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Ben Chananja · 1865-02-15 · 7 (15.2.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
7 (15.2.1865)
Date
1865-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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113 schwmrg nahm, zu welchem sie sich in ihrer asiatischen Heimat niemals erhoben hatte. Auch hier bewährt sich die bereitS gemachte Wahrnehmung, daß kaS Mittelalter dem jüdischca Nereinöwesen nicht günstig sein konnte. Erst im sech« zehnten Jahrhundert tauchen auch die Talmudvercine wieder aus. Als eifriger Förderer derselben, namentlich für daS Mischnastudium, wird wieder R. Jehuda Löwe in Prag gepriesen. Die Einrichtung der Talmudvereine blieb sich nicht an allen Orten, wo sie bestanden, gleich. Mancher Verein über« ließ den Vortrag einem oder einigen Mitgliedern; bei man, chem trugen alle Mitglieder der Reihe nach vor. Jedenfalls schloßen sich diesen Vereinen nur Talmudkundige an. Der Schluß eineö talmndischen Traktates wurde mit einem religiöse״ Bankette gefeiert. ES gab aber auch Vereine, deren Mitglieder sich versammelten, um populären NeligionSvorträgen beizuwohnen. Zuweilen hatten Wohlthätigk-itSvereine ihren besondern Rabbi, der ihnen religiösen Unterricht ertbcilte. In neuester Zeit hat sich auf Anregung dcö PredigcrS Jcllinck in Wien ein Verein gebildet, welcher den Versuch macht, die Tendenz der alten Talmudvercine mit den Forderungen der Gegenwart in Einklang zu bringen. Ucber die Lebensfähigkeit des Vereins ist noch daS entscheidende Urtheil der Zukunft abzuwarren. Aber auch gottesdienstlicher Vereine im engern Sinne habe ich zu erwähnen. Die Genesis derselben ist folgende: Frühzeitig schon wurden sämmtliche Bürger deS heiligcu Landes in 2 t Wahlkollegien getheilt, welche den im Tempel zu Jerusalem fungircnden 24 Priesterabtheilungen entsprachen. Jedes Wahlkollegium wählte eine gewisse Zahl von Repräsentanten oder SlandeSmännern (אנשי מעדר), deren Vorgesetzter Haupt der StandeSmannschast (ר^ש המעדר) hieß. Den einzelnen Gruppen der dienstthuenden Priester entsprachen die einzelnen Gruppen der Standes- Mannschaft. Sobald eine Priestergruppe ihren Dienst im Tempel zu Jerusalem antrat, versammelte sich die ihr ent« sprechende Gruppe der StandeSmannschast in der Synagoge ihres Wohnortes, um ihre Andacht mit dem OpferkultuS in Jerusalem zu verbinden. Die Quellen macken cS wahrscheinlich, daß sich diese Rcpräsentantenkollegien auch nach der Zerstörung deü Jernsalemischen Tempels und nach dem Erlöschen dcö OpferkultuS erhielten. Ein solches Kollegium hieß nunmehr nicht mehr Standmannschaft, sondern städti« scher Verein (הדר עיר). Da diese Vereine ursprünglich in einer engern Beziehung zum Opserdienste standen, so fanden eS manche Schristgelchrte angemessen, daß die Mußasandacht, welche an die Stelle deS ehemaligen OpscrS getreten, nur dort verrichtet werde, wo ein städtischer Verein vorhanden ist. Den Europäischen Juden blieben diese Vereine gänzlich fremd; dagegen gab es in größeren Gemeinden nicht selten Vereine, welche sich in eigenen Lokalitäteu einfanden, um gemeinschaftlich ihren Gottesdienst zu verrichten, ohne daß sie irgend eine separatistische Tendenz verfolgt hätteo. Die herkömmliche Liturgie blieb in den verschiedenen Bet- Häusern der Vereine unverändert. Erst seit dem Enke deS sechzehnten Jahrhunderts nahm der Gottesdienst mancher 114 Vereine einen separatistischen Charakter an. Zuerst geschah dies bei den Kabbalisten im Oriente und in Italien, dann bei den Sabbathäern in den meisten Ländern Europa-, ferner bei den Chaßidäern in Polen und im nördlichen Ungarn, endlich bei den progressiven KnltnSvereinen in Deutschland. Die Freunde der Kabbala und ihre Nachbeter scharten sich auch dort zu eigenen Vereinen zusammen, wo sie keinen besondern Gottesdienst für sich einrichteten. Die Mitglieder j dieser Vereine kamen nach Mitternacht oder vor TageSav« bruch in der Synagoge zusammen, und trauerten um Jern« rusalem: הברות לזצות, ה׳ שומרים לבקר Im Oriente beste« hcn solche Vereine bis auf den heutigen Tag. j Während solchergestalt die Kabbala den nächtlichen j Schlaf ihrer Freunde störte, schliefen auch die Freunde der! Kultur und deS Fortschrittes nicht. In Hamburg bildete sich! zuerst ein Verein zur Veredlung deS Kultus, der Tempel j desselben wurde am 18. Oktober 1813 eröffnet. Die Bil« ' dnng deS Hamburger TcmpelvereinS hatte zum Theil den -damaligen Zeitverhältniffcu ihren Ursprung zu verdanken. Die bürgerliche Noth Deutschlands im ersten Jahrzehent un« sereS Jahrhunderts hat nicht nur den nationellen, sondern auch den religiösen Sinn geweckt, so Paß im zweiten Jahr« zehent verschiedene fromme Vereinbarungen und Verbrüderungen entstanden sind. Die Juden haben sich zwar unltt der französischen Herrschaft besser befunden, als unter den einheimischen Negierungen. Die allgemeine religiöse Begeistej rung riß aber auch sie mir sich fort. Viele Rabbinen eiferten von orthodorem Standpunkte gegen den Hamb. Tempel und dessen Einrichtungen; Aron Chorin war der einzige Rabbiner, der zu Gunsten deS Tempels stimmte, er wurde aber genö׳ thigt, sein Volum zu widerrufen. Der Fanatismus vermochtlE jedoch nicht, den Bestand desselben zu erschüttern. Auch iiil der Pester Gemeinde ging die Veredlung deS öffentliche!^ Gottesdienstes von einem Vereine auS, der Name deösrlbm war: Cheßed Nüurim—Jugendliebe. Ueberhaupt hatten auG in dieser Gemeinde ursprünglich mehrere Vereine ihm eigenen Betlokale, bis dieselben 1832 in Folge eines JntimateS vom k. ungarischen Skatthaltereirathe geschloffen wer-i den mußten. Diese besonders von Gabriel Ullmann be-; fürwortete Maßregel wurde nichrswenigen als beifällig aus- , genommen. Später kam man jedoch zur Einsicht, daß die > Gemeinde dadurch vor Zersplitterung bewahrt blieb. Der Cheßed-Nöurim-Vereiu hatte nicht den Hambm- , ger, sondern den Wiener Tempel, d-ffen Reformen viel ge- . mäßigter sind, als die des Hamburgers, zum Muster und Bor- ׳ bilde genommen, und ein großer Theil der Gemeinde hängt auch jetzt mit jugendlicher Liebe an diesen Reformen. Im ,׳ Jahre 1832 bildete sich in Prag, im Jahre 1834 iu Teplis ' in Böhmen ein Verein zur Verbesserung deS synagogaltt s KultuS. Die Bestrebungen dieser Vereine wurden vom beste« Erfolge gekrönt. Minder glücklich waren die Freunde Mj> veredelten KultuS in Preßburg, wo eS erst vor zwei Jahre« ' gelang, einen Verein zur Veredlung deS GolteSdienstez« gründen, welcher nicht nur die Sympathie, sondern auch dlh thatkraflige Unterstützung aller Freunde deS Fortschrittevttdieut. Endlich gehören hieher auch die in manchen Gemellt' '

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