Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 50 (14.12.1864)
- Date
- 1864-12-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zum ״Ben Chananja" Nr. 50 rrgistrirt zu werden." Dir Frage ist nur, was scheint dem Herrn Präses unbedeutend und welche! Thatsachen find ihm erst der Mühe werth, zu registriren? — Der Herr Präses legt das Geständniß ab, ״daß ein Feuer der Zwietracht in der Gemeinde lodere," sollte eine ehrsame Kultusvorstehung bei nur etwas gutem Willen und aufrichtiger Friedensliebe das Feuer nicht löschen können? Wol hat ec den Termin fest, gesetzt, am 1. April wird mit den Zugvögeln auch der Messias des Friedens erscheinen, bei dem Abzüge des Rabbiner» wird der Friede seinen Einzug halten. Wenn es nur keine falsche Profetie', kein falsches Gesicht wäre. wenn der Herr Präses sich nur nicht einer GeflchtStäuschung hingibt; er glaubt vielleicht, das in Körmend brennende Feuer wie jedes andere genau zu berechnen, wann es sich verzehren muß, und vergißt, daß das dortige Feuer von besonderer Eigenthümlichkeit ist, während jedes Feuer Licht und Schein zur Folge hat, ist dort erst in Folge des Lichtscheines daS Feuer erst recht im Aufflammen. Bei dem letzten Ereigniß ״von unbedeutender Art" weiß doch Zeder, hatte der Rabbiner krine Hand im Spiele und doch gab es ein Ereigniß, gab es ein frivoles Spiel mit dem Lehrer, dem Erzieher der Zugend und in der Synagoge, der heiligsten Stätte des Zuden. Wir wollen dem Herrn Präses das Zeugniß geben. daß er wahr gesprochen, daß der .Korrespondent aus St. a. nicht recht unterrichtet war, daß es sich gar nicht um eine Gehaltserhöhung handelte, deshalb war aber jener Bericht noch kein ״erdichteter und erlogener"; denn die Thatsache steht fest : jener Lehrer ist auf Ansuchen des Herrn Präses in Haft genommen worden, nicht weil er um Gehaltserhöhung eingekommen, sondern in Folge, weil er von der Gemeinde, ״der ihre Schule theuer ist", seinen rückständigen Gehalt ernstlich forderte. Kann der Herr Präses es leugnen, daß dem Lehrer erst gekündigt wurde, weil er auf Anrathen des würdigen Direk-- torS Herrn L. zwei Tage die Schule nicht besuchte, um eher seinen Gehalt auSgezahlt zu bekommen? Kann der Herr Präses eS in Abrede stellen, daß er oder Andere auf sein Geheiß den Lehrer als wahnsinnig dem Stuhlrichter bezeichneten, in Folge dessen er auch einer ärztlichen Untersuchung unterzogen wurde? Zst eS erdichtet, daß der Herr Präses dem Herrn Stern die Ehre des SchofarblasenS entziehen wollte, weil er am Rüsttage des Neujahres in der Synagoge den Lehrer vor thätlicher Beleidigung schützen wollte? Zst eS wirklich erlogen. daß der Parteihaß gegen den Lehrer am heiligen Hoschana Rabba einen solchen stürmischen Austritt in der Synagoge hervorgerufen, daß Frauen brennende Kerzen herunterwarfen, eine sogar den greisen RabbinalSaffeffor traf und die Hälfte der Versammlung lieber die Synagoge verließ? Männer aus Rechnitz und Csakaturu waren ja auch Augenzeugen dieses traurigen Auftrittes. Die Bloslegung dieser keineswegs schönen Szenen geschieht aber durchaus nicht im Sinne zu kompromittiren, wahrlich nicht. Eine Nebereilung kann sich jede Partei leicht zu Schuldet» kommen lassen, die Folgen werden im Augenblicke der Aufregung nicht berechnet, doch das Rechtlichkeitsgefühl muß dann wieder die Oberhand gewinnen, die Ueberleguug darf nicht auSbleiben und die Ehre und Würde der Gemeinde Allen wirklich am Herzen liegen und der Friede ist bald wieder hergestellt. Deshalb wollen wir auch nachstehendes Wort sämmtlichen Gemeindegliedern KörmendS zur Beachtung und unparteiischen Beurtheilung darlegen. (Schluß folgt.) ’ Die Sabbathgeselllchast. n. (Schluß.*) Auch dieses Quarlhrsi enthält Predigten: רר1ש מטה 5מ11לי Von Na fthali Sofer, Rabbiner in Karlsburg. Preßburg, Siebers Erben. *) S. vorige Nummer. 10 Bl. Predigten in hebräischer Sprache gehören׳ heutzutage gewiß zu den Raritäten Sie dürfen aber nicht glauben, daß diese Predigten wirklich in hebräischer Sprache gehalten wurden. Der Redner hielt sie in der Sprache, welche nach der Theorie seines Gesinnungsgenossen in Szikßü die halbe Nationalfprache Israels ist!! Bei den pseudoorthodoren literärischen Erscheinungen, welche heutzutage zu Markte gebracht werden, thut eS dem uubefangenen Leser ordentlich wohl, wieder einmal die Stimme der echten und rechten Orthodorie zu vernehmen. Gleich auf der ersten Seite wird von R. Moses Sofer folgende Erklärung von 3 M. 21, 1. angeführt: ><״לנסש ל יטמא בעמיו" Wegen Einer Person, deren Verfolgung dieselbe uns ganz und gar entfremde« könnte, dürfen wir nicht die ganze Gemeinde verunreinigt werden lassen. Um diese zu schützen, muß den Einzelnen, der eS verschuldet, die gebührliche Verfolgung treffen!" Die Rabbinen theilt der Redner in drei Klaffen: in solche, welche ihre Söhne der Medizin widmen; in solche, welche dieselben zum Studium des Talmuds und anderer Wissenschaften anleiten; und endlich in die vollkommen Frommen, welche ihre Söhne von diesen Wissenschaften fernhalten, weil sie zu Gott hoffen, daß eine Zeit kommen wird, wo die Gemeinden wieder bereit sein werden, auf die weitliche Bildung ihrer Rabbinen zu verzichten. Sehr richtig sagt der Redner S. 9.: ״In früheren Zeiten war es unerhört, daß sich die Züngec der Talmudschulen mit Wissenschaften und Sprachen beschäftigt hätten. Höchstens fludirte, wer Rabbiner werden wollte, neben dem Talmud auch den Schulchan Aruch und haggadische Werke. Das Wesentliche der Drrascha war der Pilpul; die Haggada war Nebensache, um dem Volke den rechten Weg zu zeigen, 1»nd dasselbe vom Bösen zurückzuhalten. Daher waren die großen Rabbinate von großen Talmudisten besetzt. Zetzt hat sich aber die Landplage verbreitet, daß die Gemeinden Predigten in den Sprachen der Völker hören wollen, dadurch kommen Füchse an die Stelle der großen Rabbinen! Da es leider auch fromme Männer gibt, welche in den Sprachen der Völker predigen, ist das Nebel um so gefährlicher, so daß demselben mit allem Nachdrucke begeguet werden muß." Kurze literSrische Nachrichten. 38. Kot Hamoed (קול המועד)• Homiletische Betrachtungen über die Hafthoras für di« jüdischen Festtage von Dr. Ad. Ghrentheil, Rabbiner in Horic (Böhmen). Prag. Gottlieb Schmolkeö. Die Literatur der jüdischen Homiletik ist heutzutage nicht mehr arm; an allen Orten, und Enden herrscht eine gewisse Rührigkeit. Groß und Klein strebt sein Scherflein zur Bereicherung dieser Literatur beizutragen — sein Licht leuchten zu lassen. Natürlich gibt eS auch hier so wie überall neben sehr Gutem auch minder Gutes. Zu den interessantesten und werthvollken Erscheinungen auf diesem Gebiete gehört ganz gewiß daS von der Kritik in verschiedenen Fachblättern sehr voetheilhast besprochene homiletische Werk des Herrn Dr. Ehrentheil, betitelt: ״Der AhronSstab." Als Anhang zu demselben erschien von demselben Verfasser das ״Kol Hamoed", gewidmet Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Adolf Zellinek. Dem Schreiber dieses als Laien steht es nicht zu, die ErbauungS- ׳ reden, welche das Buch enthält, kritisch zu beleuchten, nur so viel erlaubt er sich zu sagen, daß er durch den Eindruck, welchen die Lesung derselben^ auf ihn gemacht, den Titel vollkommen gerechtfertigt und die Schrift als eine geistige Lektüre für Fest- und Feiertage recht paffend findet.