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Ben Chananja · 1865-01-04 · 1 (4.1.1865) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
1 (4.1.1865)
Date
1865-01-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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13 14 l. ׳r: —. E Kterärische Änzeigrn. ק אכויה Göthe« Faust in riner hkbräischtll Usdichtuog und Sit rriäu« ternden Anmerkuugea von Dr. Rar Letteri«. Dien 1865. Eigrulhum nnd Verlag dr« Verfasser«. Besprochen von Hermann Brili. Alzu Athen da« dichterische Schaffen aufhörte, begann zu Ale« randrirn da- Krttifleeo und Kowmentiren; an die Stelle der Produk. lion trat dir wiederkäuende Meproduktioo, selbstgefällig fortlriernd. biste endlich im Dyjantinerthuw lindisch lallend verstarb. Je wehr der Büchermarkt anschwoll, um so breiter trat auch die Impotenz hervor; die Ideale de- Hellenenthumwaren zerronnen, e« fehlte ein rechte« Prinzip, e« fehlte die rechte SchöpfungSluk — der griechische Tag war zu Ende und di, Nacht dunkelte herauf. Bei Betrachtung der gegenwärtigen Literaturzustände erinnert man; sich unwillkürlich an da« Aleraudriuerthum. unsere krilistrenden Poeten und poetifirenden Kritiker erhoben zwar Protest gegen diese Analogie — aber die leidige Thalsacht behält am Ende immer Recht. Die poet. Lite« ratuc i,;i in unseren Tagen ausgehLr», eine Leben-macht zu sein, höchste«- kommt, ihr noch die Bedeutung eine- Luru-möbel« zu. weshalb auch der Inhalt der poetischen Produktionen von dem ״gebildeten Publikum" meist nur nach dem Einband gewerlhet wird. Der eigentliche Dichter unserer Zeit ist — der Buchbinder; denn man will nur noch die jäm« merliche Neugierde und den gemeinen Lustkitzel befriedigen. Man will nicht mehr belehrt und erhoben, sondern nur amüfirt sein. Wie wäre es sonst möglich, daß ein Werk, wie davorliegende, von den Kritik׳״ stern unserer öffentliche» Organe, dir im Toleriren des Elenden, im Anpreisen de« Unzulängliche», im Mißhandeln de« Eigenthümlichen und Tüchtigen so viel leisten, vornehm ignorirt, oder mit den landläufigen Phrasen abgethan wird! Zwar find wir nicht der Meinung, daß dir Kritik einen sehr be« deutenden Einfluß auf die Produktion übe, da fle aber jedenfalls einigen Einfluß übt, so wäre lebhaft zu wünschen, daß fie ihrer Aufgabe ge» wiffenhafler und würdiger Genüge lcistete. als sie dermalen im Allgemeine» thut, und endlich aufhöre, den Mangel gründlichen EindringeuS 1» den Stoff mit vornehmthuenden Tiraden zuzudrikrn. Aber wir fürchten, unsere Einleitung wird zu lauge: wir gehen daher zur Besprechung de- Ben-Abuja. Bor Allem gestatte un« Herr Lelteri« die Bemerkung, daß der Held der Tragödie nicht (wie e« Vorrede XI heißt) mit jenrm Faust identisch ist. der im Jahre 1440 mit Gutenderg und Schösser die Buchdrurkerkunst erfand. Dieser starb schon im Jahre 1466 zu Pari-, wäh« rend Dr. Johann Faust nicht vor dem Jahr« 1507 auftrat; Melanch« thou lernte ihn persönlich kennen und auch Luther erwähnt seiner in den Tischreden ׳al« eine« ״Schwarzkünstlers" — also später als ein halbe- Jahrhundert nach Erfindung der Typographie. Ebenso scheint un< tu' (S. 224) Etymologie de« Worte« Mephistophrle« von?ף ,lär?•Ao, — kein Freund dt« Lichte« — der Lichtscheue — etwa« gewagt; vielmehr ist di« Ableitung von »üoc und Mephiti« d. b. Lieb« Haber mrphitischer Gerüche, die in der Hölle zu H-use sind, die richtig,. E« gibt vielleicht kein dichterisch,« Werk, da« fich seinrm Inhalte nach mehr für eine Urbertragung eignet, al« Faust: denn die liefe Grundidee dieser Dichtung. daß auch da« Böse in der barmonischen Weltorduung den höchsten Zwecken diene, daß auch da« Bös, der Gott, heit unterlhiuig sei — dieser Gedanke ist echt jüdischen Ursprünge«, er »k mit orientalischer Glut und Farbenpracht im Buche Hiob, diesem Hohenlirde der Skepfi«. ausgeprägt. Merkwürdig bleibt e« immer, daß manche Talmudisten (B. Bachra S. iS) Mose« für den Verfasser dies,« Werke« halten; man konnte dir« lang» für ein Paradoron Hallen, bi« endlich Heinrich Brugsch. welcher im Auftrag» der preußischen Regie« rung eine wissenschaftliche Reise nach Aegypten unternahm, in einer äußerst anziehenden Schrift (Au» dem Orient) aus die schlagendste Weise zeigte, daß nach entzifferten Hieroglyphen an Tempel- und Grabwänden fich viele Stellen an« dem Buche Hiob finden; so lautet «ine Inschrift iw westlichen Felseuthale Theben«: ״Ich bin den Vornehmen ein Bruder gewesen, den Armen rin Batrr." Eine Grablchrift sag» vor mehr al« v״r Jahrtausenden; ״Ich Hab, Brvd d«m Hongrigeu. Wasser dem Dur. ftigen, Kleider dem Nackten grsprndrt. nnd dem Wanderer gewährte ich »in Obdach." Wrr niuutrt .fich hi,rhri. nicht an dir gleichen Worte iw Hiob? . . . . ... . Unstreitig ist diese Universaldichtnng da« ältest, Denkmal fetr hebräischen Poefir und zugleich »ine« der erhabensten Erzeugnisse de« menschlichen Geiste«, welcher hirr zuerst di, Frage: ״va« ist de« Ren» schenleben« Sinn und Frommen?" aufgeworfen hat, di« seither dnrch aste Jahrhundert, herab da« Problem tiefsinniger Dichter war und de, sonder« in den Sagenstoffen vom Aha-ver und vom Faust anflrilt, welch letzterer fich durchaus nicht al« ein bestimmte«, historische« Indi« viduum darstellt, sondern ein Repräsentant der gesammten Mensch« heit ist. So ist der Gedanke an und für fich, den Göthe'schen Faust, Liesen titanisch ringinden Geist in ein hebräische« Gewand zu kleiden, ein glücklicher und mit welch ew«nent«r Meisterschaft, mit welch' bewun« derungSwürdigrr Urberwinduug de« sprachlichen Material« hat Dr. krt« «eri« fich dieser riesenhaften Aufgabe entledigt.' Sin solcher Hebersetzer, der nicht nur den Gehalt eine« Meisterwerke« zn übertragen, sondern auch die edle Form, daeigenthümlichr Gepräge zu bewahren weiß, ist ei» Herold Le« Genius der, über dir engen Schranken hiuan«. welche dir Absonderung der Sprache setzt, dessen Ruhm verbreitet, dessen hohe Gaben verlheilt. Eine derartige Beherrschung desprachlichen Elemente« hat die neuhebräischt Poesie nicht aufzuweisen; schon die wundervolle Uebertrogung der Zueignung, dieser wehmülhig ernsten Gefühle bei Er« innerung an eine fernabliegende, schöne Bergangenheit ist in unnachahm« licher Einfachheit mit mildem, vollendetetem Redezauber in den reichen Oktaven au-gesprochen. Die Schlußvrrse: חלקי זחבלי - כמעט מני רחקו ורעי עלבוני - בנפשי ידבקו . find «ine äußerst gelungene Wiedergabe von: Was ich besitze seh' ich wie im Weiten, Nnd was verschwand wird mir zu Wirklichkeiten. Mit Recht wurde da« Vorspiel aus dem Theater, wo un« der Zustand einer umherziehenden, auf Märkten und freien Plätzen aufge« schlagenen Bretterbühne vergegenwärtigt wird, wie fie vormalS in ״deuischeu Lauten" üblich war, weggelassen und es erschließt fich der Him« mel, wo dir drei Erzengel — gleich bei Dante: Parad. XXVHI. »7 — den Herrn und die himmlischen Herrschaarrn mit Lobgrsängen begrüßen: Die unbegreiflich hohen Werke. Sind herrlich wie am ersten Tag wird treffend gegeben mit: מאורי אור יום יום יעלו ללו־וח כיום מתחי ובהו נבראו Die Annäherung de« Mephistofel an den GotteSthron erinnert an den Satan im Hiob, der dort unter den Hindern Gotte« erscheint: Der erste Monolog, wo Faust beklagt, daß er dir Tiefen mensch« licher Wissenschaft durchmrssen, die höchsten Ehren in allen vier Faknl« täten, ohne Befriedigung seine» Erkenutnißdraoge« gesunden zu haben — wie künstlich gejchickt find da vom Uebrrsetzer da« Geheimnißvolle einer veralteten Magie, dir historische Färbung und di, rein mrnschli. chen, in jedem strebenden Geiste waltenden und ringenden Gefühle und Regungen in einander geschluugen! Di, Worte de« שר הארץ, de» Erdgeist»« möchten wir, ge. stattete »« der Raum, ganz ansübren. nw di» Originalität, de, Tiefe und Prägnanz dr« Ausdruck»« zu zeigen, und dabei prangen all» V,׳ dankeublüten im frischesten Tan der Empfindung k Wagner« selbstgefällige, genügsame Beschränktheit — hier in Nehorai iran-sormirt — dir da« Wesen der Dinge au« dem Auge »er« liert und ganz i» der Bücherweisheit anfgrht, bildet de» Kontrast zn Den Abuza« Gefühl der Unzulänglichkeit; in diesem Dialog mit de« .schelleniautenTdorrn" ist untSine« auffallend. Wenn der christliche Dichter di, Idee äußer», daß Diejenigen, di, ״thöricht" genug ihr volle« Her, nicht wahrten, dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarte, von je ״gekreuzigt und verbrannt" wurden, so denkt man natürlich an manch» Hrroen der Kirchengeschichtr. Abrr wa< soll der Indr denken, wenn »« (S. 20) heißt:

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