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Ben Chananja · 1865-01-04 · 1 (4.1.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
1 (4.1.1865)
Date
1865-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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s Das, was Mendelssohn im erste« Abschnitte des Jerusalem über das gegeaseüige VerhLltniß von Staat und Kirche vorträgt, hätte jedenfalls erwähnt und gewürdigt zu werden verdient k Rosenkranz sagt, daß keine der Schriften Mendelssobn'S ״so viel Saft und Kraft hat, als dessen Schrift über daS Judeuthum: Jerusalem." Wer letztere nicht geleseu hat, muß nach diesen Worten meinen, das Buch Handke nur vom Judenthum, waS bekanntlich nicht der Fall ist. DaS Nichtjüdische in Jerusalem hätte in dem Werke Dluntschli'S viel eher einen Platz verdient, als die Negationen, mit denen Klopstock und Göthe charakterisirt werden. Nicht viele Denker haben den Völkerhirten die Freiheit des Denkens und der Rede mit so viel Wärme anS Herz gelegt, wie eS Mendelssohn am Schluffe seines Jerusalem that. Seine Worte dürsten in diesem Augenblicke mit besonderem Interesse gelesen werden. Dieselben lauten: ״Regenten der Erde! Wenn eS einem unbedeutenden Mitbewohner derselben vergönnt ist, seine Stimme bis zu Euch zu erheben, trauet den Räthen nicht, die Euch mit glatten Worten zu einem so schädlichen Deginnen, (Glaubenöeinhcit zu fordern), verleiten wollen. Sie sind eutweder selbst verblendet, und sehen den Feind der Menschheit nicht, der im Hinterhalte lauert, oder suchen Euch zu verblenden. ES ist gethan um unser edelstes Kleinod, um die Freiheit zn denken, wenn Ihr ihnen Gehör gebet! Um Eurer und unsrer Aller willen, Glaubeuövereinigung ist nicht Toleranz, ist der wahren Duldung gerade entgegen! Um Eurer und unserer Glückseligkeit willen, gebet Ener vielvermögendes Ansehen nicht her, irgend eine ewige Wahrheil, ohne welche die bürgerliche Glückseligkeit bestehen kann, in ein Gesetz; irgend eine dem Staate gleichgiltige ReligionSmeinung in LandeSvero.rdnung zu verwandein! Haltet auf Thun und Lassen der Menschen, ziehet Dieses vor den Richterstuhl weiser Gesetze, und überlasset unS daS Denken und Reden, wie eS unser Aller Vater, zum unveräußerlichen Erbgute beschiedcn, als ein uuwandelbareö Recht eingegeben hat. Ist etwa die Verbindung zwischeu Recht und Meinung zu verjährt, und der Zeit- Punkt noch nicht gekommen, daß sie, ohne besorglichen Scha« den völlig aufgehoben werden könne: so suchet wenigstens ihren verderblichen Einfluß, so viel au Euch ist, zu mildern, dem zu grau gewordenen Vorurtheile weise Schranken zu sehen. Bahnet einer glücklichen Nachkommenschaft wenigstens den Weg zu jener Höhe der Kultur, zu jener allgemeinen Menschenbildnng, nach welcher die Vernunft noch immer vergebens seufzet! Belohnet und bestrafet keine Lehre, locket ״ und bestechet zu keiner ReligiouSmeinung! Wer die öffent« liche Glückseligkeit nicht stört, wer gegen die bürgerlichen Gesetze, gegen Euch »nd seine Mitbürger rechtschaffen Handelt, den lasset sprechen. wie er denkt, Gott aurnsen nach seiner oder seiner Väter Weite, und sein ewiges Heil suchen, wo er eS zu finden glaubt. Lasset Niemanden in Euren Staaten HerzenSkündiger und Äedankeurichter sein: Nie» ׳ manden eln Recht sich anmaßen, daß der Allwissende sich 'allein Vorbehalten hat! Wenn wir dem Kaiser geben, was des Kaise rS ist, so gebet Ihr selbst Gott, waö GvtteS ist! Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden!" : 3ur Mömerieiumarfrage in 'י ' Geschichte^-ep, Die Gründung einer Nabbkuerschule in Ungarn hat bereits ihre Geschichte. Die von derselben berichteten ovverbürgten Thatsachen durften zum Behufe einer unparteifscheu Würdigung und Benrtheilung der gegenwärtig hervortretenden Divergenzen zuvöderst näher inS Auge zu fassen sei». Deon wenn auch diese Thatsachea durch keinen KausalnernS mit einander verbunden sind, und die geschichtliche Kontiuutät derselbe» eben nicht hervortritl; so sind sie doch selbst in ihrer isolirten Beschaffenheit charakteristisch genug, um über daS Bedürfniß des zu gründenden Institutes, wie nicht minder über die dagegen agirende Opposition willkommenen Ausschluß zu geben. Ich stelle die bezüglichen Thatsachea ia gedrängter Kürze zusammen. Der erste Vorschlag, eine Rabbinerschule in Ungarn zu gründen, wurde im Jahre 1806 gemacht. Der Urheber desselben war David Ko Yen, ein aus Baiern eingewanderter Talmndist, welcher eine unter den Talmudisten jener Zeit wirklich seltene Bildung besaß, und schon 1797 mit nicht geringem Erfolge als mathematischer Schriftsteller ia hebräischer Sprache, aufgetreten war. DaS Memorandum, welches er 1306 dem Reichspalatin, Erzherzog Josef, überreichte, war in deutscher Sprache abgesaßt, und enthielt neben einer Schilderung der Mangelhaftigkeit deS damaligen RabbinatSwcscnS ein Projekt, dessen Realisiruug alle vorhandenen Uebelstände beseitigen sollte. Dieses Projekt em׳ pfiehlt die Gründung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt, mit welcher eln Alumnat verbunden'werden soll. Lehrgegeustäude: Bibel, hebräische Grammatik, Talmud, ungarische, deutsche und lateinische Sprache, Mathematik, Physik, Naturgeschichte, Rhetorik. Die weder in eine große Stadt noch in einen ganz ungebildeten Ort zu verlegende Anstalt zerfällt in rink untere und eine obere Abtheilung. In jeder derselben wird der Unterricht von einem ordentlichen, und — erforderlichen Falls — von einigen außerordentlichen, jüdischen oder christlichen Professoren ertheilt. Tägliche Ua. terrichtSzeit: ungefähr zwölf Stunden. In die untere Abtheilung werden neunin die obere Abtheilung dreizehnjährige Knaben ausgenommen. Nach abgelapfenem achzehnten Lebensjahre verläßt der Zögling die Anstalt, verehelicht sich, um sich zehn Jahre hindurch durch Privatfleiß auf dea Rabbinerstand vorzubereiten. Für seinen Unterhalt wird Während dieser Zeit dadurch gesorgt, daß auS dem jüdischen Foude, welcher durch eine direkte Steuer gebildet werden soll,'einem rechtschaffenen Kaufmanne Tausend Gulden zu beliebiger Nutz« uießung übergeben werden, wofür derselbe die Verpflichtung übernimmt, für die Subsistenz des betreffenden Kandidaten und seiner Familie Sorge zu tragen. Fünfzehn Jahre nach Gründung des JnstilnteS dürfen nur Zöglinge desselben j« Rabbinern gewählt werden: .. ..V. , Dieser Plan wurde nicht'!« Verhandlung genommen, waS schon in den. damaligen politischen Zeitverhältuiffeu eine hinreichende Erklärung finden. Nichtsdestoweniger׳ rühmte sich der damalige Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu.Pest,^ <<׳ ׳ "

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