Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 5 (1.2.1865)
- Date
- 1865-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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85 86 -lickt aad das Mißbehagen der Rabbinen erregt, sucht sie Kalir, wen» auch nicht direkt beim Namen erwähnend, seinen Pflegempfohleaen als belehrende Lektüre anzurühmen. Im Jahre 1763, also bereits nach dem Erscheinen der Mendelsohn'schen Thoraübersetznng, hielt Kalir eine Trauerrede über den verstorbenen Rabbiner Tebbel Schayer zu Mainz, worin er seine Zuhörer ganz besonders zum fleißigen Dibelstudium ermahnt. ״ES rechtfertige sich aber Niemand damit", ruft er im Verlaufe seiner Rede auS, ״daß dies ihm unzugäuglich, da die GotteSlehre jedem freisteht (׳4.(התורה הסקר לכל Ist schon diese Ermahnung von einem orthodoxen Rabbjnen der damaligen Zeit merkwürdig, so wird der nachfolgende PassuS noch mehr den Leseüberraschen. ״Besonders״, so lauten KallirS fernere Worte, ״besonders ist dies in nnsereu Tagen der Fall, wo die Bibel und viele andere Moralbü« cher in deutscher Nebersetziing erscheinen." (Chawoth Jair S. 29.) Obenerwähntes Weit (א״ח), daS auf jedem Blatte von tiefem und scharfem Talmudstudium Zengniß ablegt, wurde in Frankfurt aufgelegt und von Low Boschan in Neustadt! a. d. Waag kräftig unterstützt. Mendelssohn konnte er, trotz der Anempfehlung RosenthalS, nicht sprechen, weil er von Frankfurt abermals eine Reise nacv Klezk zu seiner Mutter machte. Und er überließ die Besorgung deS Druckes einem hiesigen Dajan Namens MoseS. Daö Werk wird von dreizehn der angesehensten Rabbinen Deutschlands und Polens begutachtet und anempfohken, die sich alle in überschwenglichen Lobsprüchen darüber ergehen. Im Jahre 1778 erhielt er einen Ruf nach Wischnitza; die Verhand, lung zog sich ein volles Jahr hin, endlich schickte die Gemeiude Sendboten an ihn, und er scheint den Posten wirklich angenommen zu haben. Warum sich die Sache dennoch zerschlug, ist unbekannt. (Cheker-Halacha Nr. 14.) Im Jahre 1780, ein Jahr, bevor Kallir Rechnitz verließ, gab er Veranlaffnng zu einer sehr wichtigen rabbinischen Controverse, die unS besonders interessirt und weshalb wir auch dabei etwalänger zu verweilen gedenken. In der Nachbargemeinde zu Körmend ertheilte der dortige Rabbiner, NamenS Mordechai, ein Pole von Geburt, einen Scheidebrief. Nun waren die Rabbinen von jeher eifersüchtig darauf, daß dieser rabbinische Akt nur von ansehnlichen, in großen Gemeinden fungirenven sogenannten Oberrabbinen unternommen werde, wohin aber weder Körmend, noch ihr dortiger Seelsorger zu rechnen war. Man wollte hierdurch eine Suprematie über die Rabbinen der kleinern Gemeinden auöüben. Dazu war noch daS Gerücht verbreitet, daß dieser Scheidebrief gegen den UsuS ohne ein Rabbinatö-Aollegium vollzogen worden sei. Die Sache wurde an Rabbi Melr Darbt in Preßbnrg und an R. Ezechiel Landau in Prag, wahrscheinlich durch Kallir augezeigt. (Noda-Bij'huda I. אודע i05, 106.) Lanbau, an den schon früher eine ähnliche Anfrage anS Bonyhad erging, wo ein Scheidebrief zwar durch rin Kollegium, aber durch Verwandte, Schwiegervater und Schwiegersohn, vorgenommen wurde und wobei er sich, nämlich Landau, apo« diktisch aussprach, daß ein Scheidebrief ohne RabbinatS-Koleginm oder durch Verwandte ganz ungiltig sei (idiä Nr. 114, 118), eifert um so mehr gegen daS Verfahren deS Körmender Rabbiners, da derselbe als Renitent gegen Kallir und Barbi sich gezeigt. Da jedoch Preßburg und Prag za entfernt waren, so wurde Kallir angeseuert, die Sache nicht ruhen zu lassen und den betreffende» Rabbiner vorzuladen, was er auch durch den Vorstand der hiesigen Gemeinde, die noch immer als Hauptgemeinde nicht nur deS Eisenburger KomitateS, sondern weit bis in die Ssmogy gegolten, gescheheu ließ. (Fortsetzung folg».) fid tttfuonbttij. ' י Ausland. ׳ DreSlan, im Jänner. Da» hirflgr Seminar hat seinen eilsten 8 Jahresbericht veröffentlicht. ״Die allmälige Organisation de«selbrn iß % nun jq ihrtk Vollendung gtlangt: der bei der Errichtung trsaßle Pta» 8 trwik» sich 0U bewährt. Sieben an» demselben htrvorgtgallgtne Theo- % logen wirken al» Rabbiner nod Prediger, viele wurden al» kehrn an« | gestellt.- An di» Stelle der in diesem Jahre verstorbenen Baratoren Dr. I. kevy und L. Milch find die Herren Dr. S. Mark» Stricht»« ß affeffor und H. Milch getreten. Im vergangenen Jahre wurden al» -8 ״ fähig» entlaffen: Dr. S. Zuckermaudl und Dr. I. Wallerstein. An 8 dem diesjährigen Siifiung-tage werden entlassen. Dr. I. Horowitz, Dr. A A. Glüek, Dr. A. Blüh. Im Lehrerperfonal flod einige Deränderungen eingelreten. Dr. G. Löwe ans Raribor trat an die Stelle de« ausscheiden- E den Dr. Joöl. An die Stelle de« erster» trat später De. I. Freudenthal. 8 Da« Seminar und die Seminaristen haben auch in diesem Jahre manch» § Beweise wolwollrnder Theilnahme erhalten. Die Wiener nnd Prager Gemeinde und die Landrsjndcnschaft Böhmen« speudelen je 20V fl. Di« Familie Sam. Goldberger in Pest hat 280 Thlr. für einen Semi« | oaristea bestimmt. Die Gemeinde zu Krakau ertheilt rin Stipendinm von »0 Thlrn., die Goldschmidt'sche Stiftung zu Kassel ein Stipendium | von 150 Thlrn., der Magistrat zn HildeShcim eine« von 20 Thlrn. I Jerusalem, im Jänner. Sir Henry Jame» berichtet, daß Ka» piläu Wilson und die Anzahl englischer Ingenieure, die gegenwärtig | sich mit der Vermessung Jerusalem« beschäftigen» einen Bogen de« von 1 Josesu« erwähnten Tempelwege« entdeckt haben. Dieser Bogen soll un« r gefähr 59 Fuß Spannweite haben, im Maurereistyl der Haram-Mauer , in ibrrn besten Theilen entsprechen, und in einem sehr gut erhaltenen 3 Instand sein. Er ist also wol ein Werk Herode«. Diese Entdeckung nun | ha» einen sehr hoben Werth, nicht nur darum, weil fie auf dir genaue f Lage der Tyropäon-Brücke hmdeutet, sondern weil sie durch ein Beispiel § beweist, daß dir Grundmauern von Zion nach der großen Belagerung H nicht zerstört wurden. Da die« eine durch die neue Wieder,ntdeckung so | ziemlich ausgemachte Thatsache ist, so ist den Forschern hier ein weite« ß Feld geöffnet. Wenn einer der Dogen diese« mächtigen Straßenwege» Z mit Staub uud Schutt bedeckt sein konnte, so daß er achtzehuhuodert H Jahre lang im Bode» verborgen lag. warum sollte dirdaun nicht bei Z alten den niedrigen Gemächern der Paläste und Häuser der Fall sein, welche an die königliche Brücke angrenzlen? Die erste Mauer zog sich ß dem Abhang von Zion entlang. Bei dem neueaideckteu Bogen stand der f Palast Agrippa's; nicht weit von diesem waren die Wohnungen dr» h Anania«, ,Anna« und Kaipha«. Eine Kontroverse mit dem Spaten in diesem Theil Jerusalems wird besser sein, al» tausend Debatten in Bü« | chern und Vorlesungen. Da« alte Jerusalem liegt in Trümmern be« | graben, und diejenigen, welche r« haben wollen, müssen e« aufgraben, z Mittlerweile gibt Herr Grooe-den Rath; den ״assyrischen Ausgrabung«» souv* — von welchem sich ein Rest in Herrn Murray'» Händ,en be« | findet — de» Arbeiten auf diesem neuen Forschung-felde zu »öidmen. ß Mit einem gulrn Plan und einem allgrmeinheitlichen Zweck dürfte e»!Z nicht schwer halten, eine erkleckliche Summe zur Ausführung solcher Arbeiten zuiammenzubriugeo. (Athenäum.) i N. Bukarest, im Jänner. Dir polnische uud stsardischr Sr« f meinde vereinigte sich zur Wahl einer Deputation, um den Fürsten zn» d neuen Jahre zu beglückwünschen. Die Deputation wurde zwar vorge« lassen, aber der Fürst erklärte, dieselbe nicht al« Repräsentanz einer | religiösen Körperschaft empfangen zu können, indem sie ohne Geistlichen erschienen sei. Daräu knüpfte der Fürst den Wunsch, daß di» Ge« meinde sich entschließe, einen gebildeten Rabbiner zn berufen nnd an die Spitze ihrer religiöftn Angelegenheiten zu stellen. Möge dieser fürstliche Wunsch recht bald in Erfüllung gehen k Inland. Qr. Wien, 22. Jänner. Dir Verhandluugrn über dir Tal« I mudfragr wrrdeu noch immer sortgespounen. und stud nicht nur dir jt« bischen, sondern auch di« katholischen Theologen dabei bethriligt. |