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Ben Chananja · 1865-01-04 · 1 (4.1.1865) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
1 (4.1.1865)
Date
1865-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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20 19 duS, der gegen »die drei Kapitel" des Kaisers Jnstiniaa schrieb, ihn auch gegen diese Verdächtigung zu rechtfertigen sucht. - Merkwürdiger Weise hörte diese Verdächtigung selbst unter den Protestanten nicht auf. So sagt Johann Jakob Schudt in seinen 1714 erschienen Jüdischen Merkwürdigkeilen: ״In der Religion giedtS heutzutag viel Judentzer, als da sind die, welche die Auslegung der h. Schrift, sonderlich die Weissagungen deö Alten Testaments von dem Herrn Messias, der Juden Fußtapfen folgen, und die Profetischen Sprüche nach jüdischer Verdrehung anders auSlegen, wie denn hierin Johann Calvin ziemlich gejudentzer, daher der berühmte evangelische Theolog AegediuS HunniuS ein Buch unter dem Titel ״der judenzende Calvin" geschrieden, um dcssentwillen ihn der gelehrte und arbeitsame Jesuit Cornelius ä Lapide gelobt hat." Die Juden könnten wirklich stolz auf die Männer s-in, weiche ihr fanatischer Gegner Schudt zu den Judentzern zählt. Denn auch Hugo GrotiuS, der unsterbliche Verfasser deS Werkes ״vom Rechte deS Friedens und deS Krieges," der vielverehrte Begründer der natürlichen RechtSfilosofie und des moderuen Völkerrechts, wird von Schudt nach dem Vorgänge anderer Theologen als Judenher bezeichnet, weil er als SchristauSleger seinen eigenen Weg gierig, und daS Vaterunser auS jüdischen Quellen herleitete. Schudt zweifelt gar nicht daran, daß Hugo GrotiuS' ״Herz" dem Judenthum geneigt gewesen sei, wiewol derselbe ein apologetisches Werk für daS Christenthum geschrieben har. Wären die Anklagen gegen den Bischof TbeodvruS und gegen Hugo GrotiuS gegründet, müßte man die berühmtesten protestantischen Eregeten Deutschlands und Hollands für ge- Heime Juden halten, was gewiß Niemand thun kann, ohne sich in den Augen eines jeden vernünftigen Menschen höchst lächerlich zu machen 1 Der historische Grund des Unwillens gegen den Thalmud ist mithin vollständig beseitigt. Die Geschichte der SchriftauSlegung lehrt klar und unwiderleglich, daß die kirchliche Eregese von vielen gelehrten Christen, die den Thalmud weder lehrten noch verehrten, verlassen wurde. Wenn der englische Diakonuö Jsak Voß die Juden auffoderte, ihre Thalmudischen Traditionen und die Auslegungen ihrer Lehrer bei Seite zu setzen, und nur der von ihm überschäzten Version der siebenzig Dolmetscher zu folgen, weil sie dann sogleich den wahren Messias erkennen würde»; so batte dicS 1685 mindestens einen logischen Sinn. WaS will aber der ״Tbetovid" Anno 1864 mit seinen antithalmudischen Erpektorationen? Hat er etwa die Absicht, die Juden zur alten Cregese zu bekehren? Man muß bekennen, daß hierzu nach so vielen mißglückten Versuchen nicht wenig Courage gehört! Der ״Sbetovid" hat sich, ich weiß nicht wo, ernige Zitate erbettelt, welche die menschenfeindlichen Lehren deS ThalmudS darthun sollen. Den Reigen eröffnet ein im Jalkut Neubeni aus dem Raja Mebemna. angeführtes Zi« tat, nach welchem nur die Juden von Adam adstammen sollen. Der ״Sbetovid" weiß natürlich nicht, daß die beiden Bücher gar nicht zum Tbalmud gehören, sondern kabbalistische Bücher jünger» Ursprungsind, die den bezüglichen Spruch in einem mystischen Sinne nehmen. Der Thalinud läßt nicht nur iu Uebereiustimmung mit der Genesis alle Menschen von Einem Paare abstammen; er lehrt sogar, daß die siebenzig Stiere, die am Laubhüttenseste im Nationalheiligthume Israel'- geopfert wurden, zum Sühnopfer für daS ganze Menschengeschlecht. — welchenach der Völkertafel der Genesis aus 70 Nationen besteht, — dienen sollten (Sukka 55, b.) Der Versuch, nur die Juden von Adam adstammen zo lassen, wurde von einem christlichen Schrift» stelle!, nämlich von Isaak Pevreriulm Jahre 1655 tu Frankreich gemacht, indem derselbe itN erste» Kapitel der Genesis die Präadamiten fand, und in de«» Adam des zweiteu Kapitels den Stammvater der Inden erblicktet Da der ״Sbetooio" von der Mische» Literaturgeschichte nicht den geringsten Begriff hat, so kau» er natürlich nicht wissen, daß die von den Judenfeinden attgksührten intoleranten Thalmudstellen mit dem Christo,,th»»ne und den Chri» sten gar nichts gemein haben, sonder» de» Rönrern gelten, deren Herrschaft in Palästina den Jude» ltt keinem andern - Lichte, als in dem der Usurpation, erscheine» konnte. Hätten : etwa die Inden den Zerstörern ihrer heiligste» Nationalgüter : Danklieder anstimmen sollen? — Serbische Patrioten sollten . die Stimmung der Inden gegen die römischen Eroberer j ganz anders zu würdigen verstehen! Oder koittMt eS ihnen etwa in den Sinn, den evangelische» Spruch! Gebet dem Kaiser was deS Kaisers ist (Matt. 22, 21) auf! den türkischen Sultan anzuwenden? Befindet sich die türkij sche Besatzung in Folge dieser evangelischen Ermahn,rüg noch I in Belgrad, Schabatz und Semendrta? Ich glaube nicht.' Und hierin wird mir der ״Sbetovid" wo! schwerlich wider-! sprechen. Indem er mir aber in diesem Punkte Recht gibt, erkennet er zugleich an, daß er de» Jttden der thalmudischea Zeit Unrecht thut. Wenn die Kirchenväter für die Römer gegen die Juden Parthei nehme», ist dies «vol begreiflich, und man verzeiht eS einem CttsebinS, daß er deu Dar Kochba, gegen welchen der römische Kaiser Hadrian seine besten Generale nach Judäa senden muß«'', einen Räuber und Mörder nennt. Wie aber ein liberal sein wollender l Publizist der Gegenwart die Erbiuernug der Jude» gegen I die Römer als Menschenhaß anklage» kann, statt dieselbe! von nationettem Standpunkte psychologisch nnd historisch zu I Würdigen, ist in der That unbegreiflich. Ja, man könnte j an dem menschlichen Herzen irre werden, indem man wahrs nimmt, wie Söhne einer Nation, die von fremdem Drucke frei zu werden wünschen, nicht zurückschander» vor dem Gedanken, Anderen durch Unterdrückung daS Leben sauer zu machen! Einen Umstand darf ich indeß Nicht tttterwähnl lassen, der einiger Maßen geeignet ist, de» Vers. M in Rede stehenden jubenfeittvlichen Artikels jtt entschuldige». ״Ich selbst," sagt er, ״hatte Gelegenheit, mit sehr klugen, gebilbeten und tngeudhaften Jude» zu sprechen, von denen mir manche sagten, daß sie, wen» sie einem Christen Gutes erweilen, dies nur aus Heuchelei thun, mit sich, da sie die Schwache» im Staate sind, die Gunst der Großen und Vornehmen zu erkaufen." Wenn der Vers. dikS in der That von Juden gehört hat, die er für gebildet ttt halten Ursache hatte, so hat daS jüdische Volk wirklich Grund genug, darüber zu trauern, daß so entartete Söhne anü seinen, Schoße hervorgegangen sind. Ich bi» weit entfernt, kein ״Sbetovid" gegenüber zu behaupten, daß daS jüdisch« Volk auS lauter Tugendhelden bestehe; dagegen darf der ״Sbetovio" versichert sein, baß die Juden die schlechtesten sind, die sich nicht entblöden. ihre heilige, göttliche, dle reinste Menschenliebe lehrende Religion zu verleumden Uttd herabznwürdlgen. , Der ״Sbetovid" polemistrt gegen ei» slavischeS Blatt, den ״Den," welches die Emanzipation der Juden auch ans dem Grunde vertheidigt, weil die christliche Moral, wie die Mische, sich auf daS Zehngebvt gründet, so daß von reli. giösem Standpunkte gegen die Anfnahnre der Jude« in de» bürgerlichen Verband nichts ringewendet werden kann. Da. gegen replizirt der ״Sbetovid" wie folgt, ״Beweisen zu wollen. daß sie christliche und mosaische Religion gleichmäßig auf die zehn Gebote basirt feie», und daß eS daher kein Hinderniß gibt, die Juden in den Staatsdienst zuzulasseu. heißt so viel als die 18'/, Jahrhunderte christlicher Ge,

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