Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 9 (1.3.1865)
- Date
- 1865-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 9. Achter Jahrgang. SjegeDiti, Deut Mrz 1865. Jeden Mittwoch «scheint ei«?rLmullörLtjoa-xrolZ: Ganzi'äbrig 7 S..—4 Tble. 20 Ege.. balbj. 3A. S0kr..2Tblr. 10 S>,r., vieneti. L ft. oft. W. Einzelne Nummern 15 kr. Man abonnir« bei allen Post» ämtern o. Buckbandlungeo de« In» und Äuslandr«. Am MnmiWl. Vochenßtatt für Mische Theosogie. Herausgeber und Redakteur: »^lEOE-OB^H» 1.ÖW, Obcrrabbin« zu Szrgrdiu. Inserate fiad a» dir Redaktion!in Sze, gedia. au Heren D((l Nßllle» in /ranifBrf t. W. ein nn Herrn.3j#0| Jlrtincc (klein« Slukergaffr Nr. 10) in Mt» zu senden. Dir Lsp-ltige Petitzeilr wird mit 10 Nkr.^:2Lgr. berechn«. Inhalt Wie kam e«. daß von den Srulonleo de« Reiche« Israel keine Cvur mebr vorhanden ist. die de« Reich,« Juda dagegen flch erhalten baden und als eine Gemeinschaft forlbefteben? Von Dr. L. Adler. — Iürisch-Iheologische« Gutachten. Don Dr. Hochstädter. — Korrefpon» denz. Aorlaoi. New.Dark. Bukarest. Inland. Wien. Szegedin. Altofen. D.breeziu. S. A- Ufhtly. Trlau. Moor. Graz. Prag. Peag. Dutscho, witz. Au« Mähren. — Deweekung. — Inserate. Wie kam es, daß von den Exulanten des Reiches Israel keine Zpur mehr vorhanden ist, die des Reiches Juda dagegen stch erhalten haben und als eine Gemeinschaft fortbeflehen? <?ut Vortrag, gehalten zur Stiftungsfeier der GestNschafl der Humanität in Kassel am 27. November 1864. Von Vr. L. Adler, kan-rabbiu«. .Ich will mich in meinem heutigen Vortrage auf Beantwortung einer Frage beschränken: Wie kam eS, daß von den Ueberresten der Erulanten deS Reiche» Israel gar keine Spur mehr vorhanden, die deS Reiches Inda dagegen sich erhalten, und wie sehr auch zerstreut, als eine Gemeinschaft fort bestanden haben? Die Wahl dieses Themas ist auch unserer heutigen Feier ganz angemeffen, denn wir degehen diese gewiß nicht bloS als Mitglieder deS Vereins, sondern auch als Juden und nicht bloö in Erinnerung an die Entstehung deS Vereins, sondern an jene wichtige Geschichtsepoche, die den Verein inö Leben ries*), und mit jener in nnserm Thema behandelte» in vieler Beziehung Vergleichspunkte darbielet. Meine Herren! Die Geschichte seines Volkes kennen zu lernen bestrebt sein, heißt sein Volk lieben und in dem Geiste seineö Volkes leben und wirken heißt die Geschichte seines Volkes kennen. Mit ihr, der Geschichte seines Volkes, in seinen Anschanungen und Bestrebungen gebrochen haben, und sie gleichwol mit aller Aufmerksamkeit und Sorgfalt zum Gegenstände seineö SludiumS machen, wie das vielfach in unserer Zeit geschieht, ist ein Verfahren, dem deS Anatomen zu vergleichen, der den menschlichen Cadaver secirt. Er findet Adern, Muskeln und Nerven, ein Herz, daS aber bewegungslos, Augen und Ohren, die uicht sehen und hören, er findet alles Leibliche, lerut alles Leblose kennen — aber von der Seele, von dem innersten Leben erfährt er nichts. Wer dieses kennen und verstehen lernen will, der muß den lebenden Menschen beobachten und studiren, muß als Mensch unter und mit ’) Der Verein ist 1802 gegründet worben, vgl. meine Verträge zur Förderung der Humanität. S. S. 1 ff. den Meschen leben, auf ihre Beziehungen eingehen und an ihren Schicksalen, Bewegungen vnd Bestrebungen Antheil nehmen. So kann auch die Beschäftigung mit der Geschichte nur dann für den Juden von Werth und Erfolg sein, wenn er in ihr lebt und als einen lebenden Organismus, von dem er selbst ein Bestandtheil ist, statt ihm alle Lebensfähigkeit abzusprechen, wie leider geschieht, von einen unvergänglichen Geiste durchdrungen, trotz deS AlternS, einer ewigen Verjüngung für fähig hält. DaS israelitische Volk, durch MoseS auS Aegypten geführt und mit einem Gesetze versehen, bildete von Anfang an einen theokratischen Etat im engsten Sinne deS Wortes. AuS 13 Stämmen bestehend, bildeten 12 Stämme daS Volk, der dreizehnte repräsentirte daS theokratische Priuzip. Der Stamm Levi bekam keinen Antheil vom Lande, er gehörte dem ganzen Volke, wie dieses ganz Gott gehören und seines Schutzes würdig und theilhaftig werden sollte- Der thec-kratische Skat war ursprünglich ein republikanischer und wurde später ein monarchischer. Dieser Unterschied detraf aber nur daS Acußerliche deS Volkslebens. In seinem ganzen Wesen war der StatSorganiSmuS nach wie vor ein theokratischer. Man kann daher eigentlich nicht sagen, daß in jenen Zeiten daS Volk eine Religion gehabt habe, denn Alles war ausschließlich gar nichts anderes, als Re« ligion. DaS Volk selbst war oder sollte doch eine Verkörperung der Idee sein, die wir heutigen TageS mit dem Worte Religion bezeichnen. Die Religion der Israeliten der Vorzeit bestand nicht in dem Tempels .aste, nicht in ihrer FesteSseier, nicht in ihren Versammlungen, sondern wie diese, so waren StatSeinrichtung, Feldbau, daS Leben in den Familien, wie in den Stämmen, kurz Alles, welcher Art und Beschaffenheit eS auch einmal sein mochte, Bestandtheile der Religion. Aldaher nach dem Tode SalomoS daS Reich auseinander ging, indem 10 Stämme vom Hause David sich loSrissen, und ein eigenes Königreich bildeten, würde diese Theilung von sehr geringem Nachtheil gewesen sein, wenn, wie von den 10 Stämmen Anfangs beabsichtigt worden war, Jerusalem der gemeinsame Mittelpunkt geblieben wäre. Jerobeam stellte jedoch in seinem dynastischen Interesse zwei Kälber'Mf^vvd veranlaßte daS Volk, statt nach Jerusalem, nach & Deth «El zu wallfahren. Er fürchtete durch^keagemMffmen Mittelpunkt ihrer theokratischen EinhtlX^aH^!§^^ Thrones wieder verlustig zu werden. Er sowol alvHmDoll