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Ben Chananja · 1865-02-01 · 5 (1.2.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
5 (1.2.1865)
Date
1865-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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deu ausdrücklichen Berichten der Bibel in geordneten Familienverhältnisseu lebten. Gleich den alten Profeteo zogen auch die Essener die Heilung von Krankheiten mit ln den KreiS ihrer Wirksamkeit. Als origineller Zug könnte allenfalls die Skrupulosität gelten, mit welcher sie die levltischen ReinigkeitSgesetze beobachteten, waö den alten Profetenvereinen nicht nachgesagt wird. Hierin folgten sie aber nur der allgemeinen Zeitrichtung, nach welcher man sich wahre Frömmigkeit ohne skrupulöse Beobachtung jener Gesetze gar nicht denken konnte. Ohne vollendete Frömmigkeit zu besitzen, durfte aber Niemand hoffen, inspirirt zu werben. Haben die Essener-Vereine ihren Zweck erreicht? Sie selbst antworten: ja! Denn einige Mitglieder ihres Vereins traten als Wahrsager auf, und eS fehlte ihnen nicht an Zuhörern, die ihren Worten gläubig lauschten. Die auf die Leichtgläubigkeit der Menschen rechnen, täuschen sich überhanpt seltener, als diejenigen, welche den Menschen zumu« then, von der logischen und historischen Kritik Gebrauch zu machen. Dem essenischen 3a muß aber die Geschichte ein entschiedenes Nein entgegensetzen. In Wahrheit waren die Essener-Ver-ine nur Karrikaturen der alten Profetenvereine. Ihre Eristenz ruhte auf der falschen Voraussetzung, daß die alte Profelie nichts als Wahrsagerei war; hätten sie von letzterer die rechte Anschauung gehabt, so hätten sie sich nicht der Täuschung hingegeben, daß jene göttliche Begabtheit durch äußere Vorkehrungen und Entbehrungen errungen werden könnte. Den Essenern fehlte nicht nur die äußere Musik, welche in den alten Profeten-Vereinen kultivirt wurde, sondern auch die innere Musik der Seele, welche in den Reden der alten Profeten wiederklingt. Ich habe die Vereine der Profeten und der Essener als politisch-religiöse bezeichnet. Sie werden vielleicht die Bezeichnung ״politisch" nicht gerechtfertigt finden. In diesein Falle müßte ich Sie bitten, Ihre gewöhnliche Lektüre eine Zeitlang mit der Bibel zu vertauschen. Sie werden dann ganz gewiß geneigt sein, folgende Sätze zu unterschreiben: Die Spruchweisheit der Bibel will zumeist den Einzelnen anleiten, sein diesseitiges Glück zu begründen. Die Lyrik der Bibel richtet ihren frommen Blick auch auf das Jenseits. Die Profetie ist für die Verehrung deS einzigen lebendigen GotteS, für die Freiheit der Nation, . für die Wohlfahrt deS Vaterlandes, für den Glanz deS Thrones Davids begeistert. An dem religiös-pol irischen Charakter der Profeten Israels kann mithin nicht gezweifelt werden, und diejenigen, welche die Profeten-Vereine zu Vorgängern der Mönche machten, haben daS Wesen der Profetie gänzlich verkannt. Selbst die Essener bieten nur in ihren Aeußerlichkeilen. DergleichungSpunkte mit den Mönchen dar. Auch sie waren weit entfernt, daS weltliche, bürgerliche und nationelle, Leben zu verachten. Die von ihnen angestrebte Wiedererweckung der Profetie sollte eben eine politische und nationelle Richtung haben. Der Vorwurf deS Partikub'.riömuS, den man den Bürgern deS alten jüdischen Reiches macht, ist in der Thal nicht ungegründet. Die Juden waren partikularistisch gesinnt: sie wollten auf dem Boden ihrer Väter als Nation fortleben nach ihren Gesetzen und ihren Gewöhnheiteu. Ihnen gegenüber standen die Römer als Uulverstt« liste«, denen der jüdische PartikulariSmuS sehr mißstet. Atl• gebat!ras, sagt TacituS, quoä 801! ckuäaei von cessisseat I Weniger politische, als religiöse Tendeuz hatte tlij dritter Verein, den ich hier noch zu nennen habe: der Der«! eia der Freunde nnd Genossen (־ערים,)! Mit Me«j sem Vereine hat eS folgende Bewandtulß: >! j Als daS geschriebene Wort, wie Znnz sagt, der Leit«! stern der jüdischen Nation wurde, war eS nicht sogleich die ganze Nation, welche diesem Leitstern folgte. Die Masse de- Volkes verharrte bei der bisherigen Lebensweise, und um! eine Minorität war beflissen, daS von Esra restaurirte Re«! ligionSgesetz mit allen seinen Forderungen zu realisiren: die! lev. ReinigkeitSgesetze zu beobachten, daS Sabbathjah r zu feiern.- nnd von den Viktualien die vorschristSgemäßeu Deputate Punkt«! lich zu entrichten. Da der gemeine Mann (הארץ CV) sich an diesig Observanzen nicht band, so mußte der Fromme die Tafel desselben meiden, und so entstand eine Scheidewand zwischen; den Genossen desselben Stammes und desselben Glaubens.? Dieselbe Erscheinung wiederholt sich in Folge anderer Ursachen? auch in unseren Tagen, wo manche jüd. Väter und Mütter den Tisch ihrer eigenen Söhne und Töchter meiden müssen, ja; wo mancher Rabbiner sich nicht entschließen kann, bei feinfuij: eigenen Kollegen einen Löffel Suppe zu nehmen. Die i»; unserem Vaterlande so weit verbreitete und so oft wieder«? holte Anschauung, nach welcher die jüdischen Speisegefttzes nur gegen die Tafel der Christen gerichtet sind, und eiaseparatistisches Element involviren, beruht daher auf einen Jrrthume. Nichts in der Welt verhindert den orthodor» Juden, der aufrichtigste Freund eines Christen zu ftin; speis»? kann er bei demftlben nicht, weil er bei seinem eigenen Kinde! nicht speisen kann, wenn dessen Küche nicht nach dem reli«! giösen Herkommen eingerichtet ist. AuS gleichen Motive»! können skrupulöse Katholiken oder Bekenner der orientalisch»? Kirche zu verschiedenen Zeiten deS JahreS an mancher christ«? lichen Tafel nicht theilnehmen.? ׳ In unseren Tagen üben diese Verhältnisse auf das? soziale Leben kaum einen merklichen Einfluß aus. Anderwar eS im Alterthume. Je mehr sich die Frommen von der Masse deö Volkes absonderten, desto enger schloffen sie sich an einander. So entstand der Verein der Freunde oder der Genossen. Die Aufnahme in den Verein war mit keiner de« sondern Feierlichkeit verbunden; eS reichte hin, daß daS ja inkorporirende Mitglied vor drei Freunden oder Genoss» seinen Eintritt in den Verein erklärte, und sich einer beauf« sichtigten vierwöchentlichenUebung der neu übernommen» Pflichten unterzog. Sobald daS Familienhaupt in den Vereia ausgenommen war, galt die Aufnahme auch den übrigen HauS< genossen, ohne daß dieselben genöthiget waren, sich besouderaufnehmen zu lassen. Selbst nach dem Tode deS Familien«; Hauptes galten die Hinterbliebenen als VereinSmltg lieber, so lange ihr Verhalten keinen Grund zum Mißtrauen darbst. An die alten Essener erinnert die Darstellung de- Sohar, deS merkwürdigsten kabbalistischen Werkes. Auch hier bilden die Adepten einen Verein, in welchem religiöse Mysterieu, insonderheit eregetische Geheimnisse besprochen werd e».

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