Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 8 (22.2.1865)
- Date
- 1865-02-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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127 128 Mäßigkeit der Unterstützung sich überzeugt, und in besonderen Fällen auch durch Unterstützung von Stndirendea und Kunstbeflissenen, für deren ungewöhnliche Fähigkeiten hinreichende Bürgschaft vorliegt; 3. durch Empfehlung befähigter Juden zu angemessenen Aemtern in jüdischen Gemeinden; 4. durch PreiSanfgaben, welche eine besondere Beziehung auf Juden haben." Dieser Verein wollte also begabten, gelehrten und strebsamen Juden unter die Arme greifen, um ihnen in der Besiegung derjenigen Schwierigkeiten beizustehen, mit welchen sie als Juden zu kämpfen hatten. In manchen Ländern, wie in der Walachei und in der Schweiz, haben sich in neuester Zeit Kulturvereine gebildet, nur die ersten Elemente der Kultur zu verbreiten. Diesen Zweck können Vereine dort, wo ihre Wirksamkeit noch erforderlich ist, erreichen, wenn sie populäre, die Bildung fördernde Schriften verbreiten; ärmereu Gemeinden, die Volksschulen gründen wollen, angemessene Subventionen zukommen lassen; Rabbinen und Lehrer, die sich in kleinen Gemeinden Verdienste um das Schulwesen erwerben, belohnen; befähigtere Rabbinatö- und Lehramtökandidaten unterstützen. Eine eigene Klasse von Knlturvereinen bilden die Vcreine znr Verbreitung von Handwerken unter der jüdischen Bevölkerung. Die ersten Vereine dieser Art traten in Frankreich inS Leben. Der Straßburger Verein wurde voriges Jahr von der französischen Regierung ausgezeichnet. DaS Jahr 18-13 sah zwei solche Vereine entstehen: tn Wien und in Grvß-Kanizsa. Ersterer besteht noch gegenwärtig und entwickelt eine großartige Thätigkeit. Im Jahre 1863 hat dieser Verein nur für Wäsche nnd Bekleidung der Handwerkslehrlinge 3705 fl. verausgabt. Die nnverwelklichcn Verdienste, welche sich der Pester Handwcrkcrvcrein erwirbt, sind Ihnen genau bekannt. Keiner von uns kann sich der schönen und heilsamen Erfolge dieses Vereines freuen, ohne Jakob KernS dankbar zn gedenken. Ein Verein mit gleicher Tendenz in Arad befindet sich in einem sehr blühenden Zustände; der junge Verein zu Debreczin entwickelt sich auf eine vielversprechende Weise. Einen hervorragenden Platz nimmt unter den Kultur- und Literaturvereinen der Gegenwart der Verein ein, welcher 1854 von dem Dr. Ludwig Philippson, damaligem Rabbiner zu Magdeburg und noch jetzt Redakteur der ״Allgemeinen Zeitung des JudenthumS", gegründet wurde, uud unter dem Namen ״Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" bis auf den heutigen Tag besteht. Jedes Mitglied des Vereines zahlt jährlich eine festgesetzte Summe, wofür eS die vom Institute herauSgegrbenen Schriften erhält. Die Leitung deö Vereines ist aber so deschaffen, daß man sich in Ungar» nicht leicht damit befreunden könnte, indem den DereinSmitgliedern nicht der geringste Einfluß darauf gestattet ist. Die Leitung liegt in den Händen deö Gründers und noch zweier Vorsteher, die derselbe nach seinem Gutdünken ernennt. Wenn Ludwig XIV. sagte: ich bin der Etat; so kann sein Namensbruder, Herr Dr. Ludwig Philippson, sagen: ich bin das Institut! Nichtsdestoweniger hat das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur manches schätzbare Werk zu Tage gefördert. Eine Nachbildung desselben ist der von dem verdienstvollen Redakteur deS ״Hammagid" Silbermann, gegründete Verein zur Herausgabe wichtiger nnd seltener hebräischer Werke. Der Verein führt den Namen ״Mekize Nirbamim" (Wecker der Schlafenden); die ersten von demselben herausgegebenen Werke sind vor Kurzem erschienen. Von dem israelitisch - ungarischen Vereine und dessen bescheidenem nnd heilsamem Wirken darf ich alS Vereinsgenösse nicht viel reden, damit ich nicht gegen daS Wort de- Königs Salomo verstoße: ES lobe dich der Fremde und nicht dein eigener Mund! Doch sei eS mir gestattet, die Freunde dieses Vereines an die Worte zu erinnern, mit welchcm der Berliner Kulturverein von 1841 die Vorrede zu seinen Statuten schloß. Die Worte lauten: ״Der Verein wird in allen seinen Beziehungen daS Gute zu fördern destrebt sein, und unter Gottes und edler Menschen Beistand daö Ziel, daö er sich gesteckt, auch wo! erreichen. Wenngleich langsam und nur allmälig, werden doch die Erfolge, die er im Auge hat, sicher eintreten, wenn er, wie zu hoffen ist, im Publikum diejenige Theilnahme findet, die eine kräftige Ausbreitung seiner Wirksamkeit möglich macht, — eine anhaltende Theilnahme, die nicht erkaltet, wenn die erwarteten Erfolge nicht schnell und nicht mit einem Male sichtbar werden. Denn nur langsam zeitigt eine edle Frucht." Zn diesem letzten Worte füge ich nur den Spruch, mir welchem Franz Denk am 28. Juli 1840 seinen Bericht als gewesener NeichStagS-Deputirter schloß: ״Den Erfolg", sagt er, ״kann nur die Ansdauer sichern, welche trotz des Mißlingenö bei dem Wahlsprnche bleibt: ״Nur von Neuem, und nochmals von Neuem!" Eine bloS lokale aber vielfach nützliche Wirksamkeit entwickelt seit nahe an zwei Jahren der Verein für Bildüng und Geselligkeit in Lemberg. Dieser Verein ״bezweckt die geistige Fortbildung und die gegenseitige An- Näherung der Mitglieder, die rege Bethcillgung an den Vorgangen im Judenthume überhaupt und im Lemberger jüdischen Gemeiudelcben insbesondere; die Förderung deS GemeinsinncS, die Verfolgung humaner Zwecke und die gesellige Unterhaltung." In Deutschland besteht seit dem Jahre 1851 ein Verein ״zu Gunsten von Rabbiner-Witwen und Waisen" und seit dem vorigen Jahre ein ״Verein zur Unterstützung hilföbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen- und Waisen." Diese Vereine können allerdings auch den WohlthätigkeitSvereinen beigezählt werden; ich zähle sie zu den Kulturvereinen, weil eS eine Forderung der Kultur ist, daß die Vermehrung der Lehrkräfte auf jede mögliche Weise begünlliget werde. Die Pflege dieser Vereine kann daher den jüdischen Gemeinden der Gegenwart nicht warm genug empfohlen werden, wie eS denn überhaupt ihre dringende Aufgäbe ist, für die Vermehrung der Intelligenz in unserem Volke Sorge zu tragen. In Wien, wo seit geraumer Zeit nicht unbeträchtliche Stipendien für Studirende vorhanden find, wirkt seit drei Jahren der Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender auf die wohlthätigste Weise. Ich glaube eS