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Ben Chananja · 1864-12-21 · 51 (21.12.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
51 (21.12.1864)
Date
1864-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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105S 1034 geglaubte Petition plötzlich veröffentlicht steht, imitiren könne, worauf der Musensohn geantwortet haben soll: Herr! das läßt sich nicht nach« ahmen, das muß man Mitempfinden. Mittlerweile schreitet der Geist der neuen Auffassung des Talmudstudiums wenn auch langsam, aber den« noch sicher fort, und man darf hoffen, daß die historisch-kritische Me, thode, den Talmud zu behandeln, endlich doch eine allgemeine werden w«rd. Außer dem Sifre wird demnächst hier die Mechilta durch Herrn Weiß, Lehrer am Bet-Hamidrasch herausgegeben. Die Mechilta, von der bereits 8 Bogen fertig find, ist mit historisch kritischen Noten von Herrn Weiß versehen, welcher er auch ein Vorwort vorausschickt, da« bei der gründlichen Kenntniß des Talmuds und des Midrasch seitens dieses Herrn sehr interessant zu werden verspricht. Schließlich sei hier der buchhändlerischen Mißgriffe erwähnt , von denen unsere alte Literatur bedroht ist, es erscheint nämlich in Leipzig eine GcsammtauSgabe der Midraschim Sifre Sifra Mechilta ,c. und ist, da es stereotipirt wird, sehr billig zu haben. Allein es ist dies kein Gewinn, sondern ein Verlust für nnsere Literatur. Es handelt fich jetzt mehr darum, daß alles, was von alten Schriften neu erscheint, nur auf Grund neuer historischer Forschungen erscheine: nicht der Buchhändler, sondern die Literatur soll bereichert werden, nicht die alten Exemplare, sondern der Geist der Forschung soll allgemein werden und die alten Schriften haben einen um so höhern Werth, wenn sie im Gewände der modernen Kritik verjüngt erscheinen. Wien, 10. Dezember. Nach langer Zeit ist es mir wieder einmal gegönnt, von meinen Tagesgeschäften auszuruhen, und gerne opfere ich diese meine Ruhe dem Zwecke, Ihnen einen Bericht zu erstatten; bitte aber sowol Sie, ehrwürdiger Heer Redakteur, als auch die geschätzten Leser ״B- Ch.'s", an die Wahl des Stoffes keine zu strenge Kritik üben zu wollen. Ich schreibe die Notizen niever, wie ich die Eindrücke empfange. So erfuhr ich denn bei meiner Ankunft in Wien, daß Herr Professor Sulzcr ein größeres Werk beendet, das keinen geringen: Zweck hat, als alle Pintim und Jozroth in Musik zu setzen für solche Gemeinden, welche wol schon Chorschulen besitzen, aber von Pint und Jozer nicht lassen wollen, aber auch für solche Gemeinden, welche in Abschaffung der Piutim und Zoz'roth ein Hinderniß in Errichtung der Chorschule erblicken. Das Werk ist jedenfalls ein sehr verdienstliches und entspricht es auch - denjenigen, welchen selbst der gere« gelte Gottesdienst zu lange dauert, nicht, so muß man doch bedenken, daß man hierdurch den alten Gemeinden die Mittel bietet, der Unordnung in den Synagogen während des Gottesdienstes zu steuern. Freilich müßten dann die Ehazanim musikalisch gebildet sein. Unter den Gemeinden, die wir auf unserer Reise berührten und deren Gotteshäuser wir besuchten, ist Preßburg eine derjenigen, welcher wir die Einführung des Gottesdienstes »ach dieser Weise empfehlen möchten. Leider aber will Preßburg keinen Schritt nach vorwärts thun! Bor ungefähr zwei Jahren hat ein Gemeindemitglied u. d. T. über die ״Zustände PreßburgS" eine Reihe von Aufsätzen im ״B. CH." über das Gebaren der Gemeindevertretung und über das indifferente Benehmen der ״Vertretenen" berichtet und man gab sich der Hoffnung hin, daß die Herren Vorsteher, welchen, man weiß eS mit Bestimmtheit, diese Berichte zukamen, die Gemeindevcrhältnisse bessern und das Gemeindevorsteheramt mit tüchtigen starken und befähigten Männern thcilen werden. Unsere Gegenwart ist nun aber eine solche, in der man von Täuschung in Täuschung geräth. So auch in Preßburg! Am härtesten aber trifft dort diese Täuschung die der Hoffnung auf eine Mädchenschule, wo die weibliche Jugend unterrichtet werden sollte, wie eben ZionStöchter unterrichtet werden sollten! Eine Mädchenschule ist eS, die Preßburg mehr noth thut, als ״deutsche Wörtlich" und ״jüdische Predigten!" Man versprach, eine Mädchenschule zn eröffnen und — ״Mutter und Sohn" leiten hier eine Mädchenschule, von der Ihr Korresp. sagt, daß sie eben Privatschule ist, und in welcher noch nie eine Prüfung auden hebräischen Lehrgegenständen abgehalten wurde. Muß man da nicht annehmeu, daß in diesem' Institute der jüdisch', Tyetl deS' Unterdichtes ganz! vernachlässigt wird? Wo sind die frommen Serlenhirten? Schreiber dieses wollte einmal auf seiner Durchkeise diese Anstalt besuchen, um diese Schule kennen zu lernen, wurde aber von einem Vorsteher der Gemeindeschule abgehalten. Warum? — Darum!!! Es ist nur zu verwundern, daß Herr Fischmann und der Rabbiner, welche wöchentlich die Mädchenschule besuchen, nie um den hebräischen Unterricht fragen!!! Die Eingaben der jüdischen Gemeinden gegen die Errichtung eines Rabbiner-Seminars haben hier in Wien noch möglichst mehr Sensation gemacht, als in Ungarn׳, wo der Verrath gegen das ungarische Judenthum geschmiedet wurde. Sonderbar ist es, daß das Verbot der Mittheilung dieser Eingaben bei den frommen Unterzeichnern Mißstimmung hervorrief. Sie wollten ihre Namen aus Zeitnngen ״vorlesen" hören, ob sie gleich nicht wissen, unter welchen verrätherischen, das INdenthum schändenden Inhalt man ihre Namen setzte. Eben aus diesem Grunde dürften unsere jüdischen Mucker die Sistirung der Mittheilungeu angestrebt haben. — Die Verhandlungen in Galantha, über die ich vielleicht nächstens Einiges berichte, hat der Preßburger Wechsler C. W. Pappenheim und dessen Schwager PH. Bettelheim mit dem Rabbiner aus Preßburg geleitet. Wie viel Gutes das Judenthum wieder davon zu hoffen hat, erräth traurig jeder Leser dieser Blätter. C h e ß e d. Von dev Theiß, 15. Dezember. Schon die bisher veröffentlichten fünf Petitionen — Dank dem einsichtsvollen ״B. CH.", welcher un« diese Assa fötida nnr in kleinen Gaben verschreibt, — lassen erkennen, daß diese Gesuche alle nach einer Schablone zugeschnirten find, daß aus allen der Pferdefuß hervorlugt, daß sie alle Kinder eines Vaters, dasselbe nur mit Geifer und Eifer wiederkauend, das Judenthum anspeien und gleich Bänkelsängern Variationen aus dem Elhoadorim näselnd fingen. Man kann es den Bittstellern verzeihen, daß sie gebildete, ehren- Haft anerkannte, und von der hohen Regierung mit ihrem Vertrauen beehrte jRabbinen verunglimpfen und verlästern, daß sie überhaupt, was ihnen nicht huldiget, an ihre Heiligkeit nicht glaubt, für ihre zelotische Anschauung nicht schwärmet und ihre Scheinfrömmigseit nicht.nachahmt, mit Schimpf und Koth bewerfen; — man kann es ihnen auch verzeihen, daß sie sogar die Rolle der Angeber übernehmen, und dir Bildung der Jrreligiösität, die Aufklärung der Abtrünnigkeit gleichstellend. Jeden, der nicht an die Wunderkraft der Csengerer Amulette glaubt, und nicht der alleinseligmachenden Orthodoxie opfert, sogar der Sittenlosigkeit und der Illoyalität zeihen; —י auch die aufgeblasene Großsprecherei kann man ihnen verzeihen, wenn sie behaupten, daß sie nach wie vor in geistiger Bildung mit der Christeuwelt auf gleicher Stufe stehen; — ja sogar ihre Großmuth könnte man ihnen verzeihen, indem sie den Schulfond der Regierung zum Geschenke machen; — als ob Sebes, P. Neudorf und ähnliche Gemeinden gar so viel dazu beigetragen, und als ob sie überhaupt gar ein Recht zu schenken hätten! — ״Aber so ist" — sagt Saladin im ״Nathan der Weise" — ״so ist der Jude, wenn er nur immer schenken kann!" Aber unverzeihlich bleibt es für jene Rabbinen und Gemeinden, welche in eben demselben Gesuche, wo sie ״mit den christlichen Mitbürgern in der Bildung gleichen Schritt halten wollen, ihrenWunsch aussprechen, daß die Ueberwachung des Volksschnlunterrichtes keinen andern Händen, als der christlichen Geistlichkeit in Mitwirkung der unrern politischen Behörde anvertraut werde!" — Was solle» dann die Eisenmenger und Brunner tL Komp. sagen, wenn jüdische Schulen christlichen Geistlichen anvertraut werden müssen, um daselbst glaubens-

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