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Ben Chananja · 1865-02-15 · 7 (15.2.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
7 (15.2.1865)
Date
1865-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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112 יי' י יי'; 111 Irin hebräischer Ausdruck zu Gebote steht, bedient er sich deutscher Worte. Der Rabbiner gab seine Sanktion in chaldäischer Sprache. Charakteristisch ist der dritte Punkt, nach welchem die Vorsteher von der Generalversammlung des Dereines ermächtigt werden mußten, einen Arzt zu dem zu pflegenden Patienten zu rufen. Außerdem bildeten sich in größeren Gemeinden verschiedene Vereine zu wohlthätigen Zwecken: zum Unterrichte armer Kinder (תלמוד תורה), zur Ausheiratung armer Jungsraucn (הבנסת כלה־ מהר בתולות) , zur Bekleidung der Armen (הלבשת ערומים;, zur Unterstützung ver Wöchnerinnen (הברת סנדקאות) und für andere Zweige der Mildthätigkeit. Auf dein Boden der ncncsten Zeit haben sich die Blüten und Früchte der Wohlthätigkeitövereine in den jüdischen Ge» meinden besonders üppig entwickelt, am üppigsten in Paris, wo, abgesehen von den eigentlichen Wohllhäligkeitsvereinen, 26 männliche und 13 weibliche gegenseitige Unterstützungövereine (Societes de secours mutuels) die Noth der Bedrängten lindern Helsen. Aber auch in andern großen Gemeinden, wie in London, Wien, Pest, Prag, Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg blühen zahlreiche WohlthätigkeitSvereine. Die kleineren Geineinden müssen, was die Mannigfaltigkeit der wohlthätigen Vereine betrifft, hinter ihren größeren Schwestergemeinden znrückbleiben; dagegen schließt sich in kleineren Gemeinden jedes nur einigermaßen vermögliche Mitglied in der Regel jedem bestehenden wohlthätigen Vereine an. Manche WohlthätigkeitSvereine sind durch die veränderten Kulturzustande gan.j verschwunden, oder doch der Auflösnng nahe. Ich erinnere nur an die Vereine der I ü nger an den Talmud schulen (Zrschiboth), welche viel früher vorhanden waren, alö die akademischen Hilfsvereine, und an die Wohlthätigkeitövereine der unverheirateten jungen Leute. Da diese weder in der Gemeinde, noch bei einem Vereine das passive oder auch nur das aktive Wahlrecht erlangen konnte, so revanchirtcn sie sich dadurch, daß sie eigene Vereine bildeten, in denen die Verheirateten mindestens vom passiven Wahlrechte ausgeschlossen blieben. Die Scheidewand zwischen Verheirateten und Unverheirateten ist in gebildeteren Gemeinden nicht mehr vorhanden. Dagegen sind die fast in allen größeren Gemeinden vorhandenen wohlthätigen Fraueuvereine zumeist ein Erzeugniß der neuern Zeit. Die Statuteu aller neuern Wohlthätigkeitövereine beurkunden deu Fortschritt der Juden. Dieser Forschritt tritt auch in den östlichen Ländern auf eine erfreuliche Weise hervor, wie dies die Statuten des 1858 in Bukarest gegrüudeteten ersten brüderlichen Krankenpflege- und Leichenbestattungö-Verein klar genug beweisen. , Gottesdienstliche und wissenschaftliche Vereine. /r. Ich ziehe diese beiden Arten von Vereinen zusammen, . ' tve'il das Studium des Religionögesetzrö, welches sich zunächst als eine rein wissenschaftliche Thätigkeit zu erkennen gibt, nach talmudischen Grundsätzen zugleich für eine gotteödienstliche Handlung betrachtet wird. Nun lautet aber eine Marime der talmudischen Didaktik: ״Bildet Vereine, um verbunden mit Studieogenossen im Gesetze zu forschen'." DaS einsame Studiren wurde für verderblich gehalten. Der Grund hiervon liegt zuvörderst in dem Umstande, daß eS für den Eiazelnen eine sehr schwer zu lösende Aufgabe war, sich die erforderlichen literärischen Hilfsmittel, so gering auch deren Umfang war, zu verschaffen, so daß das einsame Studium stelS mangelhaft bleiben mußte. Ferner wurde ein lautes, selbst singendes Lernen für unerläßlich gehalten, wie denn auch die griechische und römische Jugend singend lernte, und auch die heutige Volksschuljugend manchen Gegenstand singend lernt. Ein lauter Vortrag wird aber durch die Einsamkeit nicht eben begünstiget. Selbst der leidenschaftlichste Freund der Deklamation deklamirt nicht gerne, wenn ihm Niemand zuhört. Endlich ist von dem Studium, welches Talmud genannt wurde, und welchem der Talmud seinen j Ursprung verdankt, die Diskussion unzertrennlich. Die Diökussion ist die eigentliche Seele der talmudischen Wissenschaft; sie wirb als nnerläßlicheS Mittel zur Erlangung der Gesetzeökunde bezeichnet. Es ist daher natürlich, daß sich zur Pflege deö Gesetzesstudiums eigene Vereine bildeten. Die Disputationen über das Gesetz hätten leicht Mißtrauen gegen die Anssprüche des Gesetzes erregen können. Um dem Mißtrauen zu begegnen, sagt der Talmud: ״Zn Vereinen geschart sitzen die Schriftgelehrtcn, sich mit dem Gesetzesstttdium beschäftigend. WaS die Einen für nnrein erklären, erklären die Anderen für rein. WaS die Einen erlau den, wird von den Anderen verboten. WaS nach Diesen zulässig ist, ist nach Jenen unzulässig. Solches wahrnehmend, könnte der Mensch fragen: Wie soll ich mir bei diesen Wider sprächen daS Gesetz ancignen? Darum sagt Salomo: ״Die Worte der Schriftgelehrten sind wie Stacheln, und wie eingeschlagene Nägel die Worte der Vereinömitglieder, gegeben von Einem Hirten (Pred. 12, kl)!" Alle Gesetze hat Ein Gott gegeben; alle hat Ein Volkölehrer, nämlich MoseS, verkündet auS dem Munde deö Herrn aller geschaffenen Wesen, gelobt sei er!" Diese merkwürdigen Worte wollen sagen, daß der religiösen Einheit durch die von einander abweichenden Auslegungen der Schrift kein Abbruch geschieht, sobald sich nur der göttliche Ursprung des Gesetzes allgemeiner Anerkennung erfreut. Unter den europäischen Juden des frühern MittclalterS konnten die Talmudvereiue nicht zur Blüthe gelangen, da das Talmudstudinm überhaupt nicht viele Liebhaber zählte. Die schwärmerischen Lobredner der Vergangenheit pflegen eS häufig zu wiederholen, baß im Mittelalter jeder Jude talmudische Keunlnisse besaß. Dem ist aber nicht also. Die vielen fremden Elemente, welche das Judenthnm, namentlich in Frankreich und Deutschland, in sich aufnahm, beweisen hinlänglich, daß die Kenntniß der eigenen ReligionSquellen nicht in genügendem Maße verbreitet war. Selbst die mäßige Zahl von Namen, welche die Literatur bis gegen daS Ende deS fünfzehnten Jahrhunderts nennet, gibt klar genug zu erkennen, daß das Meer deS Talmuds eben nicht vor vielen Schiffern befahren wurde, wiewol die Literatur selbf zeigt, daß die talmudische Dialektik in Europa einen Aus

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