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Ben Chananja · 1865-02-15 · 7 (15.2.1865) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
7 (15.2.1865)
Date
1865-02-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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123 Ü1 Die SinweihungSseierlichkeit ging in sehr solenner Weise vor sich. Die Feierlichkeit begann vorgestern Nochmittag 37, Nhr, und war erst nach srch« Uhr zu Tode, worauf der AbendgotteSdienst ab« gehalten wurde. Der Komilat«magistrat mit dem Obergespan. Herrn Christoph v. Brzerüdy. au der Spitze und der Siadlgemeinde» Vorstand, geführt von dem Herrn Bürgermeister Dunst und die ge« sammle christliche Intelligenz der Stad«, den katholischen Kleru« aus« genommen, fanden sich bei der Feierlichkeit ein. Die jüdischen Gemeinden der Nachbarschaft stestten ein zahlreiche« Kontingent von Gästen, die von den hiesigen Gemeindemitgiiedern gasifrenndlichst bewirthrt wurden. Die Eniweihungsfeicrlichfrir ging, mit alleiniger Ausnahme der hebräischeu Liturgie, in ungarischer Sprache vor sich. Unser ehrwürdiger Nab« diner. Herr Hochmuth, sprach bei dieser Gelegenheit zum ersten Male ungarisch z» feiner Gemeinde. Die Zuhörerschaft zollte dem zeitgemäßen Streben des wackren Rabbiner« volle Anerkennung. Die unterrichteter,n jüdischen Zuhörer fanden e« ausfallend, daß der geehrte Redner be. hauptete, die Synagoge habe drei Bcnennungeu: Beth Ha-Midrasch, Beth l,a-Kcneßelh, Beth Ha-Tefilla, da die« bekanntlich nicht der Fall ist. Da« Beth ha.Midrasch wird in der ganzen talmndischcn und rab« binischen Literatur streng von dem Beth ha-Keueßelh geschiclen, und die Bezeichnung Beth Ha-Tefilla für Synagoge kommt in dieser Literainr gar nicht vor. Die Temcindr hatte beschlossen, zur Hebung der Einweihung«- scier auch den Obcrrabbiuer Löw von Szegedin zu berufen, dessen nngarische» Borirägc bciouder« in der hiesige» Gegend in gutem Andcnkrn sind. Da unser ehrw. Herr Oberrabbiner zu dieser Deriisunz seine Einwilligung gab, so beschränkte er sich darauf, eine Aniprache ohne zu Grunde gelegicn Tert an die Zuhörer zu halten, und die eigentliche Wcihrpredigt dem Gastprediger zu überlasse», welcher über Ps. 84. L—9. predigte. und nicht unterließ, die eminenten Eigenschaften und Berdicnste ve« OrlSrabbinerS i» gebührender Weise hervorzuheben. Die« geschah auch in dem zweiten ungarischen Vorträge, welchen er Sam«- lag Boriliillag hielt. Wahrhaft ergreifend war der Moment, als der Redner am Schluffe d.cse« Borrrage« von dem Rabbiner, dem Bor« stände, der Gemeinde, den Bätern und Müttern und der herrlichen Sy« »agoge Abschied nahm, a» de» Abschied seine Segenswünsche knüpfend. Wenige Angen blieben hiebei thränenlerr. Die Mitglieder der hiesigen Gemeinde, welche zu den strebsamste» Gemeinten Ungarn« gehört, be« wiesen in jeder möglichen Weise, daß sie ihm soriwähreud die Sym» palhie bewahren, die sie gegen ihn an den Tag legte», als er in Püpa verfolgt wurde. Zur bcsondern Genugihuung mochte e« ihm gereich« haben, daß manche Söhne und Töchter feiner Püpaer Verfolger sich deeiserle», ihm ihre Berchrung auszudrücken. Da« EittweihungSbankelt gab Herr Manowill, Vorstandsmit, glied, indem er zugleich da« von ihm erbaute Haus einweihte. Unzarische, deutsche, ja selbst hebräische Toaste würzten da« Mahl, bei wel« che», nickt nur der Bürgermeister, die anwesenden Radbinen, — Des» sauer, Hochmuth, Löw und Neuhau«, — sondern auch die Aerzle und der Nagy - Bnzsoner Herrschafts-Administrator, Herr Pollitzer, da« Wort ergriffen. Bon deu mrdizinischrn Rednern nenne ich Len gelehrte» und scharjsiuuigen Dr. Billitz. den begabten und gemüthvollin Dr. Hollüsy» wclchir sich auch der den berufenen Rabbiner empsaugenden Deputation in Hajmüslür angeschloffen, und au deostldeu eine treffliche Rede gehalten hatte, und den svrochgkwandlen Dr. Herz! an« Palola. An» kllüvseud an die in der Parascha und der Hoftara de« Tage« genannte» Frauen, Mirjam und Deborah, ließ Löw die anwesenden Frauen leben» wo« für die Gattiu de« Dr« Mangold au« Für,d in sehr geistreicher Weise den Dank ihrer Schwester» aussprach. Die sehr auimirte Gesellschaft trennte sich, den wackern Hausherrn und seine edle fromme Frau feg» lieiid. erst nach Mitternacht. Eia Theil begab sich nun erst zu dem Balle, den dir Jugend zur Ehr« der Synagogenweihe gab. Schließlich erwähne ich noch, daß die zur Thora gerufenen Fremden und Einheimischen reichlich zu Gunsten der Gemeindeanstalten spendeten, und daß die meiste» bei der Einweihung gesungenen Piecen von dem ehemaligen Peftrr Chordirigentru Jeitele« komponirl wurden. Der Gesang wurde «i» Jnstruweutalmuflk begleitet. K. Preßburg, im Februar. Unser« Maggid Fi sch man, find vor Kurzem am Sabbathr zwei Pfeifen entwendet Word,». Dir» selben wurden nach einiger Zeit dem ersten Besitzer zurückgestell». Her» F. nimmt aber Anstand, davon Gebrauch zu mache», indem ״ de» Skrupel hat. dieselben könnten von einem Jude» am Eabbathe z» einem verbrecherlschea Beginnen benütz« worden seial — Basa, im Februar. Wenn Sir auch mit Recht dr» ,Mainzer Israeliten* nicht berücksichtigen, so verdien» r« doch, erwähnt zu werde», daß Dr. Hildesheimer in demselben eine Erklärung veröffentlichte, welche der DeSavouirung seiner antiseminarischeu Unterschrift so gleichfieh«, wir rin Ei dem andern. Auch der Kaposvürrr KutnadeSavouirt in Privat« brieseo seine Unterschrift. Der gegen die Orthodorie etwa« renitente Rabbiner, von welchem der Verfasser de« Lew Ha-Jwri spricht, und den Dr. St. in Nr. 3 d. Bl. gerne kennen möchte, ist kein Anderer, al« Rabbiner Landsberger in Großwardein. Derselbe wird seit Kurze« trotz seiner Orthodorie von der Orthodorie perhorreSzirt, weil er eine» Prediger-Doltor zum Schwiegersöhne wählte, und sich sogar erkühnte, eine Trauung in der Synagoge vorzunehmen. Der Preßburger Rab« diner machte ihm bei seiner Reise durch Großwardein keinen Besuch ' א- Aus Mähren. Ich kann Ihnen von unserem Kronlaude, wa« nämlich jüdische Interessen, kuliuelle Angelegeuheilen betrifft, nicht« Erfreuliche« mittheile«. Die Gemcindrn dezimiren sich mit einigen An«« nahmen von Jahr zu Jahr, denn ihre Mitglieder strömen der Haupt« starr oder »eiijenigen Städten zu. in welchen sich neue Gemeiudea bil« den und sich mit BcivilUgung fccr hohen Behörden al« solche auch kon« siilnireu. Sie werden das Proßnitz, in welchem Sie einst lehrten und so rühmlich wirlteu. kaum mehr erkenuen. Die Reichen sind aiisgewander«. die Auswanderung erreichte seil dem verhäiignißvolleo amerikanischen Kriege, der die daselbst nährende Manufaktur vernichtet, ihren Höhr« Punkt, wodurch ein zur Mitiellcsigkeit hcrabgesuukencr Mittelstand zu« rückblieb! Eine solche düstere Physiognomie hat auch Nikolsburg und andere hervorragende Gemrindr». Hirsch ahnte diese Katastrophe schon im Jahre 185l. und ging, La eS ihm nicht gelang, auf eine mysteriöse Weise in Brün» seinen Wohnsitz auszuschlagen, bei Zeilen davon. Sein Provisorium vom Jahre 1859, das vom k. k- Ministerium bestätigt wurde, war der Nagel zum Sarge. Anderseits waren dir §$. 3. 4 so vage und in ihrer buchstäblichen Anssaffung so gegegea die Anforde« rungen der Zeit, daß sie ewige Prozesse veranlaßt,n und endlich im Jahre .1661 abrcgirt wurden. Nunmehr ist Niemand gehalten, seiner ursprünglichrn Gemeinde einen Kultusbeilrag zu liefern, sobald er ln einer andern Gemeinde die kuliuelle» Anstalten benützt und genießt. Nichtsdestoweniger haben die in Wien wohnenden Proßnitzer ihre Au« hänglichkeit an ihre Stammgemcinde bei Gelegenheit jdrr Brecher-Feier bewiesen: sie schickten namhafte Suiiimen zur Gründung der Brecher» stistung für ein SiecheuhauS, wawvl auch in der Berehruug und Liebe zu ihrem Brecher den nächsten Anlaß gehabt haben mag. Die Lehrer der israelitischen Schulen Mähren« sandten einige BerlrauenSniänner zu oem Präsidenlen de« lliilerrichiSralhe«, um über die in Aussicht stehende Modifikation der Schulen ihre Anfichtea auSzu« sprechen; sie erhielten zur Antwort, daß in dieser Brziehung rabbinische Gutachten vorliegen, welche den Gegenstand gründlich und der Sachlage gemäß ins klare Licht setze». Wenn sie. die Lehrer, in dieser Richtung Vorschläge zu mache» haben, so mögen sie zu einer neuerlichen Kon» seien) zusammknlrcten, mau wolle bi« dahin mit der Entscheidung zu» rückhalten. Die Lehrer wandten sich in dieser Angelegenheit an Herrn Dr. Eisler in Ntkolsburg. Auch dir Radbinen glaubten sich um «ine Persönlichkeit scharen zu müssen. Nach vielem Hin. und Hrrschreibe» wandte man sich an den Herrn Landesrabbiner; trrselbe bedeutete ober, daß jetzt Zeit zu schweigen und abzowarten sei, welch» Ding» d, kommen wer« den. Einige Lehrer entblöden fick nicht, um jeden Peei« die kalholisch« Protektion und Inspektion festhaltea uud sogar dasKouflstorium bitilich angrhen zu wollen, in dieser Angelegenheit rin gewichtige« Votum ab« zugrben, doch find diese Individuen in der Minorität, da nicht nur die jüdischen, sondern auch die christliche» Gemeinden dir Schul» von dr» Kirche rmauzipin» wollen.

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