Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1081 1082 1710, als der berühmte Primator Samuel Sachse! auS Prag in Wien gefangen wurde, sehr verwendet.'^) Nach dem Tode Samuel Oppenheims :tat Jahre 1721 hörte die Duldung für seine Frau auf, und sie mußte von Wien abziehen.1S) (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Ausland. Kopenhagen, 6. Dezember. Bei der vor welligen Tagen stattgehabten Anwesenheit unseres Königs Christian IX. in Aalborg (Jütland) wurde zweien Israeliten, nämlich dem Rathsherrn A. Raffel und dem Vizepräsidenten der Bürgerrepräsentantfchaft S. Hartwigson die hohe Auszeichnung zu Theil, in Anerkennung ihrer Verdienste um die dortige Stadtkommune aus den Händen des Monarchen die Insignien als Ritter des Danebrogordens zu empfangen. Auf Einladung des GemeindevorsteherS stattete der König während seines kurzen Aufenthaltes in Begleitung des Kronprinzen und seines ganzen Gefolges der dortigen Synagoge einen Besuch ab, wo er von dem Religionslehrer der Gemeinde, Herrn Mielziner, mit' nachstehender Ansprache in dänischer Sprache begrüßt wurde. ״Gepriesen sei der Ewige, unser Gott , König der Welt, der einen Abglanz seiner Majestät den Fürsten der Erde verliehen!" Mit diesem Segensspruchc, welcher nach alter jüdischer Sitte und Vorschrift beim Anblick eines gekrönten Fürsten ausgesprochen wird, erlaube ich mir im Namen der hiesigen jüdischen Glaubensgemeinde Euer Majestät hier in diesem Hause zu begrüßen. ״Gesegnet, wer da kommt im Namen Gottes, wir segnen Euch aus dem Hause Gottes." — Wie es nach den kummervollen Tagen, von welchen unser theureS Vaterland nach Gottes umrforschlichrm Willen heiwgesucht worden, unserer ganzen Stadt zum Trost und zur großen Freude gereicht, den geliebten König und Landesvater in unserer Mitte zu sehen, so ist es für vie hiesige jüdische Gemeinde eine ganz besondere Freude und Genugthuung, daß Eure Majestät diese unsere Andachtstätte mit Ihrer hohen Gegenwart beehrt haben, und in tiefer Unterthänigkeit dankt diese Gemeinde für die große Hnld, die ihr durch diesen Bestich zn Theil geworden. Er aber, zu dessen Ehre und Anbetung dieses Haus geweiht ist, Er, zu dem unsere innigste» Gebete so oft von dieser heiligen Stätte für unfern theuern König und für das königliche Haus emporsteigen. Er beschirme, bewahre und segne Eure Majestät." Nach Beendigung' dieser Ansprache reichte der König dem ge- «annten Religionslehrer die Hand, und dankte ihm in herzlichen Worten. M. Kopenhagen, im Dezember. Auf einer unlängst gemachten Reise nach Deutschland, wo ich genöthigt war. in Stettin über שבת zu verweilen, hatte ich nicht nur Gelegenheit, in dem zeitigen Rabbiner der dortigen Gemeinde, Herrn Dr. A. Treuenfels, einen gelehrten und liebenswürdigen Theologen und einen vorzüglichen Redner kennen zu lernen, sondern auch von zwei dort befindlichen hebräischen Buchdruckereien Kenntniß zu nehmen, von deren Existenz ich bisher kaum eine Ahuung hatte. Es sind dies die Offizinen des Herrn G. Schrentzel und des Herrn R. Graß mann. Beide liefern in ungeheuer starken Auslagen und zu einem enorm billigen Preise Ausgaben älterer hebräischer Schriften, die zunächst für Rußland und Polen bestimmt find, aber 1a) מגולח שמואל» eine Familien-Megillah, handschriftlich in unserer Bibliothek in 4. '*) Die vaterländischen Blätter. auch anderweitig sich durch schöntn Druck und Vreisbistigkeit empfehlen. Aus der erst seit fünf Jahren bestehenden Offizin des Erstgenannten find bis jetzt erschienen: Burtorf's Konkordanz in Quart mit deutscher Uebersetzung der Wortstämme, besorgt von Dr. Bär; ferner-eine splendide Angabe des מח״ש (״בת in Folio mit den Kommentaren: תשו מ״ב, ידי משה ,דאן ,מדר״ןא וים״ח. eine Lktavausgabe des מדרש חנחומא mit den Kommentaren עץ י1סף וענף! ווסת, außer, dem שלהן ערוך עסב״ה;ים של שלמה; und noch viele andere Schriften, namentlich verschiedene Ausgaben des Pentateuchs nnd von Gebetbüchern. Von den aus der noch jüngeren Offizin des Herrn Graßmann bis jetzt hervorgegangenen Schriften nenne ich besonders zwei erstaunlich billige Ausgaben der Mischna, die eine mit תוספות יו״ט, die andere mit ׳עיקר ת' יו״ט ferner ש״ע באר היטב und eine billige schöne Ausgabe des Talmud in kleinem Format, wovon erst einige Theile fertig find. Eine Ausgabe des großen ש״ע mit allen Kommentaren in 8 Foliobänden befindet sich unter der Presse. Anßerdem beabfichtigt Herr Graßmann die מקראות גרומות mit asten Kommentaren der großen Amsterdamer Ausgabe und vielen andern Kommentaren in schöner Quart-Ausgabe zu billigem Preise zu ediren , zu deren Snbskription er einladet. Inland. y. Wien, 15. Dezember. Es ist ein etgenthümlicher Ort das Wien , eine Stadt, die der Begebenheiten so viele hat , -um müßige Kaffeehausschwätzer und denkende Stubenfitzer zu beschäftigen, wo Ereignisse auf dem Gebiete der Politik, der Künste und Literatur täglich abwechseln und sich erneuern, wo das Allgemeine einen so hervorragenden Platz auf dem Felde der Interessen einnimmt, und auch das Spezieste seinen freien Spielraum hat! Sie errathen wol, daß ich hier einen speziellen jüdischen Fall, wenn auch einen allgemein und allenthalben diskutirten vor Augen habe. Ich meine die Talmudangelegenheit, die so viel in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung von fich reden macht, und es bei der sprichwörtlichen Neugierde Wiens dahin kam, daß neulich eine christliche Dame zu einem hiesigen Buchhändler ihr Stubenmädchen schickte , er möchte ihr den ersten Band vom Talmud schicken. — Dr. Brunner würde gewiß nicht so weit gegangen sein, wenn er gewußt hätte, daß er eben die Veranlassung wird, welche die Talmud-Diskussion über sein eigenes Haupt herausbeschwören werde. Doch Jedem Gerechtigkeit. Herr Dr. Seb. Brunner hat einen Theil an dem Verdienste, daß in Wien wenigstens in einem Punkte eine Einigung zu Stande kam. Ich meine nämlich in dem durch die religiösen Vertreter Wiens an die Behörde abgegebenen Gutachten, betreffend die Canonizität des Talmuds. Das bezügliche Elaborat wurde vom Prediger Dr. Jellinek auögearbeitet und von den übrigen Seelsorgern aller hiefigen jüdischen Parteien, die Orthodoren mitgerechnet, bis auf Herrn Mannheimer, der aus Altersschwäche fich jeder Aeußernng enthielt, in einer Berathung einstimmung genehmigt und mitunterzeichnet. Es ist nun Thatsache, daß trotzdem die Orthodoren mit den Neologrn in Bezug der Seminarfrage nichts weniger, als einig find, und wie es scheint, die Orthodoren Wiens und Ungarns in dieser Beziehung Hand in Hand gehen, sie in Bezug auf den Werth des Talmud - Studiums den Reformern (8io) beigestimmt haben. Man war auch hier nicht wenig überrascht, als man von dem Petitionssturm der orthodoren Rabbiner Ungarns gegen das Seminar aus dem ״Ben Chan an ja" Kunde erhielt. Wie man fich erzählt, sollen die betreffenden Veröffentlichungen des ״B. CH." der genannten Rabbitten manches nicht eben angenehme Staunen bereitet haben. Jemand will hier einen Schauspieler, dessen Mimik und Geberdenspiel zur Berühmtheit geworden, gefragt haben, ob er denn im Stande fei, das Grficht eines orthodoren Rabbinen in dem Momente, wo er seine geheim-