrischen, dieses von Nebnchadnezar dem babylonischen Könige. Wie verschieden waren aber die Folgen! DaS der 10 Stämme ging unter und auch diese selbst sind verloren gegangen, so ganz verloren gegangen, daß die Sage sich bilden konnte, sie seien hinter den finstern Bergen ר.1י חשך durch den Sambatjon-Strom von der übrigen Welt nnerreichbar gleichsam in ein sichere- Versteck untergebracht, während von dem nur aus den zwei Stämmen Juda und Benjamin bestandenen Reiche die Bewohner sich erhalten und über den ganzen Erdball sich verbreitet haben, heute noch dieselbe Mission verfolgend , wenn auch in anderer Weise, dagegen viel bewährter und nachhaltiger, alö damals, wo sie noch die statliche Selbstständigkeit besaßen und ein polit. Ganze waren. Wie war daS gekommen? Durch Auflösung deS theokratischen Bandes ging den 10 Stämmen daS verloren, waö ursprünglich die Bestimmung deS Dolkeö war, eine Verkörperung der Gotteöidee zu sein oder auch der Menschheitsidee, nämlich deö Verhältnisses zwischen Gott und der Menschheit. WaS daS eigentliche Leben deS Volkes auömachte, war dahin und nur ein Etat in seiner profanen Bedeutung war übrig geblieben. DaS Volk von Juda war freilich auch lange nicht daS, waö eö hätte sein können und sollen. Sein Abfall von dem Gotte der Väter und seiner Neigung zur Verehrung der Natnrgottheiten, die der Sinnlichkeit mehr zusagle, wurde von den Profeten oft und hart genug gerügt; aber trotz alledem war die durch die Gesammtheil verkörperte Idee nicht auS dieser gewichen und als der Etat sich auflöste, blieb diese, daS unvergängliche Desitzthum, in der Asche der verbrannten irdischen Herrlichkeit nicht bloS übrig, sondern wurde jetzt erst recht erkannt und gewürdigt. Wenn nun daS äußere Geschick der Königreiche ganz dasselbe war, so waren doch einige Momente vorhanden, welche die große Verschiedenheit in den Folgen, daß nämlich die Bewohner deS eineu Landes ganz verloren gingen, die deS andern eineu so wunderbaren und in ihrer Art einzigen Geschichte theilhafrig wurden, uuS hinreichend erklären. Diese Momente sind nach meiner Ansicht folgende: t. Ein großer Theil deS Volkes, vielleicht der überwiegend größte Theil, mag wol niemals die durch sein Bestehen, durch seine StatS- und Knltuöeinrichtungen verkörperlen Ideen erfaßt oder deutlich begriffen haben, diese waren aber doch immer in ihrer Verkörperung vorhanden und sicher hat eine nicht geringe Zahl dieselbe» geahnt und in sich aufgenommen. Werden dieselben doch in den prosetischen Schriften so deutlich ausgesprochen, daß man unmöglich dem Gedanken Raum geben kann, die Proseien seien die einzigen gewesen und hätten gar keine Schüler, gar keine Zuhörer gehabt, welche diese Reden vernommen und verstanden. Den Bewoh, nera deS Reiches Israel waren diese durch den Tempeldienst für daS Volk verkörperten Ideen äußerlich so ganz entrückt, baß nicht einmal die Profeten dieses Reiches dieselben mehr auSsprachen. DaS Volk hatte vor dem Untergange seiner statllchen Selbstständigkeit schon aufgehört, ein israelitischeS zu sein, denn sein LebenSelement war dahin geschwunben. In den Bewohnern des Reiches Juda waren sie noch vorhanden und eS verblieb den Trümmern durch sie das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, obgleich, ja vielleicht weil sie daS äußere Land nicht mehr zusammenhielt, jetzt erst recht stark hervortretend, wie Geschwister meistenkheilS sich erst recht ihres geschwisterlichen Verhältnisses bewußt werden, wenn sie daS Elternhaus verlassen und in die Fremde wandern. — Dazu kommt 2. ein anderes Moment, welches von der größten Bedeutung und Wichtigkeit war, nämlich: die Literatur der heiligen Schriften. Im Reiche der 10 Stämme gab eS aller Vermuthung nach gar keine heiligen Schriften. Unter allen Profeten, sowok unter David und Sakomon, als unter den spätem Königen ist auch nicht ein einziger, von dem unS ein schriftliches Denkmal hinterlasseu ist. Nicht von Nathan und Gad, nicht von Achija, nicht von Eliaö, nicht von Eli sch a, nicht von den Hunderten der Profetenschülcr. Wir haben zwar ein Buch, welches nach Samuel genannt, aber sicher nicht von ihm geschrieben ist. Selbst von den Büchern MoseS befand sich schwerlich, ja ganz sicher kein einziges Eremplar im israelitischen Reiche.*) Dagegen war im Reiche Juda nicht nur letzteres vorhanden und vielleicht in vielen Händen, sondern eö gab ohne Zweifel noch andere Schriften, die zum Theil verloren gingen, weil wahrscheinlich nur diejenigen sich erhalten haben, von welchen im Tempel Eremplare sich befanden, und die Tempelbibliothek bildeten. Die Zahl mag aber auch noch so klein gewesen sein, daS Ausehen, daS ihnen der Inhalt verlieh, stand hoch genug, um als Nationakgnt betrachtet zu werden und einen Mittelpunkt abzugeben, der die Trümmer vereinigte. WaS in dieser Beziehung ein solcher Mittelpunkt vermag, hat in späteren Zeiten sich oft gezeigt, wenn die versprengten Glieder einer Gemeinde sich znsaminenfanden und zusammenhielten, eine neue Gemeinde bildeten, weil sie sich eine Thorarolle gerettet uud in Sicherheit gebracht hatten. Von welcher außerordentlichen Bedeutung und Wirkung aber diese vor der Tempelzerstörnng vorhandenen Schriften im Erile waren, das ist, wle wir nachher sehen werden, geschichtlich festgestellt uud außer allem Zweifel. 3. Mit diesem Momente steht nun aber eia anderein sehr innigem Zusammenhänge. Don den Profetea war wol daü Eri l vorherverkündet worden, aber auch die Rückkehr. JesaiaS, HoseaS, Micha und besonders Jeremia sprechen oft von dem unvermeidlichen Untergänge deS jüdischen ReicheS, aber eben dieselben sprechen mit aller Znversicht die •) Wenn tkinige der sogenannten kleinen Peofeten z. B. Hosea« auch im Reiche 2>eael gel.bl baden, so rsftr.cke» sich iber W-i«!ag»ngeo doch nicht aulschliißlich aus diese«, soudeea auch aus da« Reich 2»ba.

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