Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 3 (18.1.1865)
- Date
- 1865-01-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WeUsrge zum ״Wen ChmmuM" Nr. S. Illrche äe5 SreZelllner!Melitistlien Frnuenvereins M die Vorsleherin deWen, Frau Johanna Kohen. 8. Szegedin, 15. Der hiesige israelitische Frauen׳ verein hat sich gestern im Hause seiner Vorsteherin, der Frau Johanna Kohen, versammelt, um derselben eine Anerkennungs-Adresse zu überreichen. Dieselbe lautet, aus dem Ungarischen übersetzt, wie folgt: Verehrte Frau! Dreißig Jahre sind es, seitdem Sie unter den: Beistände Gottes als Vorsteherin unseres Frauenvereins eine von weiser Umsicht und unverdrofsenem Eifer geleitete Thätigkcit entwickeln, welche uns mit der lebhaftesten Sympathie für Sie erfüllt. Je aufrichtiger wir das Gedeihen unseres Vereins anstreben, und je bereitwilliger Sie uns stets gesunden haben, die frommen Vercinszwecke zu fördert:; desto freudiger ist die Anerkennung, welche wir den bleibenden Verdiensten zollen, die Sie sich um den blühenden Zustand unseres Vereins erworben haben, desto inniger unser Wunsch, daß der liebe Gott Ihr uns Allen theurcs Haupt in seine besondere Obhut nehme. Genehmigen Sie, verehrteste Frau, den Ansdruck unserer ganz besondern Hochachtung, in welcher wir zeichnen Szegedin, am 12. Jänner 1865. Ihre Freundinnen. Folgen dir Unterschriflen. Die Schicksale Md Jk|lrcö11ngc11 der tfracfilifdjcn .gemeinde 511 '* ' \ Gin Beilrag jut Geschichte der ungarischen Israeliten im 17. und 18. Jahrhundert. Von Dr. M. Zipsrr. Obrrrabbiner. (Fortsetzung. ') Die um diese Zeit an die hies. Herrschaft allein zu leistenden Steuern beliefen sich jährlich gegen 3000 fl. Nach einer mir vorliegenden Spezifikation hatte die Gemeinde sol« gende Zahlungen zu leisten: Große Fleischbank. 400 fl. Kleine Bank. 80 ״ Für daS Kleinvieh. 40 ״ Kascha-Wein. 400 ״ Brantweinschank.. . 400 ״ Für Befreiung von Flügelwerk .... 75 ״ Schutzgeld.1116 ״ Alte Anlage überhaupt . 200 ״ Andere Zahlungen. 300 ״ Summe . . 3011 fl. *) S. V. Z. Nr. 17. 20. 21. 23. 26. 27 29. 30. 38. 39. 46. 47. 32. Dazu kamen noch die ungeheueren NeujahreSgeschenke. Als Curiosum wollen wir eine Liste dieser Geschenke auS dem Jahre 1737 hier mkttheilen: Für die gnäd. Herrschaft! 13 Dukaten; 2 Hüte Zucker; 4 Pfund Kaffee; 3 Dutzend Limonen, ebensoviel Zitronen und 2 Gänse. Für den In« spektor: 12 fl.; 1 Hut Zucker; 1 Pfund Kaffee; 2 Gänse. Dem Hofrichter: 6 fl. eine Ganö. Dem Rentschreider: Eine GanS; 1 Pfund Pfeffer. Dem Perpfleger: Eine GanS; 1 Pfund Pfeffer. Einem jeden der beiden OrtS« Pfarrer: Eine GanS; I Pfund Pfeffer; 1 Pfund Ingber; Vs Loth Safran; 2 Loth Gewürznagel; 1 Loth Blüh; 1 Loch Muschkatnuß; I Loth Zimmt. Einem jeden der Markt» richker: Eine GanS. Viertelrichter: '/4 Pfund Pfeffer. Jedem der Zechmeister: '/״ Pfund Pfeffer. Dem Schäfer: V, Pfund Pfeffer. Nun kamen erst die auswärtigen Herren, die Vizegespäne, die Richter zu GünS und Steinamauger, die Sekretäre, OberlandcSrichter, Kammerdiener, Fiskale, die alle gegen daS neue Jahr mit einer oder zwei Martini» Gänsen bedacht worden find. Wir sehen also, wie thener unsere Vorfahren bas Recht erkaufen mußten, freie Lust einathmen und etivaS Handel treiben zu können. Die hies. Gemeinde zählte »in diese Zeit 100 einheimische und eben» soviel auswärtige Familien. AuS einer aufgenommenen Liste stellt sich die Vertheilung der letzter» heraus wie folgt: Im Eisenburger Komitat (Güßing, Körmend, Stein» amanger, Vaövür, Sürvär) Familien . ... 30 Im Saladenser Komitat (Kanischa, Sz. Groth, Eaerßeg, Kesthelv, Tapatzon) Familien .50 In der Somogy (Tsörge, Marzhely, Lengvelthvt) Familien.. 20 Daß der Jugenduntcrricht in der hiesigen Gemeinde nicht vcrnachläßigt worden, ist ganz natürlich und finden sich mehrere Gemeinde-Beschlüsse, Dokumente und Quittnn» gen darüber vor. Auch ein herrschaftlicher Beschluß legt davon Zeugniß ab. Im Jahre 1740 brauchte die Gemeinde zwei Lehrer und wollte solche, da sie im Orte nicht zn bekommen waren. aus der Fremde holen, waS jedoch gegen die bestehende Ordnung war. Aus ein von Sette der Gemeinde überreichtes Bittgesuch folgte der Bescheid: Und weilen sich unser Jndenrichter sammt Geschworenen wegen Erlangung von Schulmeistern beschwert haben, wir hiemit in Gnaden absolviren und erlauben, daß sie zwei fremde Schul» Meister halten dürfen, jedoch daß diesen bei strenger Strafe nicht erlaubt ist, zu handeln. Dieses Dokument von 2. Sept. 1740 ist daS letzte von der Gräfin Elenora Dattyani nnterschrieben, bald darauf gieng sie mit dem Tode ad. Besagte Gräfin war eine streng redliche und gerechte Herrscherin, nahm sich stets mit Energie ihrer jüdischen Unterthanen au und suchte so weit als möglich ihnen Abhilfe gegen gerechte Beschwerden zu leisten. Durch ihre Stellung und ihren Einfluß in der Residenz ward eö oft möglich, daß die hies. Gemeinde zur Erleichterung beS Schicksals ihrer Glaubensbrüder in Ungarn beizutragen vermochte. WaS die lästigen Steuern betrafen, so hatten die Juden anderSwo zur dama» ligen Zeit noch viel größere zu tragen. AlS Beweis ihregerechten Sinnes wollen wir noch einen ihrer letzten Erlässe auS dem Jahre 1737 in Auszug mittheileu. Derselbe au- 10 Punkten bestehend mußte laut Verordnung öffentlich im Tempel verlesen werden. 1) Wer ein Amt bei der Gemeinde hat, darf an kei» nem Gemeindefälle mittelbar oder unmittelbar sich bethrl» ligen. . ׳ 2) Zu der am Ende des Jahres vorznlegenden Schlußrechnnng müssen auch 5 Männer aus der armen Klasse bei» gezogen werden, ״damit auch solche wissen, wie man mit ihrem Gelbe wirthschaftet." 2