Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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sowol in der Richtung, die meine orientalischen Studien nach den Rathschlägen des seligen Sylvester de 'Sacy, E. QuatnemSre, Eug. Burnouf und A. DeSgrangeS, die nacheinander im Laufe von zwei Jahren von den Herren. Rainaud sel. Jouanin und Joubert ersetzt wurden, nehmen sollten; als auch in Betreff der Thätigkett, welche ich in den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu entwickeln beabsichtigte. Diese war zu jener Zeit weit entfernt, von dem, waS sie seitdem geworden ist, sowol rücksichtlich der Seelenzahl der Bevölkerung, die sich von 6000 auf 30,000 vermehrte, als auch rücksichtlich der politischen und sozialen Lage unserer GlaubeNSgenoffen, wie nicht minder rücksichtlich der Institutionen, welche den Kultus, den Unterricht und die Wohlthätigkeit betreffen. Da ich von Wien kam, deffen jüdische Gemeinde durch die Feier ihres Kultus zu einer Art von Muster für die übrigen Gemeinden geworden war, wurde ich Peinlich berührt, als ich in die Synagoge trat, welche sich in einer andern Gestalt auf demselben Platze, rue Notre;Dame de Nazareth, befand, wo der Tempel gegenwärtig steht. Keine Ordnung, kein geregelter Gesang, keine Predigt. Der sel. Großrabbiner Marchand Enneri, einer der achtbarsten Menschen, aber schon kränklich, las zwei oder dreimal des Jahres an den großen Festen aus einem Papiere einige gut geschriebene und sehr gut gedachte Worte, die Niemand verstand. Dem Herrn'Deutz, Großrabbinen des Zentralkonsistoriumö, der mit einem großen talmudischen Wissen einen feine» Verstand und das Verlangen verband, Alles zu lesen, was Männer wie Rappoport, Zunz und Andere erscheinen ließen, wurde der größere Theil der Gemeinde durch Familienunglück, welches er weder verhindern , noch vorhersehen konnte , entfremdet. Dieser gelehrte Alte lebte sowol zu Hause, als auch in der Synagoge, ganz isolirt. Ich besuchte ihn von Zeit zu Zeit, da ich mich mit ihm, indem er aus Coblenz gebürtig war, leicht in deutscher Sprache unterhalten konnte; denn hierin fand ich im Anfänge meines Aufenthaltes die meisten Schwierigkeiten. Da ich mich der Gemeinde und überhaupt meinen Glaubensgenoffen nützlich Mächen wollte, erbot ich mich dem Pariser Konsistorium, vom Monat August 1836 an im TeMpel zu predigen und den Religionsunterricht in der Knabenschule, die zu jener Zeit 'schön unter der Leitung deS ehrenwerthen Tröves in dem gegenwärtigen Saale des Komitä nie Vertbois 18 bestand, und an der Mädchenschule, die sich unter der eifrigen Leitung der Madame Meyermer, rue de la croix befand, zu übernehmen. Ich war jedoch gezwungen, hinzuzufügen, daß ich mich sehr oft der deutschen Spräche zu bedienen genöthigt sehen werde, indem ich' der französischen Sprache nicht genstgechd mächtig bin. ES verstand sich von selbst, daß meine Dienst^ Mntgeltlich sein würden. Das Konsistorium be- ''dauert^Wjn^Nnttbleten nicht'annehmen zu können, indem zu Folge,rineS siküheren Konsistorial-BeschluffeS im Tempel nur französisch gepredigt werden dürfte. Eine periodische Schrift unter demMtel ״Da regeneratioa“ erschien damals unter der Redaktion deS jetzigen Redakteurs deS ״Uoivers Israölite“ in deutscher und französischer Sprache. Ich versuchte mich mit einer kleinen Arbeit wider die Dettrea Zarphati'quea, die zu jener Zeit ein gewisses Aufsehen machten. Der Verfasser, ein gelehrter Mathematiker, der sel. M. Terquem, wollte auf diese Weise eine Veränderung in dem geistigen und literärischen Zustande unserer Glaubensgenossen Hervorbringen. Aber weder die Lebensweise, die er führte, noch seine Art zu schreiben, war geeignet, ihm Anhänger zu verschaffen. Später lernte ich diesen würdigen und Unglücklichen Alten kennen, der im Grunde ein ausgezeichneter Mann war, und der mit genügend soliden Kenntnissen, die er sich in der Epoche Mendelsohns erworben hatte, ein tiefes Wissen in k den eracten Wissenschaften vereinigte, wodurch es ihm gelang, sich, nachdem er zur Zeit des ersten Kaiserreiches üin Mainz Professor gewesen war, als Aufseher eines Artillerie-Depots unter den Offizieren dieser Waffe ein gewisseö Ansehen zu verschaffen. Die Bekanntschaft mit Munk gewährte mir jedoch eine ernsthaftere und dauerhaftere Erholung. Dreißig Jahre sind seitdem verflossen, und wie du weißt, mein lieber Sohn, konnte nichts diese zarte Freundschaft verändern oder unterbrechen, welche, auf eine gegenfettigen Zuneigung begründet, bestrebt war, sich dem wahrhaften Fortschritte .sowol im Innern der Gemeinde, als auch der Wissenschaft des Judenthums im'Allgemeinen nützlich zu erweisen. Aber bevor ich weiter gehe, mein Sohn, will ich in diesen Blättern die Hauptdokumente über die Gründung einer jüdischen Gemeinde in Paris mittheilen. — Das Ar- .chiv des Konsistorinms und des Wohlthätigkeits-Komitä's ent- .halten wenig Spuren dieser ersten Gründung, welche in ihren ersten Anfängen sehr schwach war. Aber ich habe das .Glück:.gehabt, einige alte Männer.fragen zu können, deren Erinnerung sich bis zu jener'Zeit erstreckte, und indem ich diese Einzelnheiten znsammenstelle, wird es mir vielleicht möglich sein, Dir und Deinen Zeitgenossen ein ziemlich treues Gemälde des Ursprunges der jüdischen Gemeinde hinzustellen, welche ׳sich gegen die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts unter der Regierung.Ludwig des,XVI. in Paris zu bilden anfing. Nach der Vertreibung der Juden unter Philipp dem Schönen und seinen Nachfolgern, gab eS immer einige mehr oder weniger reiche Juden, die auf eine kürzere oder längere Zeit die!Erlaubnis erhielten, sich in Paris, aufzuhalten, aber, weder eine Gemeinde zu bilden, noch ein bestimmtes .Betlokal zu besitzen, wurde ihnen gestattet. Man führte es als ein bemerkenSwerthes Beispiel an, daß unter der Regierung Ludwigs XIV. der Aufenthalt dem reichen Financiers Sam. Bernaud erlaubt wurde, der am Place